Allersberg-Express

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Ein Zug des Allersberg-Express erreicht den Bahnhof Allersberg (Rothsee)

Der Allersberg-Express (im VGN auch als R9 Express bezeichnet) ist die Bezeichnung einer zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und dem Bahnhof Allersberg (Rothsee) verkehrenden Regionalbahn. Der Betrieb wurde zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 aufgenommen.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die 140 km/h schnellen Züge verkehren zwischen Nürnberg und Allersberg ohne Halt im Shuttleverkehr über die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt. Die Fahrzeit auf der 25 km langen Strecke liegt dabei bei 15 in Richtung Allersberg und bei 14 Minuten in Richtung Nürnberg (Stand: Jahresfahrplan 2012). Am Bahnhof des 8000 Einwohner zählenden Marktes Allersberg wurde ein Park-and-ride-Parkplatz mit 286 Pkw- sowie 112 Fahrradstellplätzen errichtet. Darüber hinaus verbinden sieben Buslinien die Station mit dem Umland.

Die Züge verkehren ab Allersberg werktags zur Minute vier zwischen 5 und 0 Uhr stündlich, mit Taktlücken um 11, 12, 14 und 23 Uhr. Ab Nürnberg Hauptbahnhof verkehren die Regionalbahnen zur Minute 40 zwischen 4 Uhr und 23 Uhr, mit Taktlücken um 10, 11, 13 und 22 Uhr. Zusammen mit den in Allersberg ebenfalls haltenden Zügen des München-Nürnberg-Expresses wird zwischen 5 und 8 Uhr dabei werktags ein Halbstundentakt zwischen Allersberg und Nürnberg hergestellt. Bis Mitternacht besteht somit ein Stundentakt mit einzelnen Schwächungen.

Am Wochenende ist das Verkehrsangebot mit fünf Zugpaaren stark eingeschränkt. Züge verkehren ab Nürnberg Hauptbahnhof um 10:40, 11:40, 16:40, 18:40 und – samstags – 23:40 Uhr (ab Allersberg entsprechend 30 Minuten später); sonntags verkehrt der Zug ab Nürnberg bereits um 16:36 Uhr. Dadurch ergeben sich, in Verbindung mit dem München-Nürnberg-Express, Taktzeiten zwischen einer halben und zwei Stunden. Im Sommer 2007 verkehrten für zwei Monate zwei zusätzliche Zugpaare.

Die Züge verkehren ab Nürnberg Hauptbahnhof zumeist von Gleis 5 oder 14. In Allersberg verkehren die Züge stets vom östlich gelegenen Bahnsteig 1. Aus Richtung Nürnberg wechseln die Züge dazu auf einem Gleiswechsel im Nordkopf des Bahnhofs auf das östliche Streckengleis.

Fahrzeugmaterial[Bearbeiten]

Schriftzug auf den bis Dezember 2013 eingesetzten Wagen des Allersberg-Express
Abfahrbereiter Allersberg-Express in Nürnberg Hbf. (2. Juli 2014)

Die Züge wurden von 2006 bis Dezember 2013 aus einer Elektrolokomotive der Baureihe 111 und drei modernisierten n-Wagen (Gattung Bnrdz, Baureihe 451.9) gebildet, darunter ein Steuerwagen (Gattung Bnrbdzf, Baureihe 480.3). Zur Betriebsaufnahme kamen zwei Lokomotiven der Baureihe 112 zum Einsatz („Sandwich“). Die Personenwagen verfügen über ein elektronisches Fahrgastinformationssystem und per Knopfdruck öffnende Außentüren. Die Innentüren der Fahrzeuge wurden teilweise per Knopfdruck, teilweise durch leichtes Anschieben automatisch geöffnet. Laut Bahnangaben standen 240 Sitzplätze (ausschließlich zweite Klasse) sowie 34 Fahrrad-Abstellplätze zur Verfügung.

Der letzte Umlauf des Tages wurde mit einer Sechs-Wagen-Garnitur des München-Nürnberg-Express und einer fahrplanmäßigen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h gefahren. Diese Fahrt wird mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 eingestellt und die Zehn-Wagen-Garnitur aufgelöst[1].

Aufgrund der erheblichen Belastungen des Begegnungsverkehrs mit schnell fahrenden Hochgeschwindigkeitszügen mussten die Wagen bislang alle zwei Jahre ausgetauscht werden.[1]

Seit 15. Dezember 2013 wurden die Züge mit IC-Wagen (Mittelwagen der Bauart Bpmz und Steuerwagen der Bauart Bpmbdzf) aus dem München-Nürnberg-Express gefahren, die verkehrsrot lackiert sind.

Ab Juli 2014 wurde der Steuerwagen gegen eine Lokomotive der DB-Baureihe 101 der Bereiches Fernverkehr getauscht, so dass der Zug nunmehr in der Reihung Lokomotive der Baureihe 101 + Bpmz + Bpmz + Bpmz + Lokomotive der Baureihe 101 verkehrt.

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Die Garnituren verkehren, soweit möglich, LZB-geführt. Technisch bedingt ist dabei, nach dem Fahrtrichtungswechsel in Allersberg, in Fahrtrichtung Nürnberg eine Aufnahme in die LZB erst nördlich des Bahnhofs Allersberg (am Bereichskennzeichnungswechsel Streckenkilometer 23,6) möglich. Zuvor muss der Bahnhof signalgeführt verlassen werden. Bevor das Signal am Bahnsteig in Allersberg jedoch auf Fahrt (grün) springen kann, muss der gesamte, rund 15 Kilometer lange Abschnitt, bis zum nächsten Lichtsignal (am Abzweig Nürnberg Reichswald) frei von Zügen sein. Bei einer Überholung durch einen ICE vergehen somit mindestens vier Minuten, bevor eine Abfahrt möglich ist.
  • Der bis zu 140 km/h schnelle Allersberg-Express war bis zur Umstellung des Wagenmaterials im Dezember 2013 der einzige nicht druckdichte Regionalzug, der planmäßig bis zu 300 km/h schnell fahrenden ICE-Zügen auf freier Strecke begegnete. Er ist einer von wenigen Regionalzügen, der planmäßig auf einer Neubaustrecke des Hochgeschwindigkeitsverkehrs verkehrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Planungsstand von 1992 waren 16 Regionalschnellbahnzüge (RSB) zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Ingolstadt Hauptbahnhof vorgesehen. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h sollte eine Reisezeit von 49 Minuten zwischen Nürnberg und Ingolstadt Hauptbahnhof bzw. von 13 Minuten zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Allersberg erreicht werden.[2]

Der zu Grunde liegende Verkehrsvertrag wurde am 18. Oktober 2005 von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft an DB Regio vergeben. Zunächst war dabei ein stündlicher Verkehr zwischen Montag und Freitag vorgesehen. Über eine Laufzeit von sieben Jahren soll, in Verbindung mit dem München-Nürnberg-Express, eine Leistung von 1,7 Millionen Zugkilometern pro Jahr erbracht werden. Nach damaligen Planungen war anschließend eine Vergabe für zehn Jahre vorgesehen.[3]

In einer Vorinformation gab die Bayerische Eisenbahngesellschaft am 1. März 2012 ihre Absicht bekannt, den Betrieb des München-Nürnberg- und des Allersberg-Express für den Zeitraum zwischen 15. Dezember 2013 und 12. Dezember 2015 freihändig an DB Regio zu vergeben. Optional ist die Verlängerung um ein weiteres Jahr vorgesehen. Dabei sollen, entgegen der bisherigen Praxis, die Fahrzeugumläufe der beiden Angebote miteinander verknüpft und damit auch auf dem Allersberg-Express die Garnituren des München-Nürnberg-Express eingesetzt werden. Vorgesehen ist zur Hauptverkehrszeit ein Stundentakt in der Nebenverkehrszeit ein Zwei-Stunden-Takt mit abwechselnden Taktzeiten.[4]

Nach einer europaweiten Ausschreibung wurde am 22. November 2013 der Regionalverkehr auf der Neubaustrecke für den Zeitraum vom 15. Dezember 2013 bis 10. Dezember 2016 an DB Regio vergeben. Insgesamt sollen rund 1,6 Millionen Zugkilometer pro Jahr erbracht werden.[5]

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 wurde die bisherige Garnitur aufgegeben und durch eine Garnitur mit ehemaligen Intercity-Wagen (Mittelwagen der Gattung Bpmz und Steuerwagen der Gattung Bpmbdzf) ersetzt. Am Wochenende wird diese Garnitur verlängert und bis Ingolstadt oder München verkehren, um dem wachsenden Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen. Gleichzeitig fahren außerhalb der Berufsverkehrszeit weniger Züge zwischen Nürnberg und Allersberg. Im morgendlichen Berufsverkehr wird etwa alle 40 Minuten eine Verbindung angeboten.[1]

Ausblick[Bearbeiten]

Die Linie soll ab 2017 in das System der S-Bahn Nürnberg als fünfte Linie integriert werden. Dazu soll ab Mitte 2013 eine Ausschreibung für einen zwölfjährigen Verkehrsvertrag erfolgen, in dessen Rahmen jährlich sieben Millionen Zugkilometer erbracht werden sollen.[6] Die Fahrplanlage soll voraussichtlich weitgehend unverändert bleiben und neue Fahrzeuge auf der Linie eingesetzt werden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft verzichtete nach eigenen Angaben aus Kostengründen darauf, das neue Angebot zusammen mit dem München-Nürnberg-Express auszuschreiben. Eine Verlängerung, beispielsweise nach Ansbach, werde geprüft.[7] Anfang Februar 2014 kündigte das Bayerische Verkehrsministerium an, die Inbetriebnahme des S-Bahn-Netzes um ein Jahr, auf Dezember 2018 zu verschieben.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Neues Konzept für München – Nürnberg-Express ab Dezember. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 8-9, 2013, ISSN 1421-2811, S. 426.
  2. Deutsche Bundesbahn, Projektgruppe NBS Nürnberg der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Neubau-/Ausbaustrecke Nürnberg - München: NBS Nürnberg - Ingolstadt. Planfeststellung Bau-km 5,900 - 13,630. Anlage 0.1. Erläuterungsbericht. Nürnberg, April 1992, S. 43.
  3. Meldung Erfolge für DB Regio und Länderbahn in Bayern. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2005, S. 555.
  4. D-München: Öffentlicher Schienentransport/öffentliche Schienenbeförderung. Dokument 2012/S 42-068576 vom 1. März 2012 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  5. Deutschland-München: Öffentlicher Schienentransport/öffentliche Schienenbeförderung. Dokument 2013/S 249-436960 vom 24. Dezember 2013 im Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  6. Bayern: Allersberg-Express wird ins S-Bahnetz Nürnberg integriert. eurailpress.de-Meldung vom 9. Juli 2012.
  7. Rainer Messingschlager: Mit der S-Bahn an den Rothsee. donaukurier.de, 30. August 2012.
  8. Bayerisches Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr (Hrsg.): Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann zum Wettbewerbsprojekt S-Bahn Nürnberg: "Inbetriebnahme wird um ein Jahr verschoben". Presseinformation vom 3. Februar 2014.