Schlacht im Hürtgenwald

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Die Schlacht im Hürtgenwald bezeichnet eine Reihe von drei Abwehrschlachten der Wehrmacht gegen die angreifende US Army im Gebiet der Nordeifel gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Kämpfe um den Hürtgenwald zählen zu den schwersten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges überhaupt. Einzelne Aspekte wurden unter anderem von Heinrich Böll und Kurt Vonnegut literarisch verarbeitet.

In der amerikanischen Erinnerungskultur spielt diese Schlacht, an der auch Ernest Hemingway und Jerome D. Salinger teilnahmen, eine wesentliche Rolle. Sie gilt nach der Einnahme von Aachen als erste größere Feldschlacht der Amerikaner auf deutschem Boden überhaupt, wurde als längste Schlacht der US Army allgemein bezeichnet und hinsichtlich der Totenzahlen mit der Schlacht von Gettysburg verglichen.

Landschaft[Bearbeiten]

Ort der Schlacht war der Hürtgenwald, ein 140 km² großes Waldplateau nord-östlich der belgisch-deutschen Grenze, südlich der Linie Aachen–Düren und westlich der Rur gelegen. Es besteht aus den Forsten Merode, Wenau, Hürtgen und Roetgen mit dichten Wäldern, unbewaldeten Hügeln, tiefen Taleinschnitten und dünner Besiedlung.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach der Landung in der Normandie am D-Day (6. Juni 1944) kämpften die westlichen Alliierten im Rahmen der Operation Overlord darum, dort eine feste Basis aufzubauen und die Deutschen aus Nordfrankreich zurückzudrängen. Zunächst konnten die Alliierten nur geringe Geländegewinne erzielen. Erst mit der Operation Cobra (auch als „Durchbruch bei Avranches“ bezeichnet; 24. Juli bis zum 4. August 1944) gelang es, die deutschen Stellungen im Westen des Invasionsgebietes zu durchbrechen. Im folgenden motorisierten Bewegungskrieg in Nordfrankreich konnte durch das unerwartet schnelle Vorrücken der alliierten Streitkräfte deren Nachschub schließlich nicht mehr sichergestellt werden und der Vormarsch geriet im Raum Aachen vor dem Westwall ins Stocken. Das gab den Deutschen die Gelegenheit, ihre schwer angeschlagenen Truppen zu reorganisieren und Verteidigungsstellungen zu errichten. (siehe auch: Deutsche Westfront 1944/1945)

Die Alliierten wollten zwischen Aachen und Monschau in einem Waldgebiet bei Hürtgen (heute Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren) durchbrechen und den entlang der Rurfront in der Jülicher Börde stehenden deutschen Verbänden in die Flanke fallen, um ihren Truppen auf dem Weg zum Rhein dort den Stellungskrieg zu ersparen. Des Weiteren fürchtete man im Falle eines schnellen Vorstoßes zum Rhein seinerseits im Flachland die Gefahr von Flankenangriffen aus der Eifel sowie eine Überflutung durch Sprengung der Rurtalsperre. Deshalb versuchte man einen Angriff durch die Bergregion, ohne sich über die Gegebenheiten in diesem unwegsamen Gelände im Klaren zu sein.

Die deutsche Abwehr verfolgte zwei Ziele: um einen befürchteten amerikanischen Durchbruch in der Jülicher Börde zu verzögern und einen Flankenangriff auf die entlang der Rurfront stehenden deutschen Verbände zu verhindern, sollte das Gebiet und der Zugang zur Rurtalsperre wegen der Überflutungsmöglichkeit verteidigt werden. So sollte ein alliierter Durchbruch zum Rhein unterbunden werden. Zudem wurde die Eifel als Aufmarschgebiet für die bereits in Vorbereitung befindliche Ardennenoffensive benötigt und die Region musste deshalb in deutscher Hand bleiben, wollte man nicht die Geheimhaltung aufs Spiel setzen und sich der Gefahr von Flankenangriffen aussetzen. Dazu bot der Hürtgenwald wegen des bergigen Geländes gute Möglichkeiten zur Verteidigung.

Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Am Vormittag des 6. Oktober 1944 begann der Vormarsch der zur 1. US-Armee gehörenden 9. US-Infanteriedivision unter dem Oberbefehl des V. US-Corps gegen die deutsche 275. Infanterie-Division auf der gesamten Breite des Angriffsgeländes. In diesem Waldgebiet gelang es jedoch kaum, Ziele für die alliierte Artillerie und Luftwaffe auszumachen. Größtenteils machte das Gelände den Einsatz schwerer Fahrzeuge unmöglich, weil die wenigen Wege für schwere Fahrzeuge kaum oder gar nicht geeignet waren. Ein weiteres Hindernis für die US-Truppen war die genaue Ortskenntnis der Wehrmacht und deren sorgfältige Vorbereitungen von Feuerplänen und -stellungen für Artillerie, Mörser und MGs. Die Verteidiger waren durch das bergige und waldige Gelände im Vorteil, das die amerikanische Überlegenheit an Kriegsgerät weniger zur Geltung kommen ließ, außerdem standen ihnen die Befestigungen des Westwalls zur Verfügung. Zwar war der in den späten 1930er-Jahren erbaute Westwall vielerorts verfallen und entwaffnet. Dennoch bot das unübersichtliche deutsche Stellungssystem gute Verteidigungsmöglichkeiten und stellte für Angreifer ein schweres Hindernis dar. Das unebene und stark bewaldete Gelände begünstigte Infiltrationstaktiken und erschwerte den Aufbau einer zusammenhängenden Front. Die Amerikaner litten außerdem unter dem Umstand, dass ihre Mörsergruppen Lichtungen zum Aufbau von Feuerstellungen benötigten, die es vielerorts einfach nicht gab; entsprechend fehlte ihren Infanteristen allzu oft die Unterstützung durch Mörser.

Die US-Soldaten waren dazu gezwungen, einen Grabenkrieg zu führen, der für beide Seiten sehr kräftezehrend war. Dabei wirkte sich erschwerend aus, dass die Amerikaner praktisch keine Erfahrung im Gebirgs- und Kleinkrieg besaßen, während die Deutschen durch die Erfahrungen der vergangenen Kriegsjahre damit bestens vertraut waren. Viele ältere Offiziere hatten auch noch Erfahrungen aus dem Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg. Im Wald- und Bergland gab es nur wenig Ansatzpunkte für die Luftwaffe und gepanzerte Fahrzeuge, so dass die Infanterie die Hauptlast der Kämpfe trug. Die Deutschen verwandelten den dichten Wald mit unzähligen Schützenlöchern, Gräben und dem massiven Einsatz von Minen in eine Festung, in den Bäumen versteckte Scharfschützen („Baumschützen“) forderten einen stetigen Blutzoll, und Baumkrepierer (d. h. Artilleriegranaten, die so eingestellt wurden, dass sie in Baumwipfelhöhe detonierten und somit den Boden noch zusätzlich mit Holzsplittern übersäten) erwiesen sich als sehr gefährlich für die ohne ausreichende Deckung vorgehenden Angreifer. Teilweise schoss die deutsche Artillerie mit Granaten, die einen Doppel- oder Zeitzünder besaßen und noch in der Luft detonierten, was die Splitterwirkung im Vergleich zu herkömmlichen Granaten mit Aufschlagzündern um das Anderthalbfache erhöhte. So blieb der Angriff im Wald stecken und die Höhen blieben in deutscher Hand, obwohl die Amerikaner sich den Gegebenheiten recht schnell anpassten. Den Deutschen machten ihrerseits Nachschubschwierigkeiten zu schaffen, die kämpfenden Verbände hatten auf dem Rückzug durch Frankreich schwere Verluste erlitten und Ersatz war kaum verfügbar. Durch den Mangel an Treibstoff und Fahrzeugen musste der Nachschub im unwegsamen Gelände oft mit Trägerkolonnen nach vorn gebracht werden. Nach zehn Tagen schwerer Kämpfe waren beide Seiten so geschwächt, dass die Kampfhandlungen abflauten. Am Ende der erfolglosen Offensive betrug der Geländegewinn der Amerikaner 2,7 km, die Verluste betrugen 4500 Mann; die Deutschen verloren 3200 Mann.

Ein amerikanisches Halbkettenfahrzeug bahnt sich den Weg durch die schlammigen Straßen des Hürtgenwalds

Die Allerseelenschlacht[Bearbeiten]

Am Ende war die 9. US-Division durch die überaus harten Waldgefechte abgekämpft und wurde am 26. Oktober durch die 28. Division ersetzt. Dabei beeinträchtigte der Anblick der schmutzig und abgerissen aussehenden Soldaten der abgelösten Einheit den Kampfgeist der weitgehend unerfahrenen Ersatztruppen. Das US-Oberkommando wollte keine Zeit verlieren und plante einen Angriff auf das Dorf Schmidt, das als Kreuzungspunkt vieler Wege und durch seine Höhenlage im so genannten „Stolberg-Korridor“ strategisch wichtig war. Der Angriffstermin wurde auf den 31. Oktober angesetzt, musste aber wegen schlechten Wetters auf den 2. November verschoben werden. Die 28. Division wurde dabei um zusätzliche Pionier-, Panzer- und Artillerieeinheiten verstärkt, die beim Durchbruch helfen sollten.

Die Deutschen blieben währenddessen nicht untätig und verwandelten das Waldgebiet mit zahlreichen Feldbefestigungen und Minenfeldern wieder in eine Festung. Das deutsche Oberkommando war der Ansicht, dass der amerikanische Stoß auf die Rurtalsperren zielte, um mit deren Kontrolle eine Überflutung des Rurtales zu verhindern, was einen amerikanischen Vorstoß in dieser Gegend aufgehalten hätte. Dies hätte die deutschen Pläne für die bereits in Vorbereitung befindliche Ardennenoffensive gefährdet, ganz abgesehen von der Gefahr eines Flankenangriffs, falls das Bergland in alliierte Hand gefallen wäre, so dass die deutsche Führung der Verteidigung der Talsperren und damit des Hürtgenwaldes hohe Bedeutung beimaß. Die Amerikaner dagegen hatten die Bedeutung der Talsperren noch nicht erkannt und wählten die Angriffsroute wohl hauptsächlich, um zu verhindern, dass ihre weiter nördlich kämpfenden Truppen bei einem Vorstoß auf den Rhein durch Reserven aus dem Hürtgenwald behindert wurden. Das Primärziel war somit das Festhalten des Gegners und das Binden seiner Streitkräfte. Im Bergland waren auf deutscher Seite die 275. Infanterie-Division sowie die 89. Infanterie- und die 12. Volksgrenadier-Division eingesetzt. Die 116. Panzer-Division stand als Reserve bereit. Alle diese Verbände waren allerdings stark dezimiert und weit unter Sollstärke. So war beispielsweise die 275. Infanterie-Division auf etwa 5000 Mann zusammengeschmolzen.

Der US-Angriff begann planmäßig und gelangte trotz schwerer Verluste schon am 3. November über Vossenack bis nach Schmidt und das benachbarte Kommerscheidt. Starkes deutsches Mörser- und Infanteriefeuer konnte im unwegsamen Gelände nicht ausgeschaltet werden, und die vorrückenden Truppen erlitten Verluste durch die ausgedehnten Minenfelder und Baumkrepierer. Von besonderer Bedeutung war dabei der Weg durch die Kallschlucht, die als einzige Nachschubroute von Vossenack nach Schmidt führte. Wegen der schlechten Wege hatten die Angriffsspitzen große Probleme beim Vordringen, insbesondere war es fast unmöglich, Panzer über die schmalen und stark gewundenen Waldwege zu manövrieren. Dieselbe Schwierigkeit behinderte auch die Verteidiger beim Heranführen von Reserven; der Fall von Schmidt konnte nicht verhindert werden. Allerdings sah die deutsche Führung nun die Talsperren bedroht und stellte ausreichende Kräfte für einen Gegenangriff bereit. Die Amerikaner blieben währenddessen unter ständigem Artilleriefeuer, wobei die undurchdringliche und unheimliche Waldlandschaft, die immer noch voller deutscher Scharfschützen und Kampfgruppen steckte, die Kampfmoral der Amerikaner, die sich in den eroberten Ortschaften verschanzten, schwächte.

Die 89. Infanterie-Division der Deutschen führte am 5. November einen Gegenangriff mit Artillerie- und Panzerunterstützung durch die 116. Panzer-Division gegen Schmidt, welcher die Amerikaner nach heftigen Gefechten und unter schweren Verlusten zum Rückzug zwang, der sich streckenweise zur unkontrollierten Flucht auswuchs. Dabei war die Nachschubroute der Amerikaner durch einen gleichzeitigen Angriff auf Vossenack und ständige deutsche Aktivität auf der Route selbst stark bedroht, und es gelang nicht, alle vorgerückten Truppen wieder herauszuziehen. Viele der im Rückzug begriffenen Soldaten fielen oder gerieten in Gefangenschaft. In den folgenden Tagen drängten die angreifenden Deutschen die Amerikaner nach und nach in ihre Ausgangsstellungen zurück, dabei erlitten die US-Truppen schwerste Verluste. Aber auch die Deutschen zahlten einen hohen Preis für die Verteidigung der Talsperren: der Angriff auf Vossenack schlug nicht durch, und erst am 8. November konnten die Deutschen das von den Amerikanern geräumte Dorf teilweise besetzen. Zu diesem Zeitpunkt war die Schlacht weiter hinten allerdings längst geschlagen. Die Verteidigung und Rückeroberung, die unter Aufbietung der Reserven unternommen werden musste, war durch hohe Verluste gekennzeichnet. Die Kämpfe waren von äußerster Härte, und zuweilen machten beide Seiten keine Gefangenen mehr. Schlechte Planung, schwieriges Gelände, tiefer Boden, nasskaltes Wetter, das schlechtwetterbedingte Fehlen der gewohnten Luftunterstützung und ein unvermutet starker deutscher Widerstand trugen zusammen mit der Tatsache, dass die frisch eingetroffenen Soldaten der 28. Division nicht auf derartige Verhältnisse vorbereitet waren, zum Scheitern des amerikanischen Angriffs bei. Die stark dezimierte Division musste nach diesem Misserfolg aus der Front gezogen und aufgefrischt werden. Die Kämpfe flauten vorübergehend etwas ab. Allein der Kampf um Schmidt kostete die US-Armee 6184 Mann, die deutschen Verluste lagen bei etwa der Hälfte.

Operation Queen[Bearbeiten]

15-cm-schweres Infanteriegeschütz 33 im Wald von Hürtgen bei der Abwehr einer der zahllosen US-amerikanischen Angriffe, 22. November 1944

Am 16. November 1944 starteten die 1. (Hodges) und 9. US-Armee (Simpson) eine Großoffensive im Hürtgenwald (Operation Queen), die gleichzeitig an der Rurfront weiter nördlich anlief. In dieser zweiten Phase der Kämpfe sollte die 4. US-Division unter Leitung des VII. US-Corps durch die nördliche Hälfte des Hürtgenwalds brechen und die Rur erreichen. Ihr gegenüber standen nach wie vor drei deutsche Divisionen des 81. Korps, die alle deutlich unter ihrer Sollstärke waren; im Gebiet des Hürtgenwaldes lag immer noch die nun auf 6500 Mann aufgestockte 275. Infanterie-Division mit 150 Geschützen.

Beim Auftakt der amerikanischen Offensive erlitten zwei angreifende US-Regimenter schwere Verluste durch die wohlvorbereiteten Deutschen, welche die Angreifer mit starkem Artillerie- und MG-Feuer zurücktrieben. Um Panzerunterstützung zu ermöglichen, begannen US-Pioniere damit, Panzerstraßen durch den Wald zu sprengen. Dennoch blieben Nachschub und Versorgung der Verwundeten ein Problem, so dass der Angriff ab dem 19. November für zwei Tage eingestellt wurde, um Verwundete zu bergen und sich neu aufzustellen. Die Deutschen erhielten unterdessen Verstärkungen von der 344. und 353. Infanterie-Division, wodurch der Widerstand noch härter wurde.

Das V. US-Corps übernahm nun wieder die Leitung, und am 21. November griff die 8. US-Division im Raum des Wehebachs an und rückte langsam bis Hürtgen vor. Trotz starker Überlegenheit kamen die Amerikaner gegen den verbissenen deutschen Widerstand nur langsam voran und konnten Hürtgen erst am 29. November einnehmen. Besondere Bedeutung bei den Kämpfen im Hürtgenwald hatte auch die Klosterruine Schwarzenbroich bei Merode, die weiter zerstört wurde.[4] Ein späterer Angriff auf Merode war zwar erfolgreich, ein deutscher Gegenangriff vernichtete jedoch die zwei US-Kompanien, die das Dorf besetzt hatten.

Bestandteile der 8. und 28. US-Divisionen stießen danach auf Brandenberg vor. Sie kamen erneut nur sehr langsam voran. Bis zum 12. Dezember gelang es ihnen, die Orte Gey und Straß zu erobern. Die Deutschen indessen konnten die Amerikaner von den Talsperren fernhalten, bis die Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 begann. Damit fand die Schlacht im Hürtgenwald ein vorläufiges Ende.

Ausgang der Schlacht[Bearbeiten]

US-Truppen im Hürtgenwald

Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive am 10. Januar 1945 wurden die Kämpfe erneut aufgenommen. Die Reserven der Deutschen waren verbraucht und hatten schwere Verluste erlitten, weshalb die Intensität der Kämpfe etwas abnahm und die Angreifer Fortschritte verzeichnen konnten. Am 8. Februar 1945 fiel der Ort Schmidt endgültig, womit die Kämpfe im Hürtgenwald endeten. Fünf Monate nachdem die Amerikaner die Westgrenze des Hürtgenwaldes erreicht hatten, standen sie auf der anderen Seite. Jedoch gelang es ihnen vorerst nicht, die Talsperren einzunehmen, bevor die Deutschen sie zur Überflutung des Rurtales öffneten. Erst am 10. Februar fiel der Damm in Schwammenauel in amerikanische Hand. Allerdings hatten die Deutschen zuvor die Talsperren geöffnet, wodurch der amerikanische Vorstoß zum Rhein um zwei weitere Wochen verschoben werden musste.

Bewertungen und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Kreuzigungsgruppe in Vossenack in Erinnerung an die Opfer der Kampfhandlungen
Gedenkstein für Friedrich Lengfeld

Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway, der als Kriegsberichterstatter Augenzeuge der Schlacht im Hürtgenwald wurde, änderte völlig seine Meinung vom Krieg, den er bis zu diesem Zeitpunkt verherrlicht hatte. Seine Erlebnisse verarbeitete er später in seinem Roman Über den Fluss und in die Wälder (1950): „In Hürtgen gefroren die Toten, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren…“.

General James M. Gavin, der Kommandeur der 82. US-Fallschirmjägerdivision, urteilte nach dem Kampf: „Es war die verlustreichste, unproduktivste und schlechtest geführte Schlacht, die unsere Armee geschlagen hat.“[5]

Im Amerikanischen wurde der Hürtgenwald als „Hurt-genwald“ (to hurt = verletzen) bekannt und bezeichnete treffend das verschneite Schlachtfeld. Sprengfallen in den Bäumen und Beschuss hatten den Wald in eine alptraumhafte Wüste verwandelt.

Über die Anzahl der Verluste (Gefallene und Verwundete) der US-Armee und der deutschen Wehrmacht gibt es kontroverse Schätzungen und Meinungen. Sicher ist, dass es sich um eine der verlustreichsten Schlachten in Westeuropa im Zweiten Weltkrieg handelte. Die Behauptung, dass die US-Armee ähnlich viele Gefallene wie im Vietnamkrieg zu beklagen hatte, entspricht nicht den Tatsachen. Von September bis Anfang Dezember 1944 beliefen sich die amerikanischen Verluste im Raum Hürtgenwald auf etwa 32.000 Soldaten.[6] Quellen der US-Armee geben alleine für die 28. US Infanteriedivision, die Mitte November aus der Front herausgelöst wurde, 6184 Mann Verluste beim Angriff auf und der dann folgenden Verteidigung von Schmidt und Kommerscheidt an.[7] Die 1. US-Armee verzeichnete zwischen dem 16. November und 15. Dezember 21.500 Verluste.[7] Das gesamte Gebiet der Schlacht war nach dem Krieg auf Jahre nur schwer zugänglich. Die starke Verminung machte selbst das Bergen der Toten riskant, das anfangs nur auf Eigeninitiative von Julius Erasmus geschah.

Im Hürtgenwald sind heute noch Spuren der Kampfhandlungen zu entdecken. Vielerorts sind Panzersperren zu sehen, auch gibt es eine Handvoll ungesprengter Bunker. Über diese Spuren sind mehrere Bücher veröffentlicht worden, die Frontlinien und Überreste der Schlacht aufzeigen.

Es werden immer noch zahlreiche Minen und andere Sprengmittel in den Kampfgebieten vermutet. Da viele der deutschen Offiziere und Soldaten, die damals Lagepläne erstellten bzw. besaßen, fielen, existierten nach den Kampfhandlungen keine Aufzeichnungen mehr über Lage oder Größe der Minenfelder. Außerdem kamen Glasminen (Glasmine 43) und Holzminen in größerem Umfang zum Einsatz, was ebenfalls eine vollständige Räumung unmöglich machte, da diese mit herkömmlichen Detektionsgeräten (Metallortungssonden) nicht aufzuspüren sind. Hierbei mussten Kampfmittelräumdienste, die Sprengstoffsuchhunde einsetzten, dann auch erfahren, dass diese spezialisierten Suchhunde Glasminen nicht oder nur sehr selten aufspüren können. Es ist daher bis heute in diesen Gebieten lebensgefährlich, sich abseits der markierten Pfade oder Wanderwege aufzuhalten, vor allem in Waldgebieten. Da die genaue Lage vieler Minenstreifen bis heute unbekannt ist, sind nicht alle Gebiete abgesperrt oder markiert.

In den Nachkriegsjahren wurden immer wieder sterbliche Überreste alliierter und deutscher Soldaten gefunden, zuletzt am 26. September 2008 jene von John Farrell jr. und Edward T. Jones in Schmidt. Beide gehörten der 28. US-Infanteriedivision an. Ihre sterblichen Überreste wurden zum amerikanischen Ermittlungsdienst nach Hawaii überführt, der die Nachfahren benachrichtigte.

Auf dem Ehrenfriedhof Hürtgen steht das einzige Denkmal für einen deutschen Soldaten, das von den ehemaligen Gegnern errichtet wurde: Im Eingangsbereich befindet sich ein Gedenkstein für den deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld, der am 12. November 1944 beim Versuch, einen verletzten amerikanischen Soldaten aus dem Minenfeld „Wilde Sau“ zu retten, schwer verletzt wurde und noch am gleichen Tag im Verbandplatz Lukas-Mühle verstarb. Die Gedenktafel wurde von der Veteranenvereinigung des 22. US-Infanterieregiments aufgestellt.

Museum und Film[Bearbeiten]

Das Museum Hürtgenwald 1944 und im Frieden – betrieben vom Geschichtsverein Hürtgenwald e. V. – erinnert in Vossenack an die damaligen Kriegsereignisse.

Achim Konejung stellte im Rahmen der Konejung Stiftung: Kultur am 27. November 2007 seinen Dokumentarfilm You enter Germany. Hürtgenwald – der lange Krieg am Westwall über die Kämpfe im Hürtgenwald vor, in den er bisher unveröffentlichtes Rohmaterial aus den USA einbaute.[5] Er veranschaulicht durch Interviews mit Zeitzeugen aus Deutschland und den USA sowie Filmaufnahmen aus den US-National-Archiven und privaten Archiven das schreckliche Geschehen. 2010 erschien von ihm zusammengestellt und kommentiert You enter Germany 2 – Das Archivmaterial über den Zeitraum 1938 bis 1947.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Douglas E. Nash: Victory Was Beyond Their Grasp: With the 272nd Volks-Grenadier Division from the Huertgen Forest to the Heart of the Reich. The Aberjona Press, Bedford, Pennsylvania, 2008, ISBN 978-0-9777563-2-2.
  • Robert Sterling Rush: Hell in Hürtgen Forest, The Ordeal and Triumph of an American Infantry Regiment, University Press of Kansas, Lawrence (paperback) 2004, ISBN 978-0-7006-1360-1 [9]
  • Charles B. MacDonald: The Battle of the Huertgen Forest. University Of Pennsylvania Press, Philadelphia 2002, ISBN 0-8122-1831-0. [10]
  • Charles B. MacDonald: The Siegfried Line Campaign. United States Army in World War II: The European Theater of Operations. Office of the Chief of Military History Department of the Army, Washington D.C. 1963.
  • Adolf Hohenstein, Wolfgang Trees: Hölle im Hürtgenwald. Die Kämpfe vom Hohen Venn bis zur Rur September 1944 bis Februar 1945. TRIANGEL Verlag, ISBN 3-922974-01-5.
  • Heinz Günther Guderian: Das letzte Kriegsjahr im Westen. Die Geschichte der 116. Panzer-Division – Windhund-Division. 1995, ISBN 3-932436-01-6 (Deutscher Alt-General schildert minutiös die Geschehnisse aus deutscher Sicht. Viele militärische Details und Quellenzitate mit Fundstellenangaben).
  • Kurt Kaeres: Das verstummte Hurra. Hürtgenwald 1944–45. Helios-Verlag, Aachen 2004, ISBN 3-933608-50-3.
  • Hans Kramp: Rurfront 1944/45. Verlag Fred Gatzen, ISBN 3-923219-00-8.
  • Rainer Monnartz: Hürtgenwald 1944/45 – Militärgeschichtlicher Tourenplaner. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-68-7.
  • Alexander Kuffner: Zeitreiseführer Eifel 1933–45. Helios, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-42-7.
  • Denis und Shelagh Whitaker: Endkampf am Rhein – Der Vormarsch der Westalliierten 1944/45. 1998, ISBN 3-8289-0291-X.
  • Max von Falkenberg: Hürtgenwald '44/45. ISBN 3-936946-18-3.
  • Ernest Hemingway: 49 Depeschen. Krieg an der Siegfried-Linie; Collier's, 18. November 1944.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht im Hürtgenwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mac Donald, Charles B.: The Siegfried line campaign. Center of Military History, United States Army, 1984.
  2. The legacy of the Purple Heart
  3. World War II Database. Abgerufen am 10. Februar 2011.
  4. Paul Fabianek: Folgen der Säkularisierung für die Klöster im Rheinland – Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und Kornelimünster. Verlag BoD, 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3, S. 26.
  5. a b Dokumentarfilm You enter Germany. Hürtgenwald – der lange Krieg am Westwall (Bloody Huertgen and the Siegfried Line) (2007), auf konejung-stiftung.de
  6. laut MacDonald: Siegfried Line Campaign. 1963, S. 493 und 374ff.
  7. a b Quellen der US-Armee bei army.mil
  8. DVD und Broschüre Dokumentation und Historisch-Literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938–1947. ISBN 978-3-941037-62-5.
  9. Verlagsbesprechung und Angaben zum Autor (Zugriff November 2014)
  10. Verlagsbesprechung und Autor (Zugriff November 2014)

50.7088526.361771Koordinaten: 50° 42′ 32″ N, 6° 21′ 42″ O