Allert de Lange Verlag

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Der Allert de Lange Verlag in Amsterdam war ein Verlag für deutsche Exilliteratur, selbständige Abteilung des 1880 von Allert de Lange gegründeten niederländischen Verlages Uitgeverij Allert de Lange.

Der Verlag wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 auf eine Initiative der Journalistin Hilda van Praag-Sanders, der Frau des Allert-de-Lange-Autors Siegfried van Praag, vom Verleger Gerard de Lange (1896–1935), dem Sohn von Allert de Lange, als selbständige deutschsprachige Abteilung gegründet, um den in die Emigration getriebenen und durch Bücherverbot und -verbrennung um ihre wirtschaftliche Existenz gebrachten deutschen Autoren eine Publikationsmöglichkeit zu bieten. Geführt wurde die Abteilung von Walter Landauer, das Lektorat übernahm Hermann Kesten, beide (wie auch Fritz Landshoff bei Querido) ehemals Mitarbeiter des Kiepenheuer Verlags.

Zu den Autoren des Verlages gehörten unter anderem:

Anders als der andere bedeutende niederländische Exilverlag Querido bemühte sich der Verlag de Lange, politische Konfrontation zu vermeiden. Mehrfach scheint Gerard de Lange den Interventionen deutscher Stellen nachgegeben zu haben. Nach dem frühen Tod von de Lange 1935 wurde die Leitung der deutschsprachigen Abteilung von A. P. J. Kroonenburg übernommen. Doch auch dann änderte sich an der politischen Zurückhaltung des Verlages nichts: auf Veranlassung von Philip van Alfen, dem neuen Geschäftsführer des Verlages, lehnte man – trotz eines bestehenden Vertrages – 1936 Irmgard Keuns neuen Roman Nach Mitternacht wegen der „politische(n)Aggressivität dieses Buches“ ab.

Ein weiterer Ausdruck der Scheu vor politisch relevanten Texten, geschweige Polemiken gegen den Nationalsozialismus (wie etwa Heinrich Manns Der Haß, der in der ersten Nummer von Die Sammlung bei Querido erschien), oder gar linke Positionen vertretenden Texten, kann in dem relativ großen Anteil historischer Romane unter den circa 90 von de Lange verlegten Büchern vermutet werden.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 musste Kroonenburg auf Befehl des Obersturmbannführers Jäger am 21. Juni 1940 den Verlag liquidieren. Die Lagerbestände und das Verlagsarchiv wurden beschlagnahmt. Walter Landauer gelang es zunächst unterzutauchen, später wurde er jedoch 1943 verhaftet und starb am 20. Dezember 1944 in Bergen-Belsen am Hungertod. Hermann Kesten hielt sich zur Zeit des Einfalls der deutschen Truppen in Frankreich auf und konnte im Frühjahr 1940 in die USA entkommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Schoor: Verlagsarbeit im Exil. Untersuchungen zur Geschicht der deutschen Abteilung des Amsterdamer Allert de Lange Verlages 1933-1940. Amsterdam-Atlanta 1992.
  • Ulrike Spring: Verlagstätigkeit im niederländischen Exil 1933-1940. Diplomarbeit Universität Wien 1994 PDF, 1MB
  • Kurt Löb: Exil-Gestalten. Deutsche Buchgestalter in den Niederlanden 1931-1950. Dissertation Universität Amsterdam 1994. Verlag Gouda Quint, Arnhem 1995.
  • Toke van Helmond: 100 jaar Allert de Lange. Allert de Lange, Amsterdam 1980.

Weblinks[Bearbeiten]