Allianz SE

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Allianz SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
ISIN DE0008404005
Gründung 1890
Sitz München, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 147.627 (Dezember 2013)[1]
Umsatz 110,773 Mrd. (2013)[1]
Branche Versicherungswesen
Finanzdienstleistungen
Website www.allianz.com
Stand: 31. Dezember 2012 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2012
Die Allianz SE weltweit
Hauptsitz der Allianz: Die Königinstraße 28 in 80802 München
Inschrift des Firmennamens „Allianz Versicherungs Aktiengesellschaft“ am Hauptsitz der Allianz
Alte Hinweistafel einer Agentur

Die Allianz SE mit Sitz in München ist nach Umsatz und Marktkapitalisierung der weltgrößte Versicherungskonzern und einer der größten Finanzdienstleistungskonzerne.[2] Er wurde 1890 gegründet.

Das Unternehmen ist im DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Es wies im Jahr 2013 bei einem Gesamterlös von 110,77 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 6,34 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,23 Mrd. Euro) aus.[1]

Die Holding und ihre Tochtergesellschaften treten weltweit unter dem Namen Allianz Group auf. Vorstandsvorsitzender ist seit April 2003 Michael Diekmann.

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemalige Generaldirektion der Allianz in der Berliner Taubenstraße, erbaut 1896/1897

1890 nahm die ein Jahr zuvor in München gegründete Allianz Versicherungs-AG in Berlin (Kochstraße) ihre Geschäftstätigkeit auf.[3] Als Gründer fungierten alle Aufsichtsratsmitglieder der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (außer Schmidt-Polex und von Schauss), der Vorstand der Münchener Rück Carl von Thieme, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hatte, der Reichstagsabgeordnete Hamacher, der Industrielle Heinrich Lueg (von der Firma Haniel & Lueg) sowie die Deutsche Bank. Das Aktienkapital in Höhe von 4 Mio. Mark (zu 25 % einzuzahlen) wurde schwerpunktmäßig vom Bankhaus Merck Finck & Co (rd. 1,5 Mio. Mark) und der Deutschen Bank (rd. 1 Mio. Mark) gezeichnet, der Rest von den übrigen Gründern. Wilhelm von Finck wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt, Hermann Pemsel zu seinem Stellvertreter.[4] 1893 wurde in London die erste Auslandsfiliale eröffnet, das Foreign Department unter der Leitung von Carl Schreiner, von der aus auch das Geschäft in den USA aufgebaut wurde. 1895 wurden die Aktien des Unternehmens erstmals an der Berliner Börse gehandelt.

1906 bestand die Allianz ihre erste Belastungsprobe, als sie einen nicht unerheblichen Teil der Entschädigungen nach dem verheerenden Erdbeben in San Francisco zu leisten hatte.[5] Als im April 1912 die Titanic sank, musste die Allianz ebenfalls hohe Entschädigungszahlungen leisten.

1922 wurde die Tochtergesellschaft Allianz Lebensversicherungs-AG gegründet. Während der in den 1920er Jahren durch Deutschland rollenden Fusionswelle wurden mehrere Firmen (u. a. 1929 die Frankfurter Allgemeine Versicherungs AG (FAVAG), 1923 die Bayerische Versicherungsbank AG) von der Allianz aufgekauft, die aber teilweise ihren Namen behalten konnten und bis ins 21. Jahrhundert halbautonom am Markt agierten. 1932 startete die Allianz ihr Engagement in der Schadenforschung und eröffnete eine Materialprüfstelle zur Schadenforschung, aus der später das Allianz Zentrum für Technik (AZT) hervorging. Ziel war es, aus den Schadenereignissen gewonnene Erkenntnisse interessierten Unternehmen zur Schaden- und Risikominimierung zur Verfügung zu stellen.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Von 1933 bis 1945 versicherte die Allianz auch Unterorganisationen der NSDAP und erschloss im Zuge der Ausbreitung des Deutschen Reiches neue Geschäftsfelder. Unter anderem wurde durch die Übernahme jüdischer Versicherungshäuser der Kundenstamm ausgeweitet. Darüber hinaus wurden Gebäude und Personal in Auschwitz und Dachau von der Allianz versichert. Die Allianz profitierte damit direkt von der Deportation. Henning Schulte-Noelle war der erste Vorstandsvorsitzende, der sich dieser Vergangenheit stellte, als er 1993 den Auftrag für den Aufbau eines firmenhistorischen Archivs gab, das 1996 eröffnet wurde. 1998 begann eine Gruppe von Historikern unter Leitung von Gerald D. Feldman, die Geschichte der Allianz von 1933 bis 1945 zu erforschen und veröffentlichte die Ergebnisse im September 2001. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde eine Dauerausstellung sowohl im firmenhistorischen Archiv als auch im Internet eingerichtet. 2008 entstand in den Vereinigten Staaten eine Debatte über die nationalsozialistische Vergangenheit der Allianz. Im Zuge der Verhandlungen über die Vergabe der Namensrechte des Meadowlands-Stadions nahe New York wurde die Allianz in führenden Zeitungen und der Anti-Defamation League heftig kritisiert.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg und der Blockade Berlins 1949 wurden die Zentralen nach München (Allianz Versicherungs-AG) bzw. Stuttgart (Allianz Lebensversicherungs-AG) verlegt. Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland führte die Allianz eine Elektronische Datenverarbeitung für ihren Versichertenbestand ein. Dabei wurde ein Computer von IBM genutzt, der damals noch die Größe einer Maschinenhalle hatte. Die Daten wurden auf Lochkarten erfasst. 1958 führte der Konzern den bekannten Werbe-Slogan… hoffentlich Allianz versichert“ ein, im darauf folgenden Jahr wurde das Auslandsgeschäft wieder aufgenommen. 1956 versuchte Merck Finck & Co, seinen 40-prozentigen Anteil an der Allianz verdeckt zu erhöhen, gelangte allerdings nicht zum Ziel und veräußerte daraufhin bis 1990 den Anteil an der Versicherung vollständig. Ab diesem Zeitpunkt war die Münchener Rück, mit der neben der 25-prozentigen Überkreuzbeteiligung seit 1921 ein Rahmenvertrag über die Grundsätze der Zusammenarbeit bestand, der bestimmende Aktionär der Allianz.

1970 bis 2000[Bearbeiten]

Ab den 1970er Jahren wurde die Allianz durch Aufkäufe und Gesellschaftsgründungen zu einem immer stärker im Ausland agierenden Unternehmen. Es folgten die Übernahmen traditionsreicher Versicherer in Deutschland (Vereinte), Frankreich (AGF), Italien (RAS) und den USA (Firemans Fund). 1985 wurde die Allianz AG als Holding zur besseren Steuerung der Beteiligungen gegründet. Die Allianz AG fungierte auch als Gruppenrückversicherer, was unter anderem die Entflechtung mit der Münchener Rück erleichterte. In den achtziger Jahren beteiligte sich die Allianz an der italienischen Riunione Adriatica di Sicurtà. 1990 übernahm die Allianz die Staatliche Versicherung der DDR. Die Expansion in den Ostteil Europas begann mit dem Kauf des größten ungarischen Versicherers Hungaria Bisztosíto. In sieben weiteren Ländern von Mittel- und Osteuropa wurden Tochtergesellschaften errichtet oder gekauft. 1990 begann die Expansion nach Asien durch die Gründung von Tochtergesellschaften in Japan und Indonesien. Inzwischen ist die Allianz in China durch mehrere Tochtergesellschaften sowie in allen bedeutenden Märkten Asiens durch Neugründungen oder Zukäufe vertreten. In Australien besitzt die Allianz ebenfalls eine große Tochtergesellschaft. 1994 stieg die Allianz mit dem Kauf der Vereinte Versicherung in das deutsche private Krankenversicherungsgeschäft ein. 1997 übernahm die Allianz 51 % der Aktien der zweitgrößten französischen Versicherung, Assurances Générales de France (AGF), im Wert von 9,2 Mrd. DM. Die Allianz stieg damit zum weltgrößten Versicherungskonzern auf.

Seit 2000[Bearbeiten]

Die Übernahme der Dresdner Bank im Jahre 2001 war – zusammen mit Naturkatastrophen in Mitteleuropa, dem Anschlag auf das World Trade Center und der Krise in den internationalen Finanzmärkten – für das erste negative Ergebnis in der Firmengeschichte der Allianz verantwortlich. Die Allianz AG machte einen Verlust von ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig reduzierte die Münchener Rück ihren Anteil an der Allianz auf 20 %.

Im Mai 2002 wurde die Allianz Autowelt GmbH gegründet, eine Gebrauchtwagenbörse mit einem Bestand von ca. 1,6 Millionen Fahrzeugen. Neben Autokauf und -verkauf werden zusätzliche Dienste wie Fahrzeugbewertung, Fahrberichte und Routenplaner angeboten. Ende 2002 ging die Vereinte Versicherung zum Teil in der Allianz auf; die Krankenversicherungssparte wurde umbenannt in Allianz Private Krankenversicherungs-Aktiengesellschaft (APKV).

Nachdem 2003 die Allianz und die Münchener Rück ihren Rahmenvertrag zur Überkreuzbeteiligung offiziell kündigten und ihren gegenseitigen Anteil weiter reduzierten (Ende 2006 hielt die Münchener Rück noch 4,9 % an der Allianz), wurde eine weitgehende Entflechtung der deutschen Versicherungswirtschaft erreicht. Am 16. September 2005 startete die Allianz ihre Direktversicherungsmarke Allianz24 über ihre aus der Vereinte Versicherung verbliebene Tochtergesellschaft Vereinte Spezial Versicherung AG, unter der sie vier Jahre lang ausschließlich PKW-Versicherungen über das Internet anbot. Nach internem Widerstand der Allianz-Vertreter wurde sie zum 17. September 2009 durch die neue Direktversicherungsmarke Allsecur ersetzt.[6][7][8][9] Letztendlich wurde zum 9. November 2010 auf Allsecur Deutschland AG umfirmiert.

Anfang 2006 wurden die drei deutschen Hauptgesellschaften der Allianz, die Allianz Versicherungs-AG (AZ Vers), die Allianz Lebensversicherungs-AG (AZL) und die Allianz Private Krankenversicherungs-Aktiengesellschaft (APKV), der neu erstellten Allianz Deutschland AG (AZ D) als Holding des Deutschlandgeschäftes unterstellt. Die jeweiligen Vertriebe wurden in der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV) gebündelt.[10]

Am 13. Oktober 2006 wurde die Fusion mit der italienischen RAS und die gleichzeitige Umwandlung der Allianz AG in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) mit Eintragung des neuen Unternehmensnamens Allianz SE in das Handelsregister München bestandskräftig.[11] Im Mai 2007 übernahm die Allianz die Verkaufsautomaten-Firma Selecta vom britischen Catering-Anbieter Compass Group für einen Preis von rund 1,1 Milliarden Euro.[12]

Am 31. August 2008 gaben die Allianz SE und die Commerzbank bekannt, dass sich die Aufsichtsräte beider Unternehmen auf den Verkauf der Dresdner Bank AG an die Commerzbank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro geeinigt haben. Der Verkauf wurde mit dem 12. Januar 2009 abgeschlossen.[13]

Durch den Verbleib der Oldenburgischen Landesbank (OLB) im Allianz-Konzern wurde in der Allianz Deutschland das Ressort „Allianz Bank“ neu geschaffen, das die Grundlage für die Allianz Bank legt.[14]

In den Jahren 2009–2012 versuchte die Allianz Private Krankenversicherung ihr Geschäft mit privaten Krankenzusatzversicherungen durch eine Vertriebskooperation mit der gesetzlichen Krankenkasse Kaufmännische Krankenkasse – KKH zu stärken und auszubauen. Ende 2012 ist diese Kooperation jedoch gescheitert.[15]

Die Allianz Deutschland hat den Eigentümern der Provinzial NordWest ein Übernahmeangebot für die in Münster ansässige Versicherungsgruppe unterbreitet.[16]

Das Geschäft mit der Allianz Bank blieb dauerhaft bis einschließlich 2013 defizitär. Die Oldenburgische Landesbank (OLB) teilte am 24. Januar 2013 mit, dass ihre Zweigniederlassung Allianz Bank deshalb die Geschäftstätigkeit mit dem 30. Juni 2013 beendet. In der OLB und der Allianz Deutschland werden durch diese Maßnahme bundesweit über 450 Arbeitsplätze entfallen. Die Aufwendungen für die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen werden gemäß bestehender Vereinbarung von der Allianz Deutschland AG getragen. Die OLB wird das Kerngeschäft als traditionelle Regionalbank im Nordwesten Deutschlands fortsetzen.[17]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]

Die Allianzgruppe ist hauptsächlich im Versicherungsgeschäft tätig. So trug das Segment Schaden- und Unfallversicherung 2009 42,5 Milliarden Euro Bruttobeiträge ein. Das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen führte im selben Zeitraum zu Beitragseinnahmen von 50,8 Milliarden Euro.

Die Allianz-Gruppe ist größter Gesellschafter an der Extremus Versicherungs-AG, einem deutschen Spezialversicherer für Großschäden durch Terrorismus.

Nachdem zu Anfang 2009 die Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft wurde, konzentriert sich der Bankbereich in Deutschland auf die Oldenburgische Landesbank (OLB). Die bisherigen Allianzkunden der Dresdner wurden 2009 in die neu gegründete Allianz Bank als Tochter der OLB übergeführt, soweit diese folgten. Weitere größere Bankaktivitäten gibt es in Italien und Frankreich.

Der kleinste Geschäftsbereich ist das sogenannte Asset Management, das unter Allianz Global Investors firmiert. Allianz Global Investors umfasst verschiedene Asset Manager, insbesondere PIMCO (Anleihen) und RCM (Aktien). Dabei verwaltet der Allianzkonzern Vermögenswerte für Privatpersonen und institutionelle Anleger wie Pensions- und Investmentfonds sowie die eigenen Tochtergesellschaften im Versicherungsbereich. Dieses Geschäft überstieg 2010 die Grenze von 1.500 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen und erbrachte dabei einen Gewinn in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.[18]

Umbauprogramm „3+Eins“[Bearbeiten]

Im „3+Eins“-Programm, welches 2003 beschlossen wurde, wurden mehrere Initiativen ergriffen, um den Wert der Allianz SE zu steigern. Die einzelnen Ziele dieses Programms sind:

  • 1. Schutz und Stärkung der Kapitalbasis
  • 2. Wesentliche Steigerung der operativen Ertragskraft
  • 3. Verringerung der Komplexität
  • „+Eins“. Nachhaltige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Unternehmenswerts

Im Rahmen des „3+Eins“-Programms wurden beispielsweise folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Verkleinerung des Vorstands der neu gegründeten Holding von 20 auf zwölf Mitglieder.
  • Vollständige Verschmelzung der Frankfurter Versicherungs-AG und der Bayerische Versicherungsbank AG mit der Allianz Versicherungs-AG.
  • Verkleinerung von sieben Zweigniederlassungen auf vier einheitliche Vertriebs- und Dienstleistungsgebiete in Deutschland.

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Im sozialen Bereich begleitet die Allianz Projekte zur Generationengerechtigkeit. So fördert sie seit rund zehn Jahren das mehrfach ausgezeichnete Generationenhaus West in Stuttgart. Über die finanzielle Unterstützung hinaus bietet sie ihren Mitarbeitern an, sich dort selbst sozial zu engagieren.

Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Kinder- und Jugend-Unterstützungseinrichtungen der Allianz dar. Unter Beteiligung der Allianz engagieren sich hier Mitarbeiter persönlich oder finanziell für Projekte, die ihnen am Herzen liegen.

Auf die soziale Initiative speziell ihrer Vertreter setzt die Allianz beim Wettbewerb um den Allianz Generationen Förderpreis. Das Unternehmen will dabei Projekte ihrer Agenturen entdecken und unterstützen, die in vorbildlicher Weise zeigen, wie sich Jung und Alt füreinander engagieren können.

Die Allianz ist ein Hauptsponsor des Businessplan-Wettbewerbs für soziale Organisationen startsocial.[19]

Kritik[Bearbeiten]

Spekulation mit Grundnahrungsmitteln[Bearbeiten]

Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat im Mai 2012 eine Studie mit dem Titel „Mit Essen spielt man nicht!“ anlässlich der Jahreshauptversammlung der Allianz SE veröffentlicht. Oxfam kommt in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Allianz in Deutschland die Nummer eins – noch vor der Deutschen Bank – bei der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln ist. Geschätzte 6,242 Milliarden Euro legte die Allianz SE demnach im Jahr 2011 in fünf Fonds direkt oder indirekt in Agrarrohstoffen an. Zum Vergleich: Deutsche Finanzinstitute legten 2011 insgesamt 11,395 Milliarden Euro in Agrarrohstoffen an. Das entspricht zufolge der Studie etwa einem Sechstel des weltweiten Anlagevermögens in diesem Bereich. Nach Aussagen von Oxfam führt die Spekulation mit Nahrungsmitteln wie Weizen oder Mais zu extrem schwankenden Preisen und Preisspitzen auf den Warenterminmärkten, die sich auf die realen Preise auswirken. Steigende oder volatile Preise verursachen demnach Hunger. Besonders Menschen im Globalen Süden leiden unter steigenden Preisen: Sie geben bis zu 80% ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, es fehlt Geld für Bildung oder Gesundheitsfürsorge (in Deutschland gäben Menschen im Schnitt 10-12% des Einkommens für Nahrung aus). Laut Weltbank ist die Zahl der hungernden Menschen seit der Preisexplosion 2010/11 um 44 Millionen gestiegen. Andere europäische Geldinstitute haben aufgrund öffentlicher Kritik angekündigt, ihre Anlagen in Nahrungsmitteln auslaufen oder zumindest überprüfen zu lassen. Die Allianz SE will bislang diesem Beispiel nicht folgen und bestreitet stattdessen jeglichen Zusammenhang zwischen Spekulation und steigenden oder volatilen Preisen.[20]

Stellenabbau[Bearbeiten]

Protest gegen Entlassungspläne 2006

Am 22. Juni 2006 kündigte der Allianz Konzern an, bis 2008 mit rund 7.500 Stellen in Deutschland etwa jede sechste Vollzeitstelle zu streichen, davon ca. 2.500 Stellen bei der Dresdner Bank. Die Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, in andere Unternehmensbereiche zu wechseln, in denen demnächst durch normale Fluktuation etwa 3.000 Stellen frei werden. Es waren Abfindungen von bis zu 250.000 Euro geplant. Die Zahl der Dienstleistungs-Standorte sollte von 21 auf zehn reduziert werden. Unter anderem war geplant, alle Standorte in Nordrhein-Westfalen zu schließen und den Standort Frankfurt auf ein Kompetenzzentrum für Kfz zu begrenzen. In der Öffentlichkeit wurden diese Maßnahmen vielfach mit Verweis auf den Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2005 als unverhältnismäßig kritisiert. Der Betriebsrat ließ die Stellenstreichungen durch externe Gutachter prüfen. Am 20. November 2006 gab die Konzernleitung nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di bekannt, dass auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 verzichtet werden solle.[21]

Parteispenden[Bearbeiten]

Die Allianz SE gehört zu den großen Parteispendern in Deutschland und hat seit 2000 bereits mehr als 2,7 Millionen Euro an die Bundestagsparteien, mit Ausnahme der Partei Die Linke, gespendet.[22][23]

Domain-Abmahnungen[Bearbeiten]

Im April 2001 machte der Konzern Schlagzeilen mit Abmahnungen gegen Domain-Inhaber, deren Domains „allianz“ als Bestandteil hatten, darunter

  • „biker-allianz.de“, dessen Inhaber sogar bei der Allianz rechtsschutzversichert war,[24]
  • „nationale-allianz.de“, die Domain eines CounterStrike-Clans des damals 18-jährigen Schülers Sebastian Tietze.[25][26]

Verweigerung von Leistungen[Bearbeiten]

Am 4. September 2012 zeigte das Magazin Panorama eine Dokumentation, in der kritisiert wurde, dass die Allianz in Deutschland durch Berufungsverfahren die Abwicklung von Versicherungsfällen verzögern würde.[27]

Falsche Berechnung des Rückkaufswerts bei Lebensversicherungspolicen[Bearbeiten]

Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart hat die Verbraucherzentrale Hamburg gegen eine Klausel zur Berechnung des Rückkaufswert von Lebensversicherungsverträgen, zur Beitragsfreistellung und zum Stornoabzug der Allianz Lebensversicherungs-AG geklagt.[28] Das OLG urteilte am 18. August 2011 und erklärte die entsprechende Klausel für unwirksam.[29] Nachdem das OLG eine Revision nicht zugelassen hat, legte die Allianz vorerst Beschwerde hinsichtlich der Nichtzulassung beim Bundesgerichtshof ein. Die Beschwerde wurde am 8. Januar 2013 zurückgezogen, womit das Urteil rechtskräftig wird. Betroffenen Allianzkunden steht laut Schätzungen der Verbraucherzentrale eine Entschädigung von durchschnittlich 500 Euro zu. Die Allianz geht von Entschädigungszahlungen von bis zu 117 Millionen Euro aus.

Altersvorsorgemodell ohne Garantiezins[Bearbeiten]

Am 5. Juli 2013 hat die Allianz Lebensversicherung eine neue Versicherung ohne Garantiezins eingeführt. Nach eigenen Angaben bietet das Vorsorgekonzept Perspektive "Sicherheit mit Chance auf eine attraktive Überschussbeteiligung".[30] Der Bund der Versicherten (BdV) kritisiert jedoch, dass Kunden bei vorzeitiger Kündigung hohe Verluste drohen. Tobias Weissflog, der Vorstandsvorsitzende des BdV, bemängelt vor allem die hohen Kosten für die Kunden.[31] Auch andere Verbraucherinstitutionen wie die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stehen dem neuartigen Konzept skeptisch gegenüber.[32]

Konzernbeteiligungen der Allianz SE[Bearbeiten]

Altes Allianz-Logo an der Hamburger Trostbrücke

Operative Konzernbeteiligungen Inland[Bearbeiten]

Logo der Elvia
  • Allianz Alternative Assets Holding GmbH (AAA), München[33]
  • Allianz Capital Partners GmbH (ACP), München[34][35]
  • Allianz Deutschland AG (AZ D), München, bestehend aus
    • Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV), München
    • Allianz Lebensversicherungs-AG (AZL), Stuttgart[36]
      • Deutsche Lebensversicherungs-AG (DLVAG), Berlin
    • Allianz Autowelt GmbH (AW), München
    • Allianz Handwerker Services GmbH, München
    • Allianz Ortungsservices GmbH (AOS), München
    • Allianz Private Krankenversicherungs-Aktiengesellschaft (APKV), München
    • Allianz Versicherungs-AG (AZ Vers), München
    • Allsecur Deutschland AG, München
    • Oldenburgische Landesbank Aktiengesellschaft (OLB), Oldenburg (89,4 %)
    • Vereinte Spezial Krankenversicherung Aktiengesellschaft, München
  • Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS), München
  • Allianz Global Investors AG (AGI), München
  • Allianz Managed Operations & Services SE (AMOS), München
  • Allianz Pension Consult GmbH (APC), Stuttgart
  • Allianz Pension Partners GmbH (APP), München
  • Commerzbank AG, Frankfurt am Main (18,8 % - nach Einstieg des Staates nur noch 14 %[37])

Operative Konzernbeteiligungen Ausland[Bearbeiten]

Logo der Allianz Wien
  • Yapı Kredi Sigorta, Türkei
  • sowie zahlreiche Tochtergesellschaften der Allianz SE

Strategische Konzernbeteiligungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Entflechtung der sogenannten Deutschland AG, deren Mittelpunkt die Allianz AG darstellte, senkt die Allianz SE nach und nach ihre Industriebeteiligungen im Inland. Trotz allem besitzt die Allianz SE noch immer bedeutende Aktienanteile an einigen der größten deutschen Unternehmen.

Im Mai 2007 übernahm die Allianz den russischen Finanzkonzern Progress-Garant. Im Gespräch war ein Preis von 100 Mio. Dollar (rund 74 Mio. Euro). Progress-Garant rangierte damals auf Platz 25 der größten russischen Versicherer.[41]2011 wurden die Aktivitäten der drei russischen Unternehmenseinheiten der Allianz Gruppe, nämlich ROSNO, Progress-Garant und Allianz Russia, in einer neuen Gesellschaft OJSC IC Allianz zusammengefasst, die im April 2012 ihre Arbeit aufnahm.[42]

Aktiengesellschaft[Bearbeiten]

Die Aktien des Unternehmens sind an der Deutschen Börse in Frankfurt notiert. Außerdem sind die Werte im DAX enthalten. Am 22. September 2009 teilte der Versicherungskonzern mit, dass er die Börsennotierung seiner Aktien an der NYSE zurückziehen wird. Außerdem wird eine Einstellung der Notierung an den Börsen in London, Mailand, Paris und der Schweiz folgen. Grund war das geringe Handelsvolumen an den ausländischen Börsenplätzen.[43] Es sind 432 Millionen Aktien im Umlauf.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten]

Die Allianz SE befindet sich gemessen am Grundkapital zu 66,7% in Hand von ausländischen Investoren. Der Anteil privater Investoren beträgt 14,9% und der Anteil institutioneller Investoren beträgt 85,1%.[44]

Leitung[Bearbeiten]

Vorstandsvorsitzender ist seit dem 29. April 2003 Michael Diekmann; seit dem 9. Mai 2012 ist Helmut Perlet Aufsichtsratsvorsitzender.

Seit 2005 werden alljährlich die Bezüge des Vorstandes und des Aufsichtsrates individuell ausgewiesen und zusammen mit dem Geschäftsbericht veröffentlicht.

Generaldirektoren / Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten]

Amtszeit Name
1890–1904 Carl von Thieme (1844–1924)
1894–1921 Paul von der Nahmer (1858–1921)
1921–1933 Kurt Schmitt (1886–1950)
1933–1948 Hans Heß (1881–1957)
1948–1961 Hans Goudefroy (1900–1961)
1962–1971 Alfred Haase (1903–1972)
1971–1991 Wolfgang Schieren (1927–1996)
1991–2003 Henning Schulte-Noelle (* 1942)
seit 2003 Michael Diekmann (* 1954)

→ alle Vorstandsmitglieder

Bekannte Versicherungsfälle[Bearbeiten]

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Die Allianz war Versicherer des Malaysia-Airlines-Fluges 370.[45]

Allianz als Namensgeber[Bearbeiten]

Die Allianz ist Namensgeber von sechs Fußballstadien weltweit:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Allianz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Allianz SE: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 8. Juni 2014 (PDF).
  2. Allianz zieht bei Börsenwert mit AIG gleich. In: Financial Times Deutschland (Print-Ausgabe), 25. Juni 2008, Seite 17
    AIG stürzt vom Versicherungs-Thron (Memento vom 31. Juli 2012 im Webarchiv Archive.today) auf ftd.de, 12. September 2008
  3. Geschäftsanzeigen. In: Berliner Adreßbuch, 1890, nach Teil 1, S. 3 (Allianz mit ihren Einzelangeboten, Grundkapital usw.).
  4. Details der Gründung, besonders auch das Verhältnis zur Münchener Rückversicherung, sowie die Entwicklung der Allianz in den ersten Jahrzehnten bei Harold Kluge: Der Einfluss des Geschäfts der „Allianz“ auf die Entwicklung der „Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft“ in deren ersten fünfzig Jahren (1880–1930). In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte / Economic History Yearbook. 2006/2, S. 217–246.
  5. Details bei Reinhard Spree: Two Chapters on early history of the Munich Reinsurance Company: The Foundation/ The San Francisco Earthquake. Department of Economics, University of Munich, Munich Discussion Paper No. 2010-11, München 2010.
  6. http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:vernachlaessigter-internetvertrieb-offline-statt-online/60018408.html (Version vom 3. März 2011 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  7. manager-magazin.de
  8. wiwo.de
  9. allianz24.de (PDF)
  10. Unternehmensbroschüre Allianz Deutschland AG (PDF)
  11. Allianz schließt Umwandlung in SE ab. Allianz Group, Pressemitteilung, abgerufen 23. April 2008
  12. Allianz kauft Automaten-Betreiber Selecta für 1,1 Mrd. EUR. 14. Mai 2007
  13. Dresdner Bank Transaktion vollzogen
  14. allianz.com
  15. Gemeinsame Presseerklärung: KKH-Allianz und Allianz beenden Kooperation zum Jahresende.
  16. Onlineartikel vom 30. November 2012, 11:11 UhrVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter In: Financial Times Deutschland, 3. Dezember 2012
  17. Oldenburgische Landesbank AG: Geschäftstätigkeit der Zweigniederlassung Allianz Bank wird eingestellt. DGAP-Adhoc:
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnalystenkonferenz. Allianz SE, 25. Februar 2011, abgerufen am 18. April 2011 (PDF; 1,3 MB).
  19. https://www.startsocial.de/ueber-uns/foerderer-und-sponsoren
  20. Allianz und Nahrungsmittespekulation. Oxfam, 2012, abgerufen 31. Juli 2012.
  21. Allianz verzichtet auf betriebsbedingte Kündigung bis 2009 statt 2007. In: Capital
  22. parteispenden.unklarheiten.de
  23. TAZ Parteispenden Watch 2010
  24. Namen im Netz. Focus Online
  25. Der Abmahnwahn wird immer absurder. Telepolis
  26. Allianz-Konzern will Domain www.nationale-allianz.de Onlinekosten.de
  27. Panorama-Sendung vom 4. September 2012
  28. Verbraucherzentrale Hamburg
  29. AZ: 2 U 138/10 openjur.de
  30. Vorsorgekonzept Perspektive der Allianz, zuletzt abgerufen am 12. Juli 2013.
  31. bundderversicherten.de
  32. Lebensversicherung ohne Garantiezins: Warum die Produkte für Verbraucher ungeeignet sind, zuletzt abgerufen am 12. Juli 2013.
  33. allianz.com
  34. H. Schweitzer: Die Allianz Capital Partners in München kaufte die britische Pflegeheimkette Four Seasons Healthcare für 1,15 Milliarden Euro. Four Seasons verfügt über 14.600 Plätze in ca. 300 Pflegeheimen und gilt als größter privater Anbieter im britischen Markt. Rechnet man das durch, macht das 78.776 Euro pro Pflegebett. Allianz Capital Partners überlegt, an die Börse zu gehen. Frage: Wo bleibt eigentlich der Mehrwert der wohlfahrtsverbandlich betriebenen Pflegeheime? In FAZ 6. Juli 2004. 1. Sept. 2006: ACP verkauft die britische Pflegeheimkette Four Seasons Healthcare. Käufer ist die Investmentgesellschaft Three Delta LLP für den Preis von 2,07 Mrd. EUR. ACP hatte die Kette für ca. 1,1 Mrd. EUR erworben und für 171 Mio. EUR. noch die Better Care Group hinzugekauft.
  35. handelsblatt.com
  36. Squeeze-Out Allianz Leben wirksam
  37. finanztreff.de
  38. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Welt: Allianz reduziert Anteil an Beiersdorf-Konzern. 27. Juni 2009, abgerufen am 8. September 2010.
  39. Allianz profitiert von ICBC-Börsengang. Nachzulesen unter: handelsblatt.com vom 10. Oktober 2006
  40. kurse.focus.de
  41. handelsblatt.de
  42. xn--b1afamhsceuoa2a4a1k.xn--p1ai
  43. Allianz zieht sich von NYSE und europäischen Börsen zurück
  44. Aktionärsstruktur abgerufen 27. September 2013
  45. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/versicherungen/vermisste-boeing-allianz-zahlt-fuer-den-flug-mh-370/9635498.html

48.15444166666711.588761111111Koordinaten: 48° 9′ 16″ N, 11° 35′ 20″ O