Allradlenkung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Allradlenkung im Autosport: Fiat Stilo mit Allradantrieb bei einem Eisrennen der Trophée Andros
Allradlenkung mit 3,10 m Wenderadius bei einem Multicar Tremo Carrier
Mercedes-Benz G5 Kübelwagen von 1937 bis 1941 mit Allradlenkung

Allradlenkung ist eine Technik bei Kraftfahrzeugen, bei der zum Richtungswechsel alle Räder gelenkt werden; im Gegensatz zur gebräuchlichen Lenkung nur einer Achse, bei der in der Regel nur die Räder der Vorderachse gelenkt werden. (Bei Gabelstaplern, Mähdreschern, Vorderkippern (Dumpern) und ähnlichem werden die Räder der Hinterachse gelenkt.)

Funktion[Bearbeiten]

Mit Allradlenkung werden normalerweise nur Spezialfahrzeuge ausgerüstet, die auf engstem Raum manövrieren müssen. Beispiele sind Vierwegestapler, die sich seitlich bewegen können, statt eine Kurve zu fahren und Kehrmaschinen, die auf kleinstem Raum wenden können.

Die Allradlenkung erhöht bei Spezialfahrzeugen, wie beispielsweise überlangen Schwertransportern, die Fähigkeit, auch unter schwierigen räumlichen Verhältnissen zu rangieren.

Bei Pkw wird eine Allradlenkung meist verwendet, um den Wendekreis zu verringern (bei geringer Geschwindigkeit) und bei hoher Fahrgeschwindigkeit den Schwimmwinkel zu reduzieren und die Fahrstabilität zu erhöhen. Dazu wird die Lenkbewegung vorne durch Sensoren erfaßt und zum Teil auf die hinteren Räder übertragen, bei geringer Geschwindigkeit gegensinnig, bei hoher werden die Hinterräder gleichsinnig zu den Vorderrädern eingeschlagen. Das Verhältnis von Hinterachseinschlag zu Vorderachseinschlag beträgt dann etwa 0,15 bis 0,3.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Società Automobili Brevetti Angelino entwarf 1927 einen Prototyp mit Allradantrieb und Allradlenkung, der aber nicht in Serienproduktion ging.[1] Die Daimler-Motoren-Gesellschaft entwickelte 1907 den Dernburg-Wagen mit vier angetriebenen und gelenkten Rädern. In den 1930er Jahren gab es eine Allradlenkung für die Geländefahrzeuge 170 VL und G5. Das erste in Großserie gefertigte Auto für die Straße mit Allradlenkung war der Honda Prelude der dritten Generation, der 1987 erschien. Die Lenkung arbeitete mechanisch mit einem Planetentrieb: bei kleinem Lenkwinkel wurden die Hinterräder gleichsinnig zu den Vorderrädern eingeschlagen, bei Großem gegensinnig. Weitere Autos mit Allradlenkung sind der Renault Laguna GT/Coupé, der Mitsubishi Sigma und der Mitsubishi 3000 GT, sowie der Nissan 300ZX und der Nissan Skyline. Auch der Mazda 626 in seiner dritten Generation, der Baureihe GD, und weitere, zumeist japanische Pkw waren und sind auf Wunsch mit einer Allradlenkung erhältlich.

Bei BMW wurde zwischen 1992 und 1996 in der 8er-Baureihe (BMW E31) die sogenannte „aktive Hinterachs-Kinematik“ (AHK) teilweise serienmäßig (im 850 CSi) oder gegen einen Aufpreis eingebaut. Seit 2008 ist wieder eine Allradlenkung bei BMW verfügbar, allerdings nur gegen Aufpreis bei der 7er-Reihe (BMW F01) und seit 2009 bei der 5er-Reihe (BMW F10/BMW F07). Hier werden die Hinterräder allerdings um maximal 2,5 Grad gedreht.

Der Automobilzulieferer Continental Automotive Systems (CAS), eine Sparte der Continental AG, stellte im Jahr 2007 eine aktive Hinterachskinematik [2] vor. Mit diesem System sollen sowohl Fahrdynamik als auch Fahrsicherheit erhöht werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nick Georgano: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile, Volume 3 P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1 (englisch)
  2. conti-online.com Pressemitteilung