Alltagsbegleiter

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Ein Alltagsbegleiter oder Betreuungsassistent (in der Betreuungskräfte-Richtlinie als „zusätzliche Betreuungskraft“ und ansonsten mitunter auch als „Präsenzkraft“ bezeichnet) ist in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen beschäftigt. Dieser umfassende Bezug auf alle in voll- und teilstationären Einrichtungen lebende Pflegebedürftige wurde in Deutschland mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz zum 1. Januar 2015 gültig.[1] Vorher kamen ausschließlich Personen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen[2] in den Genuss der zusätzlichen Betreuungsleistungen. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Gesundheits- und Pflegeassistenten.

Ausbildung und Aufgaben[Bearbeiten]

Eine Qualifizierung zum Alltagsbegleiter bzw. Betreuungsassistent umfasst mindestens 160 Stunden theoretischen Unterricht und praktische Abschnitte (eine Hospitation (40 Stunden) und ein Praktikum (2 Wochen)). Die Ausbildung wird von privaten und kirchlichen Einrichtungen, oft in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, durchgeführt. Oftmals sind die Kurse auch Altenpflegeschulen angeschlossen. Unterrichtsinhalte sind unter anderem Pflege, Betreuung und Hygiene. Es werden in der Betreuung aber zusätzlich auch angelernte Arbeitskräfte eingesetzt. Diese übernehmen dann aber keine pflegerischen Aufgaben, sondern sind hauptsächlich für hauswirtschaftliche Tätigkeiten sowie Beschäftigung und Aufgaben der Tagesstruktur zuständig.

Zur Qualifikation und zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in Pflegeheimen hat der GKV-Spitzenverband der Pflegekassen nach § 87b Abs. 3 SGB XI[3] Richtlinien erlassen (Betreuungskräfte-Richtlinie vom 19. August 2008).[4] Eine klare Abgrenzung zwischen betreuender und pflegender Tätigkeit findet hier zwar nicht statt (§ 2 Abs. 1 Betreuungskräfte-Rl: „[...] Als Betreuungs- und Aktivierungsmaßnahmen kommen Maßnahmen und Tätigkeiten in Betracht, die das Wohlbefinden, den physischen Zustand oder die psychische Stimmung der betreuten Menschen positiv beeinflussen können.“), so dass z.B. Themen wie Essen anreichen und Toilettengänge von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich gehandhabt werden. Jedoch lässt sich aus den in § 2 Abs. 2 genannten Beispielen („Malen und basteln, handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten, Haustiere füttern und pflegen“ etc.) eine klare Stoßrichtung ersehen, ebenso aus der Beschreibung der Aufgaben eines Alltagsbegleiters auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit: „[...] Es soll erreicht werden, dass den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern bzw. Pflegegästen durch zusätzliche Betreuung und Aktivierung mehr Zuwendung und eine höhere Wertschätzung entgegen gebracht, mehr Austausch mit anderen Menschen und mehr Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht werden. Pflegerische Aufgaben gehören hingegen nicht zum Aufgabenbereich der zusätzlichen Betreuungskräfte. . [...]“.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Beruf existiert seit der deutschen Pflegereform des Jahres 2008. Durch die Schaffung von Alltagsbegleitern versprach sich die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt eine Linderung des zunehmenden Personalmangels in der Altenpflege und eine Verbesserung der Betreuung stationär Pflegebedürftiger durch zusätzliche Kräfte. Kritiker hingegen befürchteten Probleme durch eine zu geringe Qualifikation und niedrige Bezahlung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bmg.bund.de/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegestaerkungsgesetz-i.html#c90832 Abgerufen am 21. Januar 2015
  2. Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI), § 45a Berechtigter Personenkreis. Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 21. Januar 2015 (HTML).
  3. Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI), § 87b Vergütungszuschläge für Pflegebedürftige mit erheblichem allgemeinem Betreuungsbedarf. Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 21. Januar 2015 (HTML).
  4. Richtlinien nach § 87b Abs. 3 SGB XI zur Qualifikation und zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in Pflegeheimen. GKV-Spitzenverband, abgerufen am 10. April 2015 (PDF; 28 kB).
  5. Glossarbegriff: Zusätzliche Betreuungskraft. Bundesministerium für Gesundheit, abgerufen am 21. Januar 2015 (HTML).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Becker, K. et al.: Alltagsbegleitung. Betreuung von Menschen mit Demenz in der Altenhilfe. 1 Auflage. Westermann, Braunschweig 2015, ISBN 9783142312187, S. 239.