Alltagstheorie

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Alltagstheorien sind die - oft miteinander unverbundenen - (Teil-)Theorien, die sich Menschen aus ihren Erfahrungen bilden und nach denen sie handeln, auch wenn sie sich dessen gar nicht bewusst sind. Sie können hochpersönlich sein oder auch von Vielen geteilt werden. Sie sind in allen Lebensbereichen wirksam.

Theorien der einzelnen Akteure[Bearbeiten]

Praktische Erfahrungen im sozialen und kulturellen Bereich führen zu persönlichen Folgerungen, die den Aufbau von persönlichem Alltagswissen begünstigen. Die Vereinbarkeit (Stimmigkeit, Kohärenz) der Alltagstheorien eines sozialen Akteurs richtet sich nach dem Stand seiner Reflexion. So ist davon auszugehen, dass Kenntnisse in Psychologie und Soziologie eine größere Kohärenz beispielsweise bei Erziehungsmaßnahmen oder generell beim Umgang mit anderen Menschen sichern. Alltagstheorien äußern sich nicht nur in Handlungen, sondern auch in persönlichen Voreingenommenheiten.

Gemeinsame Alltagstheorien[Bearbeiten]

Alltagstheorien werden oft von vielen geteilt und führen zu Vorurteilen. Sie beeinflussen zum Beispiel das Wahlverhalten, die Haltung gegenüber Ausländern und gegenüber Minderheiten, die Freizeitgestaltung und die Art und Weise, wie man Werte in der Öffentlichkeit vertritt, aber auch, ob man es allgemein für nötig hält, sich die Zähne zu putzen. Je umfassender der Referenzrahmen, desto stärker ist die Erklärungskraft von Alltagstheorien; sie können dann stark zu Ideologien beitragen.

Verdeckte Alltagstheorien bewusst zu machen und ihre Qualität kritisch beurteilen zu lehren, ist eine Aufgabe der Pädagogik.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen (Hrsg.): Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit. Opladen: Westdeutscher Verlag (1981)
  • Heinz Abels, Horst Stenger: Gesellschaft lernen. Einführung in die Soziologie. Opladen: Leske und Budrich (1986)
  • Kurt Lewin: Feldtheorie in den Sozialwissenschaften. Bern, Stuttgart: Huber, 1963