Alma Karlin

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Alma Karlin

Alma Maximiliane Karlin (* 12. Januar 1889 in Cilli, Österreich-Ungarn; † 14. Januar 1950 in Pečovnik bei Štore, Jugoslawien) war eine Journalistin und zwischen den Weltkriegen die meistgelesene deutschsprachige Reiseschriftstellerin. Vor allem wurde sie durch ihre kurz nach dem Ersten Weltkrieg unternommene mehrjährige Weltreise und die darüber veröffentlichten Bücher bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Alma Karlin kam in Cilli (Celje) zur Welt. Vor dem Zerfall der Donaumonarchie war Cilli überwiegend deutschsprachig. Ihr Vater Jakob Karlin (geb. 1829) war Major in der der K.u.k. Armee und ihre Mutter Vilibalda Miheljak (geb. 1844), Lehrerin an einer Mädchenschule in Cilli. In der Familie sprach man deutsch. Unklar ist, ob sich ihre Familie als deutsch bzw. deutsch-österreichisch definierte oder als deutsch-slowenisch.

Sie studierte Sprachen in Graz, Paris und London. In London legte sie an der Society of Arts ihr Examen in acht Fremdsprachen ab. In dieser Zeit soll sie eine Verlobung mit einem chinesischen Offizier eingegangen, diese jedoch auf Drängen ihrer Mutter hin aufgelöst haben.

Alma Karlin selber fühlte sich als Deutsch-Österreicherin und vermisste auf ihren Auslandsreisen vor allem den Kontakt zu Landsleuten.

Nach ihrer Rückkehr ins Elternhaus ging sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs wieder ins Ausland. Sie lebte einige Zeit in Norwegen und Schweden. Nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie kehrte sie 1919 nach Celje zurück. Alma ging auf Weltreise, die von 1919 bis 1928 dauerte. Sie hielt sich längere Zeit im Nahen Osten, in Südamerika und vor allem in Asien auf.

Karlin beherrschte neben ihrer deutschen Muttersprachen noch elf andere Sprachen. Während ihrer Reisen veröffentlichte sie zahlreiche Beiträge in Zeitschriften, vor allem in Deutschland, Japan (wo sie einige Zeit in der Deutschen Botschaft in Tokio arbeitete) und China (wo sie als Assistentin von Erich von Salzmann in Peking tätig war). An die in ihrer Geburtsstadt Celje erscheinende Zeitung Cillier Zeitung lieferte sie regelmäßig Eindrücke von ihren Erlebnissen. Nach ihrer Rückkehr nach Slowenien veröffentlichte sie einige Gedichte und Romane.

Während der 1930er Jahre wurde Karlins Werke von verschiedenen Herausgebern auf den deutschsprachigen Markt gebracht. 1937 fand der Journalist Hans Joachim Bonsack Zuflucht bei Alma Karlin in Celje.

Ihr Buch Windlichter des Todes beeindruckte die schwedische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf sosehr, dass sie Karlin für den Nobelpreis für Literatur nominierte.

1941 werden ihre Bücher von den Nationalsozialisten verboten. Sie hatte sich bereits früh gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1941 wurde Alma Karlin von der Gestapo verhaftet und zunächst im Cillier Gefängnis Stari pisker, danach in Marburg an der Drau inhaftiert. Ihre Freundin Thea Gamelin erreichte durch ihre Beziehungen in Deutschland, dass Alma Karlin nicht in ein Konzentrationslager in Deutschland gebracht wurde. Sie stand jedoch weiterhin unter Gestapo-Überwachung, der sie sich im Herbst 1944 entzog, indem sie sich zu Partisanen in der Weißkrain begab. Sie versuchte zu den Engländern in Italien zu gelangen, wurde jedoch von den Partisanen nur nach Dalmatien gelassen. Dort erlebte sie das Kriegsende und kehrte wieder nach Celje zurück, wo sie 1950 starb.[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Alma Karlin (1920)
Denkmal für Alma Karlin, Celje

Alma Karlins Nachlass wurde von Thea Gamelin übernommen, die einen Teil davon dem Regionalmuseum Celje überließ. Im sozialistischen Jugoslawien wurde als einziges Werk und erste slowenische Karlin-Übersetzung überhaupt 1969 der Reisebericht Einsame Weltreise herausgegeben.

Verantwortlich dafür, dass man von Alma Karlin nach dem Zweiten Weltkrieg fast nichts erfuhr, waren vor allem ideologische Vorurteile gegen alles, was mit deutscher bzw. deutsch-österreichischer Kultur in Slowenien zu tun hatte. Da Alma Karlin auf deutsch schrieb und man in ihrer Familie deutsch sprach, geriet sie daher automatisch unter diesen ideologischen Bann.[2]

Nach der Unabhängigkeit Sloweniens 1990 erwachte das Interesse an Alma Karlin. Verantwortlich dafür war eine neue, junge Generation slowenischer Ethnologen. Dies belegen zahlreiche Zeitungsartikel und Ausstellungen über sie.[3][4] 1993 zeigte das slowenische Fernsehen einen Dokumentarfilm über sie, und 1995 erschien eine Neuauflage der Einsamen Weltreise. Uršula Cetinski schrieb im selben Jahr auf Grundlage der Weltreise ein Theaterstück namens Alma, das 1996 unter dem Titel The Lonesome Journey auf dem Internationalen Theaterfilmfestival in Basel auf Englisch vorgeführt wurde, wobei die slowenische Schauspielerin Polona Vetrih Alma Karlin darstellte. Seitdem sind in Slowenien eine Reihe ihrer Werke herausgekommen, teilweise auch bisher Unveröffentlichtes, so dass heute einiges davon nur in slowenischer Übersetzung vorliegt.[1]

Mittlerweile wird sie in Slowenien vor allem als Slowenin betrachtet. Davon zeugt auch ein lebensgroßes Denkmal von ihr in Celje, das ihr zu Ehren im April 2010 auf dem Krekplatz aufgestellt worden ist. Es stellt Alma Karlin auf dem Weg zum Bahnhof dar. In der Hand trägt sie einen Koffer mit ihrer geliebten Schreibmaschine.[5][6][7]

Werke[Bearbeiten]

  • Mein kleiner Chinese, Dresden, Verlag Deutsche Buchwerkstätten, 1921
  • Einsame Weltreise, 1928
  • Im Banne der Südsee, 1930
  • Drachen und Geister, Berlin, Frundsberg Verlag, 1930
  • Der Götze, 1931
  • Mystik der Südsee, Berlin Lichterfelde, Hugo Bermühler Verlag, 1931
  • Der Todesdorn, 1933
  • Windlichter des Todes, Leipzig, Hesse und Becker Verlag, 1933
  • Into-Yo-Intec, 1934
  • Tränen des Mondes, 1935
  • O ioni San, Breslau, Heydebrand Verlag, 1936
  • Vier Mädchen im Schicksalswind, Leipzig, Grethlein & Co., 1936
  • Kleiner Frühling, Leipzig, Max Möhring Verlag, 1937
  • Der blaue Mond, Leipzig, Max Möhring Verlag, 1938
  • Der Becher des Vergessens, Leipzig, Max Möhring Verlag, 1938
  • Erlebte Welt, das Schicksal einer Frau. Durch Insulinde und das Reich des weißen Elefanten, durch Indiens Wunderwelt und durch das Tor der Tränen, Verlag Wilhelm Köhler Minden i. W./Berlin/Leipzig, ca. 1938

(Neuauflagen z.T. unter abweichenden Titeln)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.almakarlin.si/
  2. Lebenslauf der Alma Karlin in Deutsch, Englisch und Slowenisch auf www.almakarlin.si
  3. Ausstellung im Regionalmuseum Celje über Alma Karlin von Oktober 2009 bis zum 16. Januar 2011
  4. Ausstellung in Celje
  5. Alma Karlin dobila svoj spomenik; Slowenischer Artikel auf www.euranet.eu
  6. Skulptura Alme M. Karlin v Celju; Slowenischer Artikel auf www.siol.net
  7. Video der Denkmalenthüllung