Almirante Latorre

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Flagge
Almirante Latorre, 1921
Almirante Latorre, 1921
Übersicht
Typ Schlachtschiff
Bauwerft

Armstrong, Whitworth & Co., Elswick, BauNr.845

Kiellegung 1. Mai 1912
Stapellauf 27. November 1913
1. Dienstzeit Flagge
Indienststellung 30. September 1915
als HMS Canada
Verbleib Rückgabe an Chile April 1920
2. Dienstzeit Flagge
Indienststellung 20. Februar 1921
Außerdienststellung 27. Februar 1958
Verbleib 1958 an Mitsubishi Heavy Industries in Japan verkauft und abgewrackt
Technische Daten
Verdrängung

Standard: 28.000 t
Maximal: 32.300 t

Länge

Lpp: 190,5 m
Lü.a.: 201,5 m

Breite

28 m
ab 1929: 31,4 m

Tiefgang

8,5 m

Besatzung

1167 Mann
ab 1929: 1175 Mann

Antrieb
  • 21 Yarrow-Kessel (ab 1929: Ölfeuerung)
  • 2 Turbinensätze bestehend aus je 1 Brown-Curtis-Hochdruck- und 1 Parsons-Niederdruckstufe (ab 1929: 4 Parsons-Turbinen) auf 4 Wellen
  • 37.000 PS
Geschwindigkeit

22,7 kn

Reichweite

4400 sm bei 10 kn

Bewaffnung
  • 10 x 14"/45 BL Mk. I[1]
  • 16 x 6"/50 BL Mk. XVII[2]
    (ab 1916: 14)
  • 2 x 12-Pdr 3"/45 20cwt QF HA Mk. I[3][4]
    dafür ab 1930:
    4 x 4"/45 QF Mk. V[5]
  • 4 x 3-pdr 1.85"/50 QF Mk. I/II[6]
  • 4 x 21"-Torpedorohre

ab 1935 zusätzlich:

  • 2 x Vickers 2-Pdr 1.575"/39 Mk. II[7]
  • 2 x MG

dafür zuletzt:

Panzerung
  • Gürtel: 4 - 9 in
  • Längsschotten: 3 - 4½ in
  • Barbetten: 4 - 10 in
  • Turmfronten: 10 in
  • Kommandostand: 11 in
  • Decks: 1 - 4 in
Bunkermenge

3300 t Kohle und 520 t Heizöl
ab 1929: 4300 t Heizöl

Die Almirante Latorre war ein chilenisches Schlachtschiff (Buque capital, spanisch: „Riesenschiff“, oder auch als acorazado „gepanzert“ bezeichnet), das am 27. November 1911 bei der Firma Armstrong in Elswick, Großbritannien, in Auftrag gegeben wurde. Nach Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wurde das Schiff von Großbritannien angekauft und diente als Canada. 1920 wurde es von Chile zurückgekauft. Es stand bis 1958 in Dienst und wurde anschließend in Japan abgewrackt.

Geschichte der Entstehung[Bearbeiten]

Formal wurde der Bauauftrag im Kontext des 100. Jahrestags der chilenischen Unabhängigkeit vergeben, tatsächlich erfolgte er aufgrund des argentinisch-brasilianischen Wettrüstens. Als Argentinien die Rivadavia und die Moreno in den Vereinigten Staaten in Auftrag gab, war die chilenische Regierung der Auffassung, dass Chile zum Kräfteausgleich ebenfalls zwei moderne Schlachtschiffe benötige. Ursprünglich sollten die Schiffe nach den beiden größten Städten Chiles, Santiago und Valparaíso, benannt werden, dann wurde Libertad (Freiheit) erwogen. Nach dem Tod des Admirals Juan José Latorre (1846-1912), entschied man sich im Juli 1912, das Schiff nach ihm zu benennen. Latorre galt als einer der Helden des Krieges gegen Peru 1879 (Salpeterkrieg) und trug wesentlich zu Eroberung des peruanischen Panzerschiffs Huáscar, bei, heute ein Museumsschiff der chilenischen Marine. 1886 bis 1887 war er Oberbefehlshaber der chilenischen Marine und von 1898 bis 1899 Außenminister Chiles.

Die Konstruktion der beiden Schiffe, die zuletzt die Namen chilenischen Seehelden Almirante Latorre und Almirante Cochrane erhalten sollten, war an die britische Iron Duke-Klasse angelehnt. Neben den beiden Schlachtschiffen bestellte Chile in Großbritannien noch sechs große Zerstörer (Flottillenführer) vom Typ Almirante Lynch und zwei Unterseeboote.

Der Vertrag zum Bau zweier Schlachtschiffe wurde mit Armstrong Whitworth am 25. Juli 1911[8] geschlossen. Nach Vorlage der Bauvorstellungen wurde die Almirante Latorre am 2. November bestellt und die offizielle Kiellegung des bis dahin größten bei Armstrong in Elswick zu bauenden Schiffes erfolgte am 27. November 1911.[9] Die Taufe und der Stapellauf der Almirante Latorre fand am 27. November 1913[10] statt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die bereits in Ausrüstung befindliche Almirante Latorre von Großbritannien am 9. September 1914 [10] angekauft. Anders als bei den in der Fertigstellung befindlichen türkischen Schlachtschiffen Reshadieh und Sultan Osman I, die von Militäreinheiten beschlagnahmt wurden, wurde Chile als "freundliche" neutrale Nation behandelt. Die in Canada umbenannte Almirante Latorre wurde am 15. Oktober 1915 in Dienst gestellt.

Das Schwesterschiff Almirante Cochrane wurde 1917 immer noch auf den Helgen liegend von Großbritannien gekauft und 1924 als Flugzeugträger Eagle in Dienst gestellt.

Dienst als Canada[Bearbeiten]

Canada während des Ersten Weltkriegs

Während ihrer Dienstzeit in der Royal Navy war HMS Canada Teil des 4.Schlachtgeschwaders der Grand Fleet und nahm zusammen mit Royal Oak, Superb, Benbow, Bellerophon, Temeraire und Vanguard an der Skagerrakschlacht teil. Während der Schlacht verschoss sie 42 Granaten ihrer schweren Artillerie in sieben Salven, wurde aber selbst nicht getroffen. Die beiden ersten Salven wurden gegen 18.40 Uhr auf die bewegungsunfähige Wiesbaden abgegeben, die anderen fünf folgten beim Zusammentreffen der Flotten gegen 19.20 Uhr.[11] Ihre 152 mm-Geschütze feuerten ab 19.11 Uhr auch 109 Schuss auf deutsche Torpedoboote.[10][12]

Am 12. Juni 1916 wurde die Canada im Rahmen eines größeren Schiffstausches zum 1. Schlachtgeschwader versetzt. 1918 erhielt sie Startplattformen für Flugzeuge auf den Türmen B und Y.

Im März 1919 stellte die Canada außer Dienst und wurde der Reserve zugeordnet.[10]

Dienst in der chilenischen Flotte[Bearbeiten]

Die Almirante Latorre

Die Briten versuchten bei Kriegsende, überzählige Schiffe zu verkaufen. Die Chilenen aber waren nicht an älteren Schiffen interessiert, sondern bestanden auf ihren relativ modernen Vorkriegsbestellungen. Am Ende erwarb Chile im April 1920 die Canada, die drei verbliebenen Zerstörer der vor dem Krieg bestellten Faulknor-Klasse[13] und einen Schlepper. Die fünf Schiffe kosteten zusammen weniger als ein Drittel des Preises, den Chile 1914 für die Almirante Latorre zahlen wollte. Die Canada erhielt wieder den alten Namen und wurde am 27. November 1920 Chile wieder übergeben.[10] Am selben Tag verließ sie Plymouth mit den beiden Zerstörern Almirante Riveros (ex Faulknor, ursprünglich Almirante Simpson) und Almirante Uribe (ex Botha, ursprünglich Almirante Goni)[14] unter dem Kommando von Admiral Luis Gomez Carreño.

Am 20. Februar 1921 traf der Verband in Chile ein, wo er vom Präsidenten Arturo Alessandri begrüßt wurde. Almirante Latorre wurde das neue Flaggschiff der Chilenischen Marine an Stelle des Panzerkreuzers O’Higgins. Mit Indienststellung der Almirante Latorre konnte Chile einen Kräfteausgleich mit der argentinischen Marine herstellen; der peruanischen war sie nun eindeutig überlegen. Zu diesem Zeitpunkt war das Schlachtschiff das größte Kriegsschiff, das je eine lateinamerikanische Marine besessen hatte.

1929 wurde die Almirante Latorre zum Devonport Dockyard zur Modernisierung geschickt. Sie verließ Chile am 15. Mai und lief durch den Panamakanal nach Port of Spain, wo sie am 28. Mai Treibstoff aufnahm. Sie lief weiter über die Azoren und traf am 24. Juni[15] in Plymouth ein. Die Brücke wurde modernisiert und die Feuerleitanlage erneuert. Zwischen dem dritten und vierten Turm wurde ein weiterer Mast eingebaut. Die Turbinenanlage wurde verändert und erneuert und völlig auf Ölfeuerung umgestellt. Dazu erhielt das Schiff Torpedowulste ähnlich der britischen Queen Elizabeth-Klasse und eine moderne Flugabwehrbewaffnung.[10] Fast zwei Jahre nach dem Beginn der Modernisierung begann die Almirante Latorre am 5. März 1931 die Rückreise nach Valparaíso, wo sie am 12. April eintraf. Auf der Rückreise transportierte sie zwei Schlepper an Deck, die in Punta Arenas und Valparaíso eingesetzt werden sollten.[15]

Am 1. September 1931 meuterten die Matrosen an Bord der Almirante Latorre, dem Panzerkreuzer O’Higgins, sieben Zerstörern und einigen U-Booten. Die Meuterei sollte durch den Einsatz von Flugzeugen der chilenischen Luftwaffe (Fuerza Aérea de Chile) niedergeschlagen werden. Der Luftangriff wurde jedoch abgewehrt.

1933 wurde die Almirante Latorre in Talcahuano deaktiviert, um die Regierungsausgaben zu reduzieren.[16] An Bord blieb nur eine Wartungsmannschaft. 1937 wurde sie in Talcahuano überholt und ab 1939 für Sicherungsfahrten eingesetzt.[10] Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im Pazifik wollten die USA das Schiff für die United States Navy ankaufen, doch lehnte die chilenische Regierung dies ab.
Nach einem Unfall im Maschinenraum mit drei Toten im Jahre 1951 die Almirante Latorre, am Pier von Talcahuano festgemacht, als Lager für Treiböl.[15] 1958 wurde sie außer Dienst gestellt und zum Abwracken nach Japan an Mitsubishi Heavy Industries verkauft. Ein Teil der verbliebenen Ausrüstungsgegenstände fand Wiederverwendung in dem zum Museumsschiff gewordenen Schlachtschiff Mikasa.

Südamerikanische Schlachtschiffe[Bearbeiten]

nach Brassey's Naval Annual (1915)

Weitere Schiffe mit dem Namen Almirante Latorre[Bearbeiten]

Die Chilenische Marine hatte noch drei weitere Schiffe mit diesem Namen :

Literatur[Bearbeiten]

  • R.A. Burt: British Battleships of World War One, Naval Institute Press, Annapolis (1986), ISBN 0-87021-863-8.
  • Alexander Bredt (Hg.): Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten, XXXVI. Jg. 1943/44, München/Berlin 1944, 3. Neuaufl. Bonn 1996, S. 94 u. 372.
  • Adrian J. English: The Armed Forces of Latin America. Their Histories, Development, Present Strength and Military Potential, 2. Aufl. London 1985, S. 38f.
  • Seward W. Livermore: Battleship Diplomacy in South America 1905–1925, The Journal of Modern History 16: no. 1 (1944),S.31–44 JSTOR 1870986
  • Robert L. Scheina: Argentina" und "Chile" in Conway's All the World's Fighting Ships 1906–1921, hrg. von Robert Gardiner, Randal Gray, Naval Institute Press, Annapolis (1984), ISBN 0-87021-907-3
  • Robert L. Scheina: Latin America: A Naval History 1810–1987, Naval Institute Press, Annapolis (1987), ISBN 0-87021-295-8
  • Bruno Weyer: Taschenbuch der Kriegsflotten, XV. Jg. 1914, München 1914, Reprint Koblenz 1983, S.26,170
  • M.J. Whitley: Battleships of World War Two: An International Encyclopedia, Naval Institute Press, Annapolis (1998), ISBN 1-55750-184-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Almirante Latorre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_14-45_mk1.htm
  2. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_6-50_mk17.htm
  3. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_3-45_mk1.htm
  4. QF ist die Abkürzung für "quick fire" und bedeutet, dass Granate und Kartusche miteinander verbunden waren, was die Ladezeit verkürzte. HA steht für "high angle" und bedeutet, dass ein solches Geschütz auf einer hohen Sockellafette montiert ist und dadurch auch (zur Flugabwehr) in einen steilen Winkel gerichtet werden kann.
  5. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_4-45_mk5.htm
  6. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_3pounder_V_mk1.htm
  7. http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_2pounder_m2.htm
  8. Livermore, S. 42.
  9. Scheina, Naval History,S. 322; "Chile", S. 408.
  10. a b c d e f g Burt, S. 240.
  11. Campbell, S. 157, 206f.
  12. Campbell,S. 210.
  13. Livermore,S. 48.
  14. Chile's War Fleet Sails, NYT 28. November 1920
  15. a b c Whitley, S. 33.
  16. Chile Lays Up All Battleships in Drastic Economy Measure, New York Times vom 19. Januar 1933.
  17. a b Scheina, Naval History,S. 82.
  18. Vanterpool:The Riachuelo,S. 140.
  19. Scheina: "Argentina",S. 401.