Alois Eliáš

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Alois Eliáš (1939)

Alois Eliáš (* 29. September 1890 in Königliche Weinberge; † 19. Juni 1942 in Prag) war ein tschechischer General und Politiker. Von 1939 bis 1941 war er Ministerpräsident des Protektorats Böhmen und Mähren. Er unterhielt geheime Kontakte zur tschechoslowakischen Exilregierung in London und wurde dafür 1941 von den Deutschen verhaftet und 1942 hingerichtet.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Alois Eliáš war im Ersten Weltkrieg zunächst Soldat der österreichischen Armee, wurde nach russischer Gefangenschaft Soldat in der Tschechoslowakischen Legion und kämpfte als Exilant an der Seite Frankreichs in der Schlacht um Verdun. In der ersten Tschechoslowakischen Republik wurde er General.

Eliáš wurde am 27. April 1939 zum Ministerpräsidenten des „Reichsprotektorates Böhmen und Mähren“ ernannt (siehe Regierung Alois Eliáš), das mit der Zerschlagung der „Rest-Tschechei“ am 15. März 1939 von den Deutschen okkupiert worden war. Neben dem Amt des Ministerpräsidenten übte er auch das des Innenministers aus. Während seiner Amtszeit unterhielt er über Nachrichtenkanäle der Widerstandsorganisation ÚVOD Kontakte zur tschechoslowakischen Exilregierung und Präsident Edvard Beneš in London.

Am 27. September 1941, eine Woche nach der Berufung von Reinhard Heydrich zum Stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, wurde Eliáš festgenommen, vor Gericht gestellt und wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch vorerst nicht vollstreckt. Nachdem Heydrich am 4. Juni 1942 den Folgen eines Attentats erlag, wurde Eliáš im Zuge der Vergeltungsmaßnahmen am 19. Juni 1942 in Prag durch Erschießen hingerichtet. Am Hinrichtungsort in Kobylisy befindet sich heute eine Gedenkstätte.

1996 wurde Eliáš posthum mit dem tschechischen Orden des Weißen Löwen ausgezeichnet. 2006 wurde er feierlich beim Nationaldenkmal auf dem Vítkov in Prag beigesetzt.[1] Im Jahr 2010 wurde im Archiv des Tschechischen Rundfunks eine Tonaufnahme eines Gesprächs vor der Gestapo, die bereits nach seinem Todesurteil aufgezeichnet worden war, gefunden.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Feierliche Beisetzung von General Alois Elias 64 Jahre nach seinem Tod auf Radio Prag vom 5. Juli 2006 abgerufen am 26. April 2011
  2. Aufregender Fund im Rundfunkarchiv: die letzte Ansprache von General Eliáš auf Radio Prag vom 26. Februar 2011 abgerufen am 26. April 2011