Alois Hába

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alois Hába

Alois Hába (* 21. Juni 1893 in Wisowitz, Mähren; † 18. November 1973 in Prag) war ein tschechischer Komponist und Musiktheoretiker. Er erlangte Weltruhm durch seine Mikrointervallkompositionen, bei denen vor allem Viertelton-, aber auch Sechstel- und Zwölfteltonstimmung Verwendung fand.

Er war ein Schüler von Vítězslav Novák und Franz Schreker und gehörte in den frühen 1920er Jahren zur europäischen Avantgarde. Er studierte in Prag, Wien und Berlin und wurde Lehrer am Prager Konservatorium, wo er mit Hilfe seines Förderers Josef Suk eine Abteilung für das Studium mikrotonaler Musik gründete. Die Entwicklung der musikalischen Moderne, insbesondere Schönberg und Webern verfolgte er mit großem Interesse. Er nahm unter anderem an den berühmten Musikfesten Neuer Tonkunst in Donaueschingen teil.

In seiner Musik erweiterte er, inspiriert unter anderem durch die Praxis traditioneller mährischer Musik, die Tonskala um Viertel-, Fünftel-, Sechstel- und Zwölfteltöne, wozu auch spezielle Instrumente angefertigt wurden. Nicht notwendig war dies natürlich für seine Streichquartette, die deswegen auch am ehesten den Weg auf heutige Konzertpodien fanden.

Als Professor am Prager Konservatorium sowie der Akademie der musischen Künste in Prag zog er eine ganze Reihe bekannter Schüler heran, darunter Gideon Klein, Karel Risinger, Jeronimas Kačinskas und Zikmund Schul. Nach dem Februarputsch 1948 wurde die Lehre von Viertel- und Sechsteltonkomposition als selbstständiges Fach abgeschafft, 1951 völlig vom Lehrplan gestrichen.

Von 1946 bis 1968 gab es ein Streichquartett, das seinen Namen trug, und dem er auch die letzten 12 seiner insgesamt 16 Streichquartette widmete. Der Geiger Dušan Pandula floh 1968 nach Deutschland. Im Jahre 1984 gründete sein Schüler Peter Zelienka ein neues Hába-Quartett in Frankfurt am Main.[1]

Seit 1961 war er Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik (Sektion Musik).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst-Peter Hesse, and Wolfgang Thies (Hrsg.): Gedanken zu Alois Hába. Müller-Speiser, Anif/Salzburg 1996, ISBN 3-85145-044-2, (Wort und Musik - Salzburger akademische Beiträge 35).
  • Jiří Vysloužil: Alois Hába 1893–1993. Sbornik k životu a dílu skladatele. Nakladatelství LIPA, Vizovice 1993, ISBN 80-285-030-1 (formal falsche ISBN).
  • Jiří Vysloužil: Alois Hába von heutiger Sicht gesehen und gewertet. In: Respicio. Hudebně-historické studie a statě. Sborník prací k sedmdesátinám Oldřicha Pulkerta. Resonus, Prag 2000, S. 69–73.
  • Lubomír Spurný - Jiří Vysloužil: Alois Hába: A Catalogue of the Music and Writings. Prague: Koniasch Latin Press, 2010. ISBN 978-80-86791-78-4.
  • Vlasta REITTEREROVÁ - Lubomír SPURNÝ: Alois Hába (1893-1973): mezi tradicí a inovací. Prague: Koniasch Latin Press, 2014. ISBN 978-80-87773-08-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Luftige Eleganz und ungestüme Energie in: FAZ vom 10. Juni 2011, Seite 42