Alois Riegl
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Alois Riegl (* 14. Januar 1858 in Linz; † 17. Juni 1905 in Wien) war ein österreichischer Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Vertreter der Wiener Schule der Kunstgeschichte (siehe auch Formalismus (Kunstgeschichte)). Er prägte für die Kunsttheorie den einflussreichen Begriff des Kunstwollens als definierende Kraft einer Stilepoche. Er wendete sich gegen eine an Werteurteilen orientierte Kunstgeschichtsschreibung und betonte die Bedeutung der damals als „Verfallszeiten“ geltenden Epochen (Spätantike). Seiner Ansicht nach ist die antike Kunst Ausgangspunkt sowohl der frühmittelalterlichen wie auch der orientalischen Kunst.
Einflussreich wurden auch Riegls Konzepte in Sachen Denkmalschutz. Ähnlich Georg Dehio in Deutschland plädierte Riegl gegen die im 19. Jahrhundert verbreitete „Perfektionierung“ und den purifizierenden Weiterbau historischer Bauwerke (etwa gotischer Dome). Zum Unterschied von Dehios eher national geprägter Denkmalsicht vertrat Riegl aber einen supranational und universalistisch geprägten Denkmalbegriff, dessen Kern der Alterswert darstellt. (Riegls ideelles Wertesystem unterschied Gegenwartswerte und Erinnerungswerte. Zu den Gegenwartswerten zählte er den Gebrauchswert und den relativen Kunstwert, zu den Erinnerungswerten den historischen Wert und den von ihm besonders hervorgehobenen Alterswert.) Riegl wandte sich unter anderem im Falle des Diokletianspalastes in Split gegen eine Herausschälung des antiken Monuments und die Beseitigung der späteren ebenfalls schon historisch gewordenen Zubauten.
1904 bis 1905 war Riegl Generalkonservator der Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, dem heutigen Bundesdenkmalamt. Seine mehrjährige Bemühungen um ein österreichisches Denkmalschutzgesetz waren wenig erfolgreich, wiewohl er den Bedenken privater Denkmalbesitzer (Adel, Kirche) gegenüber den drohenden finanziellen Belastungen weitgehend entgegenzukommen bereit war.
[Bearbeiten] Werke
- Stilfragen, 1893
- Die spätrömische Kunstindustrie nach den Funden in Österreich-Ungarn dargestellt in 2 Bänden, 1901 und 1923
- Das holländische Gruppenporträt, 1902
- Der moderne Denkmalkultus, 1903
- Die Entstehung der Barockkunst in Rom, 1908.
- Historische Grammatik der bildenden Künste, posthum von K. M. Swoboda und O. Pächt, 1966
[Bearbeiten] Literatur
- Ulrike Krone-Balcke: Riegl, Alois. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 583 f.
- Michael Falser: Zum 100. Todesjahr von Alois Riegl. Der ‚Alterswert’ als Beitrag zur Konstruktion staatsnationaler Identität in der Habsburg-Monarchie um 1900 und seine Relevanz heute. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege, Wien. (LIX, 2005) Heft 3/4, S. 298-311.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Alois Riegl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Portrait von Alois Riegl
- http://www.kunsttexte.de/download/denk/falser2.pdf
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Riegl, Alois |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Kunsthistoriker |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1858 |
| GEBURTSORT | Linz |
| STERBEDATUM | 17. Juni 1905 |
| STERBEORT | Wien |

