Aloisia Lange

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Aloisia Weber als Zémire in André Grétrys Oper Zémire et Azor, etwa 1784

Maria Aloisia Antonia Lange (* zwischen 1759 und 1761 in Zell im Wiesental; † 8. Juni 1839 in Salzburg; gebürtige Aloisia Weber) war eine deutsche Sopranistin und Gesangspädagogin. Sie war eine der wichtigsten Interpretinnen der Werke Wolfgang Amadeus Mozarts.

Leben[Bearbeiten]

Aloisias genaues Geburtsdatum ist nicht gesichert. Sie kam als Tochter von Franz Fridolin Weber und Cäcilia Weber zwischen 1759 und 1761 in Zell im Wiesental zur Welt. 1763 (oder 1765) zog sie mit ihrer Familie nach Mannheim. Der Komponist Carl Maria von Weber war ihr Cousin.

1777 lernte sie in Mannheim Wolfgang Amadeus Mozart kennen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits eine gute Ausbildung als Sängerin und galt als vielversprechend. Mozart musizierte mit ihr, gab ihr Unterricht und verliebte sich in sie. Während Mozarts Mannheimaufenthalt ging sie gemeinsam mit ihm auf eine Konzertreise. Mozarts Werben um ihre Hand schlug sie im Dezember 1778 aus. Mozart, der einige Monate im Haus der Webers wohnte, hatte weiterhin engen Kontakt mit der Familie und heiratete später ihre Schwester Constanze.

Im darauffolgenden Jahr ging sie nach Wien und heiratete im Stephansdom den verwitweten Hofschauspieler Joseph Lange. 1781 kam ihr erstes Kind zur Welt. Es folgten sechs weitere Schwangerschaften, die Aloisia jedes Mal in akute Lebensgefahr brachten. Konzertreisen unternahm sie teilweise hochschwanger. Tochter Maria Anna Sabina wurde Schauspielerin und Sängerin. Sohn Karl Jakob wurde Schauspieler und später Feldkriegskanzlist. Drei ihrer Kinder starben früh.

Ab 1779 war sie in Wien als Hofsängerin tätig und trat unter anderem auch gemeinsam mit Mozart auf. Sie unternahm mehrere Konzertreisen in verschiedene europäische Städte mit ihrem Mann und später mit ihrer Schwester Constanze, Mozarts verwitweter Ehefrau. Kaiser Joseph II. versuchte mehrfach Aloisia zu entlassen. Die Hintergründe dazu sind nicht bekannt. 1788 wurde sie als Hofsängerin in Wien entlassen. 1790 kehrte sie an die italienische Oper in Wien zurück.

Von der Reise mit Constanze (1795–1796) kam sie nicht mehr zurück nach Wien. Ihre Ehe mit Joseph Lange war zu diesem Zeitpunkt zerrüttet. Zwischen 1796 und 1801 war sie an verschiedenen Opernhäusern engagiert. Ab 1801 war sie in Frankfurt/Main, wo sie auch zu unterrichten begann. 1813 flüchtete Aloisia vor den Napoleonischen Kriegen überstürzt nach Zürich, wo sie weiterhin als Sängerin und Lehrerin arbeitete.

Ab 1818/1819 (das genaue Datum ist unbekannt) war Aloisia Lange abermals zurück in Wien. Nach dem Tod ihres Mannes (1831) geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten. Ihre Schwester Constanze half mehrfach aus. Später zog sie nach Salzburg, wo bereits zwei ihrer Schwestern, Constanze Nissen, verwitwete Mozart und Sophie Haibl lebten. Am 8. Juni 1839 verstarb Aloisia Lange in Salzburg, wo sie auf dem Sebastiansfriedhof bestattet wurde und 1895 in einem Ehrengrab des Kommunalfriedhofs ihre letzte Ruhestätte fand.

Künstlerischer Werdegang[Bearbeiten]

1778 wurde Aloisia Lange Hofsängerin in München. Ab 1779 war sie Sängerin am Wiener Kärntnertortheater und am Burgtheater, wo sie große Erfolge feierte und in direkter Konkurrenz zu Caterina Cavalieri, einer der berühmtesten Sopranistinnen ihrer Zeit, stand.

Offenbar hatte Aloisia einen ausgesprochen lyrischen, „seelenvollen“ Sopran. Im Lauf ihrer Karriere als Sängerin wurde sie eine der wichtigsten Interpretinnen der Werke Mozarts. 1786 gab sie die Madame Herz in Mozarts Einaktoper Der Schauspieldirektor (KV 486). Bei der Wiener Erstaufführung der Mozartoper Don Giovanni (KV 527) im Jahre 1788 sang sie die Rolle der Donna Anna.

Konzertreisen gemeinsam mit ihrem Mann führten sie nach Dresden, Hamburg, Berlin und München. Zwischen 1796 und 1801 hatte sie Engagements in Hamburg, Amsterdam und Paris. Um 1798 verwendete sie den Künstlernamen Louise Lange. Ab 1801 wirkte sie in Frankfurt/Main, ab 1813 in Zürich.

Aloisia Lange in Literatur und Theater[Bearbeiten]

Der österreichische Dramatiker Felix Mitterer schuf das satirische Musical Die Weberischen, das im August 2006 im Wiener MuseumsQuartier uraufgeführt wurde. Protagonisten des Stücks sind die Frauen der Familie Weber, Mutter Cäcilia und deren Töchter Constanze (Ehefrau Mozarts), Aloysia, Sophie und Josepha.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Strebel: Neue Quellenfunde zu den Zürcher Aufenthalten von Wolfgang Amadé Mozarts Schwägerin Aloisia Lange, geb. Weber, und Franz Xaver (Wolfgang) Mozart. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum, Jg. 50 (2002), H. 1-2, S. 75-113.
  • Harald Strebel: Mozarts Schwägerin Aloysia Lange und ihre Zürcher Aufenthalte von 1813 bis 1819 ; der Zürcher Besuch 1820 von Franz Xaver (Wolfgang) Mozart Sohn. In: Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich (Jg. 185 = Auf das Jahr 2001). 150 S.

Weblinks[Bearbeiten]