Alonso Fernández de Madrigal

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Das Grabmal El Tostados (um 1515) im Chorumgang der Kathedrale von Ávila gehört zu den großen Meisterwerken europäischer Bildhauerkunst des frühen 16. Jahrhunderts.

Alonso Fernández de Madrigal (* um 1400/10 in Madrigal de las Altas Torres; † 3. September 1455 in Bonilla de la Sierra) war Theologe und Literat, der es bis zum Bischof von Ávila brachte. Er ist auch bekannt unter dem Namen El Tostado („der Verbrannte“ oder „der Erleuchtete“), der auf seinen Familiennamen Bezug nimmt, gleichzeitig aber auch eine Art Ehrerweisung ist.

Biographie[Bearbeiten]

Alonso Fernández wurde als Sohn von Alfonso Tostado und Isabel de Ribera in Madrigal de las Altas Torres in der Provinz Ávila geboren. Bereits in jungen Jahren begann er seine Studien der Theologie und des kanonischen Rechts an der Universität Salamanca und wurde an das im Jahre 1401 gegründete Colegio Mayor de San Bartolomé berufen, welches die älteste Lehreinrichtung ihrer Art in Spanien war. Er erwarb sich einen ausgezeichneten Ruf als Theologe und Redner – so hielt er bereits im Alter von 22 Jahren vielbesuchte Vorträge.

Im Jahre 1443 nahm er am Konzil von Basel teil. In Siena wurde er beim Papst Eugen IV. wegen angeblicher Unterstützung von Ketzern und ketzerischer Meinungen angezeigt – durch einen Brief konnte er diese Anfeindungen jedoch aus der Welt schaffen. Nach seiner Rückkehr nach Kastilien (1444) ernannte ihn König Johann II. zu seinem Ratgeber. Ein Jahr vor seinem frühen Tod übernahm er das Bischofsamt von Ávila.

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Alonso Fernández de Madrigal blieb über seinen Tod hinaus in Spanien populär – zu seinen Schülern gehörten Fernando del Pulgar und Alfonso de Palencia. Eine umgangssprachliche Redewendung lautet immer noch saber más que El Tostado („mehr wissen als El Tostado“).

Werke[Bearbeiten]

In seiner Schrift Defensorium wandte er sich gegen bestimmte papstzentrierte Auffassungen Juan de Torquemadas, die dieser auf dem Konzil vertreten hatte. Daneben verfasste er Kommentare zu Eusebius von Caesarea, zu den historischen Büchern des Alten Testaments (1. und 2. Buch der Chronik) und zum Matthäusevangelium. Im Libellus de statu animarum post mortem (1436) dachte er über den Zustand der Seele nach dem Tod nach. In seinem Werk Libellus de optima politia (1436) beschäftigte er sich mit Regierungsformen und die Schrift Libro de las paradoxas (ca. 1437) befasst sich mit Fragen der Logik. Auch mit den Themen Liebe und Freundschaft hat er sich in seinem Traktat Breviloquio de amor e amiciçia (ca. 1437–1441) auseinandergesetzt.

Grabmal[Bearbeiten]

Das Grabmal El Tostados in der Kathedrale von Ávila gehört zu den Höhepunkten europäischer Bildhauerkunst des frühen 16. Jahrhunderts. Es wurde erst 1511, also viele Jahre nach seinem Tod von seinem Bewunderer und Amtsnachfolger Alonso Carrillo de Albornoz bei dem Bildhauer Vasco de la Zarza in Auftrag gegeben. Die Fertigstellung könnte mehrere Jahre in Anspruch genommen haben, so dass das Werk erst um 1520 der noblen Öffentlichkeit gezeigt werden konnte. Aufgestellt wurde es – wie ein Altarretabel – im Chorumgang der Kathedrale von Ávila über einem Altar, an dem zum Seelenheil des Bischofs Messen gelesen wurden. Die seitwärtsgewandte konzentrierte Lesehaltung der Figur und das äußerst kleinteilige Dekor des Brokatmantels, in welchen Szenen der Passion Christi eingearbeitet sind, zeugen von dem großen künstlerischen Empfinden und handwerklichen Können des Bildhauers.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sánchez Caro, José Manuel u. a. (Hrsg.): Alfonso do Madrigal, el Tostado: Introducción al Evangelio según San Mateo. Universidad Pontifica de Salamanca 2008.
  • Alfonso de Madrigal "El Tostado": El gobierno Ideal. EUNSA, Ediciones Universidad de Navarra 2003, ISBN 978-84-31321-41-3

Weblinks[Bearbeiten]