Alonso Mudarra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alonso Mudarra (* um 1508; † 1. April 1580 in Sevilla) war ein spanischer Komponist und Vihuela-Spieler der Renaissance.[1][2]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sein Geburtsort ist nicht überliefert, ebenso wenig ist über sein genaues Geburtsdatum und seine frühen Lebensjahre bekannt. In der Einleitung seiner Tres libros berichtet er aber, dass er in Guadalajara im Haus des dritten und vierten Herzogs von Infantado aufwuchs, nämlich von Diego Hurtada de Mendoza (1461–1531) und Iñigo López de Mendoza (1493–1566). Im Dienst dieser Herzöge hat er dort wahrscheinlich auch seine musikalische Ausbildung erhalten. Er ging vermutlich im Jahr 1529 im Gefolge des vierten Herzogs von Infantado zur Kaiserkrönung Karls V. nach Italien. Nach seiner Rückkehr nach Spanien wurde er, eventuell in Palencia, zum Priester geweiht und ist später, am 18. Oktober 1546, Kanoniker an der Kathedrale von Sevilla geworden. In dieser Stadt hatte er einen bedeutenden Einfluss auf das Musikleben und blieb dort noch 34 Jahre bis an sein Lebensende.

Zu seinen Aufgaben an der Kathedrale gehörte die Leitung aller musikalischen Aktivitäten; es gibt in Sevilla viele Berichte darüber. Hierzu gehörten die Beauftragung von Instrumentalisten, der Kauf und die Leitung des Aufbaus einer neuen Orgel und die enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten Francisco Guerrero (1528–1599) für die vielfältigen festlichen Anlässe. Er starb in Sevilla, und sein beachtliches Vermögen wurde entsprechend seinem letzten Willen an die Armen der Stadt verteilt.

Werke und Bedeutung[Bearbeiten]

Titelseite der Tres libros de música en cifra para vihuela (Sevilla, 1546)

Mudarra gehört zu der Gruppe von sieben spanischen Vihuelisten des 16. Jahrhunderts, zusammen mit Luis de Milán (1500–1561), Enríquez de Valderrábano (1500–1557), Esteban Daza (1537–1591), Diego Pisador (1510–1557), Miguel de Fuenllana (1500–1579) und Luis de Narváez (1500–1555), deren Neuerungen in der instrumentalen und vokalen Musik so bedeutsam waren, dass ihr Werk bis in die heutige Zeit beachtet wird. Mudarra schrieb zahlreiche Stücke für die Vihuela und die vierchörige Gitarre, die alle in der dreibändigen Sammlung Tres libros de música en cifras para vihuela enthalten sind, erschienen in Sevilla am 7. Dezember 1546. Das Werk wurde von Juan de Léon in Sevilla gedruckt und ist Luis Zapata (1526–1594) gewidmet, einem Mitglied des Rats der katholischen Könige und Karls V. Das Werk besteht aus 44 Stücken für Vihuela allein, 26 Stücken für Vihuela und Singstimme, sechs Stücken für Solo-Gitarre und einem Stück für Gitarre und Orgel oder Harfe. Die sechs Stücke für Gitarre sind die ältesten überlieferten Stücke für die vierchörige Gitarre, die überhaupt veröffentlicht wurden. Die Gitarre, eine Weiterentwicklung der Vihuela, war damals ein relativ neues Instrument. Die Tabulatur-Musik für Vihuela besteht aus eigenen Kompositionen und Übertragungen für Vihuela allein sowie für Vihuela und Singstimme von anderen Komponisten der Renaissance, wie Josquin des Prez (1452–1521), Nicolas Gombert (1495–1560), Adrian Willaert (1490–1562), Antoine de Févin (1470–1512) und Pedro de Escobar (1468–1535). Das zweite Buch der genannten Sammlung ist dadurch bemerkenswert, dass es acht mehrsätzige Werke enthält, die alle nach tono, der Tonart, angeordnet sind. Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Kompositionen sind Fantasien, Variationen (einschließlich einer Reihe über La Folia), Tientos, Pavanen, Galliarden und Lieder. Mudarra ist damit neben Luis de Milán einer der ersten Komponisten, die eine Liedersammlung mit Tabulaturen für die Vihuela veröffentlichte. Heutigen Hörern ist darüber hinaus am ehesten seine Fantasia X vertraut, ein bekanntes Renaissancestück für Gitarre, welches jahrelang der Hauptgegenstand für Aufnahmen von Mudarras Musik gewesen ist. Die Lieder sind in lateinischer, spanischer und italienischer Sprache und beinhalten Romanzen, Kanzonen, Villancicos und Sonette. Eine weitere von ihm eingeführte Neuerung waren gesonderte Symbole für die verschiedenen Tempi: langsam, mäßig und schnell.

Die Texte der Lieder gehen zurück auf spanische Autoren, wie Jorge Manrique (Recuerde el alma dormida), Juan Boscán (Claros y frescos ríos), Garcilaso de la Vega (1503–1536) und weitere anonyme Dichter (Si por amar, el hombre ser amado; Isabel, perdiste la tu faxa; ¿Qué llantos son aquestos? und andere), auf italienische wie Francesco Petrarca (La vita fugge) und Jacopo Sannazaro (O gelosia d'amanti) sowie auf lateinische Autoren wie Ovid (Hanc tua Penelope), Horaz (Beatus ille) und Vergil (Dulces exuviae). Unter den Romanzen anonymer Dichter sei der Text Triste estaba el Rey David y Durmiendo yva el Señor genannt. In Mudarras Liedern ist der italienische Einfluss auf seine Musik offensichtlich. Sie gehören zu den ältesten Sololiedern mit unabhängiger Instrumentalbegleitung. Eine Ausnahmeerscheinung unter seinen Instrumentalstücken stellt die Fantasia que contrahaze la harpa en la manera de Ludovico dar. Bewusst im antiquierten Stil der Folia-Variationen komponiert, imitiert sie die typische chromatische Spielweise von Ludovico (Lebensdaten unbekannt), einem damals bekannten Harfenisten am kastilischen Hof.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • J. M. Ward: „The vihuela de mano“ and Its Music 1536–1576, Dissertation an der New York University 1953
  • M. Schneider: Un villancico de Alonso de Mudarra procedente de la música popular granadina in «Anuario Musical 10», 1955, Seite 79 bis 83
  • R. Stevenson: La música en la Catedral de Sevilla 1478–1606: documentos para su estudio, Madrid 1985
  • G. Braun: Die spanischen Vihuela-Lieder im 16. Jahrhundert, Dissertation an der Universität Heidelberg 1993
  • T. Binkley / M. Frenk: Spanish Romances of the Sixteenth Century, Bloomington 1995
  • John Griffiths: The Vihuela: Performance Practice, Style and Context, in: „Lute, Guitar, and Vihuela: Historical Performance and Modern Interpretation“, herausgegeben von V. Coelho, Cambridge 1997, Seite 158 bis 179
  • O. Schöner: Die Vihuela de mano im Spanien des 16. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1999
  • John Griffiths: Improvisation and Composition in the Vihuela Songs of Luis Milán and Alonso Mudarra in „Troja 2“, 2003, Seite 111 bis 131.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Honegger / Massenkeil: Das grosse Lexikon der Musik, Band 5, Herder Verlag Freiburg / Breisgau 1981, ISBN 3-451-18055-3
  2. Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Band 12, Bärenreiter Verlag Kassel und Basel 2004, ISBN 3-7618-1122-5