Aloysius Muench

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Aloysius Muench (Mitte) bei seiner Verabschiedung aus Bonn, 1959
Wappen von Aloysius Joseph Kardinal Muench.

Aloysius Joseph Kardinal Muench (* 18. Februar 1889 in Milwaukee, Wisconsin; † 15. Februar 1962 in Rom) war ein vatikanischer Diplomat und erster Apostolischer Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland. Er war maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands beteiligt.

Leben[Bearbeiten]

Aloysius Muench wurde 1889 als Sohn der deutschen Einwanderer Joseph Muench und Theresa Kraus geboren. Nach Abschluss am Saint Francis Seminary in Milwaukee studierte er an der University of Wisconsin in Madison und beendete sein Studium 1919 mit einem Master-Abschluss. Sein Doktoratsstudium absolvierte er an der Universität Fribourg, wo er auch Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Teutonia Fribourg im CV wurde. Später studierte er auch an der Katholischen Universität Löwen, der Universität Oxford, der Universität Cambridge und der Sorbonne. Er beendete 1921 erfolgreich sein Doktoratsstudium. 1922 wurde er Professor für Dogmatik und Sozialwissenschaften am Saint Francis Seminary und 1929 Dekan der Theologiefakultät sowie Regens des Priesterseminars.

Muench wurde am 8. Juni 1913 von Erzbischof Sebastian Gebhard Messmer für das Erzbistum Milwaukee zum Priester geweiht. Nachdem er am 10. August 1935 zum Bischof von Fargo ernannt wurde, empfing er am 15. Oktober 1935 durch den Apostolischen Delegaten in den USA, Amleto Giovanni Cicognani, die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren die Weihbischöfe Christian Hermann Winkelmann aus Saint Louis und William Richard Griffin aus La Crosse. Am 6. November 1935 wurde er als Bischof inthronisiert.

Gedenktafel zu seiner Tätigkeit als Apostolischer Visitator in Kronberg 1946–1949

Seit 1946 war Aloysius Muench als Apostolischer Visitator und Leiter der Päpstlichen Mission für die Flüchtlinge in Deutschland mit Sitz in Kronberg im Taunus tätig. Sein Seelsorge-Auftrag umfasste die Betreuung der Geflüchteten und Vertriebenen aus Osteuropa. Bis zum Sommer 1949 organisierte er den Transport von rund 950 Güterwaggons mit päpstlichen Hilfsgütern nach Deutschland. Unterstützung fand er auch bei der US-Regierung; vor der Aufnahme seiner Tätigkeit in Kronberg erhielt er vom US-Verteidigungsminister Robert P. Patterson die Ernennungsurkunde als Verbindungsbeauftragter für religiöse Angelegenheiten bei der US-Militärregierung in Deutschland. Durch seine Kontakte in die USA vermittelte Muench einen beachtlichen Spendenfluss ins zerstörte Deutschland. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde die Kronberger Apostolische Mission 1951 aufgelöst.

Muench wird zu den einflussreichen Kritikern der Verurteilung nationalsozialistischer Kriegsverbrecher in den Nürnberger Nachfolgeprozessen gezählt. Er trat für großzügige Friedensbedingungen für Deutschland ein, was für ihn die Begnadigung der Verurteilten einschloss. Münch engagierte sich nicht öffentlich beispielsweise für die Freilassung von Alfried Krupp, nicht jedoch für Otto Ohlendorf, der an den Massenmorden der Einsatzgruppen beteiligt war. Mehrfach geriet er mit den amerikanischen Militärbehörden in Konflikt; in der Schrift One World in Charity verglich er die alliierte Besatzungspolitik mit dem nationalsozialistischen Regime. Muenchs Weltbild wird als von scharfem Antikommunismus sowie antifaschistischen und antisemitischen Überzeugungen geprägt geschildert.[1]

Muench war bereits seit 1949 Verweser der seit dem Tod von Nuntius Orsenigo vakanten Apostolischen Nuntiatur und wurde mit der persönlichen Verleihung des Titel eines Erzbischofs durch Papst Pius XII. am 28. Oktober 1950 in Amt und Würde eines Nuntius versetzt. Offizieller Amtsantritt zum Apostolischen Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland erfolgte am 9. März 1951 mit Amtssitz im Turmhof in Bad Godesberg-Plittersdorf. Sein in den USA gelegenes Bistum Fargo behielt er während dieser Zeit bei.

1959 verabschiedete Muench sich nicht nur als Nuntius aus Deutschland, sondern verzichtete am 9. Dezember 1959 auch auf das Bistum Fargo, woraufhin er noch am gleichen Tag zum Titularerzbischof von Selymbria ernannt wurde. Am 14. Dezember 1959 nahm ihn Papst Johannes XXIII. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Bernardo alle Terme in das Kardinalskollegium auf. Muench war der erste Amerikaner mit Sitz und Stimme in der römischen Kurie.

Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss zeichnete Kardinal Muench 1957 mit dem Großkreuz der Bundesrepublik Deutschland aus. Im selben Jahr wurde er Ehrenmitglied des K.St.V. Markomannia im KV zu Münster.

Kardinal Muench verstarb 1962 in Rom und wurde in seiner Heimat Fargo, North Dakota beigesetzt.

Werke[Bearbeiten]

  • Theologische Grundgedanken zur katholischen Landvolkbewegung. Verlag Regensberg/ Münster 1948
  • mit Oswald von Nell-Breuning: Sozialer Katechismus: Aufriss einer kath. Gesellschaftslehre / Internationale soziale Studien-Vereinigung. Verlag Kath. Kirche in Bayern, Augsburg und Winfried-Werk Augsburg 1949
  • mit Albert Hartmann: Die sittliche Ordnung der Völkergemeinschaft: Aufriss einer Ethik der internationalen Beziehungen / Internationale Soziale Studienvereinigung. Winfried-Werk Augsburg 1950 (1948)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aloysius Muench – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank M. Buscher: Bestrafen und erziehen. »Nürnberg« und das Kriegsverbrecherprogramm der USA. In: Norbert Frei (Hrsg.): Transnationale Vergangenheitspolitik. Der Umgang mit deutschen Kriegsverbrechern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 978-3-89244-940-9, S. 94–139, hier S. 103f.
Vorgänger Amt Nachfolger
Cesare Orsenigo
(Apostolischer Nuntius beim Deutschen Reich)
Apostolischer Nuntius in Deutschland
1951–1959
Bruno Bernhard Heim (geschäftsführend)
James O’Reilly Bischof von Fargo
1935–1959
Leo Ferdinand Dworschak