Als ich im Sterben lag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als ich im Sterben lag, engl. As I Lay Dying, ist ein Roman von William Faulkner, der 1930 in den USA veröffentlicht wurde und den ereignisreichen Leichenzug einer armen Farmersfamilie beschreibt.

Inhalt[Bearbeiten]

Addie Bundren, eine arme Farmersfrau, stirbt und soll in ihrer Heimatstadt Jefferson im fiktiven Yoknapatawpha County beerdigt werden. Die Ereignisse auf dem Weg dorthin, 40 Meilen über die Landstraße auf einem Mauleselgespann, werden von den Mitgliedern der Familie, Freunden und Nachbarn erzählt, ein Staffellauf der Berichte an einen nicht in Erscheinung tretenden Interviewer. Es wirken mit: die verstorbene Addie selbst; der Familienvater Anse, bucklig, anfangs ohne Zähne und Gebiss, selbstmitleidig, verschlagen, faul und feige, der sich aber doch durchzusetzen weiß; der älteste Sohn Cash, etwas einfältig, aber geschickt; der zweitälteste Darl, nachdenklich, immer schon für verrückt gehalten und es schließlich werdend; der dritte, Jewel, cholerisch, hartnäckig, mutig, Pferdenarr; die einzige Tochter, Dewey Dell, schwanger und still, nach dem von Darl gestörten Geschlechtsverkehr mit Lafe auch mit Groll gegen Darl; der jüngste, Vardaman, etwa fünf Jahre alt sowie der fundamentalistische Prediger Whitfield, der Anse mit Addie betrogen hat.

Wenn auch der Leichenzug den Hauptstrang der Erzählung bildet, wird eine Reihe von Nebensträngen in die Reise verwoben: vor Beginn des Transports das eben noch vorgezogene schnelle Geldverdienen mit einer Fuhre Holz, das Mitreiten Jewels auf dem einst ohne Wissen der Familie gekauften Pferd, die Überwindung eines über die Ufer getretenen Flusses, der erneute Beinbruch Cashs in den Strudeln – später von der Familie mit Zement geschient, der Verlust ihres Gespanns und der Kauf eines neuen, der Missbrauch Dewey Dells – ihr von einem Arztgehilfen als Mittel gegen die Schwangerschaft verkauft, die allmählich stinkende Leiche der Mutter, die Unterordnung der Familie unter Anses Nebenziele der Reise: den Erwerb eines neuen Gebisses und das Werben um Addies Schwester – das alles macht aus dem Leichenzug eine traurigkomische Höllenfahrt, an deren Ende der Brandstifter Darl ins Irrenhaus eingeliefert wird, Dewey Dell das Geld für eine Abtreibung, Jewel sein Pferd und Cash möglicherweise seinen Fuß verliert. Dennoch wird es irgendwie weitergehen – mit einer neuen Frau an Anses Seite.

Faulkner entwickelt mit diesem Figurenexperiment eine Poesie der Langsamkeit und des Wechsels der Perspektiven. Alle Figuren haben einen anfangs nur vage umschriebenen Charakter, der erst allmählich in den wechselseitigen Spiegelungen an Gestalt gewinnt. Faulkner ziseliert die Figuren mit spärlichen Dialogen, spärlicher Handlung und vielen Berichten aus der Figurenperspektive, wobei einiges auch bis zum Schluss im Undeutlichen bleibt. Ausführlich widmet er sich den Alltagsphilosophien der Figuren, so z. B. Anses Ausführungen zum Thema waagrecht und senkrecht, denen von Dewey Dell übers Alleinsein, von Darl über Sein und Nicht-Sein, von Tull über die Festigkeit der Dinge oder die von Addie zum Verhältnis schöner Begriffe zur Wirklichkeit. Diese Figurenperspektive ermöglicht es Faulkner, die Gefühlslagen nicht von außen zu behaupten oder zu kommentieren, sondern von innen, durch Handlungen und Figurenkommentare zu zeigen. Seine Bilder nutzt er als Leitmetaphern und arbeitet am inneren Film des Lesers durch Verbindung mehrerer Ebenen von Attributen: "...er zerrt es weiter, langsam, schrecklich..." ,ein Gleichnis für den Zustand, in dem sich ein Teil der Menschheit nach Meinung des Autors weiter voran quält.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • 1961 Als ich im Sterben lag, dt. von Albert Hess und Peter Schünemann, Fretz und Wasmuth, Zürich
  • 1961 Als ich im Sterben lag, gleiche Übersetzung, Goverts, Stuttgart
  • 1963 Als ich im Sterben lag, gleiche Übersetzung, Suhrkamp, Frankfurt am Main (Bibliothek Suhrkamp)
  • 1973 Als ich im Sterben lag, gleiche Übersetzung, Diogenes, Zürich. (Diogenes Taschenbuch) ISBN 3-257-20077-3
  • 1984 Als ich im Sterben lag, gleiche Übersetzung, Volk und Welt, Berlin (DDR)
  • 2012 Als ich im Sterben lag, dt. von Maria Carlsson, Rowohlt, Reinbek. ISBN 978-3-498-02133-7.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rezensiert von Paul Ingendaay in der FAZ Nr. 155 vom 6. Juli 2012, S. 28.
  2. Interview mit Tim Lambesis (englisch), abgerufen am 21. Juli 2010