Also sprach Zarathustra (Strauss)

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Also sprach Zarathustra (Op. 30) ist eine sinfonische Dichtung von Richard Strauss, frei nach Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra.

Sie wurde am 27. November 1896 unter Leitung des Komponisten in Frankfurt am Main uraufgeführt.

Historisches[Bearbeiten]

Richard Strauss fand 1895 Gefallen an Nietzsches kulturkritischen Angriffen auf das deutsche „Philistertum“. Auch war er erklärtermaßen dem Christentum abgeneigt. Vielleicht hat die Sprache Nietzsches Strauss auch musikalisch unmittelbar herausgefordert. Sinnigerweise meinte Nietzsche selbst: „Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser ‚Zarathustra‘? Ich glaube beinahe, unter die ‚Symphonien‘.“ Ob Strauss bei der Arbeit allerdings von Anfang an an Nietzsche dachte, steht nicht fest; Hinweise in den Skizzen lassen erkennen, dass ihm bei der Komposition auch Goethes Faust, vor allem der Monolog Fausts zu Beginn sowie die Beschwörung des Erdgeistes, vor Augen stand.

Bemerkenswert ist, dass die vier Teile von Nietzsches Zarathustra den Sätzen einer Sinfonie entsprechen. Nietzsche konzipierte die Schrift als einen dionysischen Dithyrambus, eine Hymne, der eine große Musikalität innewohnt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich gleichzeitig mit Strauss auch Gustav Mahler für den Text interessierte.

Besetzung[Bearbeiten]

Also sprach Zarathustra hat folgende Instrumentenbesetzung:

Aufbau[Bearbeiten]

Eine normale Aufführung dauert ca. eine halbe Stunde. Das Stück ist in neun Teile gegliedert, die allerdings nur an drei Stellen von Pausen getrennt werden. Strauss benannte die Teile nach Kapiteln aus dem Buch:

Audiobeispiel: Sonnenaufgang
  1. Einleitung, oder Sonnenaufgang
  2. Von den Hinterweltlern
  3. Von der großen Sehnsucht
  4. Von den Freuden- und Leidenschaften
  5. Das Grablied
  6. Von der Wissenschaft
  7. Der Genesende
  8. Das Tanzlied
  9. Nachtwandlerlied

Musikalische Deutung[Bearbeiten]

Am Anfang des ersten Teils steht die „Vorrede“ Zarathustras mit der berühmten Steigerung (Crescendo) ausgehend von dem „Natur“-Motiv (c’-g’-c’’) - wobei das Tongeschlecht zunächst zwischen Dur und Moll changiert. Dieses Motiv durchzieht den ganzen ersten Teil, der, nach lautstarker Wiederkehr ebendieses „Natur“-Motivs im „Genesenden“ in einer Generalpause endet. Die musikalische Struktur kurz vor der Generalpause entspricht dem Zusammenbruch Zarathustras aus Überdruss am Menschen. Die Rekonvaleszenz Zarathustras im zweiten Teil der Komposition ist ganz vom „Tanzlied“ geprägt, das, lange zwischen H-Dur und C-Dur pendelnd, zuletzt in ein verklärtes H-Dur mündet. Doch ganz zum Schluss ertönt in den tiefen Streichern gegen H-Dur in höchster Lage wieder das Naturmotiv C-G-c: die ewige Wiederkehr des Gleichen?

Die Tondichtung beginnt mit der Entscheidung Zarathustras vor dem Sonnenaufgang, zu den Menschen herabzusteigen. Das Tremolo der tiefen Streicher bildet den Hintergrund zum durch das „Natur“-Motiv c’-g’-c’’ dargestellten Sonnenaufgang. Angetrieben von Paukenschlägen wird nach einigen Sforzati und Kadenzen der C-Dur-Höhepunkt erreicht, zu dem Strauss die Orgel, die dem Ganzen einen religiösen Ton beigibt, hinzuzieht.

Das Kontrastprogramm dazu folgt in „Von den Hinterweltlern“, die an einen unvollkommenen Gott glauben und in ihrer Welt zwischen Gut und Böse gefangen sind. Strauss erzeugt durch ein von vielfach geteilten Streichern „mit Andacht“ vorgetragenes kantables As-Dur-Thema eine religiöse Atmosphäre. „Credo in unum deum“, spielen die Hörner und die Orgel, durchaus mit Ironie. In „Von der großen Sehnsucht“ kämpft das in gebrochenen Dreiklängen aufsteigende Sehnsuchtsmotiv gegen die andächtigen Motive des vorhergehenden Teils. Die Sehnsucht obsiegt und wird nur vom wieder auftretenden „Natur“-Motiv gebändigt. Im „Von den Freuden- und Leidenschaften“, einem großen Thema in c-Moll, wird selbigen Gefühlen freier Lauf gelassen. Das „Freude“-Motiv kann an dem Dezimsprung erkannt werden, dem eine chromatisch fallende Melodie folgt. Gegen Ende kündigen sich allerdings im Ekel-Motiv der Posaunen Zweifel an. Dies leitet über zum „Grablied“, in dem die Oboe eine klagende Melodie anstimmt. Motive aus den vorhergehenden Teilen klingen an, vor allem in der Solo-Violine, wie in Reminiszenz an eine bessere Zeit. Ein Liegeton leitet über zu „Von der Wissenschaft“. In diesem Teil nimmt Strauss kleinkarierten Akademismus mit einer trockenen Fuge aufs Korn.

„Der Genesende“ ist das Zentrum des Werks. Im ersten Teil steuert die Musik auf Zarathustras Zusammenbruch zu: Am Ende einer dramatischen Steigerung schmettern die Trompeten das „Natur“-Motiv über einem in dreifachem Forte gehaltenen C-G-Akkord des ganzen Orchesters. Generalpause. Langsam erhebt sich Zarathustra wieder, der zweite Teil des Werkes beginnt. Im Vergleich zum ersten Teil ist er einheitlicher gestaltet. Zarathustras Genesung nimmt ihren Lauf: Ein schwungvoller Walzer in C-Dur, in dessen dithyrambischen Jubel auch die Themen des 1. Teils hineingezogen werden, mündet in das Tanzlied: Ausgangspunkt für eine längere Durchführung und Reprise. Nach zwei großen Steigerungswellen klingt der Schwung aus im „Nachtwandlerlied“ , das mit dem ersten Glockenschlag von insgesamt zwölf Mitternachtsschlägen beginnt. Die Musik scheint sich in H-Dur, der Tonart der großen Sehnsucht, zu erfüllen. Doch klingt das Werk in einem Zwiespalt zwischen C-Dur und H-Dur aus, zwischen Natur und Geist. Während die Violinen und die hohen Holzbläser mit H-Dur-Akkorden das Werk zu einem friedlichen Schluss zu bringen versuchen, hindert sie daran das „Natur“-Motiv in C-Dur, von Celli und Bässen im Pizzicato gespielt.

Es gibt kein Gut oder Böse mehr. Der Bogen zum Beginn des Stücks ist geschlagen. Verheißt das den nächsten Morgen, die „ewige Wiederkehr des Gleichen?“ In jedem Fall wirkt die formale Geschlossenheit wie ein Narkotikum gegen die Widersprüche der Welt, an denen Nietzsche verzweifelte.

Adaptionen[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Weltberühmt wurden die einleitenden Takte des Stückes durch Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum. Für den Film wurde eine Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert von Karajan verwendet. Auf der als Soundtrack veröffentlichten Schallplatte wurde Karajans Aufnahme allerdings durch eine Einspielung von Karl Böhm mit den Berliner Philharmonikern ersetzt.

Auf diesen Film (und somit auf dieses Musikstück) beziehen sich auch viele andere Filme, meist in komödiantischer Art:

Musik[Bearbeiten]

Der brasilianische Musiker Eumir Deodato arrangierte eine funkige Interpretation der Einleitung auf seinem Album Prelude, deren Singleversion 1972 auch in die Charts einzog. Eine Coverversion des Arrangements wurde 2001 von der Mardi Gras Brass Band mit Deodato als Gastmusiker veröffentlicht.

Der japanische Elektronikkünstler Isao Tomita komponierte eine Version auf Synthesizer.

Elvis Presley benutzte es als triumphalische Einleitung jedes seiner Konzerte seiner späteren Karriere.

Die englische Rockband Deep Purple setzte das Anfangsmotiv am Beginn ihrer Interpretation von River Deep, Mountain High ein, erschienen auf dem Album The Book of Taliesyn (1968). Ebenso setzte das Salsoul Orchestra die Anfangstakte als Auftakt für seinen Titel Salsoul 3001 ein, welcher auf der B-Seite der LP Nice 'N' Naasty (1976) erschien[1].

Perplexer verwendete den Anfang des Stückes 1994 als Motiv seiner Single „Da Capo“, welche bis in die Top Ten der deutschen Charts stieg.

Die US-amerikanische Progressive-Metal-Band Dream Theater spielte die Anfangstakte als Eröffnungsthema ihrer „Chaos in Motion“-Tournee 2007.

Von der US-amerikanischen Nu-Metal-Band Mudvayne wurde es in früheren Konzerten als Anfangsthema / Intro verwendet.

Das deutsche Blechbläserensemble Blechschaden arrangierte das Thema in dem Stück „Also Brass Zarathustra“, erschienen auf dem gleichnamigen Album (2009).

Das Technomusikprojekt Members of Mayday verwendete das Anfangsmotiv in der Hymne Made in Germany zur 2012 stattfindenden Technoveranstaltung Mayday.

Sonstiges[Bearbeiten]

Verschiedene Planetarien begleiten das Herauffahren des Sternenprojektors mit dem Anfangsthema des Stückes.

Es dient auch zur Untermalung des Feuerwerks am Ende jeder Vorstellung der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf Rügen.

Der US-amerikanische Wrestler Ric Flair verwendet es als Einzugshymne.

Das Anfangsthema wurde bereits in den 1970er Jahren jeweils einige Minuten vor dem Anpfiff der Heimspiele der Fußballmannschaft von Borussia Mönchengladbach im alten Bökelbergstadion intoniert.

Im 1996 erschienenen PC-Spiel Heroes of Might and Magic II wird das Stück als Musikuntermalung verwendet; auch in vielen weiteren Videospielen ist die Einleitung des Musikwerks an bestimmten Stellen zu hören.

Außerdem wird das Stück in den Werbespots der Biermarke Warsteiner verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Salsoul Orchestra - Nice 'N' Naasty, Discogs.com

Literatur[Bearbeiten]

  • Mathias Hansen (Hrsg.): Richard Strauss. Die Sinfonischen Dichtungen (Taschenbuch) Bärenreiter 2003, ISBN 978-3-7618-1468-0

Weblinks[Bearbeiten]