Alt St. Johann

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Alt St. Johann
Wappen von Alt St. Johann
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburg
Gemeinde: Wildhaus-Alt St. Johanni2
Postleitzahl: 9656
Koordinaten: 739805 / 22858147.1933859.283616895Koordinaten: 47° 11′ 36″ N, 9° 17′ 1″ O; CH1903: 739805 / 228581
Höhe: 895 m ü. M.
Fläche: 53.10 km²
Einwohner: 1427 (31. Dezember 2008)
Einwohnerdichte: 27 Einw. pro km²
Website: www.altstjohann.ch
Karte
Alt St. Johann (Schweiz)
Alt St. Johann
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010

Alt St. Johann (in einheimischer Mundart [ˈa̞(ː)ɬt sa̞ŋkχt/sa̞nˑt ˌjoha̞n(ˑ)];[1][2] französisch Saint-Jean-le-Vieux) ist ein Dorf in der Talschaft Toggenburg im Kanton St. Gallen in der Schweiz.

Das ehemals als politische Gemeinde eigenständige Alt St. Johann und das zu ihm gehörende Dorf Unterwasser und der Weiler Starkenbach wurden mit der Gemeinde Wildhaus auf den 1. Januar 2010 zur neuen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann vereinigt.

Geographie[Bearbeiten]

Alt St. Johann war die zweitoberste Gemeinde im Toggenburg. Die Dörfer Alt St. Johann und Unterwasser liegen im oberen Thurtal. Im Gemeindegebiet liegen die Churfirsten und Teile des Alpsteins, sowie die Köbelishöhle und das Wildenmannlisloch, in dem vermutlich eine Zeit lang der Seluner gelebt hat.

Der höchste Punkt auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde ist der Hinterrugg mit 2'306 m ü. M. und der tiefste Punkt ist mit 868 m jene Stelle, an der die Thur das Gemeindegebiet verlässt. Die Nachbargemeinden bzw. -dörfer sind Wildhaus, Nesslau-Krummenau, Stein SG, Amden, Quarten, Walenstadt und Grabs.

Geschichte[Bearbeiten]

In einer alpinen Karsthöhle im Toggenburg, dem Wildenmannlisloch, wurden altsteinzeitliche Funde gemacht.

1152 wird ein Abt monasterii sancti Johannis Baptiste (gemeint ist das Kloster St. Johann) erwähnt. Das von Benediktinern gegründete Kloster begründete auch den Ortsnamen.

Um 1200 wurde die zwischen Stein und Starkenbach gelegene Burg Starkenstein erbaut. Sie war im Besitz der Grafen von Montfort bzw. von Werdenberg. Seit 1396 wurde die Schirmvogtei von den Grafen von Toggenburg übernommen. Die Burg ging 1414 an die Toggenburger und später an das Kloster St. Johann.

Die Gemeinde Sant Johann wird 1439 zum ersten Mal erwähnt. Sie unterstand dem Kloster bzw. der Schirmvogtei Starkenstein. 1468 erwarb die Fürstabtei St. Gallen die Grafschaft Toggenburg und damit auch die Landesherrschaft über Kloster und Gemeinde St. Johann. 1559 erhielt St. Johann die gleichen Rechte wie die anderen Toggenburger Gemeinden. Das Kloster St. Johann wurde ab 1626 nach Feuersbrünsten und mysteriösen Todesfällen talabwärts nach Sidwald bei Nesslau verlegt (Neu St. Johann).[1] Für das Dorf bürgerte sich die Bezeichnung Alt St. Johann ein.

1803 entstand nach der Gründung des Kantons St. Gallen die moderne politische Gemeinde Alt St. Johann, zu der bis 1833 auch Stein SG gehörte.

1934 wurde die Standseilbahn Unterwasser-Iltios, die Iltiosbahn gebaut. Es war die erste Bergbahn im Toggenburg. 1938 kam die Schlitten-Standseilbahn Iltios-Stöfeli, 1946 der Sessellift Alt St. Johann – Alp Selamatt und 1972 die Luftseilbahn Iltios–Chäserrugg auf den Gipfel des Chäserrugg dazu. Heute sind die Bahnen Teil des Skigebiets Obertoggenburg.

1950 und 1954/55 wurden Rettungsgrabungen an der inzwischen zur Ruine verfallenen Burg Starkenstein vorgenommen. Der grösste Teil der Burganlage ist heute durch einen Steinbruch zerstört. Nur Teile des Bergfrieds sind erhalten.

2010 wurden die Gemeinden Alt St. Johann und Wildhaus zusammengelegt.

Tourismus[Bearbeiten]

Alt St. Johann und Unterwasser blicken auf eine lange touristische Tradition zurück, so wurde bereits 1934 die Standseilbahn zum Iltios gebaut, der seither zahlreiche weitere Transportanlagen folgten. Heute gehört Alt St. Johann mit Wildhaus und Unterwasser zum Skigebiet Obertoggenburg, welches 60 km Skipisten an den Churfirsten vereinigt und auf dem Chäserrugg eine Höhe von 2262 m erreicht. Im Sommer und Winter ist es Ausgangspunkt für Wanderungen und Skitouren zum Säntis wie auch zu den Churfirsten.

Unterwasser ist der Wohnort des Skispringers und vierfachen Olympiasiegers von 2002 und 2010 Simon Ammann.

Durch das Gemeindegebiet verläuft der 60 Kilometer lange Thurweg, ein Wanderweg, der entlang der Thur von Wil nach Wildhaus führt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Juli 2011 wurde in der ehemaligen Untermühle die Klangschmiede als Sitz der KlangWelt Toggenburg eröffnet. Hier soll die traditionelle Schellen- und Hackbrettproduktion erhalten und als Schauhandwerk mit Ausstellungen öffentlich zugänglich gemacht werden.[3]

Hornschlittenrennen[Bearbeiten]

Seit 1988 fand jeweils im Februar das weit über das Toggenburg hinaus bekannte Hornschlittenrennen statt. In Spitzenjahren nahmen bis zu 200 Schlitten daran teil. Das letzte Rennen fand 2013 statt.[4]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alt St. Johann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gabrielle Schmid: Alt Sankt Johann SG (Obertoggenburg) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 84; angegebene Lautschrift: [ˈaːɬt saŋkχt ˌjohan].
  2. Alt St. Johann unter ortsnamen.ch; angegebene Lautschrift: ąlt sąn̄t johąn̄.
  3. Klangschmiede Alt St. Johann auf der website der KlangWelt Toggenburg
  4. Tagblatt Ostschweiz