Alta Velocidad Española

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Der AVE [ˈaβe] (spanisch Alta Velocidad Española [ˈalta βeloθiˈðað espaˈɲola] ‚Spanische Hochgeschwindigkeit‘) ist der Markenname der spanischen Eisenbahngesellschaft Renfe für das Hochgeschwindigkeitsnetz in Spanien.

Ende 2012 erreichte das AVE-Netz eine Gesamtlänge von 2665 km und ist damit das längste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas und das zweitlängste der Welt nach China.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des spanischen Regelspur-Hochgeschwindigkeitsnetzes (Juni 2013)

Die Expo 1992 in Sevilla war der Anlass für Spaniens Einstieg in den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf Schienen. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe wollte eine schnelle Anbindung der Hauptstadt Madrid an die Expo-Stadt Sevilla. Die alte Strecke über Linares-Baeza war 574 Kilometer lang und in großen Teilen eingleisig, die schnellste Verbindung benötigte nahezu sechs Stunden. Rechtzeitig zum Beginn der Expo konnte die Renfe die Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla am 19. April 1992 in Betrieb nehmen. Sie war die erste spanische Eisenbahnmagistrale, die in europäischer Normalspur, statt – wie in Spanien bis dahin üblich – in iberischer Breitspur, gebaut wurde. Die Schnellfahrstrecke ist mit 471 Kilometern gegenüber der bisherigen über hundert Kilometer kürzer. Züge ohne Unterwegshalt fahren diese Distanz in 2 Stunden 15 Minuten.

José Maria Aznar, spanischer Regierungschef (Partido Popular, Mai 1995 – März 2004) kündigte im Jahr 2000 an, alle 47 Provinzhauptstädte des Landes an das AVE-Netz anzuschließen. Sein Nachfolger José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE, 2004 – Dezember 2011) setzte noch eins drauf: er forderte, kein Spanier dürfe weiter als eine halbe Stunde von einer Schnellzugstation wohnen.[2]

Im Jahr 2002 ging als zweiter Ast die Neubaustrecke Madrid–Barcelona, zunächst nur bis Saragossa und ab 2008 bis in die katalanische Hauptstadt in Betrieb. Die 625 Kilometer zwischen den zwei größten Städten Spaniens werden in nur zwei Stunden und dreißig Minuten zurückgelegt. Die Züge verkehren derzeit mit einer Spitzengeschwindigkeit von 310 km/h, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h (je nach eingesetztem Material) erreichen. Der Generaldirektor der Fluggesellschaft Iberia kündigte an, ab Eröffnung der Strecke zwischen Madrid und Barcelona kleinere Flugzeuge einzusetzen.[3]

Im Dezember 2007 gingen als dritter Ast von Madrid die Neubaustrecke Madrid–Valladolid und im Süden der Abschnitt Antequera–Málaga, der letzte noch ausstehende der Schnellfahrstrecke Córdoba–Málaga, in Betrieb.

Seit 2005 ist die Weiterführung des zweiten Korridors Barcelona–Figueres–Perpignan/Perpinyà (F) im Bau, inklusive eines acht Kilometer langen Tunnels bei Le Perthus. Zunächst ging der nördliche Streckenabschnitt Figueras–Perpignan/Perpinyà nach mehreren Verzögerungen im Dezember 2010 in Betrieb, wodurch die spanischen Regelspurstrecken vorerst durch das Einlegen einer dritten Schiene in das Streckengleis Barcelona–Figueras mit dem europäischen Netz verbunden wurden. Der endgültige Lückenschluss erfolgte am 7. Januar 2013.[4] Eine Schnellfahrstrecke zwischen Perpignan und Montpellier und damit die Anbindung an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz wird nicht vor 2020 fertiggestellt werden.

Am gleichen Tag wie die Eröffnung der grenzüberschreitenden Strecke in Katalonien wurde auch die vierte von Madrid ausgehende Strecke, an die Mittelmeerküste, in einem ersten Bauabschnitt eröffnet. Die 438 km lange Strecke verbindet die spanische Landeshauptstadt mit Valencia sowie mit Albacete. Die Fahrzeit auf den 391 km zwischen Madrid und der drittgrößten Stadt des Landes, Valencia, reduziert sich von knapp vier Stunden auf 95 Minuten. Am 18. Juni 2013 wurde der 171,5 km lange Abschnitt von Albacete bis zur Mittelmeerstadt Alicante eröffnet. Die Fahrzeit von Madrid nach Alicante verringert sich damit auf vorerst zwei Stunden und zwanzig Minuten. Die dritte Provinzhauptstadt der Valencianischen Gemeinschaft, Castellón, soll bis 2015 an die Schnellfahrstrecke angebunden werden. Die Züge verkehren mit 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h erreichen.

Im Juni 2013, nach der Eröffnung des 171 km langen Abschnittes Albacete–Alicante auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Levante, erreichte das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz eine Gesamtlänge von 2447 km (Stand 1. November 2013: 2515 km[5]). Damit liegt man europaweit an der ersten Stelle vor Frankreichs 2036 km und Deutschlands 1334 km. Darüber hinaus befinden sich 1.308 km in Bau und 1702 km in Planung.[5]

Im Jahr 1997 erwirtschaftete das AVE-System erstmals einen Gewinn (etwa zwei Millionen US-Dollar).[6]

Nach dem Platzen seiner Immobilienblase begann in Spanien eine Rezession, die bis heute (2013) anhält. Spanien kann nicht mehr so leicht wie früher seine Staatsschulden erhöhen; seit 2009 (Beginn der Eurokrise) wurde auch bekannt, dass Spaniens Banken in einer Krise sind. Spanien hat unter anderem 2012 vom SEM 100 Mrd. Euro erhalten. Die AVE-Ticketpreise sind hoch; die Nachfrage nach diesen relativ teuren Fahrten ist gering. So wurde die Strecke Madrid–Valencia, die 2010 in Betrieb ging, für 3,6 Millionen Reisende im Jahr geplant. Im ersten Jahr lag das Passagieraufkommen bei nur 50 Prozent. Die EU-Kommission hat im Mai 2013 die spanische Regierung aufgefordert, bei den AVE auf die Kosten-Nutzen-Relation zu achten („Das spanische Reformpaket 2013 enthält einige widersprüchliche Zielvorgaben in der Transportpolitik. So sollen die Betriebskosten gesenkt werden, und gleichzeitig sollen neue Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut werden“).[2]

Im Februar 2013 wurde ein neues Preissystem eingeführt, welches sich stärker an der Nachfrage orientiert. Dabei sank der mittlere Fahrpreis in der "Turista"-Klasse um 27,5%. Ebenso wurde eine "Kundenbindungskarte" für junge Reisende mit 30% Ermäßigung eingeführt. Das Handy-Ticket wurde eingeführt und die Nutzung der Buchung über das Internet nahm stark zu. Die marktorientierten Tarife führten zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen um 23,5%, die Zugauslastung stieg von 65% auf 73%. Dei absoluten Fahrgastzahlen stiegen von 12 auf 14,9 Mio. Fahrgäste im Februar 2014[7]

An das Hochgeschwindigkeitsnetz angebundene große Städte[Bearbeiten]

Entwicklung des Netzes von 1992–2013

Bisher noch nicht angeschlossen sind u. a. die weiteren wichtigen spanischen Städte Almería, Badajoz, Bilbao, Donostia-San Sebastián, Gijón, Granada, Logroño, Murcia, Oviedo, Pamplona, Santander, Vigo und Vitoria-Gasteiz.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Baureihe 100[Bearbeiten]

Ein AVE der Baureihe 100 von Alstom

Als erste Hochgeschwindigkeitszüge befuhren die Einheiten der Baureihe 100 das Streckennetz. Die Renfe entschied sich dabei für den Kauf von 18 Zügen einer Weiterentwicklung des TGV Atlantique als Fahrzeug für die erste Normalspur-Neubaustrecke in Spanien. Kurios in diesem Zusammenhang: Das Zugsicherungssystem sowie die Oberleitung kauften die Spanier bei deutschen Zulieferern, sodass der AVE, ein TGV-Derivat, mit der deutschen Linienzugbeeinflussung (LZB) versehen ist. Ursprünglich waren 24 Garnituren bestellt worden, doch man entschloss sich dazu, sechs davon als Baureihe 101, unter dem Markennamen Euromed, auf dem Breitspurnetz einzusetzen. Ab 2010 wurden die Züge der Baureihe 101 jedoch auf Regelspur umgebaut und in die Baureihe 100 eingegliedert. Im Februar 2011 gab RENFE bekannt, zehn Züge der Baureihe für den Verkehr von und nach Frankreich umbauen zu lassen.[8]

  • Anzahl: 24
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h

Baureihe 102[Bearbeiten]

Hauptartikel: RENFE-Baureihe 102
Ein AVE der Baureihe 102 von Talgo

Für die Neubaustrecke Madrid–Barcelona–Französische Grenze benötigte Renfe neue Hochgeschwindigkeitszüge. Letztlich entschied man sich u. a. für den Kauf von 16 Garnituren der von der spanischen Talgo in Zusammenarbeit mit Bombardier entwickelten Talgo 350. Wegen ihrer charakteristischen Frontpartie werden diese Züge umgangssprachlich auch „Pato“ (deutsch Ente) genannt.

  • Anzahl: 16
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Baureihe 103[Bearbeiten]

Hauptartikel: RENFE-Baureihe 103

Im Zuge der Ausschreibung zur zweiten Generation des AVE beschaffte Renfe neben der Baureihe 102 von Talgo auch 26 Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens. Dabei handelt es sich um eine Fortentwicklung des ICE 3, welche von Siemens international als Velaro vermarktet wird und bei Renfe die Bezeichnung Baureihe 103 erhielt. Am 16. Juli 2006 stellte einer dieser Züge mit 403,7 km/h den Geschwindigkeitsrekord im spanischen Eisenbahnnetz auf. Damit wurde er zum schnellsten Serienzug der Welt, denn es handelte sich weder um einen Prototyp, noch wurden Umbauten vorgenommen.[9]

  • Anzahl: 26 (1. Serie 16, 2. Serie 10)
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

Baureihe 112[Bearbeiten]

Ein AVE der Baureihe 112 von Talgo

Für die diversen sich im Bau befindlichen Hochgeschwindigkeitsstrecken wurden 2004 weitere 30 Triebzüge ähnlich der Baureihe 102 bestellt. Die Triebköpfe sind gleich, aber der Zug weist gegenüber der ersten Serie mehr Sitzplätze auf.

  • Anzahl: 30
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Weitere Marken[Bearbeiten]

Neben AVE für Langstrecken auf Normalspur mit Höchstgeschwindigkeiten über 250 km/h vermarktet RENFE seine Hochgeschwindigkeitsverkehre unter verschiedenen weiteren Markennamen:

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolfgang Bauchhenß: Vom Boom in die Krise? In: eisenbahn magazin. Nr. 9/2011, Alba Publikation, Düsseldorf September 2011, ISSN 0342-1902, S. 26–29.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spanische Hochgeschwindigkeitszüge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inauguration de ligne de grande vitesse Madrid-Valence
  2. a b welt.de 25. Juni 2013: Spanien steckt Milliarden in unnütze Züge. - Mit Milliarden aus Brüssel und Krediten hat sich Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt aufgebaut. Doch jetzt kann sich das klamme Land den Betrieb kaum mehr leisten.
  3. Neues Eldorado für schnelle Züge (Version vom 9. Juni 2008 im Internet Archive). In: Wiener Zeitung, 3. Januar 2008
  4. eurailpress.de - Spanien/Frankreich: Ab 7. Januar Eröffnung Barcelona – Figueres 7. Januar 2013
  5. a b High Speed Lines in the World (PDF; 669 kB) In: Internationaler Eisenbahnverband, 1. November 2013
  6. Spanish To Build More High-Speed Lines. International Railway Journal, Sept. 1999.
  7. New fares boost high speed traffic Railway Gazette, abgerufen am 28. März 2013
  8. Diez trenes AVE de la serie 100 aumentarán su capacidad para conectar España y Francia
  9. Velaro – Ferrari auf Schienen. In: Focus online vom 29. März 2007
  10. Meldung Regional-Hochgeschwindigkeitszug für RENFE fertiggestellt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2004, ISSN 1421-2811, S. 27.