Alta Velocidad Española

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der AVE

Der AVE [ˈaβe] (Alta Velocidad Española [ˈalta βeloθiˈðað espaˈɲola], spanisch für „Spanische Hochgeschwindigkeit“) ist der Markenname der spanischen Eisenbahngesellschaft Renfe für das Hochgeschwindigkeitsnetz in Spanien.

Ende 2012 erreichte das AVE-Netz eine Gesamtlänge von 2.665 km und ist damit das längste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas und das zweitlängste der Welt nach China.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des spanischen Regelspur-Hochgeschwindigkeitsnetzes (Januar 2013)

Die Expo 1992 in Sevilla war der Anlass für Spaniens Einstieg in den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf Schienen. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe wollte eine schnelle Anbindung der Hauptstadt Madrid an die Expo-Stadt Sevilla. Die alte Strecke über Linares-Baeza war 574 Kilometer lang und in großen Teilen eingleisig, die schnellste Verbindung benötigte nahezu sechs Stunden. Rechtzeitig zum Beginn der Expo konnte die Renfe die Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla am 19. April 1992 in Betrieb nehmen. Sie war die erste spanische Eisenbahnmagistrale, die in europäischer Normalspur, statt – wie in Spanien bisher üblich – in iberischer Breitspur, gebaut wurde. Die Schnellfahrstrecke ist mit 471 Kilometern gegenüber der bisherigen über hundert Kilometer kürzer. Züge ohne Unterwegshalt fahren diese Distanz in 2 Stunden 15 Minuten.

Im Jahr 2002 ging als zweiter Ast die Neubaustrecke Madrid–Barcelona, zunächst nur bis Saragossa und ab 2008 bis in die katalanische Hauptstadt in Betrieb. Die 625 Kilometer zwischen den zwei größten Städten Spaniens werden in nur zwei Stunden und dreißig Minuten zurückgelegt. Die Züge verkehren derzeit mit einer Spitzengeschwindigkeit von 310 km/h, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h (je nach eingesetztem Material) erreichen. Der Generaldirektor der Fluggesellschaft Iberia kündigte an, ab Eröffnung der Strecke zwischen Madrid und Barcelona kleinere Flugzeuge einzusetzen.[2]

Im Dezember 2007 gingen als dritter Ast von Madrid die Neubaustrecke Madrid–Valladolid und im Süden der Abschnitt Antequera–Málaga, der letzte noch ausstehende der Schnellfahrstrecke Córdoba–Málaga, in Betrieb.

Seit 2005 ist die Weiterführung des zweiten Korridors Barcelona–Figueres–Perpignan/Perpinyà (F) im Bau, inklusive eines acht Kilometer langen Tunnels bei Le Perthus. Zunächst ging der nördliche Streckenabschnitt Figueras–Perpignan/Perpinyà nach mehreren Verzögerungen im Dezember 2010 in Betrieb, wodurch die spanischen Regelspurstrecken vorerst durch das Einlegen einer dritten Schiene in das Streckengleis Barcelona–Figueras mit dem europäischen Netz verbunden wurden. Der endgültige Lückenschluss erfolgte am 7. Januar 2013.[3] Eine Schnellfahrstrecke zwischen Perpignan und Montpellier und damit die Anbindung an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz wird nicht vor 2020 fertiggestellt werden.

Am gleichen Tag wie die Eröffnung der grenzüberschreitenden Strecke in Katalonien wurde auch die vierte von Madrid ausgehende Strecke, an die Mittelmeerküste, in einem ersten Bauabschnitt eröffnet. Die 438 km lange Strecke verbindet die spanische Landeshauptstadt mit Valencia sowie mit Albacete. Die Fahrzeit auf den 391 km zwischen Madrid und der drittgrößten Stadt des Landes, Valencia, reduziert sich von knapp vier Stunden auf 95 Minuten. Am 18. Juni 2013 wurde der 171,5 km lange Abschnitt von Albacete bis zur Mittelmeerstadt Alicante eröffnet. Die Fahrzeit von Madrid nach Alicante verringert sich damit auf vorerst zwei Stunden und zwanzig Minuten. Die dritte Provinzhauptstadt der Valencianischen Gemeinschaft, Castellón, soll bis 2015 an die Schnellfahrstrecke angebunden werden. Die Züge verkehren mit 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h erreichen.

Im Juni 2013, nach der Eröffnung des 171 km langen Abschnittes Albacete–Alicante auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Levante, erreichte das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz eine Gesamtlänge von 2.447 km. Damit liegt man europaweit an der ersten Stelle vor Frankreichs 2.036 km und Deutschlands 1.334 km. Darüber hinaus befinden sich 1.376 km in Bau und 1.702 km in Planung.[4]

Im Jahr 1997 erwirtschaftete das AVE-System erstmals einen Gewinn (etwa zwei Millionen US-Dollar).[5]

An das Hochgeschwindigkeitsnetz angebundene große Städte[Bearbeiten]

Entwicklung des Netzes von 1992-2013

Bisher noch nicht angeschlossen sind u.a. die weiteren wichtigen spanischen Städte Almería, Badajoz, Bilbao, Donostia-San Sebastián, Gijón, Granada, Logroño, Murcia, Oviedo, Pamplona, Santander, Vigo und Vitoria-Gasteiz.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Baureihe 100[Bearbeiten]

Ein AVE der Baureihe 100 von Alstom

Als erste Hochgeschwindigkeitszüge befuhren die Einheiten der Baureihe 100 das Streckennetz. Die Renfe entschied sich dabei für den Kauf von 18 Zügen einer Weiterentwicklung des TGV Atlantique als Fahrzeug für die erste Normalspur-Neubaustrecke in Spanien. Kurios in diesem Zusammenhang: Das Zugsicherungssystem sowie die Oberleitung kauften die Spanier bei deutschen Zulieferern, sodass der AVE, ein TGV-Derivat, mit der deutschen Linienzugbeeinflussung (LZB) versehen ist. Ursprünglich waren 24 Garnituren bestellt worden, doch man entschloss sich dazu, sechs davon als Baureihe 101, unter dem Markennamen Euromed, auf dem Breitspurnetz einzusetzen. Ab 2010 wurden die Züge der Baureihe 101 jedoch auf Regelspur umgebaut und in die Baureihe 100 eingegliedert. Im Februar 2011 gab RENFE bekannt, zehn Züge der Baureihe für den Verkehr von und nach Frankreich umbauen zu lassen.[6].

  • Anzahl: 24
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h

Baureihe 102[Bearbeiten]

Ein AVE der Baureihe 102 von Talgo
Hauptartikel: RENFE-Baureihe 102

Für die Neubaustrecke Madrid–Barcelona–Französische Grenze benötigte Renfe neue Hochgeschwindigkeitszüge. Letztlich entschied man sich u.a. für den Kauf von 16 Garnituren der von der spanischen Talgo in Zusammenarbeit mit Bombardier entwickelten Talgo 350. Wegen ihrer charakteristischen Frontpartie werden diese Züge umgangssprachlich auch „Pato“ (deutsch: Ente) genannt.

  • Anzahl: 16
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Baureihe 103[Bearbeiten]

Hauptartikel: RENFE-Baureihe 103

Im Zuge der Ausschreibung zur zweiten Generation des AVE beschaffte Renfe neben der Baureihe 102 von Talgo auch 26 Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens. Dabei handelt es sich um eine Fortentwicklung des ICE 3, welche von Siemens international als Velaro vermarktet wird und bei Renfe die Bezeichnung Baureihe 103 erhielt. Am 16. Juli 2006 stellte einer dieser Züge mit 403,7 km/h den Geschwindigkeitsrekord im spanischen Eisenbahnnetz auf. Damit wurde er zum schnellsten Serienzug der Welt, denn es handelte sich weder um einen Prototyp, noch wurden Umbauten vorgenommen.[7]

  • Anzahl: 26 (1. Serie 16, 2. Serie 10)
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

Baureihe 112[Bearbeiten]

Ein AVE der Baureihe 112 von Talgo

Für die diversen sich im Bau befindlichen Hochgeschwindigkeitsstrecken wurden 2004 weitere 30 Triebzüge ähnlich der Baureihe 102 bestellt. Die Triebköpfe sind gleich, aber der Zug weist gegenüber der ersten Serie mehr Sitzplätze auf.

  • Anzahl: 30
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Weitere Marken[Bearbeiten]

Neben AVE für Langstrecken auf Normalspur mit Höchstgeschwindigkeiten über 250 km/h vermarktet RENFE seine Hochgeschwindigkeitsverkehre unter verschiedenen weiteren Markennamen:

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolfgang Bauchhenß: Vom Boom in die Krise? In: eisenbahn magazin. Nr. 9/2011, Alba Publikation, Düsseldorf September 2011, ISSN 0342-1902, S. 26–29.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spanischer Hochgeschwindigkeitszug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inauguration de ligne de grande vitesse Madrid-Valence
  2. Neues Eldorado für schnelle Züge. In: Wiener Zeitung, 3. Januar 2008
  3. eurailpress.de - Spanien/Frankreich: Ab 7. Januar Eröffnung Barcelona – Figueres 7. Januar 2013
  4. High Speed Lines in the World (PDF; 669 kB) In: Internationaler Eisenbahnverband, 1. April 2013
  5. Spanish To Build More High-Speed Lines. International Railway Journal, Sept. 1999.
  6. Diez trenes AVE de la serie 100 aumentarán su capacidad para conectar España y Francia
  7. Velaro – Ferrari auf Schienen. In: Focus online vom 29. März 2007
  8. Meldung Regional-Hochgeschwindigkeitszug für RENFE fertiggestellt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2004, ISSN 1421-2811, S. 27.