Altenseelbach

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50.7788888888897.995289Koordinaten: 50° 46′ 44″ N, 7° 59′ 42″ O

Altenseelbach
Gemeinde Neunkirchen
Höhe: 280–300 m
Fläche: 6,16 km²
Einwohner: 1370 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1. Januar 1969
Postleitzahl: 57290
Vorwahl: 02735
Karte

Lage des Ortes Altenseelbach innerhalb der Gemeinde Neunkirchen.

Altenseelbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Neunkirchen im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen mit 1370 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2011).

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Altenseelbach ist der zweitkleinste Gemeindeteil Neunkirchens und liegt im südlichen Siegerland nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Den Ort durchfließen die Bäche Daadenbach im Westen und Rothenbach im Osten, beide münden in die Heller. Die höchste Erhebung ist der Hohenseelbachskopf (auch Köppel genannt) mit 517,5 m über NN. Der Ort selbst liegt auf etwa 280–300 m Höhe.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Nachbarorte von Altenseelbach sind Neunkirchen im Norden und Nordosten, Zeppenfeld und Wiederstein im Osten, Wahlbach im Südosten, Emmerzhausen im Süden, Daaden und Biersdorf im Südwesten sowie Herdorf und Struthütten im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Altenseelbach, rechts die 1910 abgebrochenen Anlagen der Grube Lohmannsfeld

1270 wurde zwar ein Rittergeschlecht von Seelbach genannt, am 23. August 1288 wurde das Adelsgeschlecht von Seelbach und der Ort aber erstmals urkundlich erwähnt.[1] 1350 legte es auf der Basaltkuppe des Hohenseelbachskopfes eine große ringförmige Burg an, die bereits 1352 durch den Erzbischof von Trier wieder zerstört wurde. Am 4. März 1739 erlosch mit dem Tod von Johann Konrad Wilhelm von Seelbach-Reuß in Zeppenfeld das Geschlecht der Herren von Seelbach.

Der erste Brand im Dorf hat vermutlich vor dem Jahr 1750 stattgefunden. Mehr Informationen gibt es dazu nicht. Im Sommer 1757 brannte es zum zweiten Mal in Altenseelbach.[2] Am 29. September 1783 löste ein Blitz einen weiteren Großbrand aus, bei dem 57 Wohnhäuser und 49 Scheunen abbrannten. Vier Häuser wurde verschont, da sie am östlichen Dorfrand standen.[2] Bereits 1788 gab es wieder 61 Häuser im Ort. Aufgrund des Neuaufbaus Altenseelbachs und der damit entstandenen parallel laufenden Straßen entstand der Beinamen „Reihendorf“.[3]

1905 wurde eine Schule gebaut, nachdem 1878 das erste Gebäude abgerissen wurde. Am 25. Juli 1920 wurde das Kriegerdenkmal im Ort eingeweiht.[4] Im Jahr 1931 lebte die Gemeinde Altenseelbach vom Erzbergbau. Von den 1230 Einwohnern waren 1055 evangelisch, 19 katholisch und 156 sonstiger Konfession. Einrichtungen waren zum Beispiel eine Volksschule und ein Sportplatz.[5]

Bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1969 gehörte der Ort dem Amt Burbach an.[6]

Bergbau[Bearbeiten]

Im Gebiet Altenseelbach gab es drei große Gruben (fett markiert), sowie ein paar weitere kleine:

  • Alte Burg war ab 1880 in Betrieb.
  • Gelegenheit wurde Ende 1870er geschlossen. Ein Maschinenschacht ging bis auf 60 m Teufe. Insgesamt wurde 5.187 t Eisenstein, 54 t Kupfererz und 3 t Bleierz abgebaut.
  • Gleiskaute ab 1736, hieß später Wilhelmsgruß.
  • Grube Große Burg: Der Zusammenschluss Große Burg entstand aus etlichen kleinen Gruben am 29. August 1838. In den 1940er Jahren hatte die Grube ihre Blütezeit. Der Mannseifenschacht hatte eine Teufe von 419 m, die Gesamtteufe der Grube betrug 895 m. 576.483 t Eisenerz wurden in der Grube gefördert. 1959 wurde sie stillgelegt.
  • Gustavszeche
  • Gute Hoffnung, es gab einen Stollen mit Länge 1008 m und einen Maschinenschacht. Um 1920 fand eine Konsolidation mit Lohmannsfeld, Silberart und Alte Burg zur Grube Große Burg statt. Auf der Stollenhalde gab es eine naßmechanische Aufbereitung. Abgebaut wurden Bleiglanz und Zinkblende.
  • Lohmannsfeld: Im Bereich Lohmannsfeld wurde vom 18. Jahrhundert an bis 1948 in bis zu 780 m Teufe 223.486 Tonnen Erz gefördert.
  • Silberart war von Mitte der 1850er Jahre bis 1880 aktiv. Es gab einen Tiefen Stollen im Seelbachtal, der in den 1850er angelegt wurde und eine Länge von 380 m hatte. Um 1920 fand die Konsolidation mit Lohmannsfeld, Gute Hoffnung und Alte Burg zur Grube Große Burg statt. Abgebaut auf Silberart wurden Zinkblende, Bleiglanz, Kupferkies.
  • Veteran. Der Veteranstollen wurde ab 1877 angelegt, in den 1880ern stillgelegt und hatte eine Länge von 82 m. Abgebaut wurde Eisenstein und Bleiglanz. 1954 gab es Untersuchungen auf dem Gangmittel Carlshoffnung durch die Erzbergbau Siegerland AG.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen des Ortes:[7][8]

Jahr Einwohner
1810 352
1818 394
1850 483
1885[9] 982
1895[10] 993
1900 1135
1910[11] 1159
Jahr Einwohner
1913[12] 1176
1925[5] 1230
1933[13] 1231
1939[13] 1156
1950 1454
1961[14] 1583
1967 1606
Jahr Einwohner
1985 1623
1994[15] 1578
2000[16] 1594
2004[17] 1580
2009[18] 1420
2011[19] 1370

Anmerkung: Einwohnerzahlen ab 1994 am 31. Dezember; 2000 im Oktober

Häuserzahlen[Bearbeiten]

Jahr 1600 1700 1730 1810 1850 1913[12]
Häuser 27 39 49 61 74 184

Infrastruktur und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die Altenseelbacher Haltestelle an der Bahnstrecke Betzdorf–Haiger

Verkehr[Bearbeiten]

Altenseelbach verfügt über eine Haltestelle an der Bahnstrecke Betzdorf–Haiger. Über Neunkirchen, Salchendorf und Wilden ist Altenseelbach an die A45 angeschlossen. Im Ort gibt es einen Verkehrsübungsplatz.

Gewerbe[Bearbeiten]

In der Nähe des Daadebachs liegt das Gewerbegebiet Daadebach. Das war 2008 und 2009 im Interesse der lokalen Medien, da in unmittelbarer eines Wohngebietes eine alte Steinbrecheranlage wieder voll genutzt werden soll.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Hohenseelbachskopf stellt eine große Basaltkuppen dar, die hier vor rund 7 Millionen Jahren durch vulkanische Tätigkeiten entstanden. Basaltabbau für den Straßenbau führte zwischen 1900 und 1925 zum Abtragen der Kuppe, jedoch nicht so stark wie beim Nachbarn Mahlscheid. Das Gebiet auf dem Hohenseelbachskopf steht seit 1990 unter Naturschutz. Heute befindet sich am Berg ein Lokal. der Köppel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das Adelsgeschlecht von Seelbach legte 1350 auf der Basaltkuppe eine große ringförmige Burgfeste an, die schon 2 Jahre später durch den Erzbischof von Trier wieder zerstört wurde, weil ihre Besitzer angebliche Raubritter waren.

Schule & Freizeit[Bearbeiten]

Der Ort hatte eine Grundschule, die nach Ablauf des Schuljahres 2007/08 wegen Schülermangels geschlossen wurde.

Das ehemalige Schulgebäude ("alte Schule", bis Ende der 1930er Jahre) und heutige Dorfgemeinschaftshaus in der Breitelbachstraße hat eine Küche und bis 2010 einen 150 m² großen Saal mit Bühne. Bis zu 150 Menschen fanden hier Sitzplätze. Von 2010 bis 2013 wurde der große Saal des Dorfgemeinschaftshauses mit Finanzmitteln aus dem Konjunkturpaket 2, der Gemeinde Neunkirchen sowie dem Förderverein des Löschzugs Altenseelbach zu einem Schulungs- und Gemeinschaftsraum für den örtlichen Feuerwehrlöschzug hergerichtet. Im Zuge dieses Umbaus wurde ein Teil des Saales abgetrennt und der entstandene Raum mit einer Küchenzeile ausgestattet. Der große Saal bietet nun auf einer Fläche von ca. 130 m² Sitzplätze für bis zu 100 Personen sowie eine Multimedia-Ausstattung mit Beamer, Leinwand und Audioanlage für Schulungen und Lehrgänge. Der Löschzug Altenseelbach hat dabei einen großen Teil der Arbeiten in Eigenleistung erbracht.

Während der kleine Saal im Obergeschoss weiterhin vom Heimatverein genutzt wird, wurden die Räume der ehemaligen Hausmeisterwohnung dem Verein "Photo Friends Neunkirchen" zur Verfügung gestellt.

Vereine[Bearbeiten]

Der Heimatverein des Ortes besteht seit 1933 und hat etwa 300 aktive Mitglieder. Er kümmert sich um Denkmal- und Dorfpflege, sowie Heimatabende, Ausflugsfahrten und Backesfeste. Dazu kommen mehrere weitere Vereine und Institutionen.

Zu den Vereinen gehört auch der SV 2010 Altenseelbach e.V.. Dieser Verein wurde 2010 gegründet, mit dem Ziel ein wenig vergangene Fußballtradition des SV 1910 Altenseelbach zurück in den Ortsteil zu bringen. Spielstätte ist ein Tennenplatz an der Waldstraße.

Literatur[Bearbeiten]

  • 700 Jahre Neunkirchen, Verlag Otto Braun, Neunkirchen 1988

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 34–35, Nr. 55.
  2. a b 700 Jahre Neunkirchen, Verlag Otto Braun, Neunkirchen 1988; S. 159/160
  3. Artikel Der schlimmste Tag in der Dorfgeschichte in der Siegener Zeitung vom 29. Juli 2008, Seite 8
  4. Otto Braun: Neunkirchen in alten Bildern, Neunkirchen 1980
  5. a b genealogy.net: Amt Burbach
  6.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 72.
  7. 700 Jahre Neunkirchen, Verlag Otto Braun, Neunkirchen 1988
  8. Otto Schaefer: Der Kreis Siegen, Siegen 1968
  9. Westfälisches Gemeindelexikon 1887, S. 108 / 109
  10. Westfälisches Gemeindelexikon 1897, S. 110 / 111
  11. gemeindeverzeichnis.de: Landkreis Siegen
  12. a b Heinrich Hamann: Geschichte des Freiengrundes, Druck der Westdeutschen Verlagsanstalt, Neunkirchen 1925, S. 6.
  13. a b verwaltungsgeschichte.de: Stadt und Landkreis Siegen
  14.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 157.
  15. Rolf Betz: Neunkirchen (PDF; 7,3 MB), ca. 1995
  16. Gemeindeangaben Neunkirchen auf web.archive.org
  17. Gemeinde Neunkirchen im Siegerland: Bürgerinfo Zahlen/Daten/Fakten
  18. neunkirchen-siegerland.de: Bevölkerungsdaten (offline)
  19. neunkirchen-siegerland.de: Zahlen und Fakten