Altenstadt (Iller)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Altenstadt
Altenstadt (Iller)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Altenstadt hervorgehoben
48.15916666666710.110555555556530Koordinaten: 48° 10′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Neu-Ulm
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Altenstadt (Schwaben)
Höhe: 530 m ü. NHN
Fläche: 31,3 km²
Einwohner: 4914 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 157 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89281
Vorwahl: 08337
Kfz-Kennzeichen: NU, ILL
Gemeindeschlüssel: 09 7 75 111
Marktgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Hindenburgstr. 1
89281 Altenstadt
Webpräsenz: www.altenstadt-vg.de
Bürgermeister: Wolfgang Höß
Lage des Marktes Altenstadt im Landkreis Neu-Ulm
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Die Marienkirche in Altenstadt

Altenstadt ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Altenstadt.

Lage[Bearbeiten]

Der Markt liegt in Mittelschwaben im Tal der westlich vorbeifließenden Iller, etwa 30 km südlich von Ulm und 25 km nördlich von Memmingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Es existieren die Gemarkungen Altenstadt, Filzingen, Grafenwald, Herrenstetten und Untereichen.

Zum Markt Altenstadt gehören die Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste Erwähnung der Edlen von Aichheim erfolgte in der Urkunde vom 25. März 1128, ausgestellt im Grafenthing zu Illertissen unter Vorsitz des Grafen Eberhard von Kirchberg. Unter den sieben freien Zeugen tritt Adalbert von Aichheim auf. Die Edelfreien von Aichheim errangen im 17. Jahrhundert eine bedeutende Stellung im schwäbischen Adel, waren jedoch nicht Ministerialen der Tübinger Pfalzgrafen. Nach dem Tod des letzten Aichheimers, Berthold (1330), gelangte die Herrschaft Aichheim an Konrad von Rechberg, der die Tochter Bertholds, Luitgard, geheiratet hatte. Dabei nahm er auch Besitz von der bereits bestehenden Burg Aichheim. In der Folgezeit vereinigten die Herren von Rechberg mehrere Herrschaften zwischen Iller und Lech in ihrer Hand. Als Zentrum ihres neuen Herrschaftsgebietes erbauten sie sich in den Jahren 1420 bis 1460 eine mächtige Burg und legten östlich von ihr eine Handwerkssiedlung an, die den Namen Überaichheim übernahm. Die von der Herrschaft verlassene, alte Siedlung bei der Mönchsburg heißt fortan die „Alte Stadt“, woraus sich der heutige Ortsname Altenstadt ableitet. Diese Siedlung, einst Herrschersitz, führte fortan als kleines Dörfchen ein ländliches Leben, wie die anderen kleinen Siedlungen um den neuen Mittelpunkt Übereichen, der heute den Namen Illereichen führt. Dieser neue Ort nahm eine rasche Aufwärtsentwicklung und war schon bald mehr als doppelt so groß wie Altenstadt. Bis zum 18. Jahrhundert war Altenstadt ein unbedeutendes Bauerndorf abseits der Landstraße.

Gedenktafel am früheren Standort der Altenstadter Synagoge

Der heutige Ortskern, das Geschäftszentrum an der Staatsstraße 2031, entstand erst um 1720. Damals wurden außerhalb der christlichen Siedlung für die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts vereinzelt, ab 1718/19 in größerer Zahl im Illereicher Herrschaftsgebiet auftauchenden Judenfamilien mehrere Häuser errichtet, die ihnen mietweise überlassen wurden. 1719 wird der jüdischen Gemeinde erlaubt, eine Synagoge zu errichten, was auch alsbald geschieht. Das aus Holz errichtete Gotteshaus stand bis 1802. 1721 erwarben die Juden von der Herrschaft durch Kauf das Recht, Streitigkeiten in ihren Reihen selbst zu schlichten, ein Jahr später erhielten sie auch die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. Allmählich wuchs die Altenstadter Judengemeinde zu einer selbstständigen Gemeinschaft neben der christlichen Doppelgemeinde Illereichen-Altenstadt, obwohl sie nur wenige Freiheiten und Rechte besaß. 1803 wurde der Bau einer neuen, großen Synagoge an der Hauptstraße abgeschlossen.

Um diese Zeit befand sich die Herrschaft Illereichen im Besitz der westfälischen Grafen von Limburg-Styrum, die ab 1677 für fast ein Jahrhundert regierten. 1772 erwarb der Reichsgraf und spätere Fürst Karl von Palm die Herrschaft um 450.000 Gulden. Um 1788 verkaufte er den Besitz für 750.000 Gulden an Fürst Johann Nepomuk Josef von Schwarzenberg, von dem er 1789 an seinen Sohn Josef überging. In dessen Regierungszeit kam die Herrschaft Illereichen 1800 unter die Landeshoheit Bayerns. 1833, kurz vor seinem Tod, verkaufte Fürst Josef von Schwarzenberg Illereichen an den bayerischen Staatsminister Maximilian Graf von Montgelas, der 1834 Gerichtsbarkeit und Grundgefälle dem König von Bayern überließ.

1834 erreicht die jüdische Bevölkerung Altenstadts den Höchststand von 403 Personen, während nur etwa 100 christliche Einwohner dort lebten. Der starke Rückgang der jüdischen Bevölkerung in den folgenden Jahrzehnten ist vor allem darauf zurückzuführen, dass aufgrund der liberaleren rechtlichen Situation Juden sich wieder in den umliegenden Städten ansiedeln und auch auswandern durften. 1933, zur Zeit von Hitlers Machtergreifung, lebten noch etwa 50 Juden im nun knapp 1100 Einwohner zählenden Altenstadt. Im Zuge der sich zusehends verschärfenden nationalsozialistischen Verfolgung wurden Ende 1939 die verbliebenen 24 jüdischen Altenstädter dazu gezwungen, ihr Eigentum zu veräußern und ein "Judenhaus" zu beziehen. Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1942 wurden alle Altenstädter Juden zur Vernichtung deportiert. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt. Die bei den reichsweiten Novemberpogromen des Jahres 1938 nur leicht beschädigte Synagoge der Jüdischen Gemeinde Altenstadt wurde 1955 abgerissen. Eine Gedenktafel am Geschäftshaus Memminger Straße 47 erinnert an dieses Geschehen.[2]

Am 15. April 1903 wurde die damalige Gemeinde Illereichen in Illereichen-Altenstadt umbenannt. Eine weitere Umbenennung, jetzt in den aktuellen Namen Altenstadt, erfolgte am 1. Juli 1972.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Dattenhausen und Herrenstetten eingegliedert.[3] Untereichen kam am 1. Juli 1976 hinzu. Am 1. Mai 1978 folgten Bergenstetten und Filzingen.[4] Ein kleiner Teil von Altenstadt mit etwa 6 Einwohnern wurde am 1. Januar 1979 dem benachbarten Oberroth zugeschlagen.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgenden Angaben beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet von Altenstadt:[6]

Jahr Einwohner
1840 1724
1871 1671
1900 1876
1925 2441
1939 2566
1950 4361
1961[4] 3949
1970[4] 4280
1987 4208
2001 4651
2002 4714
2003 4752
2004 4740
2005 4726
2006 4799
2007 4773
2008 4825
2009 4842
2010 4820
2011 4804
2012 4956

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Wolfgang Höß. Der Gemeinderat umfasst 16 Sitze, zuzüglich des Bürgermeisters:

CSU SPD/Bürgerblock FWG Gesamt
2002 6 4 6 16
2008 6 5 5 16

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen des Marktes Altenstadt zeigt in Silber auf grünem Boden einen grünen Eichbaum mit goldenen Eicheln.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche Mariä Himmelfahrt in Illereichen

Bauwerke[Bearbeiten]

Zu den sehenswerten Bauwerken zählen die Filialkirchen der Pfarrei zum Guten Hirten Mariä Geburt, St. Martin in Filzingen, Mariä Himmelfahrt in Illereichen, St. Peter und Paul in Untereichen und Hl. Dreifaltigkeit und St. Nikolaus in Bergenstetten. Das Schloss Aichhaim der ehemaligen Herrschaft Illereichen, das Große Tor in Illereichen und der jüdische Friedhof in Illereichen zählen ebenfalls dazu.

Freizeitanlagen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Filzingen liegt das Naherholungsgebiet Filzinger Badeseen, etwas entfernt, westlich der A 7, der Sinninger Badesee.

Sport[Bearbeiten]

Im Westen der Gemeinde liegen die Außensportanlagen Altenstadts, namentlich der Sport- und Fußballplatz (unter anderem vom Fußballverein (FVA) genutzt) und der Tennisplatz des örtlichen Tennisclubs. Direkt daneben befindet sich das vom Schützenverein 1905 Altenstadt e. V. in Eigenregie erbaute Vereinsheim. Im Ortskern nahe der Hauptstraße steht die Jahnhalle des TSV 1878 Altenstadt e. V., zur Grundschule gehört eine Turnhalle.

Aufgrund der Betriebsvorschriften der Schulturnhalle, die nur eine stark begrenzte Anzahl von Fremdveranstaltungen pro Jahr zulassen und wegen der inzwischen in die Jahre gekommenen Jahnhalle ist es in Altenstadt oft schwer, für Veranstaltungen größeren Ausmaßes geeignete Räumlichkeiten zu finden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Jährlich im Juli das Lindenbaumfest um die 130-jährige Friedenslinde im Ortsteil Filzingen. Der Reinerlös kommt der Dorfverschönerung des Ortsteils sowie den ansässigen Vereinen zugute.
  • Waldfest der Musikgesellschaft Illereichen-Altenstadt e. V. am letzten Juliwochenende
  • Bockstechen des Schützenvereins und des Krieger- und Soldatenvereins
  • Frühjahrs- und Herbstmarkt in der Illereicher Marktstraße
  • Faschingsomzug, laut den Betreibern einer der größten Fasnachtsumzüge im Landkreis
  • Prohapop, jährlich im August stattfindendes Musikfestival am Sportgelände

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Östlich von Altenstadt und im Süden zwischen Altenstadt und Filzingen hindurch verläuft die Autobahn A 7 mit der Ausfahrt AS 125. Die Staatsstraße 2031 (ehemalige B 19), sowie die Bahnstrecke Ulm–Memmingen, die sogenannte Illertalbahn, mit eigenem Bahnhof führen durch den Ort.

Altenstadt liegt auch am Iller-Radweg, einer Fernverbindung für Radfahrer zwischen Ulm und Oberstdorf entlang des Flusses.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im Süden Altenstadts, direkt an der Autobahn-Anschlussstelle, liegt das Zentrallager der Firma Aldi für den Raum Bayerisch-Schwaben/Oberschwaben. In diesem Gewerbegebiet und dem angrenzenden Norden des Ortsteils Filzingen sind metallverarbeitende Betriebe ansässig.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • In der Friedhofstraße gegenüber der Grundschule ist die Stützpunktfeuerwehr Altenstadt stationiert.
  • Markt- und Pfarrbücherei

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Altenstadt befindet sich die Grund- und Teilhauptschule I für die Verwaltungsgemeinschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Barbara Renz (1863–1955), Ethnologin, Religionswissenschaftlerin und katholische Frauenrechtlerin
  • Franz Renz (1860–1916), katholischer Theologe

Literatur[Bearbeiten]

  • Altenstadt mit den Gemeindeteilen Bergenstetten, Dattenhausen, Filzingen, Herrenstetten, Illereichen und Untereichen. Bilder erzählen aus vergangenen Jahrzehnten. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2005, ISBN 3-86595-001-9.
  • Georg Baur: Illereichen-Altenstadt. Beiträge zur Geschichte der Marktgemeinde. Konrad, Weissenhorn 1965.
  • Erich Josef Geßner (Hrsg.): Altenstadt und Osterberg. Sammelband zur Geschichte jüdischer Gemeinden im Landkreis Neu-Ulm. 2. Auflage. Landkreis Neu-Ulm, Neu-Ulm 2001.
  • Anton H. Konrad: Illereichen-Altenstadt. Konrad, Neu-Ulm 1962.
  • Karin Sommer: Die Juden von Altenstadt. Zum Alltagsleben in einem Judendorf von ca. 1900–1942. Magisterarbeit am Institut für Volkskunde der LMU München 1982 (auch in: Erich Josef Geßner (Hrsg.): Altenstadt und Osterberg. Sammelband zur Geschichte jüdischer Gemeinden im Landkreis Neu-Ulm. 2. Auflage. Landkreis Neu-Ulm, Neu-Ulm 2001, S. 1–79).
  • Karin Sommer: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Altenstadt. In: Peter Fassl (Hrsg.): Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Thorbecke, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-4172-1, S. 93-103 (Irseer Schriften 2).

Radio[Bearbeiten]

  • Karin Sommer: Es ist uns ein liebliches Los zugefallen. Zum Alltagsleben der Juden auf dem Land im Bayern des 19. Jahrhunderts. (Sendung vom 19. Januar 1986 im Bayerischen Rundfunk)
  • Karin Sommer: Die "Kristallnacht" auf dem Lande. Ein Lehrstück aus dem bayerischen Schwaben. (Sendung vom 9. November 1989 im Bayerischen Rundfunk)
  • Karin Sommer: Ein Schandfleck weniger! Geschichte der Altenstadter Dorfsynagoge (Sendung vom 4. November 2001 im Bayerischen Rundfunk)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altenstadt (Iller) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 112
  3. a b  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 488.
  4. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 790.
  5. GenWiki Altenstadt
  6. Amtliche Statistik für Altenstadt, S. 6 (PDF; 1,3 MB)