Alternative Country

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Alternative-Country-Musiker David Eugene Edwards von der Band 16 Horsepower

Alternative Country, Americana, Insurgent Country, oder auch der etwas weiter gefasste Begriff Roots Rock sind Genrebezeichnungen für eine Ende der 1980er Jahre entstandene Musik, die Haltungen und Spielweisen des Punk und Independent mit einem verstärkten Interesse an „folkloristischer“, „ursprünglicher“ US-amerikanischer Musik verbanden, vor allem an Country, aber auch an Blues und Folk.

Alternative Country unterscheidet sich vom Mainstream-Country zum einen durch ein Aufgreifen der Rauheit und Aggressivität des Punk, zum anderen durch eine Rückkehr zur ursprünglichen Schlichtheit in den Arrangements, wie sie in den frühen Countryaufnahmen der 1920er bis 1950er Jahre, etwa bei Hank Williams und bei den Countryrock-Pionieren The Byrds, Flying Burrito Brothers bzw. Gram Parsons zu finden sind. In den Texten behandelt Alternative Country vor allem die „düsteren Seiten des amerikanischen Traumes“: Verlust, Scheitern, Abhängigkeit und Tod. Dies sind klassische Countrythemen, die jedoch aus einer postmodernen Sichtweise interpretiert werden.

Entstehung und Entwicklung des Begriffs[Bearbeiten]

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Schon in den 1980er Jahren integrierten einige US-amerikanische Independent- und Post Punk-Bands und Interpreten wie The Blasters, Long Ryders, Green on Red, R.E.M., Jason & the Scorchers, Giant Sand, Band Of Blacky Ranchette, Russ Tolman oder The Gun Club Country-Elemente in ihre Musik.

Der Begriff „Alternative Country“ entstand Anfang der 1990er Jahre, der Legende nach in Bezug auf die Band Tarnation. Ein Gründer der 1995 entstandenen Fachzeitschrift No Depression verwandte ihn als Untertitel des Magazins, mit der Ergänzung „Alternative Country…whatever that is“. Als eigentliche Geburtsstunde des Alternative Country gilt das Jahr 1990 mit dem Erscheinen der stilprägenden Platte „No Depression“ von Uncle Tupelo und der „Trinity Session“ der Cowboy Junkies.

Diverse Bands wurden durch diese Alben inspiriert, wie z. B. die Jayhawks, Freakwater oder Whiskeytown. Mitte der 1990er Jahre versuchten auch große Plattenfirmen wie Warner Brothers das musikalische Phänomen zu vermarkten, jedoch scheiterten die Versuche zumeist. Das Major-Label Universal richtete für das Genre das Unterlabel Lost Highway ein, auf dem einige Stars der Szene wie Ryan Adams oder Lucinda Williams vertreten sind. Die meisten Musiker des Alternative Country veröffentlichen jedoch auf kleinen Labels, die oft von Musikfans betrieben werden, wie z. B. Bloodshot in Chicago. Häufig können sie von dem aus der Musik erzielten Einkommen nicht leben, legen jedoch mehr Wert auf künstlerische Eigenständigkeit als auf kommerziellen Erfolg.

Erfolg ist vielen der Bands in Europa (Großbritannien, Benelux, Deutschland) beschieden, was zum Teil an engagierten Labels wie Glitterhouse bzw. Blue Rose liegt.

Das neue Interesse an der Countrymusik jenseits der marktbeherrschenden Top-40-Countryradiostationen hatte auch zur Folge, dass Bands wie Giant Sand oder vor allem die lange Zeit kommerziell völlig erfolglose Lucinda Williams, die schon in den 1980er Jahren vergleichbare Musik gespielt hatten, zu Ruhm kamen.

Auch Altstars des Genres, die seit langem nicht mehr im Radio gespielt worden waren, konnten von dem Boom profitieren, so z. B. Johnny Cash, dessen Karriere Anfang der 1990er Jahre beendet schien. 1994 wurde die erste CD seiner Reihe „American Recordings“ veröffentlicht, die vom Heavy Metal- und Hip-Hop-Produzenten Rick Rubin produziert wurde: Rubin schlug Cash aktuelle Rocksongs, aber auch Klassiker zur Interpretation vor, die von einem jungen, großstädtischen Publikum begeistert aufgenommen wurden. Auch Emmylou Harris, die 1996 mit ihrem „Wrecking Ball“ den Bruch mit der althergebrachten Spielweise des Country vollzog, arbeitete mit mehreren Vertretern des Alternative Country zusammen, so beispielsweise Steve Earle, Buddy Miller oder Ryan Adams.

Der Begriff „Alternative Country“ wurde mit der Zeit unterschiedlich benutzt. So werden inzwischen damit häufig alle Musiker bezeichnet, die aus verschiedenen Gründen nicht in den Mainstream passen. Beispiele sind Dwight Yoakam oder auch Rodney Crowell, wobei Yoakam ausdrücklich darauf besteht, dass er reine Country-Musik spiele. Andere wie etwa Kelly Pardekooper, Mary Chapin Carpenter oder die Texanerin Terri Hendrix sind musikalisch gesehen zwar im Country verwurzelt, werden jedoch meist unter dem Genre-Begriff Songwriter geführt. Ähnliches gilt für einige Vorläufer des Antifolk wie z.B. Ani DiFranco oder Michelle Shocked, die musikalisch eher dem Folk als dem Country zuzurechnen sind. Unter den Begriff „Alternative Country“ eingeordnet werden teilweise auch solche Künstler, die ursprünglich Mainstream waren, aber nicht mehr im Top-40-Countryradio laufen (wie Dolly Parton oder George Jones). Außerdem werden auch musikalische Vorbilder aus vorangegangen Jahrzehnten einbezogen, deren Einstellungen als „alternativ“ gelten, wie z. B. Townes Van Zandt oder Gram Parsons, der oft als „Urvater“ des Alternative Country gesehen wird. Auch „alternative“, zumeist rauere, Entwicklungen der früheren Countrygeschichte, wie z.B. der Bakersfield Sound der 1960er werden manchmal als Alternative Country bezeichnet.

Weitere bekannte Interpreten sind Lambchop, Calexico, Azure Ray, 16 Horsepower, The Walkabouts, Wilco und Son Volt (die letztgenannten beiden Bands entstanden nach dem Zerbrechen von Uncle Tupelo). Wesentlich stärker vom Punk und Psychobilly beeinflusst sind Interpreten wie Hank Ray, Coffinshakers oder Undead Syncopators, die sich in der Deathcountryszene zusammenfinden.

Denver Sound[Bearbeiten]

Mitte der 1990er-Jahre entstand in Denver, Colorado, eine Musikszene die ausgehend von Country oftmals musikalische Grenzen überschreitet. „There's something absolutely bizarre going on musically in Colorado right now[1] beschrieb Jello Biafra, Labelchef von Alternative Tentacles und ehemaliger Kopf der Punkband Dead Kennedys ein Phänomen das sich bisher nur schlecht einordnen ließ. Die Musik ist großteils geprägt von düsterem Sarkasmus oder apokalyptischer Spiritualität (David Eugene Edwards). Vertreter des Denver Sound sind beispielsweise The Denver Gentlemen, 16 Horsepower, Woven Hand, Slim Cessna's Auto Club, Munly & the Lee Lewis Harlots, Denver Broncos UK, Tarantella, Lilium und weitere.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grant Alden, Peter Blackstock: No Depression. An Introduction to Alternative Country Music. Whatever That Is. Dowling Press, Nashville 1998, ISBN 1-891847-00-7
  • Grant Alden, Peter Blackstock (Hrsg.): The best of No depression. Writing about American music. University of Texas Press, Austin 2005, ISBN 0-292-70989-7
  • David Goodman: Modern Twang. An Alternative Country Music Guide and Directory. Dowling Press, Nashville 1999, ISBN 1-891847-03-1
  • Richard Peterson: Alternative Country. Origins, Music, World-View, Fans and Taste in Genre Formation. A Discographic Essay. Department of Sociology, Vanderbilt University, Nashville 1999, Volltext

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.denverpost.com/entertainment/ci_4100041

Weblinks[Bearbeiten]