Altes Museum

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Das Alte Museum in Berlin
Das Alte Museum in Berlin

Das Alte Museum (bis 1845 Königliches Museum) auf der Berliner Museumsinsel wurde 1825 bis 1828 von Karl Friedrich Schinkel im Stil des Klassizismus errichtet und beherbergt heute die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Das denkmalgeschütze Bauwerk gehört zu den bedeutendsten des Klassizismus und gilt als eine Höhepunkt im Schaffen Schinkels. Es ist Teil des Gebäudeensembles auf der Museumsinsel, das 1999 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gesellschaftliche Voraussetzung

Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Bürgertum in Deutschland zusehends selbstbewusster. Die Vorstellung begann sich durchzusetzen, anstelle der feudalen, vor der Öffentlichkeit verschlossenen Kunstsammlungen sollten allen Bürgern zugängliche Museen treten. Der Bürger sollte die Möglichkeit einer umfassenden kulturellen Bildung erhalten.

Der aufgeklärte preußische König Friedrich Wilhelm III. teilte dieses Humboldtsche Bildungsideal und beauftragte Karl Friedrich Schinkel mit der Planung eines Museums für die königlichen Kunstsammlungen. Wie der König [Friedrich Wilhelm IV] in einem Erlass 1841 äußerte, wollte er die ganze Spreeinsel zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft umgestalten.

[Bearbeiten] Das Ensemble

Den Planungen des Architekten Schinkel lagen auch Entwürfe des Königs zugrunde, der für die Museumsinsel eine antikisierende, akropolisartige Bebauung wünschte. Friedrich Wilhelm III. ließ Schinkel eine Bleistiftskizze zukommen, die ein hinter Säulenhallen zurücktretendes Hauptgebäude zeigte.

Schinkel bettete in seinen Planungen das Königliche Museum in ein klassizistisches Ensemble rund um den Lustgarten ein. Das Stadtschloss der Hohenzollern im Süden sollte dabei Symbol der weltlichen Macht sein, der damalige Berliner Dom im Osten die göttliche Macht verkörpern und das neue Museum im Norden als Freistätte der Künste und Wissenschaften der Erziehung und Bildung des Volkes dienen.

Schon zuvor war Schinkel für die klassizistische Umgestaltung des ursprünglich barocken Doms verantwortlich gewesen. Auch die parallel zum Bau des Alten Museums erfolgende Neugestaltung des Lustgartens durch Peter Joseph Lenné ging weitgehend auf Schinkels Vorstellungen zurück, der so ein zusammengehöriges Ensemble schuf.

[Bearbeiten] Das Gebäude

Innere Perspektive der Teppenanlage, Zeichnung von Schinkel, 1829
Innere Perspektive der Teppenanlage, Zeichnung von Schinkel, 1829
Standbild „Löwenkämpfer“ von Albert Wolff auf der linken Wange der Freitreppe
Standbild „Löwenkämpfer“ von Albert Wolff auf der linken Wange der Freitreppe

Das Alte Museum folgt mit seiner klar gegliederten äußeren Form und inneren Struktur dem Gestaltungskanon der griechischen Antike und verkörperte damit die Idee eines Museums als Bildungseinrichtung für das Bürgertum.

Der Architekt entwickelte die Pläne für das Alte Museum schon 1822 und 1823, aber erst 1825 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden, die bis 1828 dauerten. Am 3. August 1830 wurde es seiner Bestimmung übergeben.

Das auf einem Sockel stehende, zweigeschossige Gebäude hat eine Länge von 87 Metern und eine Breite von 55 Metern. Es besteht aus einem flach gedeckten, kubischen Baukörper, der durch eine Vorhalle mit achtzehn kannelierten ionischen Säulen in Monumentalordnung nach außen abschließt. Die von zwei Eckpilastern begrenzte Halle öffnet sich zum Lustgarten hin. Auf dem Gebälk der Halle sitzen über den Säulen achtzehn sandsteinerne Adler. Die an der Front des Gebäudes angebrachte Weihinschrift lautet: FRIDERICVS GVILHELMVS III. STVDIO ANTIQVITATIS OMNIGENAE ET ARTIVM LIBERALIVM MVSEVM CONSTITVIT MDCCCXXVIII ("Friedrich Wilhelm III. hat zum Studium der Altertümer jeder Art sowie der freien Künste 1828 dieses Museum gestiftet").

Die Ausstellungsräume des Gebäudes gruppieren sich um zwei Innenhöfe, mittig liegt eine über beide Geschosse reichende, mit einem Oberlicht gedeckte Rotunde. Dieser Rückgriff auf das römische Pantheon und die der Halle vorgesetzte Freitreppe sind Elemente, die bis dahin nur Herrschaftsbauten vorbehalten waren. Die Rotunde ist von außen durch einen zurückgesetzten kubischen Aufsatz zu erkennen, an dessen Ecken vier auf Postamente gesetzte Skulpturen gesetzt waren.

Hinter der Vorhalle befindet sich die parallel zur Fassade verlaufende zweiarmige Treppenanlage. Ihr besonderer Reiz liegt darin, gleichzeitig Innen- wie Außenraum zu sein, da sie nur durch die Säulen nach außen geschlossen wird. Auf einer Zeichnung des Treppenhauses machte Schinkel durch einige Staffagefiguren seine Vorstellungen von den Aufgaben des Bauwerks deutlich: es sollte Stoff bieten für unmittelbare Anschauung und Belehrung (Vater-Sohn-Gruppe, links), aber womöglich auch für weiterführende Gedanken und Gespräche (zwei Männer im Dialog, rechts). Die 1831 vor der Freitreppe aufgestellte, 6,91 Meter durchmessende Granitschale von Christian Gottlieb Cantian sollte ursprünglich in der Rotunde aufgestellt werden.

Schinkels Konzept sah die Aufstellung von großen Reiterstandbildern auf den Wangen der Freitreppe vor. Das 1842 fertiggestellte Standbild „Kämpfende Amazone“ von August Kiss wurde auf die rechte Seite der Freitreppe platziert. Es zeigt in hoher Expressivität eine Amazone, die versucht, mit einer Lanze den Angriff eines Panthers abzuwehren. Das erst 1861 aufgestellte Standbild „Löwenkämpfer“ auf der linken Wange stammt von Albert Wolff nach einem Entwurf von Christian Daniel Rauch. Dargestellt ist ein Reiter auf sich aufbäumendem Pferd, der im Begriff ist, einen am Boden liegenden Löwen mit seiner Lanze zu durchbohren.

[Bearbeiten] Geschichte

Das Alte Museum um 1830 in einer Radierung von Friedrich Alexander Thiele
Das Alte Museum um 1830 in einer Radierung von Friedrich Alexander Thiele
Historische Aufnahme des Alten Museums, vor 1854 entstanden
Historische Aufnahme des Alten Museums, vor 1854 entstanden
Das Alte Museum um 1900
Das Alte Museum um 1900

Die für die Konzeption des Museums verantwortliche, vom König eingesetzte Kommission entschied, nur hohe Kunst dort auszustellen. Nach damaligem Verständnis schloss das die Ethnografica, Prähistorica und im Nahen Osten ausgegrabene Kunstschätze aus; sie wurden vorerst großteils im Schloss Monbijou untergebracht.

1855 begann die Freistatt der Museumsinsel mit der Fertigstellung des Neuen Museums von Friedrich August Stüler Gestalt anzunehmen. 1876 folgte die Nationalgalerie (heute Alte Nationalgalerie) von Johann Heinrich Strack, 1904 nach Plänen von Stüler durch Ernst von Ihne das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bodemuseum) und 1930 das Pergamonmuseum von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann. Damit war die Museumsinsel, deren Keimzelle das Alte Museum gewesen war, in ihrer bis heute erhaltenen Kernform fertiggestellt.

Mit dem Bau des vierten Berliner Doms im Stil der Neorenaissance anstelle des vorherigen klassizistischen Doms wurde das von Schinkel entworfene klassizistische Ensemble empfindlich gestört, zumal der von Julius Carl Raschdorff errichtete Bau wesentlich größere Dimensionen hatte als seine Vorgänger.

Während der Zeit des Nationalsozialismus bildete das Alte Museum die Kulisse für Propagandaveranstaltungen, sowohl im Museum selbst, als auch im als Aufmarschplatz umgestalteten Lustgarten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Museum stark beschädigt. Dabei gingen die von Schinkel entworfenen und von Peter Cornelius ausgeführten Fresken im Vestibül und an der Rückwand der Säulenhalle weitgehend verloren.

Unter Generaldirektor Ludwig Justi wurde das Bauwerk als erstes Museum der Museumsinsel von 1951 bis 1966 durch Hans Erich Bogatzky und Theodor Voissen im Großen und Ganzen originalgetreu wieder aufgebaut. Die farbige Ausmalung der Rotunde wurde 1982 bei weiteren Restaurierungsarbeiten nach Schinkels Entwürfen wiederhergestellt. Demgegenüber verzichtete man auf eine Rekonstruktion des Deckensystems der im Erdgeschoss gelegenen, an die Innenhöfe angrenzenden Schauräume und auf die Säulenpaare unter den Unterzügen. Der ehemalige Übergang zum Neuen Museum wurde ebenfalls nicht wieder aufgebaut.

[Bearbeiten] Wandbildprogramm

Das Hauptwerk von Schinkel als Maler stellte ein Freskenzyklus für die Vorhalle des Museums dar, die der Künstler schon 1823 bei den ersten Plänen des Museums mit aufnahm. Für diesen monumentalen Bilderzyklus sind von 1841 bis ungefähr 1870 über die gesamte Länge der Vorhalle und in der oberen Treppenhalle Wandbilder entstanden, von denen heute nur noch die beiden Entwürfe von Schinkels Hand im Berliner Kupferstichkabinett erhalten sind.

Dieser heute fast vergessene Bilderzyklus zählte nach Anspruch und Ausführung zu den bedeutendsten Werken der Malerei des 19. Jahrhunderts. Für die Architektur und das Museum waren die Bilder von großer Bedeutung, da Schinkel durch die Bilder die Funktion und den Anspruch seines Museums näher erklärte.

[Bearbeiten] Die Antikensammlung

Das Gebäude wurde ursprünglich für alle Berliner Sammlungen der hohen Kunst geschaffen. Seit 1904 diente es der Antikensammlung, die heute wieder hier untergebracht ist. Im Obergeschoss werden wechselnde Sonderausstellungen veranstaltet, seit August 2005 bis zur voraussichtlichen Fertigstellungen des Neuen Museums 2009 zeigt dort das Ägyptische Museum seine Exponate.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Altes Museum (Berlin) – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 31′ 10" N, 13° 23′ 54" O

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