Altes Rathaus (Dortmund)

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Das Alte Rathaus, rechts, 1894 von der Marktseite, kurz vor der Instandsetzung, noch mit barockem Giebel. Links schließt sich die Stadtwaage an.
Darstellung des Ensembles um das Alte Rathaus mit neugotischen Schaugiebeln zum Alten Markt hin auf einer Ansichtskarte um 1920
Schnitt durch das Rathaus als einem der Kunstdenkmäler Dortmunds 1894
Traufseitige Ansicht von Westen 1894
Gedenktafel für den Standort des Alten Rathauses an einem Geschäftshaus an der Südseite des Alten Marktes

Das Alte Rathaus in Dortmund war ein im Kern romanisches Gebäude und bis zu seinem endgültigen Abriss 1955 das älteste steinerne Rathaus des deutschen Sprachraums nördlich der Alpen. Es befand sich an der Südseite des Alten Marktes im Zentrum der einstigen Reichsstadt und bildete ein bauliches Ensemble mit der sich östlich anschließenden Stadtwaage.

Historische Ereignisse[Bearbeiten]

Das Haus wurde gegen 1240 durch den Rat der Stadt Dortmund vom Grafen von Dortmund erworben. Die Kaufurkunde ist erhalten und befindet sich im Stadtarchiv Dortmund. Sie ist zugleich das älteste Dokument, auf dem der Rat der Stadt Dortmund erscheint. Bereits zum Zeitpunkt des Ankaufs hatte das Bauwerk ein Ober- und ein Untergeschoss, wie aus dem Vertrag hervorgeht.

Bereits seit seiner Funktionsübernahme als Gebäude des städtischen Rates war das Alte Rathaus mit der gerichtlichen Oberhoffunktion Dortmunds verbunden. 1241 bestimmte Dietrich von Kleve, dass die Bürger Wesels ihre Streitfälle, die dort nicht zu entscheiden waren, in Dortmund auf dem Rathaus vortragen sollten und um eine endgültige Regelung ersuchen sollten.

Durch die Chronik des Dietrich Westhoff ist überliefert, dass 1378, beim Besuch Karls IV. und seiner Frau Elisabeth von Pommern in der Reichsstadt, die Kaiserin im Alten Rathaus mit dem Rat und mit Mitgliedern vornehmer Familien der Stadt zusammentraf. Bei dieser Gelegenheit gab es dem Chronisten zufolge auch Musik und Tanz im Rathaus.[1]

Nutzungen[Bearbeiten]

Neben seiner Funktion als Haus des Rates und der oben schon angesprochenen Rolle als Ort der Gerichtsbarkeit und öffentlicher Empfänge erfuhr das Gebäude weitere Nutzungen. Im Mittelalter wurden im Rathaus mit Tuchen und Wein preislich hochwertige Waren gehandelt. Nach der Schilderung von Karl Justus Gruner wurde das Rathaus Ende des 18. Jahrhunderts in Teilen auch als Gefängnis genutzt. Zwischen 1899 und 1905 beherbergte das Alte Rathaus die Sammlung des Städtischen Museums Dortmunds, heute das Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Baubeschreibung und Baugeschichte[Bearbeiten]

Dortmund um 1610, Kupferstich von Detmar Mulher.[2] Im Plan ist das Rathaus mit F markiert.
Darstellung des von Friedrich Kullrich gestalteten Treppengiebels des Alten Rathauses, als Modell in der Hand der Personifikation des Handels am Alten Stadthaus von 1899

Die zum Markt gerichtete Giebelseite des Rathauses hatte im Untergeschoss eine Laube mit zwei gotischen Bögen. Eine Treppe führte unter der Laube zur Halle des unteren Stockwerks. Im Obergeschoss des Hauses, über der Halle, befand sich ein weiterer Saal. An den Traufseiten des Gebäudes waren teilweise romanische Fensteröffnungen erhalten.

Im Plan von Detmar Mülher ist das Alte Rathaus 1610 mit einem gotischen Treppengiebel dargestellt. Dieser wurde später durch einen barocken Ziergiebel ersetzt. Ende des 19. Jh. war das historische Gebäude deutlich sanierungsbedürftig. Meyers Konversationslexikon von 1888 erwähnt das Rathaus als Sehenswürdigkeit in Dortmund, stellt jedoch fest, dass es zum Abriss bestimmt sei, um einem Neubau zu weichen. Doch wurde es damals gerettet und erhalten. Im Rahmen seiner Wiederherstellung wurde das Haus mit einem, dem von Mülher bekannten historischen Vorbild nachempfunden, Treppengiebel versehen, der sich gut in das romanisch-gotische Gesamtbild des Gebäudes einfügte. Die historische Bausubstanz des Hauses blieb dabei erhalten. Die Restaurierung wurde nach Plänen des Stadtbaurats Friedrich Kullrich vor einem Besuch Kaiser Wilhelms II. im August 1899 durchgeführt, der damals zur Eröffnung des Dortmunder Hafens und des Dortmund-Ems-Kanals in die Stadt kam. Die Kosten der Instandsetzung des historischen Rathauses wurden je zur Hälfte von privaten Spendern und von der Stadt Dortmund getragen.

1944/45 wurde das Gebäude bei mehreren Luftangriffen stark beschädigt. Obwohl es insgesamt noch in einem besseren Erhaltungszustand als etwa die Propsteikirche war, beschloss der Rat der Stadt Dortmund den Abriss des ältesten steinernen Rathauses nördlich der Alpen im Jahre 1955, während das Gotteshaus aus dem 14. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde. Zur Begründung wurde unter anderem der neugotische Giebel des 19. Jahrhunderts angeführt, der kein erhaltungswürdiges Denkmal gewesen sei. An der Stelle des Alten Rathauses entstand eine Einkaufspassage, an deren Front heute eine Messingtafel an die untergegangene historische Stätte bürgerlicher Selbstverwaltung erinnert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Schilp: Die Reichstadt. In: Gustav Luntowski et al.: Geschichte der Stadt Dortmund. Harenberg, Dortmund 1994, ISBN 3-611-00397-2, S. 69–211
  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Dortmund-Stadt. Münster 1894
  • Dortmund. In: Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage. Leipzig / Wien, 1885–1892, S. 87
  • Friedrich Kullrich: Das wiederhergestellte Rathaus zu Dortmund. Dortmund o.J. [1930]
  • Friedrich Kullrich: Denkschrift über die Ausschmückung und Ausstattung des wiederhergestellten Rathhauses zu Dortmund. Dortmund 1899, urn:nbn:de:hbz:6:1-59545

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Johannes Franck, Constantin Nörrenberg, Adolf Ulrich, Franz Jostes (Hrsg.): Die Chronik des Dietrich Westhoff. In: Die Chroniken der westfälischen und niederrheinischen Städte, Bd. 1: Dortmund, Neuss (= Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Bd. 20). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969, S. 244 (2., unveränd. Aufl., Photomechan. Nachdr. d. 1. Aufl. Leipzig, Hirzel, 1887).
  2. August Döring: Mulher, Detmar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 489 f.

51.5135083333337.4661388888889Koordinaten: 51° 30′ 49″ N, 7° 27′ 58″ O