Altona-Blankeneser Eisenbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Altona-Blankeneser Eisenbahn
Bahnhof Blankenese mit Gleisanlagen und Zugangsbrücke
Bahnhof Blankenese mit Gleisanlagen und Zugangsbrücke
Strecke der Altona-Blankeneser Eisenbahn
Kursbuchstrecke (DB): 101.1, 101.11
Streckennummer (DB): 1224 (HH-Altona – HH Blankenese)
1226 (HH-Blankenese – Wedel)
Streckenlänge: Strecke 1224: 8,638 km
Strecke 1226: 9,132 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: seitliche, von der Seite bestrichene
Stromschiene 1200 V =
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
BSicon .svgBSicon tSTR.svg
City-S-Bahn von Landungsbrücken
BSicon .svgBSicon tSBHF.svg
5,886 Altona
BSicon .svgBSicon tSTRe.svg
6,016
BSicon .svgBSicon ABZrf.svg
6,270
0,917
City-S-Bahn nach Diebsteich
BSicon .svgBSicon ABZrf.svg
1,018 Verbindungsbahn nach Holstenstraße
BSicon .svgBSicon eSHST.svg
1,827 Ottensen (geplant)
BSicon .svgBSicon ABZlg.svg
2,533 Gütergleis nach Eidelstedt
BSicon .svgBSicon ABZlg.svg
Gaswerk
BSicon .svgBSicon ABZrg.svg
Ottensener Industriebahn
BSicon .svgBSicon ABZlf.svg
Margarinewerk
BSicon .svgBSicon SHST.svg
2,910 Bahrenfeld seit 19. Mai 1867
BSicon .svgBSicon BRÜCKE1.svg
A 7
BSicon .svgBSicon SBHF.svg
4,441 Othmarschen seit 1. August 1882
BSicon .svgBSicon SHST.svg
6,188 Klein Flottbek seit 19. Mai 1867
BSicon .svgBSicon SHST.svg
7,520 Hochkamp seit 1897 (?)
BSicon STRrg.svgBSicon ABZlg.svg
9,827 0,000 Streckenanfang Wedeler Bahn (eingleisig)
BSicon STR.svgBSicon SBHF.svg
9,741 9,555 Blankenese seit 19. Mai 1867
BSicon STR.svgBSicon ENDEe.svg
9,715 Kehranlage
BSicon STR.svgBSicon .svg
BSicon BS2l.svgBSicon BS2c3.svg
zur Gleislosen Bahn
Blankenese–Marienhöhe
BSicon STR-R.svgBSicon STR-L.svg
Strecke – geradeaus
S-Bahnhalt…
11,257 0,000 Iserbrook seit 31. Oktober 1950
S-Bahnhof
12,620 0,000 Sülldorf   Ausweiche seit 1. Dezember 1883
Bahnübergang
12,698 0,000 Sülldorfer Kirchenweg
Bahnübergang
13,373 0,000 Sieversstücken
Strecke – geradeaus
14,900 0,000 ab hier zweigleisig
S-Bahnhof
15,300 0,000 Rissen seit 1. Dezember 1883
   
Landesgrenze HamburgSchleswig-Holstein
   
17,600 0,000 „Ölweiche“ ab hier eingleisig
Bahnübergang
18,390 0,000 Autal
S-Kopfbahnhof – Streckenende
18,959 0,000 Wedel seit 1. Dezember 1883

Die Altona-Blankeneser Eisenbahn ist eine 17,770 km lange Bahnstrecke im Westen Hamburgs. Sie beginnt am Bahnhof Altona und führt über Othmarschen zum Bahnhof Blankenese. 16 Jahre nach Inbetriebnahme dieser Strecke erfolgte die Erweiterung bis ins holsteinische Wedel. Sie ist heute Teil der Hamburger S-Bahnlinien S1 und S11 und war Bestandteil der ersten elektrifizierten Vorortbahn Deutschlands.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Abschnitt Altona – Blankenese[Bearbeiten]

Die heutige Streckenführung beginnt am Bahnhof Altona, wo der S-Bahn ein viergleisiger Tunnelbahnhof mit anschließender Kehranlage zur Verfügung steht. Die hier zweigleisig ausgelegte Strecke verläuft auf einer steilen Rampe (maximale Steigung 40 ‰) an die Oberfläche und zweigt von den nordwärts gerichteten Bahnhofsgleisen ab in Richtung Westen mit den aufeinanderfolgenden Stationen Bahrenfeld, Othmarschen, Klein Flottbek und Hochkamp und dem dreigleisigen Kopfbahnhof Blankenese.

Abschnitt Blankenese – Wedel[Bearbeiten]

Die später hinzugefügte, größtenteils eingleisige Streckenerweiterung bis zum Endbahnhof Wedel mit den Stationen Iserbrook, Sülldorf und Rissen verlässt und erreicht in beiden Fahrtrichtungen von der gleichen Seite den Kopfbahnhof Blankenese. Damit hat die Gesamtstrecke in den Mitte gewissermaßen eine Spitzkehre. In der Zeit des Dampflokbetriebes wurde hier in jeder Richtung jeweils ein Umsetzen der Lokomotive an das andere Zugende nötig, nach Einführung der elektrischen Triebzüge jeweils der Wechsel des Triebfahrzeugführers zum Führerstand am entgegengesetzten Ende des Zuges.

Im Gegensatz zu den anderen, zweigleisig angelegten Bahnhöfen hat die Haltestelle Iserbrook lediglich einen Seitenbahnsteig am längsten der drei eingleisigen Streckenabschnitte. Diese haben zusammen eine Länge von 6,432 km.

Höhenprofil[Bearbeiten]

Die Höhenlage der Strecke ist stark differenziert. Unmittelbar nach der erwähnten steilen Rampe am nördlichen Tunnelausgang des Bahnhofs Altona liegt die Strecke auf einer Höhe von 24 m ü. NHN, auf den folgenden neun Kilometern steigt sie bis zum höchsten Punkt im Geländeeinschnitt des Bahnhofs Blankenese auf 55 m ü. NHN an, wobei die dort umliegenden Geländeteile noch bis zu 12 m höher liegen. Auf den sechs Kilometern von Blankenese bis Rissen sinkt die Strecke wieder um 36 Meter ab auf 19 m ü. NHN und endet in Wedel auf 7 m ü. NHN.

Streckenkilometrierung[Bearbeiten]

Seit der Eröffnung der City-S-Bahn nach Diebsteich am 31. Mai 1981 wird ab Altona die Kilometrierung der City-S-Bahn (DB-Strecke 1270) fortgeführt. Seitdem befindet sich der offizielle Streckenanfang der Altona-Blankeneser Eisenbahn bei Km 0,917 an der Weiche, an der sie von der City-S-Bahn abzweigt (Weiche Nr. 732 in Km 6,270 der City-S-Bahn). Zuvor befand sich der Streckenanfang bei Km 0,66 im Bahnhof Altona. Der Nullpunkt der Strecke befindet sich weiterhin im ersten Altonaer Bahnhof (heute das Altonaer Rathaus).

In Blankenese wird in Richtung Wedel die laufende Kilometrierung fortgeführt, so dass an der Weiche, an der die Wedeler Strecke beginnt bereits km 9,827 erreicht wird.

Daher ergeben sich die Streckenlängen von 8,638 Km für die Strecke Altona - Blankenese (Km 0,917 - Km 9,555) und 9,132 Km für die Strecke Blankenese - Wedel (Km 9,827 - Km 18,959).

Geschichte[Bearbeiten]

1867 – 1882[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke von Altona nach Blankenese wurde von der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKE) errichtet[1][2][3] und am 19. Mai 1867 in Betrieb genommen. Als Grund für den Bau der Bahn wird „die Anbindung der westlichen Elbvororte an Altona für den Alltags- und Ausflugsverkehr“ angegeben[1], nach anderer Quelle wurde die Strecke von der AKE gebaut, um unerwünschte Konkurrenz vorsorglich von diesem Gebiet fernzuhalten.[2].

Diese zunächst eingleisige Nebenbahnstrecke der AKE führte auf der westlichen Seite und auf der gleichen Ebene wie die Fernbahngleise in die Halle des Kopfbahnhofs Altona hinein, die Stationen Klein Flottbek und Bahrenfeld lagen zu diesem Zeitpunkt schon an der Strecke. Ein weiterer Ausbau erfolgte mit der Anlage der Villenkolonie in Othmarschen, für die am 1. August 1882 eine weitere Station eingerichtet wurde.

1883 – 1908, Verlängerung nach Wedel und erste Elektrifizierung[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1883 wurde die Verlängerung von Blankenese nach Wedel eröffnet und um 1900 der Abschnitt zwischen Altona und Blankenese durchgehend zweigleisig ausgebaut. 1887 ging die Altona-Blankeneser Eisenbahn ebenso wie die anderen Bahnstrecken der Altona-Kieler Eisenbahn in den Bestand der Preußischen Staatseisenbahnen über.

Ehemaliges Empfangsgebäude in Klein Flottbek
Triebzug ElT1624, der auf der Strecke Blankenese–Altona–Hauptbahnhof–Barmbek–Olsdorf während des Oberleitungsbetriebes 1927 bis 1955 eingesetzt wurde
Triebzug 1624 Altona

Ab 1906 erfolgte die Elektrifizierung der 1903 fertiggestellten Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn mit 6,3 kV 25 Hz Wechselstrom aus der Oberleitung und 1907 deren Inbetriebnahme durch die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn.[4] Die Strecke von Altona bis Blankenese wurde unter der nunmehrigen Regie der preußischen Königlichen Eisenbahndirektion Altona ebenfalls mit der neuen Oberleitung ausgestattet, und am 29. Januar 1908 fuhr der erste elektrische Zug bis Blankenese.[4]

1910 bis heute, S-Bahn und weitere Streckenelektrifizierungen[Bearbeiten]

Von 1911 bis 1914 bestand am Bahnhof Blankenese ein Anschluss an die Gleislose Bahn Blankenese–Marienhöhe, einen frühen Oberleitungsbus-Betrieb.

Das Vorortbahn-System auf der Verbindungsbahn wurde ab 1934 als S-Bahn bezeichnet, 1940 bis 1955 erfolgte schließlich die schrittweise Umstellung auf Gleichstrom mit seitlicher Stromschiene und einer Spannung von 1,2 kV. Gleichzeitig mit dieser Umstellung, die sich auf Grund des Zweiten Weltkriegs länger hinzog, erfolgte in zwei Schritten die Verlängerung des elektrischen Betriebs auf der Strecke bis nach Wedel. So konnte ab Mai 1950 Sülldorf mit den elektrischen Triebzügen angefahren werden, während bis Wedel zunächst weiterhin Dampfzüge fuhren. Hierbei kamen für einen Wendezugbetrieb Steuerwagen der Baureihe ES 99 zum Einsatz, die vorher für den Betrieb mit Oberleitung verwendet und nun mit den Dampflokomotiven zum Zugverband zusammengekoppelt wurden. Einige Monate später, am 31. Oktober 1950, wurde zudem der Haltepunkt Iserbrook eröffnet. Am 20. Mai 1954 war es mit dem Dampfverkehr gänzlich vorbei, als die letzten Kilometer nach Wedel ebenfalls mit dem Stromschienensystem ausgestattet waren.

Die Strecke wird heute auf gesamter Länge von der Linie S1 der Hamburger S-Bahn befahren, von Altona bis Blankenese fährt in der Hauptverkehrszeit zusätzlich noch die S11. Auf der Linie S1 verkehren überwiegend Züge der Baureihe 474, auf der S11 Züge der Baureihe 472.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Bis 1997 wurde ein – zuletzt nur noch spärlicher – Güterverkehr auf der Strecke durchgeführt. Die an den Bahnhöfen Klein Flottbek und Blankenese vorhandenen Gütergleise sind mittlerweile ebenfalls restlos abgebaut.

Anschlussgleise bestanden am Bahnhof Bahrenfeld an das Gaswerk, die Rollbockanlage der Ottensener Industriebahn und an das Margarinewerk.

An der Ölweiche westlich der Hamburger Landesgrenze bestand Anschluss an das Heizkraftwerk Wedel. Der Name rührt vom ebenfalls angeschlossenen Werk der Mobil Oil AG her.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Janikowski, Jörg Ott: Deutschlands S-Bahnen. Geschichte, Technik, Betriebe. transpress Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-71195-8.
  • Als noch der Dampfzug von Blankenese nach Wedel fuhr. In: Wilhelm Schröder: Das alte Sülldorf. Band 2: Aus Sülldorfs Vor- und Frühgeschichte und weitere kulturgeschichtliche Bilder. Schröder, Hamburg 1988, S. 59–60.
  • 100-Jähriges Jubiläum der Eisenbahnlinie Blankenese-Wedel. In: Wilhelm Schröder: Das alte Sülldorf. Band 2: Aus Sülldorfs Vor- und Frühgeschichte und weitere kulturgeschichtliche Bilder. Schröder, Hamburg 1988, S. 61–62.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Bahnhof Sülldorf wird auch 2014 noch von einem mechanischen Stellwerk der Bauart Jüdel gesteuert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gutachten zum Denkmalwert des Bahnhofs Blankenese von Dr. Christine Onnen, 05/2008, abgerufen am 5. September 2013
  2. a b Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte, 5.5. Die Altona - Kieler Eisenbahn (AK) abgerufen am 5. September 2013
  3. Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 1. Berlin, Wien 1912, S. 141-142 „Altona-Kieler Eisenbahn“
  4. a b S-Bahn Chronik Hamburg