Altona-Blankeneser Eisenbahn

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Altona-Blankeneser Eisenbahn
Bahnhof Blankenese mit Gleisanlagen und Zugangsbrücke
Bahnhof Blankenese mit Gleisanlagen und Zugangsbrücke
Strecke der Altona-Blankeneser Eisenbahn
Kursbuchstrecke (DB): 101.1, 101.11
Streckennummer (DB): 1224, 1226
Streckenlänge: 18,0 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 1200 V =
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City-S-Bahn von Landungsbrücken
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1,00 Altona
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Verbindungsbahn nach Holstenstraße
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Gütergleis nach Eidelstedt
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Gaswerk
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Ottensener Industriebahn
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Margarinewerk
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2,9 Bahrenfeld seit 19. Mai 1867
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A 7
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4,4 Othmarschen seit 1. August 1882
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6,2 Klein Flottbek seit 19. Mai 1867
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7,5 Hochkamp seit 1897 (?)
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9,6 Blankenese seit 19. Mai 1867
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zur Gleislosen Bahn
Blankenese–Marienhöhe
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S-Bahnhalt…
11,3 Iserbrook seit 31. Oktober 1950
S-Bahnhof
12,6 Sülldorf seit 1. Dezember 1883
S-Bahnhof
15,4 Rissen seit 1. Dezember 1883
   
Landesgrenze HamburgSchleswig-Holstein
   
„Ölweiche“
S-Kopfbahnhof – Streckenende
19,0 Wedel seit 1. Dezember 1883

Die Altona-Blankeneser Eisenbahn ist eine Bahnstrecke im Westen Hamburgs. Sie beginnt am Bahnhof Altona und führt über Othmarschen zum Bahnhof Blankenese. 16 Jahre nach Inbetriebnahme dieser Strecke erfolgte die Erweiterung bis ins holsteinische Wedel. Sie ist heute Teil der Hamburger S-Bahnlinien S1 und S11 und war Bestandteil der ersten elektrifizierten Vorortbahn Deutschlands.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Abschnitt Altona – Blankenese[Bearbeiten]

Die heutige Streckenführung beginnt am Bahnhof Altona, wo der S-Bahn ein viergleisiger Tunnelbahnhof mit anschließender Kehranlage zur Verfügung steht. Die hier zweigleisig ausgelegte Strecke verläuft auf einer steilen Rampe (maximale Steigung 40 ‰) an die Oberfläche und zweigt von den nordwärts gerichteten Bahnhofsgleisen ab in Richtung Westen mit den aufeinanderfolgenden Stationen Bahrenfeld, Othmarschen, Klein Flottbek und Hochkamp und dem dreigleisigen Kopfbahnhof Blankenese.

Abschnitt Blankenese – Wedel[Bearbeiten]

Die später hinzugefügte, größtenteils eingleisige Streckenerweiterung bis zum Endbahnhof Wedel mit den Stationen Iserbrook, Sülldorf und Rissen verlässt und erreicht in beiden Fahrtrichtungen von der gleichen Seite den Kopfbahnhof Blankenese. Damit hat die Gesamtstrecke in den Mitte gewissermaßen eine Spitzkehre. In der Zeit des Dampflokbetriebes wurde hier in jeder Richtung jeweils ein Umsetzen der Lokomotive an das andere Zugende nötig, nach Einführung der elektrischen Triebzüge jeweils der Wechsel des Triebfahrzeugführers zum Führerstand am entgegengesetzten Ende des Zuges.

Im Gegensatz zu den anderen, zweigleisig angelegten Bahnhöfen hat die Haltestelle Iserbrook lediglich einen Seitenbahnsteig am längsten der drei eingleisigen Streckenabschnitte.

Höhenprofil[Bearbeiten]

Die Höhenlage der Strecke ist stark differenziert. Unmittelbar nach der erwähnten steilen Rampe am nördlichen Tunnelausgang des Bahnhofs Altona liegt die Strecke auf einer Höhe von 24 m ü. NHN, auf den folgenden neun Kilometern steigt sie bis zum höchsten Punkt im Geländeinschnitt des Bahnhofs Blankenese auf 55 m ü. NHN an, wobei die dort umliegenden Geländeteile noch bis zu 12 m höher liegen. Auf den sechs Kilometern von Blankenese bis Rissen sinkt die Strecke wieder um 36 Meter ab auf 19 m ü. NHN und endet in Wedel auf 7 m ü. NHN.

Geschichte[Bearbeiten]

1867 – 1882[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke von Altona nach Blankenese wurde von der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKE) errichtet[1][2][3] und am 19. Mai 1867 in Betrieb genommen. Als Grund für den Bau der Bahn wird „die Anbindung der westlichen Elbvororte an Altona für den Alltags- und Ausflugsverkehr“ angegeben[1], nach anderer Quelle wurde die Strecke von der AKE gebaut, um unerwünschte Konkurrenz vorsorglich von diesem Gebiet fernzuhalten.[2].

Diese zunächst eingleisige Nebenbahnstrecke der AKE führte auf der westlichen Seite und auf der gleichen Ebene wie die Fernbahngleise in die Halle des Kopfbahnhofs Altona hinein, die Stationen Klein Flottbek und Bahrenfeld lagen zu diesem Zeitpunkt schon an der Strecke. Ein weiterer Ausbau erfolgte mit der Anlage der Villenkolonie in Othmarschen, für die am 1. August 1882 eine weitere Station eingerichtet wurde.

1883 – 1908, Verlängerung nach Wedel und erste Elektrifizierung[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1883 wurde die Verlängerung von Blankenese nach Wedel eröffnet und um 1900 der Abschnitt zwischen Altona und Blankenese durchgehend zweigleisig ausgebaut. 1887 ging die Altona-Blankeneser Eisenbahn ebenso wie die anderen Bahnstrecken der Altona-Kieler Eisenbahn in den Bestand der Preußischen Staatseisenbahnen über.

Ehemaliges Empfangsgebäude in Klein Flottbek
Triebzug ElT1624, der auf der Strecke Blankenese–Altona–Hauptbahnhof–Barmbek–Olsdorf während des Oberleitungsbetriebes 1927 bis 1955 eingesetzt wurde
Triebzug 1624 Altona

Ab 1906 erfolgte die Elektrifizierung der 1903 fertiggestellten Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn mit 6,3 kV 25 Hz Wechselstrom aus der Oberleitung und 1907 deren Inbetriebnahme durch die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn.[4] Die Strecke von Altona bis Blankenese wurde unter der nunmehrigen Regie der preußischen Königlichen Eisenbahndirektion Altona ebenfalls mit der neuen Oberleitung ausgestattet, und am 29. Januar 1908 fuhr der erste elektrische Zug bis Blankenese.[4]

1910 bis heute, S-Bahn und weitere Streckenelektrifizierungen[Bearbeiten]

Von 1911 bis 1914 bestand am Bahnhof Blankenese ein Anschluss an die Gleislose Bahn Blankenese–Marienhöhe, einen frühen Oberleitungsbus-Betrieb.

Das Vorortbahn-System auf der Verbindungsbahn wurde ab 1934 als S-Bahn bezeichnet, 1940 bis 1955 erfolgte schließlich die schrittweise Umstellung auf Gleichstrom mit seitlicher Stromschiene und einer Spannung von 1,2 kV. Gleichzeitig mit dieser Umstellung, die sich auf Grund des Zweiten Weltkriegs länger hinzog, erfolgte in zwei Schritten die Verlängerung des elektrischen Betriebs auf der Strecke bis nach Wedel. So konnte ab Mai 1950 Sülldorf mit den elektrischen Triebzügen angefahren werden, während bis Wedel zunächst weiterhin Dampfzüge fuhren. Hierbei kamen für einen Wendezugbetrieb Steuerwagen der Baureihe ES 99 zum Einsatz, die vorher für den Betrieb mit Oberleitung verwendet und nun mit den Dampflokomotiven zum Zugverband zusammengekoppelt wurden. Einige Monate später, am 31. Oktober 1950, wurde zudem der Haltepunkt Iserbrook eröffnet. Am 20. Mai 1954 war es mit dem Dampfverkehr gänzlich vorbei, als die letzten Kilometer nach Wedel ebenfalls mit dem Stromschienensystem ausgestattet waren.

Die Strecke wird heute auf gesamter Länge von der Linie S1 der Hamburger S-Bahn befahren, von Altona bis Blankenese fährt in der Hauptverkehrszeit zusätzlich noch die S11. Auf der Linie S1 verkehren überwiegend Züge der Baureihe 474, auf der S11 Züge der Baureihe 472.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Bis 1997 wurde ein – zuletzt nur noch spärlicher – Güterverkehr auf der Strecke durchgeführt. Die an den Bahnhöfen Klein Flottbek und Blankenese vorhandenen Gütergleise sind mittlerweile ebenfalls restlos abgebaut.

Anschlussgleise bestanden am Bahnhof Bahrenfeld an das Gaswerk, die Rollbockanlage der Ottensener Industriebahn und an das Margarinewerk.

An der Ölweiche westlich der hamburger Landesgrenze bestand Anschluss an das Heizkraftwerk Wedel. Der Name rührt vom ebenfalls angeschlossenen Werk der Mobil Oil AG her.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Janikowski, Jörg Ott: Deutschlands S-Bahnen. Geschichte, Technik, Betriebe. transpress Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-71195-8.
  • Als noch der Dampfzug von Blankenese nach Wedel fuhr. In: Wilhelm Schröder: Das alte Sülldorf. Band 2: Aus Sülldorfs Vor- und Frühgeschichte und weitere kulturgeschichtliche Bilder. Schröder, Hamburg 1988, S. 59–60.
  • 100jähriges Jubiläum der Eisenbahnlinie Blankenese-Wedel. In: Wilhelm Schröder: Das alte Sülldorf. Band 2: Aus Sülldorfs Vor- und Frühgeschichte und weitere kulturgeschichtliche Bilder. Schröder, Hamburg 1988, S. 61–62.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Bahnhof Sülldorf wird auch 2014 noch von einem mechanischen Stellwerk der Bauart Jüdel gesteuert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gutachten zum Denkmalwert des Bahnhofs Blankenese von Dr. Christine Onnen, 05/2008, abgerufen am 5. September 2013
  2. a b Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte, 5.5. Die Altona - Kieler Eisenbahn (AK) abgerufen am 5. September 2013
  3. Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 1. Berlin, Wien 1912, S. 141-142 „Altona-Kieler Eisenbahn“
  4. a b S-Bahn Chronik Hamburg