Alusuisse

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Die Alusuisse wurde 1888 unter dem Namen Aluminium Industrie Aktiengesellschaft (kurz AIAG) in Zürich gegründet und baute das erste Aluminiumwerk Europas. Nach verschiedenen Fusionen und Übernahmen gehören heute die verbleibenden Betriebe und Aktiven zum kanadischen Alukonzern Alcan (Primärherstellung) bzw. zu Constellium (Weiterverarbeitung).

Geschichte[Bearbeiten]

Die vier Hauptverantwortlichen für den Bau des Werks waren Gustave Naville, Georg Robert Neher, Peter Emil Huber-Werdmüller und Paul Louis Toussaint Héroult. Héroult hatte im April 1886 das Patent für die Aluminium-Schmelzflusselektrolyse erhalten, das er in die Firma einbrachte. Peter Emil Huber-Werdmüller, Präsident der Maschinenfabrik Oerlikon, lieferte die Dynamomaschine zur Erzeugung des enormen Strombedarfs, Gustav Naville, Präsident von Escher, Wyss & Cie. in Zürich, war seinerzeit führend im Turbinenbau. Die J. G. Nehers Söhne & Cie., vertreten durch Georg Robert Neher, hatte die Nutzungsrechte für die Wasserkraft am Rheinfall und konnte mit ihrem vormaligen Eisenhüttenwerk die Infrastruktur bereitstellen.

Sie gründeten zusammen mit weiteren Aktionären am 31. Oktober 1887 die "Schweizerische Metallurgische Gesellschaft". Im Jahr 1888 wurde in Neuhausen am Rheinfall ihr erstes Werk gebaut. Zum Zwecke der Grossproduktion wurde die "Aluminium Industrie AG" (AIAG) gegründet, an der deutsche Investoren wie Georg von Siemens, Emil Rathenau und Carl Fürstenberg massgeblich beteiligt waren. Nachdem die Produktion in Neuhausen überaus erfolgreich war, expandierte die AIAG und es folgten zwei weitere Werke, 1898 im deutschen Rheinfelden (Aluminium Rheinfelden) und 1899 im österreichischen Lend (heutige Salzburger Aluminium AG). Jedoch stellte sich bald heraus, dass sich alle drei Standorte in ungünstiger Lage befinden. Beispielsweise war die Wasserversorgung nicht optimal, die Arbeitskräfte waren im Vergleich zu anderen Regionen zu teuer, oder es gab keine gute Stromversorgung, da zum Beispiel ein Wasserkraftwerk fehlte.

Schon im Jahr 1905 machte sich die AIAG daran, ihre Produktionsstätten ins Wallis zu verlegen. Das begann damit, dass sie erst die Wasserversorgung regelte, indem sie eine Konzession für die hydroelektrische Nutzung des Flusses Navisence erwarb, damit das Hauptproblem der vorigen Standorte schon vor dem Bau des neuen Aluminiumwerkes geregelt werden konnte. Noch im selben Jahr begannen die drei Jahre dauernden Bauten für das neue Werk in Chippis. Das für die AIAG gebaute Wasserkraftwerk wurde 1952 in die heute zur Atel-Gruppe gehörende Kraftwerke Gougra AG (KWG) überführt.

Im Jahr 1908 konnte das neue Werk in Chippis planmässig eingeweiht werden. Trotz tiefen Lohnkosten blieb der erwartete Gewinn aufgrund der eher schwachen Nachfrage nach Aluminium vorerst aus. Dank dem Bau weiterer Kraftwerke zwischen 1911 und 1942 in Susten, Bramois, Turtmann, Oberems und Mörel war das langfristige Stromangebot gesichert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Energie auch von weiteren, neuen Stauwerken, wie zum Beispiel dem Moiry-Stauwerk, erworben.

Trotz der bis dahin einigermassen stabilen Wirtschaftsbilanz und des gefestigten Hauptstandortes in der Schweiz wurde mit der Zeit die Produktion auch wieder vermehrt ins Ausland verlagert, um auch im Ausland Abnehmer der Produkte zu finden und den eigenen Verkaufsmarkt auszuweiten. Mit den besseren Transportmöglichkeiten wurden zunehmend ausländische Standorte interessant, nicht zuletzt deshalb, weil ausländische Arbeiter immer günstiger wurden. Um weitere Kosten zu sparen, wurden auch schon stillgelegte Werke im Ausland wieder in Betrieb genommen und teilweise erneuert.

Im Jahr 1929 konnte die AIAG ihr neues Walz- und Presswerk in Siders eröffnen. 15 Jahre später, 1944, wurde das Werk in der Schweiz (Neuhausen) in ein Forschungszentrum umgewandelt und ausgebaut. Im Jahr 1970 hat man aufgrund des „Fluorkrieges“ (man entdeckte Umweltschutzmängel bei der Verarbeitung von Fluor) mit der Chemiefirma Lonza fusioniert und ihr somit das Bestehen gesichert.

In den 1980er-Jahren folgte ein Umdenken. Es wurden Arbeitsplätze abgebaut, alte Elektrolyse-Werke geschlossen, die Anlagen für Zwischenproduktion modernisiert und in Verpackungsbereiche erweitert. Im Verpackungsbereich fusionierte man mit der schon bestehenden Firma Lawson Mardon. Im Jahr 1997 beschäftigte die Alusuisse-Lonza-Gruppe weltweit über 30’000 Mitarbeiter. Im Frühjahr 1998 gab sich die Firma den neuen Namen Algroup. Im Jahr 2000 folgte die Fusion mit der kanadischen Firma Alcan, welche wiederum 2007 in dem Unternehmen Rio Tinto Alcan aufging.

Arbeitskräfte[Bearbeiten]

Anzahl der Arbeitskräfte ausgewählter Jahre
Jahr Arbeiter
1917 1700 Arbeiter
1942 mehr als 3500
Seit 1970 ca. 2000

Schon von Anfang an war die AIAG einer der wichtigsten Arbeitgeber im Wallis, was die Zahlen der beschäftigten Arbeiter des Aluminiumwerkes von 1917 bis Ende 20. Jahrhundert verdeutlichen.

Die Arbeiterzahl sank nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund modernerer Produktionsmethoden sowie der erneuten Produktionsauslagerung ins Ausland. Zum Vergleich: Noch im Jahr 1936 beschäftigte die AIAG ausserhalb der Schweiz fast 12’000 Arbeiter.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adrian Knoepfli: Im Zeichen der Sonne. Licht und Schatten über der Alusuisse 1930–2010. Verlag hier+jetzt, Baden 2010. ISBN 978-3-03919-171-0. (Online)
  • Werner Bellwald und Sandro Guzzi-Heeb (Hrsg.): Ein industriefeindliches Volk? Fabriken und Arbeiter in den Walliser Bergen. Hier+Jetzt Verlag. Baden 2006. 563 Seiten. ISBN 3-906419-88-6

Weblinks[Bearbeiten]