Alvar (Hinduismus)

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Alvars ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum englischen Harfenisten und Komponisten siehe Elias Parish Alvars.
Schrein für die Alvars in einem Hindutempel

Als Alvars (Tamil: ஆழ்வார் Āḻvār [ˈaːɻʋaːr] „die [in Gott] Versunkenen“) bezeichnet man eine Gruppe hinduistischer Hymnendichter, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert in Tamil Nadu, im Süden von Indien, lebten. Ihre religiösen Gedichte an Vishnu gelten als erstes Zeugnis der hinduistischen Frömmigkeitsbewegungen, Bhakti. Die Zahl der Alvars soll zu jener Zeit unendlich gewesen sein, doch traditionell spricht man von zwölf, darunter eine Frau.

Die zwölf Alvar[Bearbeiten]

  • Poygai Alvar (7. Jahrhundert) wurde als Findelkind beim Teich nahe einem Vishnutempel gefunden.
  • Bhudattalvar (7. Jahrhundert), von ihm ist nur wenig bekannt.
  • Pey Alvar (7. Jahrhundert), auch er wurde der Legenda nach in einem Teich aufgefunden.
  • Tirumalishai (Anfang 8. Jahrhundert) war ein Paria.
  • Nammalvar (um 800) war ein Bauer und gilt als der größte Alvar.
  • Madhurakavi war ein Schüler von Nammalvar.
  • Kulashekara war ein König von Travancore in Kerala, der um Gott zu suchen auf den Thron verzichtete.
  • Periyalvar (auch Vishnucitta) war ein Brahmane und vermochte mit seinen Liedern den König der Pandya bekehren.
  • Andal war die einzige Frau der Alvar und die Adoptivtochter von Periyalvar.
  • Tondaradippodi war ein Sünder der durch Vishnus Gnade die Erlösung erlangte.
  • Tiruppan Alvar war ein Unberührbarer. Auf Vishnus Geheiß trug der höchsten Priester ihn in den Tempel.
  • Tirumangai Alvar war ein Räuber, der durch seine Frau zur Religion fand und aus dem Raubgut einen Tempel errichtete.

Wirken der Alvar[Bearbeiten]

Die Alvars lebten in einer Zeit religiöser Umbrüche. In der Zeit des klassischen Hinduismus hatte sich der Gedanke herausgebildet, dass das Karma des Menschen nicht von nur von Opfern abhängig war, sondern vielmehr durch meditative Gleichmut und Pflichterfüllung beeinflusst werden konnte. Im Extremfall wurden hierdurch die Götter verdrängt oder bedeutungslos, da sie ja selbst Karma aufwiesen und dem Rad der Wiedergeburt unterlagen.

Die im 8. Jahrhundert neu aufkommenden Vorstellungen hingegen besagten, dass man nicht durch bloße eigene Anstrengung erlöst werden könne, sondern durch die Gnade des Göttlichen in der Form von Vishnu oder Shiva. Gott erreiche man nicht durch Abgeklärtheit, sondern im Gegenteil, durch intensive emotionale Hinwendung. Diese emotionale Hingabe (Bhakti) an Vishnu, einschließlich seiner Avataras, ist Gegenstand der Gedichte der Alvars.

Insgesamt verfassten die Alvars circa 4000 Verse in Tamil zu Ehren Vishnus und verbreiteten sie als fahrende Dichter im Volk. Ihre Gedichte trugen zum Aussterben des Buddhismus in Indien bei und setzten in der Folgezeit im Zusammenhang mit der im Hinduismus üblichen Bilderverehrung dem allmählich eindringenden Islam eine eigene Anschauung entgegen.

Im 9. oder 10. Jahrhundert fasste der Philosoph Nathamuni die Hymnen in der Anthologie Divya Prabandham (Göttliche Sammlung) zusammen, vertonte viele und sorgte dafür, dass die Hymnen bei Tempelzeremonien rezitiert wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • S. M. Chari: Philosophy and Theistic Mysticism of the Ālvars. Motilal Banarsidass, Delhi 1997
  • Norman Cutler: Poet, God, and Audience in the Poetry of the Tamil Saints. In: Journal of South Asian Literature, Vol. 19, No. 2, (The Lyric in India) Sommer–Herbst 1984, S. 63–78
  • Raju Kalidos: Dance of Viṣṇu: The Spectacle of Tamil Āḻvārs. In: Journal of the Royal Asiatic Society, Third Series, Vol. 9, No. 2, Cambridge University Press, Juli 1999, S. 223–250