Alzey

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Alzey
Alzey
Deutschlandkarte, Position der Stadt Alzey hervorgehoben
49.7516666666678.1161111111111194Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Höhe: 194 m ü. NHN
Fläche: 35,21 km²
Einwohner: 17.509 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 497 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55232
Vorwahl: 06731
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 003
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Ernst-Ludwig-Straße 42
55232 Alzey
Webpräsenz: www.alzey.de
Bürgermeister: Christoph Burkhard (parteilos)
Lage der Stadt Alzey im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim Hamm am Rhein Eich (Rheinhessen) Alsheim Mettenheim Osthofen Bechtheim Dittelsheim-Heßloch Frettenheim Westhofen Monzernheim Gundheim Bermersheim Gundersheim Hangen-Weisheim Hochborn Offstein Hohen-Sülzen Monsheim Wachenheim (Pfrimm) Mölsheim Flörsheim-Dalsheim Mörstadt Wendelsheim Stein-Bockenheim Wonsheim Wonsheim Siefersheim Wöllstein Gau-Bickelheim Gumbsheim Eckelsheim Gau-Weinheim Vendersheim Wallertheim Partenheim Saulheim Udenheim Schornsheim Gabsheim Wörrstadt Sulzheim (Rheinhessen) Spiesheim Ensheim Armsheim Flonheim Erbes-Büdesheim Nack Nieder-Wiesen Bechenheim Offenheim Bornheim (Rheinhessen) Lonsheim Bermersheim vor der Höhe Albig Biebelnheim Bechtolsheim Gau-Odernheim Framersheim Gau-Heppenheim Alzey Ober-Flörsheim Flomborn Eppelsheim Dintesheim Esselborn Mauchenheim Freimersheim (Rheinhessen) Wahlheim Kettenheim Hessen Mainz Landkreis Mainz-Bingen Worms Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Bad Kreuznach DonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Alzey ist eine verbandsfreie Stadt und Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Alzey-Worms in Rheinhessen im südöstlichen Rheinland-Pfalz.

Alzey zählt zu den Nibelungenstädten, da die Stadt im Nibelungenlied durch die Person Volker von Alzey erwähnt wird. Daher wird Alzey auch Volkerstadt genannt.

Geographie[Bearbeiten]

Alzey liegt in Rheinhessen am Westrand des Nordteils der Oberrheinischen Tiefebene. Es ist vom Nordteil des Alzeyer Hügellands umgeben, an das sich nördlich das Rheinhessische Hügelland und westlich das Pfälzer Bergland anschließt. Die Stadt befindet sich etwa 30 km südwestlich von Mainz und etwa 22 km (je Luftlinie) nordwestlich von Worms. Durch Alzey fließt, teilweise unterirdisch, ein Abschnitt der Selz, ein linker Nebenfluss des Rheins.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 586 mm. Die Niederschläge sind niedrig. Sie liegen im unteren Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 18 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,9 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 41 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Jungsteinzeit bis Anfang des 1. Jahrtausend[Bearbeiten]

Erste Besiedlungsspuren im Raum Alzey finden sich bereits ab der Jungsteinzeit. Alzey wurde als Altiaia in der römischen Provinz Germania Superior im Hinterland von Mogontiacum (Mainz) gegründet und entsprach größenmäßig einem Vicus. Auf einem römischen Nymphenstein wird Alzey als Vicani Altiaienses (= Zivilbevölkerung von Altiaia) 223 erstmals erwähnt. Der Name Altiaia geht möglicherweise auf den Namen einer vor den Römern bestehenden keltischen Siedlung ab 400 v. Chr. zurück, der genaue Ursprung lässt sich aber nicht ermitteln. Auf den Ruinen des um 350 zerstörten römischen Vicus wurde um 370 ein Kastell namens Alteium errichtet. welches im Codex Theodosianus in Zusammenhang mit einem Besuch des Kaisers Valentinian I. 370 belegt ist.[2] 406/407 überschreiten die Burgunder zusammen mit den Vandalen den Rhein und lassen sich als römische Bundesgenossen in Mainz, Alzey und Worms nieder. Das Gebiet wird ihnen vertraglich zugesichert. 436 wird das Burgunderreich durch den weströmischen Heermeister Aëtius und hunnische Hilfstruppen zerstört. Diese Ereignisse sind im Nibelungenlied verarbeitet und bilden den Ursprung der Sagenfigur Volker von Alzey, des Spielmanns im Nibelungenlied. Nach 450 fällt Alzey durch Landnahme an die Alemannen und Franken. Nach dem Tod Chlodwigs I. 511 zerfällt das Frankenreich in einzelne Teilkönigreiche und Alzey wird ein Teil von Austrasien mit der Hauptstadt Metz. Nach einer Vereinigung der fränkischen Teilkönigreiche Mitte des 8. Jahrhunderts fällt Alzey 843 mit dem Vertrag von Verdun an das Ostfrankenreich als Vorläufer des Deutschen Reiches. 897 wird Alzey erstmals als Reichslehen erwähnt.

12. Jahrhundert bis Anfang 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kupferstich nach Matthäus Merian 1645

1156 gehört Alzey zur Kurpfalz und Konrad von Staufen erhält in der 1118 vollendeten Reichsburg die Pfalzgrafenwürde. 1277 erhält Alzey Stadtrechte durch Rudolf von Habsburg. 1298 lagern vor Alzey die Truppen Albrechts von Österreich vor seinem Sieg gegen Adolf von Nassau in der Schlacht bei Göllheim. 1620 zieht Graf Spinola auf Seiten des katholischen Kaisers im Dreißigjährigen Krieg gegen die protestantische Kurpfalz und erobert auch Alzey. 1689 werden Stadt und Burg im pfälzischen Erbfolgekrieg von den französischen Truppen einer Politik der verbrannten Erde folgend niedergebrannt, als zuvor eroberte Gebiete von den Armeen Ludwigs XIV. wieder geräumt werden müssen. 1798 werden die Gebiete westlich des Rheins, darunter auch die bis dahin kurpfälzischen, an Frankreich angeschlossen, Alzey gehört bis 1814 zum Departement Donnersberg (du Mont-Tonnerre). 1816 wird Alzey dem Großherzogtum Hessen eingegliedert. 1909 wird die Rebschule (heute: Landesanstalt für Rebenzüchtung) gegründet, erster Leiter ist Georg Scheu, nach dem die Rebsorte Scheurebe benannt ist. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt wie Rheinhessen und die Pfalz zwölf Jahre lang besetzt.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

1933 erfolgten Festnahmen liberaler und sozialdemokratischer Personen, von denen einige ins Konzentrationslager nach Osthofen gebracht wurden. 1938 wurde in der Reichspogromnacht die Synagoge von Alzey zerstört und die Inneneinrichtung vor dem Gebäude verbrannt. Die Ruine wurde in den 50er Jahren abgerissen. Eine gerettete Tora befindet sich heute im Museum. Die NS-Zeit bedeutete das Ende der alten jüdischen Gemeinde. Am 8. Januar 1945, während des Zweiten Weltkriegs, entging die Stadt nur knapp der Zerstörung. 36 Bomber vom Typ Boeing B-17 sollten eine Eisenbahnbrücke in Alzey angreifen, warfen bei schlechtem Wetter wegen eines Berechnungsfehlers ihre Bomben auf den Wartberg. Daraus entstand die Legende vom Wartbergturm als „Retter Alzeys“.

Seit 1945[Bearbeiten]

Seit 1946 ist Alzey nicht mehr hessisch, sondern Kreisstadt im Landkreis Alzey im neugebildeten Land Rheinland-Pfalz.

Seit Zusammenlegung der Kreise Alzey und Worms im Jahre 1969 ist Alzey Kreisstadt des neuen Landkreis Alzey-Worms und Sitz der Verbandsgemeinde Alzey-Land, der es selbst als verbandsfreie Stadt jedoch nicht angehört. Im Jahre 1972 wurden die Orte Weinheim, Heimersheim und Dautenheim der Stadt angegliedert.[3] Das Dorf Schafhausen ist bereits seit dem Mittelalter ein Stadtteil von Alzey.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 22. April 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Dautenheim, Weinheim und Heimersheim nach Alzey eingemeindet.[4]

Religionen[Bearbeiten]

Am 31. Januar 2008 verteilten sich die Religionszugehörigkeiten der Stadt folgendermaßen:

  • 8.927 evangelisch
  • 3.684 römisch-katholisch
  • 2.996 keine bzw. keine öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft
  • 1.322 sonstige öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft
  • 6.809 andere
  • 988 ohne Angabe
  • sonstige
  • 50 freie Religionsgemeinschaft Alzey
  • 4 altkatholisch
  • 2 jüdisch
  • 1 Freireligiöse Gemeinde Mainz

Jüdische Geschichte[Bearbeiten]

Die jüdische Gemeinde der Stadt wird auf das 14. Jahrhundert datiert. 1349, im Verlauf der Pest, dem Schwarzen Tod, wurden die städtischen Juden aufgrund der Verleumdung jüdischen Blutes ermordet.[5] Nach einigen Jahren erneuerte sich die Gemeinde und in einem Dokument von 1377 wird ein Jude namens Yitzchak von Alzey benannt, der die Stadt Worms aufgrund Schulden, die sie bei ihm hatte, verklagte.[5] 1389 wird erstmals eine "Judengasse" erwähnt und eine Art Ghetto mit einem in der Nacht verschlossenem Tor beschrieben. Danach wurden Juden in der Stadt erst wieder im Verlauf des 17. Jahrhunderts und die erste Synagoge 1791 nachgewiesen. [6] Mehrere Dokumente um 1670 belegen Streitigkeiten zwischen Joseph Simon Jessel, einem in Alzey lebenden Juden, und den städtischen Metzgern in Zusammenhang mit Alzeys Wunsch, ein Geschäft zu eröffnen. Auf einen anderen Rechtsstreit zwischen ihm und einem Nachbarn, der sein Haus an Jessel verkauft hatte, sich aber weigerte es zu verlassen, weisen weitere Unterlagen hin. Das darin enthaltene Urteil tadelt beide Seiten damit, dass es "undenkbar sei, dass ein Jude einen Christen schlüge", und den Nachbarn, dass dieser nicht zur Evakuierung des Hauses bereit sei.[5] Nichtsdestotrotz schützte der Graf der Pfalz Juden, deren hohe Steuern ein wichtiges Element seines Einkommens darstellten. 1789 gab es 21 jüdische Haushalte in der Stadt. Während des 18. Jahrhunderts waren die meisten der städtischen Juden, wenn nicht reich, dann gut situiert. 1710 gründete ein Jude namens Simcha Deidesheimer eine große Fabrik, die Matze produzierte, bis 1925 existierte und ihre Produkte nach Frankreich und Italien exportierte.[7] Darüber hinaus eröffneten 1770 zwei Brüder namens Levy eine Porzellanfabrik in der Stadt. Die Gemeinde besaß einen Friedhof und Alzey war die Heimatstadt der bekannten Familie Belmont. 1844 wurde der jüdischstämmige Schimon Belmont (der Vorfahre der amerikanischen Politiker August Belmont und August Belmont JR) gewählt, um der erste Präsident der 'Narhalle' zu werden, einem Karnevalsverein, der für die höheren Schichten der Stadt gedacht war. Er spendete etwas Geld für den Friedhof und andere städtische Gemeinschaftseinrichtungen. Acht der in Alzey wohnenden Juden starben als Soldaten im Zweiten Weltkrieg.[5] Laut Stadtgemeinde wurden 76 Juden vertrieben und in europaweiten Konzentrationslagern umgebracht. 1954 kehrte ein jüdischer Anwohner zurück.[5]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2014
Wahlbeteiligung: 55,3 % (2009: 46,6 %)
Gewichtetes Ergebnis
 %
40
30
20
10
0
31,9 %
31,6 %
7,7 %
2,4 %
4,7 %
21,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,0 %p
+2,4 %p
+0,3 %p
-2,7 %p
+1,3 %p
+0,6 %p

Der Stadtrat in Alzey besteht aus 32 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[8]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP LINKE FWG Gesamt
2014 10 10 2 1 2 7 32 Sitze
2009 11 9 2 2 1 7 32 Sitze
2004 12 11 2 1 6 32 Sitze
  • FWG = Freie Wählergemeinschaft – Wormser Bürgerforum e.V.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1982–1990: Walter Zuber (SPD)
  • 1990–2006: Knut Benkert (SPD)
  • seit 2006: Christoph Burkhard (parteiloser Kandidat der CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt von Schwarz und Silber, oben ein aus der Teilungslinie wachsender, rotbekrönter und rotbewehrter, goldener Löwe, unten eine schräg rechts gestellte rote Fidel.“

Wappenerklärung: Der Pfälzer Löwe steht für die frühere Zugehörigkeit der Stadt zur Kurpfalz, das Wappenbild der roten Fidel erinnert an die ehemals in der Stadt ansässigen Geschlechter der Truchseß (Volker von Alzey) Winter und Wilch.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften mit:[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Altstadt[Bearbeiten]

Alzey hat eine gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern, Restaurants, Cafés und Geschäften, umgeben von Ruinen der mittelalterlichen Stadtmauer. Mittelpunkt der Stadt ist der Rossmarkt mit dem Bronzepferd des Künstlers Gernot Rumpf. Eine Skulptur der Undine von Karlheinz Oswald steht auf dem Fischmarkt vor dem alten Rathaus.

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Pfarrkirche, ehemals Stiftskirche St. Nikolaus, an der Längsseite des Obermarkts. Die Stiftskirche erlitt im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 und im Zweiten Weltkrieg signifikante Zerstörungen. Im Langhaus der dreischiffigen gotischen Hallenkirche sind Grabplatten aufgestellt, die aus dem im 16. Jahrhundert untergegangenen Zisterzienserinnenkloster Weidas, bei Dautenheim, stammen. Eine um 1430 entstandene Grablegungsgruppe zählt zu den frühesten monumentalen Darstellungen dieser Art. Es wird angenommen, dass der aus Alzey stammende Nikolaus Eseler der Ältere federführend am Bau beteiligt war.[12]

Theater und Museen[Bearbeiten]

Das Gerry Jansen Theater spielt ausschließlich selbst geschriebene Komödien, durchgehend/auch wochentags, mit eigenem professionellem Schauspieler-Ensemble. Es ist laut eigener Aussage das einzige Theater in seiner Art, das nicht in einer Großstadt angesiedelt ist, keinerlei Subventionen oder Fördergelder erhält - und trotzdem eines der preiswertesten. Es bezeichnet sich als „verrückteste Profi-Bühne Deutschlands“.

Das bereits 1906 gegründete Museum der Stadt befindet sich im Gebäude des alten städtischen Hospitals, an der Kreuzung Hospitalstraße/Fußgängerzone (Antoniterstraße 41). Den Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkt bildet die Kultur- und Naturgeschichte des inneren Rheinhessens. Die gegenwärtige Dauerausstellung des Museums zeigt drei Geschossen eine thematische Dreiteilung: Stadt- und Regionalgeschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie Geologie und Paläontologie.

Im „Burggrafiat“ (Schlossgasse 11) befindet sich die Steinhalle mit römerzeitlichen Steindenkmalen. Die von Friedrich Behn in den Jahren 1929 und 1931 im Kastellgebiet entdeckten zahlreichen Großplastiken bilden dort einen besonderen Schwerpunkt der archäologischen Sammlungsbestände des Stadtmuseums.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Die Stadt Alzey vergibt in regelmäßigen Abständen folgende Auszeichnungen und Preise. Der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis wird seit 1988 alle drei Jahre an deutschsprachige Autoren vergeben, deren Werk sich durch ihren sprachlichen Ausdruck würdig in die Nachfolge Elisabeth Langgässers einreihen sollen. Die Georg-Scheu-Plakette wird jährlich am Winzerfest an Personen, die sich um den Wein und die Weinkultur Rheinhessens verdient gemacht haben verliehen.

Musik[Bearbeiten]

Die Verbundenheit mit dem Wein zeigt sich auch im „Alser Lied“, das immer am Freitag zur Eröffnung des Winzerfests gesungen wird. Eine Version gesungen vom ehemaligen Bürgermeister Walter Zuber konnte man jahrzehntelang in der Jukebox der Alzeyer Traditionskneipe „Zur Gretel“ finden.

Literatur[Bearbeiten]

Arno Schmidt (* 18. Januar 1914 in Hamburg-Hamm; † 3. Juni 1979 in Celle) positionierte die Geschichte seiner Prosastudie Die Umsiedler (Frankfurter Verlagslandschaft, 1953) nach Alzey; hier sind die Flüchtlinge aus Schlesien nach mehreren Wochen Strapazen ausgestiegen und versuchten, neue Heimat zu finden. Schmidt beschrieb in seinem Buch das Städtchen nicht gerade zuvorkommend - die Enttäuschung und nur kleine Hoffnungen waren damals bedrückend.

Sport[Bearbeiten]

Das Wartbergstadion ist die größte Sportanlage der Stadt. Es hat eine Wettkampfbahn Typ B mit Rasengroßspielfeld, eine 400 m-Rundbahn, Leichtathletik-Segmentflächen (Kunststoff) und eine Stehtribüne. Hierzu gehört auch das Freizeitbad „Wartbergbad“. Dem nahe gelegen ist ein Reitverein mit Boxen, Koppeln und einer Reithalle.

Außerdem verfügt Alzey über einen vor kurzem neu gebauten Kunstrasenplatz, der vor allem von den Hockey- und Fußballvereinen genutzt wird. Daneben gibt es auch einen Mehrzweckplatz und an den Schulen noch mehrere Hartplätze. Außerdem gibt es hinter dem Elisabeth-Langgässer-Gymnasium einen Sportplatz aus Kunststoff mit sieben Weitsprungbahnen.

Seit 2003 gibt es den Alzeyer Lauftreff.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Weinbergshäuschen Wanderung[Bearbeiten]

Die so genannte „Wingertshaisje Wanderung“ ist eine Wanderung durch die rheinhessische Hügellandschaft zwischen Alzey und den Stadtteilen Weinheim und Heimersheim. Sie findet jeweils am ersten Sonntag im September statt. Entlang des Wegenetzes werden die Weinbergshäuschen zwischen 11 und 18 Uhr von Weingütern und Vereinen bewirtschaftet. Angeboten werden dann sowohl kalte als auch warme Speisen und Getränke, einschließlich des regionaltypischen Rheinhessenweins.

Winzerfest[Bearbeiten]

Das Winzerfest findet alljährlich ab dem dritten Freitag im September statt und dauert bis dienstags an. Es ist die größte Veranstaltung dieser Art in Alzey. Auf der Wein- und Sektterrasse werden erlesene Weine der Region präsentiert. Parallel dazu gibt es einen Jahrmarkt mit Fahrgeschäften und Gewinnbuden aller Arten. Das Motto des Festes 2006 lautet: Rhoihessewoi, Rhoihessewoi – lässt unser Fest eeen Feste soi!" („Rheinhessenwein, Rheinhessenwein – lässt unser Fest ein Feste sein!“)

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Als Zentrum einer Weinbauregion finden sich in Alzey in erster Linie Weinspezialitäten und Gerichte, die mit Wein zubereitet werden, wie die in ganz Rheinhessen verbreiteten Backesgrumbeere. Der Weinbautechniker Georg Scheu benannte eine Rebsorte nach seiner Wirkungsstätte, die Perle von Alzey.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Hauptwirtschaftszweige der Stadt sind der Weinbau, die ansässige Rheinhessen Fachklinik, das Bauunternehmen Wilhelm Faber GmbH & Co. KG, je ein Zentrallager des Handelsunternehmen Plus und des Importhauses K. H. Wilms, der Verwaltungssitz der Einkaufskette real,- (ehemals Hauptsitz der massa AG) sowie die Deutsche-Lufthansa-Tochterunternehmen Lufthansa Technik AERO Alzey und LSG Sky Food. Die Volksbank Alzey-Worms hat hier ihren Hauptsitz.

Des Weiteren ist Alzey das Dienstleistungszentrum der Region mit einem für die Stadtgröße sehr großen Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich auf das Industriegebiet konzentrieren.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Alzey ist vom Weinbau geprägt und mit 769 Hektar bestockter Rebfläche, davon 69 Prozent Weißwein- und 31 Prozent Rotweinsorten, sechstgrößte Weinbaugemeinde in Rheinland-Pfalz und nach Worms (1.490 Hektar) und Nierstein (783 Hektar) größte Weinbaugemeinde Rheinhessens.

Verkehr[Bearbeiten]

Alzey befindet sich in der Nähe des Autobahnkreuzes Alzey, bei dem sich die A 61 (VenloHockenheim) und die A 63 (MainzKaiserslautern) kreuzen. Die Stadt gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) an. Für Verbindungen aus dem und in das Gebiet des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbunds (RNN) kann auch dieser Tarif bis Alzey angewendet werden.

Am Bahnhof Alzey verkehren Regional-Express- und Regionalbahn-Direktverbindungen nach Mainz mit der Bahnstrecke Alzey–Mainz, sowie mit der Rheinhessenbahn nach Bingen und Worms. Die Donnersbergbahn verbindet seit 1999 wieder Alzey mit Kirchheimbolanden. Am Wochenende sowie an Feiertagen sind Fahrten mit dem Elsass-Express nach Wissembourg möglich.

Durch Alzey verläuft der Rheinhessische Selztal-Radweg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Alzey besitzt ein breit gefächertes Bildungsangebot mit insgesamt zwei Förderschulen, drei Grundschulen und die Gustav-Heinemann-Realschule plus. Das Elisabeth Langgässer Gymnasium und das Gymnasium am Römerkastell sowie ein Staatliches Aufbaugymnasium und Landeskunstgymnasium Rheinland-Pfalz[13] bieten die Möglichkeit zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife. Eine Kreismusikschule, eine Berufsbildende Schule Alzey und eine Krankenpflegeschule der Rheinhessen Fachklinik runden das Angebot ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Schnatz vum Kroneplatz

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Hermann Adrian von Wachtendonk (4. Januar 1666; † 3. September 1702 in Alzey), kurpfälzischer Burggraf und Oberamtmann in Alzey; Grabstein in der hiesigen Stiftskirche erhalten. Er war der Vater des kurpfälzischen Premierministers Hermann Arnold von Wachtendonk (1694–1768)
  • Samuel Adler (* 3. Dezember 1809 in Worms; † 9. Juni 1891 in New York) war von 1842 bis 1857 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde von Alzey. Er war einer der Protagonisten der liberalen Bewegung im deutschen Judentum und trat zum Beispiel für die Verwendung der deutschen Sprache im Gottesdienst und eine stärkere Beteiligung der Frauen ein. Adler ging 1857 als Rabbiner an den Temple Emanu El in New York und wurde Oberhaupt der führenden jüdischen Reformgemeinde der USA. Den Gottesdienst hielt Samuel Adler weiterhin vorzugsweise auf Deutsch. Seine Bibliothek ist weitestgehend erhalten im Hebrew Union College in Cincinnati/ USA.
  • Ludwig Bamberger (* 22. Juli 1823 in Mainz; † 14. März 1899 in Berlin), war Revolutionär, Bankier und Politiker. Er gehörte zu den Demokraten, die 1848 im Schlosspark von Kirchheimbolanden sich den preußischen Truppen entgegenstellten. In Abwesenheit zum Tode verurteilt, wurde Bamberger später Bankier (Gründungsmitglied der Deutschen Bank) und einer der führenden liberalen Politiker nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Man bezeichnete ihn als „Vater“ der Deutschen Mark (Gründung einer unabhängigen Notenbank). Er war lange Jahre Reichstagsabgeordneter des Wahlkreises Bingen-Alzey (von 1871 bis 1893) und verheiratet mit Anna Belmont aus Alzey.
  • Jens Lossau (* 1974 in Mainz), Schriftsteller. Er lebt und arbeitet in Alzey.
  • Anton Spiehler (* 9. Januar 1795 in Bellheim; † 8. August 1867 in Speyer), war hier katholischer Kaplan, später Bischofssekretär, Geistlicher Rat und Domkapitular der Diözese Speyer, außerdem Subregens des Diözesanpriesterseminars und Summus Custos (Oberster Hüter) des Speyerer Domes. Er gehörte dem sogenannten Mainzer Kreis an.

Alzeyer Weinköniginnen[Bearbeiten]

  • Bärbel Janssen, 1992/1993 aus Alzey
  • Wiebke Lawall, 1997/1998 und 1998/1999 aus Alzey-Weinheim
  • Kerstin Stelzer, 2004/2006 aus Alzey-Heimersheim
  • Katharina Matheis, 2006/2008 aus Alzey-Weinheim
  • Lisa Schuckmann, 2008/2009 und 2009/2010 aus Alzey-Schafhausen
  • Mareen Dörfer, 2010/2011 und 2011/2012 aus Alzey-Schafhausen
  • Christina Hahn, seit September 2012 aus Alzey-Dautenheim [14]

Namenspatenschaften[Bearbeiten]

Der Weinbautechniker Georg Scheu benannte 1927 eine Rebsorte nach seiner Wirkungsstätte, die Perle von Alzey. Die Lufthansa CityLine hat am 7. Dezember 2011 ein Regionalverkehrsflugzeug vom Typ Embraer 190 (Kennung D-AECH) nach der Stadt benannt.[15]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alzey – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinz Cüppers: Die Römer in Rheinland-Pfalz. S. 303.
  3. Die Alzeyer Stadtteile Homepage der Stadt Alzey. Abgerufen am 9. Oktober 2012
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, S. 168 (PDF; 2,6 MB)
  5. a b c d e Encyclopaedia of Jewish Communities: Alzey
  6. Jewish Encyclopedia: Alzey
  7. http://en.wikipedia.org/wiki/Palatinate-Zweibr%C3%BCcken
  8. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  9. Städtepartnerschaften Alzeys
  10. Städtepartnerschaften Josselins
  11. Städtepartnerschaften Lembeyes
  12. Liebfrauenland (PDF; 3,5 MB): Kulturführer Gotik in Rheinhessen
  13. Rheinland-pfälzisches Landeskunstgymnasium wird in Alzey eingerichtet
  14. Christina Hahn
  15. Alzeyer Wochenblatt vom 15. Dezember 2011, Titelseite