Alzira (Oper)

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Werkdaten
Originaltitel: Alzira
Originalsprache: Italienisch
Musik: Giuseppe Verdi
Libretto: Salvatore Cammarano
Uraufführung: 12. Februar 1845
Ort der Uraufführung: Neapel, Teatro San Carlo
Spieldauer: ca. 1 ½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Lima und Umgebung, Mitte des 16. Jahrhunderts
Personen
  • Alvaro, Gouverneur von Peru (Bass)
  • Gusmano, sein Sohn (Bariton)
  • Ovando, spanischer Feldherr (Tenor)
  • Zamoro, Inkahäuptling (Tenor)
  • Ataliba, Herrscher der Inkas (Bass)
  • Alzira, seine Tochter (Sopran)
  • Zuma, Alziras Schwester (Mezzosopran)
  • Otumbo, Inkakrieger (Tenor)
  • Spanische Offiziere und Soldaten
  • Volk der Inka

Alzira ([alˈdziːra]) ist eine Oper von Giuseppe Verdi nach der Tragödie Alzire, ou Les Américains von Voltaire. Das Libretto stammt von Salvatore Cammarano. Das Werk entstand neben 15 weiteren Opern des Komponisten in den sogenannten „Galeerenjahren” zwischen 1844 und 1850, aus denen vor allem Rigoletto herausragt. Die Oper Alzira gehört trotz zahlreicher musikalischer Finessen zu den unbekanntesten Werken Verdis.

Die Uraufführung der Alzira fand am 12. August 1845 in Neapel am Teatro San Carlo statt. Ihre deutsche Erstaufführung erlebte die Oper erst gut 150 Jahre später am 14. März 1998 am Stadttheater Passau.

Historisches[Bearbeiten]

Nach dem Misserfolg in Rom spielten nur wenige Theater in Italien die Oper nach: Lugo, Mailand, Ferrara, Venedig und Turin. Im Ausland erlebte die Oper eine Handvoll Premieren, so zweimal in Lissabon (1847 und 1849), daneben in Barcelona (1849), Lima (1850), Valparaiso (1850) und La Valletta (1858).

  • 1936: Erstmals im 20. Jahrhundert wird die Oper beim ORF in Wien mit Leben erfüllt und in deutscher Sprache konzertant aufgeführt.
  • 1938: Zum 125. Geburtstag von Giuseppe Verdi nimmt der Reichssender Berlin die gekürzte Fassung der Oper auf. Elisabeth Schwarzkopf wird kurzfristig engagiert, lernt die Partie im Taxi vom Flughafen und singt die Titelpartie prima vista.
  • 1967: Die szenische Wiederbelebung beginnt in Rom mit Virginia Zeani, Cornell MacNeil und Gianfranco Cecchele.
  • 1968: Konzertante Aufführung an der Carnegie Hall in New York City.
  • 1973: Konzertante Aufführung bei der RAI in Turin.
  • 1981: Revival in Parma, Reggio Emilia und Modena.
  • 1990: Neuinszenierung beim Verdi-Festival in Parma und Fidenza, die ein Jahr darauf in Parma wiederaufgenommen wurde.
  • 1994: Neuinszenierung beim Festival Viva Verdi! der Grand Opera House Company in New York, bei der alle Werke Verdis in der Chronologie ihres Entstehens gezeigt werden.
  • 1998: Deutsche Erstaufführung in italienischer Sprache am südostbayerischen Städtetheater unter Musikdirektor Roger Boggasch in der Inszenierung von Norman Warmuth, dem Bühnenbild von Thomas Dörfler und mit Barbara Schneider-Hofstetter in der Titelrolle. Kritik und Publikum sind begeistert, alle Aufführungen sind restlos ausverkauft.
  • 2010: Schweizer Erstaufführung am Theater St. Gallen in der Inszenierung von Denis Krief.

Handlung[Bearbeiten]

Giuseppe Verdi (Porträt von Giovanni Boldini, 1886)

Prologo: Il prigioniero (Der Gefangene)[Bearbeiten]

Alvaro, Gouverneur von Peru, befindet sich in den Händen eines von Otumbo angeführten Inkastammes und soll eines langsamen und qualvollen Todes sterben. Als Christ bittet er Gott, den Wilden zu vergeben. Da erscheint unerwartet der totgeglaubte Stammeshäuptling Zamoro, der vor den Folterungen Gusmanos, Alvaros Sohn, fliehen konnte. Zamoro berichtet von seiner Rettung. Er schenkt dem Greis Alvaro das Leben (Del primo rieder mio non vo’ la gioia/mista col sangue – „Bei meiner ersten Rückkehr möchte ich nicht, dass sich Blut und Freude mischen”). Als er erfährt, dass seine Braut Alzira mit ihrem Vater Ataliba von den Spaniern in Lima gefangen gehalten wird, sammelt er die Inkas zu einem Heer, mit dem er gegen die Spanier ziehen will.

Erster Akt: Vita, per vita (Leben um Leben)[Bearbeiten]

Alvaro ist nach Lima zurückgekehrt und übergibt vor den spanischen Soldaten sein Gouverneursamt an seinen Sohn Gusmano. Dieser befiehlt als erste Amtshandlung den Frieden zwischen Inkas und Spaniern und teilt mit, dass Ataliba, Herrscher der Inkas, ihm die Hand seiner Tochter Alzira versprochen hat.

Zuma betreut ihre schlafende Schwester Alzira. Im Traum wähnt sich die Prinzessin vereint mit Zamoro, den sie liebt und von dem sie glaubt, dass er in der Schlacht gefallen ist. Ataliba kommt zu ihr, um sie zur Heirat mit Gusmano zu überreden, doch Alzira weigert sich. Da erscheint Zamoro und die beiden schwören einander ewige Treue. Das kurze Liebesglück wird von Gusmano zerstört. Der Gouverneur lässt seinen Feind und Rivalen gefangen nehmen. Zamoro bezichtigt Gusmano, ein Schlächter ohne Ehrgefühl zu sein. Alvaro, der in Zamoro seinen Lebensretter erkennt, bittet um Gnade für Zamoro. Doch Gnade für den Rivalen sei für Gusmano schlimmer als der Tod. Erst als der Spanier erfährt, dass neue Inkatruppen anrücken, gibt er Zamoro frei. Auf dem Schlachtfeld, so schwören die beiden, werden sie einander töten.

Zweiter Akt: La vendetta d’un selvaggio (Die Rache eines Wilden)[Bearbeiten]

Die Spanier haben das Inkaheer vernichtend geschlagen und feiern den Sieg. Zamoro, Alzira und die Inka-Anführer sind wieder in ihren Händen. Gusmano verliest das Todesurteil über Zamoro, der bei Tagesanbruch hingerichtet werden soll. Alzira bittet Gusmano um Gnade für ihren Verlobten. Dieser verspricht, Zamoro freizulassen, wenn Alzira seine Frau wird. Unter Tränen willigt sie ein. Gusmano feiert seinen Triumph über die Krieger der Inkas und das Herz Alziras und ordnet die baldige Hochzeit an.

Otumbo ist es inzwischen durch eine List gelungen, Zamoro zu befreien. Auf dem Feld der verlorenen Schlacht erfährt Zamoro von der bevorstehenden Hochzeit. Er schwört Rache.

Die Feierlichkeiten haben begonnen. Die Inka-Frauen beschwören die Zeit der Versöhnung, die durch die Hochzeit anbrechen soll. Gusmano stellt seine künftige Frau vor, die sich völlig gebrochen nur noch den Tod wünscht. Bevor die beiden die Vermählung vollziehen können, stürzt Zamoro herbei und stößt Gusmano einen Dolch in die Brust. Doch Gusmano besinnt sich im Moment des Todes seines Gottes. Er verzeiht dem Mörder und vereint die Liebenden. Alle preisen am Ende den Edelmut des Sterbenden.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefano Castevecchi, Jonathon Cheskin: Vorwort der kritischen Partitur, Chicago 1994
  • Rein A. Zondergold: Artikel Alzira, in: Carl Dahlhaus (Hrsg.): Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München 1997
  • Thomas H. Kaspar: Alzira, Programmheft zur deutschen Erstaufführung, Passau 1998
  • Attila Csampai: Beiheft zur CD, Orfeo 1983
  • William Weaver: Verdi. Eine Dokumentation, Henschelverlag, Berlin 1980
  • Wolfgang Marggraf: Giuseppe Verdi – Leben und Werk, Schott, Mainz 1982

Weblinks[Bearbeiten]