Amadeus (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Amadeus
Originaltitel Amadeus
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch, Italienisch, Deutsch
Erscheinungsjahr 1984
Länge Kinofassung: ca. 160 Minuten
Director’s Cut: ca. 173 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Miloš Forman
Drehbuch Peter Shaffer
Produktion Saul Zaentz
Kamera Miroslav Ondříček
Schnitt Michael Chandler,
Nena Danevic
Director’s Cut:
T.M. Christopher
Besetzung

Amadeus ist ein Filmdrama aus dem Jahr 1984 von Regisseur Miloš Forman, das das Leben Wolfgang Amadeus Mozarts aus der Sicht des Wiener Hofkomponisten Antonio Salieri zum Thema hat. Der Film basiert auf dem erstmals 1979 aufgeführten Theaterstück Amadeus von Peter Shaffer, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Die Uraufführung war am 26. Oktober 1984.

Handlung[Bearbeiten]

Erzählt wird Mozarts Leben nach den fiktiven Erinnerungen des kranken und alten Hofkomponisten Antonio Salieri. Der Film beginnt mit Salieris Selbstmordversuch. Als seine Diener ihn zu beruhigen versuchen, hören sie ihn durch die geschlossene Tür in Selbstanklage rufen: „Mozart, ich habe dich getötet! Vergib deinem Mörder!“

Salieri wird in eine Irrenanstalt eingeliefert, wo er von einem Priester besucht wird, der ihm die Beichte abnehmen möchte. Salieri erzählt ihm von seiner eigenen Jugend und vergleicht sie mit derjenigen des wesentlich erfolgreicheren Mozart; er schildert seinen eigenen Traum, ein großer Musiker zu werden, und erzählt von seinem der Musik abgeneigten Vater, durch dessen Tod der Weg für Salieris Aufstieg am Wiener Hof bei Kaiser Joseph II. frei wird. Der alte Salieri schildert voller Selbstmitleid seine Zeit am Wiener Hof („Alle mochten mich, und ich mochte mich auch – bis er auftauchte.“), bis Mozart als Konzertmeister des Fürsterzbischofs von Salzburg nach Wien kam. Bei einem Konzert, das Mozart dirigiert, erkennt Salieri das wahre Talent Mozarts und seine eigene Mittelmäßigkeit – seine Eifersucht und sein Neid wachsen ins Unermessliche, da Gott offensichtlich ein „obszönes Kind“ mit göttlichem Talent gesegnet hatte, während ihm dieses Talent versagt blieb, und Gott ihm, Salieri, nur die Möglichkeit gab, dies zu erkennen.

Mozart stellt sich bei Kaiser Joseph II. vor. Der Kaiser selbst gibt eine Oper bei ihm in Auftrag, ein Meisterwerk, „Die Entführung aus dem Serail“. Bei dieser Audienz demütigt Mozart Salieri, indem er am Hammerklavier eine seiner Kompositionen ins Lächerliche zieht. Salieri sieht sich einstweilen jedoch im Vorteil, da er entscheidende Träger des Hofstaates, die Mozart das Leben in Wien schwer machen können, wie etwa den Direktor der Wiener Hofoper, den Grafen Orsini-Rosenberg, auf seiner Seite weiß. Mozart heiratet in der Zwischenzeit Constanze, schafft noch viele weitere musikalische Meisterwerke und wird sehr schnell bekannt. Sein Leben ist jedoch überschattet von seinem missmutigen und kritischen Vater, der ihm einen ausschweifenden Lebensstil vorwirft, die Ehe mit Constanze verbieten will, seine Kompositionen kritisiert, jedoch später stirbt. Mozarts schlechtes Gewissen und seine Angst vor dem Vater schlagen sich in der bedrohlichen Musik nieder, die er zum Auftritt des mahnenden und strafenden Komturs in der Oper Don Giovanni, einem seiner größten Meisterwerke, komponiert hat. Salieri sieht sich jedes Mal, wenn eine von Mozarts Opern aufgeführt wird, diese in aller Heimlichkeit verborgen in seiner Privatloge an und erkennt von Mal zu Mal mehr, dass Mozarts Talent dem seinen haushoch überlegen ist. Mozart selbst pflegt einen recht verschwenderischen Lebensstil, der ihn in Geldnöte bringt. Dennoch schlägt er einen Posten als Musiklehrer der Erzherzogin Elisabeth aus, da er dazu seine Werke einer Kommission hätte vorlegen müssen, der der missgünstige Graf Orsini-Rosenberg vorsteht.

So geht seine Frau Constanze in aller Heimlichkeit zu Salieri in der naiven Hoffnung, dieser würde Mozart den Posten verschaffen und legt ihm Mozarts Kompositionen vor. Salieri sieht sich diese an und es folgt ein Potpourri von Mozarts Musik. Salieri schildert: „Da war sie wieder, die Stimme Gottes“ – er kann nicht fassen, dass er Originale vor sich hat, denn es gibt keinen korrigierenden Federstrich. Zu den Klängen der großen Messe in c-Moll lässt er die Notenblätter entgeistert fallen und ist davon überzeugt, dass Mozart bloß die Musik niedergeschrieben hat, die er schon fertig im Kopf hatte, ihm gleichsam von Gott eingegeben wurde. Nun stellt sich Salierei völlig gegen Gott, verbrennt ein Kreuz und schwört, dass er „Gottes Inkarnation“ vernichten wird, also Mozart ermorden wird. Doch lädt Salieri Constanze zum Abendessen ein - sie solle aber allein kommen. Sie kommt in der Überzeugung, er sei auf ein sexuelles Abenteuer aus, und entkleidet sich, darauf hoffend, somit ihrem Mann zu helfen. Als sie mit blankem Busen vor Salieri steht, lässt dieser sie allerdings von einem Diener hinauswerfen.

Nach dem Tod seines Vaters verfällt Mozart in langsam zunehmende Paranoia, hervorgerufen durch die grausamen Absichten seines eifersüchtigen und rachsüchtigen Konkurrenten Salieri. Weil dieser Mozart durch das Bezahlen eines Dienstmädchens ausspioniert hat, weiß er von dessen Überarbeitung und treibt die Ereignisse schließlich auf die Spitze, indem er sich in dem gleichen schwarzen Kostüm verkleidet, das Leopold Mozart bei seinem Besuch in Wien auf einem Maskenball getragen hat. In dieser Aufmachung gibt er bei Mozart die Komposition eines Requiems in Auftrag, der Mozarts Zerrissenheit weiterhin steigert, vor allem da der anonyme Auftraggeber wie ein Geist des toten Vaters wirkt, was Salieri natürlich erreichen wollte. Salieri schmiedet den Plan, als anonymer Bote auf die Fertigstellung des Requiems zu drängen, indem er Mozart mit Geld lockt, ihn anschließend zu töten und bei der Totenmesse zu Mozarts Begräbnis dann das Requiem aufzuführen und als seine eigene Komposition auszugeben. So würde er letzten Endes doch noch über Gott den Sieg davontragen. Doch noch ist sich Salieri nicht klar, wie er Mozart beseitigen wird.

Als Mozart dann beginnt, sich mit Emanuel Schikaneder und seiner vor allem weiblichen Schauspielertruppe herumzutreiben, reist Constanze zur Kur nach Baden ab und in seiner Einsamkeit schafft er seine letzte Oper, die Zauberflöte. Als er während der Uraufführung zusammenbricht, wird er von Antonio Salieri nach Hause begleitet und zu Bett gebracht. Kurz darauf klopft es an der Tür. Mozart glaubt, es sei der anonyme Bote, der das Auftragswerk abholen will. Vor der Tür steht Schikaneder mit Schauspielerinnen und überbringt den Gelderlös der Zauberflötenaufführung. Salieri lässt Mozart jedoch perfiderweise in dem Glauben, es sei der Bote gewesen, der auf die Fertigstellung des Requiems gedrängt habe. Und so kommt es dazu, dass Mozart Salieri anfleht, er möge ihm dabei helfen. Dies kommt Salieri freilich entgegen, da er das fertige Requiem unter seinem Namen veröffentlichen will. So diktiert Mozart Salieri Abschnitte des Requiems. Am Morgen darauf kommt Constanze zurück und findet den schlafenden Salieri vor. Sie versperrt die Partitur des Requiems und vereitelt so Salieris Plan, das Requiem als seine eigene Komposition auszugeben. Als sie Mozart wecken will, stellt sie fest, dass er kurz nach ihrer Ankunft gestorben ist. Unter den düsteren Klängen des Lacrimosa wird Mozarts Leiche in ein Massengrab geworfen. Damit ist Salieris Plan vereitelt und er hadert wiederum mit Gott, dass er „seinen Liebling“ Mozart habe sterben lassen, bevor er ihm, Salieri, einen kleinen Abglanz dessen Könnens – durch das Requiem – habe zuteilwerden lassen. Salieri schließt jedoch noch insgeheim Frieden mit ihm. Viele Jahre später ist sein schlechtes Gewissen, der Ursprung für Mozarts Paranoia und seinen frühen Tod zu sein, der Grund, dass er versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Außerdem erfüllt es ihn mit innerer Verzweiflung, dass seine Musik schon zu seinen Lebzeiten verblasste, die von Mozart jedoch unsterblich wurde. Der Film endet wieder dort, wo er begonnen hat: In Salieris Zelle in einer Irrenanstalt, wo der nach dieser langen Erzählung sichtlich geschockte und gebeutelte Priester von Salieri mit den Worten getröstet wird, dass er für ihn beten werde, denn er sei der „Schutzpatron aller Mittelmäßigen“.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Die Dreharbeiten fanden hauptsächlich in der Tschechoslowakei (in Prag und Kroměříž) sowie in Wien und für einige Szenen im Schloss Guermantes nahe Lagny-sur-Marne, Département Seine-et-Marne statt.
  • Kinostart in den USA war am 19. September 1984, in Deutschland am 26. Oktober 1984. Im Jahr 2002 kam der Film nochmals in einem leicht verändertem Director’s Cut in die Kinos: In Deutschland am 28. Februar 2002, in den USA (in einer begrenzten Veröffentlichung) am 5. April 2002.
  • Die Produktionskosten wurden auf rund 18 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos der USA bis 1985 rund 51,5 Millionen US-Dollar ein, die Wiederaufführung im Jahr 2002 spielte in den US-Kinos nochmals rund 360.000 US-Dollar ein.
  • Die Musik zum Film (hauptsächlich Kompositionen von Mozart) wurde von der Academy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner aufgenommen. Im Booklet zur Soundtrack-LP erklärt er: „… One of the good things about Amadeus was that the film was shot around the music – not the other way around as is usually the case.“ („Das Gute an Amadeus ist, dass der Film um die Musik herum produziert worden ist und nicht, wie üblich, andersherum.“)

Realität und Fiktion[Bearbeiten]

Der Neid Salieris
Salieri hatte, seit Mozart in Wien ankam, immer die bessere Position, war beim Publikum sowie bei Kaiser Joseph II. mindestens so hoch, wenn nicht gar höher angesehen als Mozart. Mozart strebte hingegen immer nach einer Anstellung, wie Salieri sie hatte. Somit war, auch wenn Salieri wahrscheinlich den besseren Komponisten in ihm erkannte, kein Grund gegeben, den im Film dargestellten hasserfüllten Neid auf Mozart zu entwickeln. Ein wirklich belegtes Zerwürfnis entstand kurzzeitig, als Mozart sowohl das Libretto für „Cosi fan Tutte“, das eigentlich Salieri vorgelegt, aber von diesem noch nicht zu einer Oper verarbeitet worden war, als auch einen Marsch von Salieri dazu nahm und darum eine eigene Oper (bzw. die Musik dazu) schrieb. Als Mozart Salieri einmal zu einer Aufführung der Zauberflöte einlud, lobte dieser jede Arie, was Mozart stolz seiner Frau Constanze brieflich mitteilte. Zeitzeugen berichten, beide würden zwar in Konkurrenz zueinander stehen, jedoch getragen von gegenseitigem, professionellem Respekt. Die Legende, dass Mozart von Salieri vergiftet worden sei, geht auf das 1832 verfasste fiktionale Theaterstück „Mozart und Salieri“ des russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin zurück, das die Vorlage für Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakows gleichnamige Oper (1897) war.
Mozart als infantiler Clown
Nur ein Bruchteil seiner erhaltenen Briefe (wie beispielsweise die berühmten Bäsle-Briefe) lässt sich mit einem solchen Bild in Verbindung bringen. Dazu muss man auch erwähnen, dass es damals durchaus bis in höchste Schichten üblich war, mitunter in Fäkalhumor zu sprechen und zu schreiben. In den meisten Briefen vermittelt Mozart aber einen anderen Eindruck als im Film dargestellt, durchaus fähig auch zur Ernsthaftigkeit bis hin zu intellektuellen, kritischen Gedanken wie zum Beispiel über den Tod (April 1787) oder die Ständegesellschaft (20. Juli 1781). Außerhalb der Musik beherrschte Mozart mehrere Fremdsprachen, beschäftigte sich mit Literatur zu Themen wie Philosophie, Geisteswissenschaften und dergleichen.
Als der Bote das Requiem in Auftrag gibt, hört man die Stimme Salieris hinter der Maske
In Wahrheit gab ein Bote des Grafen von Walsegg das Requiem in Auftrag. Er wollte ein Requiem für das Begräbnis seiner Frau. Geheimhaltung verlangte er, weil der Graf die Angewohnheit hatte, Werke anderer Komponisten als seine eigenen auszugeben.
Mozart diktierte Salieri am Totenbett das Requiem
Salieri war am Totenbett nicht anwesend. Außerdem starb Mozart nicht in der Premierennacht der Zauberflöte, sondern Wochen später; auch nicht am helllichten Tag, wie im Film gezeigt, sondern nach Mitternacht um ca. 1:00 Uhr. Des Weiteren hatte das Schlafzimmer in seiner letzten Wohnung keine Fenster.
Salieri und Mozart dirigierten ihre Opern stehend vor der Bühne
Das war im 18. Jahrhundert nicht üblich, dafür gab es eigene Konzertmeister. Meist spielten jedoch die Komponisten die ersten Aufführungen am Cembalo oder Fortepiano mit, unterstützend mit wenigen Gesten zu den Sängern.
Constanze hat Mozart nach einem Streit verlassen
In Wahrheit musste Constanze krankheitsbedingt zur Kur nach Baden.
Salieri als verbitterter Einzelgänger
Salieri heiratete 1774 Theresia Helferstorfer, mit der er acht Kinder hatte. Zeitzeugen zufolge war er ein durchweg freundlicher Mensch, und er wurde auch für seine musikpädagogische Kompetenz geschätzt; unter seinen Schülern befinden sich große Namen wie Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Franz Liszt, Johann Nepomuk Hummel; auch Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang war Schüler von Salieri.
Mozart als Genie ohne Anstrengung
Ein zentrales Thema des Stückes wie des Films ist die vermeintliche „Ungerechtigkeit“ Gottes oder des Schicksals bei der Verteilung von Begabungen. So empfindet dies hier Salieri, der neidvoll an seiner eigenen künstlerischen Mittelmäßigkeit leidet. Demgegenüber wird Mozart als ein Genie dargestellt, das seine Eingebungen gleichsam direkt von Gott bekommt und aus dem dadurch die Musik nur so heraussprudelt – ohne Mühe und Anstrengung, sozusagen spontan. Dieses Bild von Mozart ist jedoch unzutreffend. In Wirklichkeit komponierte er stets mit höchstem Einsatz. Er verbrachte von Kindesbeinen an alljährlich Tausende von Stunden mit Üben; er erhielt eine hervorragende Ausbildung, zuerst durch seinen aufopferungsvollen Vater. Wenn er später tatsächlich seine großartigen Kompositionen zuweilen in unvorstellbarer Geschwindigkeit zu Papier brachte, so hatte er dies nicht nur seiner sehr seltenen, genialen Begabung zu verdanken, sondern auch seiner langjährigen, mühevoll erworbenen und reichen Erfahrung, die er nun mit entsprechender Meisterschaft auszuschöpfen wusste, seinem außergewöhnlichen Gedächtnis und jener besonderen Fähigkeit, die Musik „denken“ zu können, noch bevor er sie niederschrieb.[1]
Sonstiges
  • Die Hochzeit fand nicht, wie im Film gezeigt, in einer kleinen bis mittelgroßen, unscheinbaren Kirche statt, sondern im Wiener Stephansdom.
  • Im Film folgt der Uraufführung von Salieris Oper „Axur“ als Szene unmittelbar die Meldung über den Tod von Mozarts Vater Leopold. Tatsächlich starb Leopold Mozart im Mai 1787, die Uraufführung von „Axur“ war erst ein halbes Jahr später im Januar 1788.
  • Im Film wohnt Mozart ausschließlich in derselben Wiener Wohnung. Tatsächlich aber zog er mehrmals (vermutlich aus finanziellen Gründen) in Wien um.
  • Mozart wurde nicht aus finanziellen Gründen in einem Armengrab beigesetzt, wenn überhaupt. Die Beerdigung in einer mehrfach belegten, nicht mit einem Grabstein gekennzeichneten Grabstätte entsprach der damals in Wien üblichen Bestattungsweise.
  • Erfunden wurde u. a., dass Constanze einmal heimlich mit Noten Mozarts Salieri um Hilfe bat, sowie dass eine Dienstmagd in Mozarts Wohnung für Salieri Details seiner momentanen Arbeiten ausspionieren sollte.
  • Im Film sieht man ausschließlich einen Sohn Mozarts. Tatsächlich hatte Mozart mit seiner Frau Constanze sechs Kinder, von denen allerdings vier im Säuglingsalter verstarben.
  • Dem Film zufolge ist Mozart ein junger Mann und Salieri bereits deutlich älter. Der wirkliche Salieri hingegen wurde gerade einmal sechs Jahre vor Mozart geboren.

Filmische Umsetzung des Theaterstücks[Bearbeiten]

Die folgenden Aussagen basieren auf der Kinofassung von 1984, nicht auf dem Director’s Cut.

Das Theaterstück Amadeus, dem der Film so weit wie möglich folgt, arbeitete bereits mit zahlreichen Verfremdungen, die eher filmischer Natur sind:

  • Zeitmanipulationen durch Rückblende (Erzählsituation in der Jetzt-Zeit des Stücks [Salieris Erzählen], eigentliches Stück ist Re-Enactment der geschilderten Ereignisse), Freeze, Zeitvorgaben durch Figurentext (z. B. zum Überspringen von Zeiträumen)
  • Raummanipulationen durch Lightbox (quasi Rückprojektion) für schnelle Ortswechsel; Scheinwerfer-Fokus.

Der Film behält die Erzählsituation bei, die Rolle des Theaterpublikums übernimmt ein junger Priester, der kaum Redetext hat und lediglich als Stichwortgeber für Salieri fungiert. Aus der Bekennung in Vorbereitung des Selbstmordes ist im Film die Beichte nach einem missglückten Selbstmord geworden.

Die Kameraperspektive erfüllt zwei scheinbar widersprüchliche Aufgaben:

  • Subjektive Perspektive: Wie im Theater bleibt die Kamera auf Augenhöhe, sie nimmt (teilweise erkennbar) die Perspektive einer Figur ein. Während Salieri im Theaterstück durch seine Beeinflussung der Bühnenzeit (Freeze, Zeitsprünge, Ortswechsel) die subjektive Perspektive betonte, wird dies im Film durch die Kameraperspektive verdeutlicht, die nur in Szenen mit Salieri (sowohl als Erzähler als auch als Figur) neutrale Standorte einnimmt.
  • Theatersituation: Die Kamera ist zwar beweglich, jedoch gibt es nur das Schwenken von einem Standpunkt aus. Abgesehen von Mozarts Eintauchen in das Markttreiben bleibt der Blickwinkel stets auf Augenhöhe mit der Person im Bild, ob diese nun liegt, sitzt oder steht bzw. in Augenhöhe einer blickenden Person. Plateau-Aufnahmen werden aus leichter Untersicht gefilmt. Dies und die Verharrung auf einem Standort bei der Kamerabewegung simuliert in Ansätzen den an seinen Platz gebundenen Theaterbesucher.

Auch im Film bleibt Salieri die ordnende Instanz, der durch seine Erzählung die Zeit und den Ort vorgibt. Bei größeren Wechseln wird zur Erzählsituation gewechselt, wodurch der Film harmonisch bleibt und nicht durch Montage Sinn herstellen muss; dies kann stets durch Figurenrede erfolgen. Salieris teilweise Off-Erzählung verbindet die einzelnen Handlungsmomente und -situationen.

Wie beim Theaterstück werden Salieris Betrachtungen von Mozarts Notenblättern musikalisch illustriert. Darüber hinaus nutzt der Film die Möglichkeiten der illustrierenden Musik intensiver. Stets wird die Musik eingespielt, die an diese Stelle passt, weil Salieri die Noten dazu liest, weil er sie beschreibt, kommentiert, hört oder imaginiert. Somit ist die Musik (ebenso wie die Kamera) oft subjektiv: das Publikum hört das gleiche, was der Protagonist hört oder sich vorstellt zu hören. Dabei setzt Musik mitunter vor dem auslösenden Handlungsmoment ein, und noch öfter klingt sie weit in die nächsten Szenen hinein fort. Szenen werden musikalisch kommentiert, verbunden oder deren Atmosphäre unterstrichen.

Opernaufführungen werden opulent inszeniert, dabei ist die Bühnensituation erkennbar (durch Vorhänge am Bildrand, Bühnenaufbauten o. ä.). Die Perspektive ist die des Opernpublikums (also frontal) oder einer bestimmten Figur im Zuschauerraum. Auch sonst ist die Räumlichkeit stets präsent: beispielsweise sind fast immer sichtbare Türen nötig, damit Figuren zu einer Szene hinzukommen oder diese verlassen können. Der Mangel an Nahaufnahmen zeigt die Figuren im Raum (oft Halbtotale), was einerseits die Verhältnisse der Figuren untereinander unterstreicht, aber auch die jeweilige räumliche Situation (und die Gestaltung des Raums) betont.

Stets sprechen nur zwei Personen miteinander. Es gibt keine einander überlagernden Äußerungen. Eine Figur kann sich kurz einer anderen zuwenden und dann wieder mit der ersten sprechen. Nur einer redet auf einmal. Auch der Off-Kommentar wartet Textpausen ab, und Mozart kommentiert nie über Gesang bei Proben.

Der Großteil der Verfremdungseffekte des Theaterstückes wird im Film wieder aufgehoben, der durch seine Inszenierung eine theatrale Wirkung verstärkt. Eine dem Medium zugehörige Zuhörerinstanz tritt auf, im Stück nur angedeutete Hintergründe werden naturalistisch ausgestaltet. Die Hilfsmittel Rückblende und (Off-)Erzähler werden aus dem Stück übernommen.[2]

Kritiken[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Kritiken lobte den Film als herausragendes Werk mit fast perfektem Zusammenwirken von exzellentem Drehbuch, guten schauspielerischen Leistungen, brillanter Regie und Mozarts Musik. Einige Kritiker waren der Meinung, der Operngenuss sei etwas getrübt, da die ursprünglich deutschen Libretti im Film auf englisch gesungen werden.

  • Auf Rotten Tomatoes wurde der Film mit einer Gesamtwertung von 96 % bewertet. Von 70 gezählten Kritiken waren 67 positiv. Der zusammengefasste Konsens lautet: „A lavish, entertaining, powerful film about the life and influence, both positive and negative, of one of Western culture’s great artists.“ (Ein überschwenglicher, unterhaltsamer, beeindruckender Film über das Leben und den Einfluss, sowohl positiv als auch negativ, eines der größten Künstler der westlichen Kultur.)[3]
  • Hellmuth Karasek schrieb in Der Spiegel vom 22. Oktober 1984: „Aus dem Theaterreißer mit der Paraderolle des alten Salieri, der dem Publikum seinen perfiden Vernichtungsplan in einer grandios bühnenwirksamen Conference beichtet, hat der Hollywood-Tscheche Miloš Forman („Einer flog über das Kuckucksnest“) jetzt einen Mozart-Film gemacht. Statt der Theater-Effekte (Salieri, gespielt von F. Murray Abraham, beichtet jetzt einem Kirchenmann) setzt der „Amadeus“-Film erfolgreich auf Kino-Wirkungen: wunderbar erdachte Szenerien alter Mozart-Opern, Überblendungen, bei denen sich eine keifende Schwiegermutter in die koloraturenschmetternde Königin der Nacht verwandelt, und der Kerzenschimmer des josephinischen Wien. Im Unterschied zum Theater ist hier nicht Salieri, sondern Mozart (Tom Hulce spielt ihn mit unwiderstehlicher Jungenhaftigkeit) der absolute Star. Manchmal trägt er geradezu eine Punk-Frisur, immer aber ist sein unbekümmert meckerndes Lachen so etwas wie ein (Violin-)Schlüssel zu dem mozartischen Übermut. Mozarts Musik erklärt auch dieser opulent vergnügliche Film nicht: Oder soll man wirklich glauben, daß der Don Giovanni samt Steinernem Gast sich aus einer unbewältigten Vaterfigur herleiten läßt? Freud und Zelluloid sind geduldig, Mozart kann's verkraften: im Zweifelsfalle scheißt er drauf.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscarverleihung 1985

Golden Globe Award 1985

  • gewonnen:
    • Bester Film – Drama
    • Beste Regie (Miloš Forman)
    • Bester Hauptdarsteller – Drama (F. Murray Abraham)
    • Bestes Filmdrehbuch (Peter Shaffer)
  • nominiert:
    • Bester Hauptdarsteller – Drama (Tom Hulce)
    • Bester Nebendarsteller (Jeffrey Jones)

César 1985

LAFCA Awards 1984

  • gewonnen:
    • Bester Film – Drama
    • Beste Regie (Miloš Forman)
    • Bester Hauptdarsteller – Drama (F. Murray Abraham)
    • Bestes Filmdrehbuch (Peter Shaffer)

American Cinema Editors

  • Bester Film (Nena Danevic und Michael Chandler)

Casting Society of America

  • Bestes Casting Mary (Goldberg)

Directors Guild of America

  • Beste Regie (Miloš Forman)

Kansas City Film Critics Circle Award

  • Bester Hauptdarsteller – (F. Murray Abraham)

BAFTA

  • gewonnen:
    • Beste Kamera (Miroslav Ondříček)
    • Bester Schnitt (Nena Danevic und Michael Chandler)
    • Bestes Make-Up (Dick Smith und Paul LeBlanc)
    • Bester Ton (Mark Berger, Thomas Scott und Christopher Newman)
  • nominiert:
    • Bester Film – Drama (Miloš Forman and Saul Zaentz)
    • Bester Hauptdarsteller – Drama (F. Murray Abraham)
    • Bestes adaptiertes Filmdrehbuch (Peter Shaffer)
    • Beste Kostüme (Theodor Pištěk)
    • Bestes Produktions-Design (Patrizia von Brandstein)

David di Donatello

  • Bester ausländischer Film
  • Beste Regie ausländischer Film (Miloš Forman)
  • Bester Hauptdarsteller – Drama (Tom Hulce)

Nastro d'Argento

  • Beste Regie ausländischer Film (Miloš Forman)
  • Bester Hauptdarsteller – Drama (Tom Hulce)

Japan Academy Preis

Amanda Award (Norwegen)

  • Bester ausländischer Film

Sonstiges

In Deutschland erhielt der Film die Goldene Leinwand 1985 für das Erreichen von 3 Millionen Zuschauern in 18 Monaten. Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll”.[5]

Director’s Cut[Bearbeiten]

Neben der ursprünglichen Kinoversion von 1984 wurde 18 Jahre später ein Director’s Cut veröffentlicht, der auch im Jahr 2002 nochmals in die Kinos kam. Dieser enthält Szenen, die einige Nebenstränge der Handlung ausarbeiten - beispielsweise das schlechte Verhältnis zwischen Salieri und Mozarts Frau Constanze oder auch die unzureichenden Einkunftsmöglichkeiten Mozarts. Der Director’s Cut ist insgesamt 20 Minuten länger als die Kinoversion.

Für die deutsche Fassung musste der Director’s Cut wegen der zusätzlichen Szenen neu synchronisiert werden. Für Mozart und Constanze konnten dieselben Stimmen verwendet werden, Salieris Rolle wurde dagegen vollständig neu synchronisiert, da der ursprüngliche Synchronsprecher Gottfried Kramer 1994 verstorben war. Im Director’s Cut wird Salieri von Joachim Höppner gesprochen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Shaffer: Amadeus (OT: Amadeus). Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-27063-4.
  • Cornelia Szabó-Knotik: Amadeus. Milos Formans Film als musikhistorisches Phänomen. ADEVA, Graz 1999, ISBN 3-201-01728-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Piero Melograni: Wolfgang Amadeus Mozart. Eine Biographie. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-833-5, S. 9, 244.
  2. Alexander Florin: Von der Bühne auf die Leinwand. Das Überschreiten der Mediengrenzen. (Studien-Hausarbeit 2002, Humboldt-Universität zu Berlin; PDF; 86 kB), Kapitel 3 bis 5
  3. Amadeus (1984). auf: Rotten Tomatoes.
  4. Hellmuth Karasek: Schwiegermutter der Nacht. In: Der Spiegel. 43/1984.
  5. Bewertung der deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)

Weblinks[Bearbeiten]