Amalia Nathansohn Freud

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Amalia Nathanson Freud, 1872

Amalia Nathansohn Freud (* 18. August 1835[1]; † 12. September 1930[2]) war die Mutter Sigmund Freuds und die dritte Ehefrau von Jacob Freud.[3]

Leben[Bearbeiten]

Sie wurde als Amalia Nathansohn in Brody, Galizien, damals Österreich-Ungarn, jetzt Ukraine, als Tochter des Kaufmannes Jacob Nathanson und der Sara Nathanson, geborene Wilenz, als viertes von sechs Kindern geboren und wuchs einige Jahre in Odessa auf. Später zog die Familie mit ihr und ihren beiden jüngeren Geschwistern nach Wien um.

Amalia Nathansohn heiratete Jacob Freud im Jahr 1855.

Amalia Freud wird als eine wenig fromme Jüdin beschrieben, weil sie die jüdischen Feiertage nicht einhielt, aber Weihnachten und Neujahr mit der Familie feierte.[4] Amalia Freud wird auch als gut aussehende, „autoritäre Person“ geschildert.[5] Außerdem wird sie als lebhaft, gefühlsbetont und ungeduldig beschrieben.[6]

Kinder[Bearbeiten]

Amalia Freud war 21 Jahre alt, als sie Sigmund Freud (Sigismund genannt) zur Welt brachte. Sie gebar noch sieben weitere Kinder (Julius, Anna, Rosa, Marie, Adolfine, Paula and Alexander), die sie in folgender Reihenfolge zur Welt brachte:

  • Julius wurde im April 1857 geboren. Er starb im Dezember 1857.[7]
  • Anna kam am 31. Dezember 1858 auf die Welt. Sie starb am 11. März 1955.
  • Regine Debora (Rosa), die am 21. März 1860 das Licht der Welt erblickte, wurde am 23. September 1942 nach Treblinka deportiert.
  • Maria (Mitzi), die am 22. März 1861 auf die Welt kam, wurde auch am 23. September 1942 nach Treblinka deportiert.
  • Die am 23. Juli 1862 geborene Esther Adolfine (Dolfi) starb am 5. Februar 1943 in Theresienstadt.
  • Die am 3. Mai 1864 auf die Welt gekommene Pauline Regine (Pauli) wurde ebenfalls am 23. September 1942 nach Treblinka deportiert.
  • Alexander Gotthold Efraim erblickte das Licht der Welt am 19. April 1866 und starb am 23. April 1943.[8][9]

Beziehung zu Sigmund Freud[Bearbeiten]

Sigmund Freud führte seinen beruflichen Erfolg auf ihre unbedingte Liebe zurück, indem er äußerte: „Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jene Zuversicht des Erfolgs, welche nicht selten wirklich den Erfolg nach sich zieht.“ Sein Frauenbild ist entschieden von ihr geprägt worden, denn er sagte: „Vor allem sucht der Mann nach dem Erinnerungsbild seiner Mutter, wie es ihm seit den Anfängen seiner Kindheit beherrscht.“[10]

Durch ihren Ehrgeiz spornte sie ihren Sohn Sigmund an. Sigmund Freud besuchte seine Mutter regelmäßig jeden Sonntagvormittag und traf sich mit den übrigen Mitgliedern der Familie. Er fühlte sich durch die Familientreffen belastet, was Magenschmerzen und Unwohlsein bei ihm hervorrief.[11]

Er fühlte sich ihr gegenüber verpflichtet, gegen seine Gaumenkrebs-Erkrankung anzukämpfen und nicht aufzugeben. Nach ihrem Tod zeigte er sich erleichtert: „Ich durfte ja nicht sterben, solange sie am Leben war, und jetzt darf ich.“[12]

Tod[Bearbeiten]

Amalia Nathanson Freud starb im Alter von 95 Jahren an den Folgen eines Beinleidens, eines Gangräns.[2]

Nachleben[Bearbeiten]

Sie wird in der britischen Fernsehserie Freud aus dem Jahr 1984 von der Schauspielerin Eliza Hunt verkörpert. Im österreichischen biografischen Fernsehfilm Der junge Freud wird sie von Brigitte Swoboda gespielt.[13]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Deborah P. Margollis: Freud and his mother: preoedipal aspects of Freud’s personality. Aronson, Northvale, NJ, London, ISBN 1-568-21448-0[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amalia Nathansohn Freud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bulletin des Leo Baeck Instituts: Bände 5-6, 1962 Online, 1. Treffer
  2. a b Eva Gesine Baur: Freuds Wien: eine Spurensuche, S. 163 Online
  3. Elsa Hornfischer,David Hornfischer: Mother knew best: wit and wisdom from the moms of celebrities, S. 99 Online
  4. Franz Maciejewski: Der Moses des Sigmund Freud: ein unheimlicher Bruder, S. 104-107, S. 110-115, S. 117-118 Online
  5. Michael Dieterich: Einführung in die allgemeine Psychotherapie und Seelsorge, S. 145 Online
  6. Robert S. Wistrich: Die Juden Wiens im Zeitalter Kaiser Franz Josephs, S. 441 Online
  7. Die Psychoanalyse Sigmund Freuds: Konzepte und Begriffe, S. 12 Online
  8. Amalia Malka Freud-Nathanson. answer.com. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  9. D. P. Margolis: Freud and his Mother. In: Modern Psychoanalysis. 14, 1989, S. 37-56. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  10. Freud und die Frauen (PDF; 129 kB) auf der Internetseite der Universität Regensburg
  11. Frank Lassner: Ödipus: An den Wurzeln der Zivilisation, S. 171 Online
  12. Sigmund Freud: Weder Macho noch Frauenversteher auf stern.de vom 3. Mai 2006
  13. Rollenbeschreibung in der IMDb
  14. Buch in der Deutschen Nationalbibliothek