Amarantit

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Amarantit
Amarantite-Hohmannite-169933.jpg
Amarantit und Hohmannit aus der Queténa Mine, Chuquicamata, Provinz El Loa, Región de Antofagasta, Chile
Chemische Formel

Fe23+[O|(SO4)2]·(3+4) H2O[1]

Mineralklasse Sulfate (und Verwandte)
7.DB.30 (8. Auflage: VI/D.01) nach Strunz
31.09.03.01 nach Dana
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin triklin-pinakoidal; 1[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P1 (Raumgruppen-Nr. 2)
Farbe Amaranth-Rot bis Bräunlich- oder Orangerot
Strichfarbe Zitronengelb
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,189 bis 2,286; berechnet: 2,14[3]
Glanz Glasglanz, matt
Transparenz durchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen nach {010} und {100}[3]
Bruch spröde
Habitus prismatische Kristalle; radialstrahlige
Häufige Kristallflächen {100}, {010}[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,516 nβ = 1,598 nγ = 1,621[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,105 [4]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 30°, berechnet: 52°[4]
Pleochroismus Sichtbar: X = Farblos; Y = Hellgelb; Z = Rötlichbraun[4]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten gut in Wasser löslich

Amarantit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Fe23+[O|(SO4)2]·(3+4) H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Sulfat mit zusätzlichen Sauerstoff-Ionen.

Amarantit entwickelt meist nur kleine, prismatische Kristalle bis etwa 2 cm Länge[3] sowie nadelige, radialstrahlige Aggregate von amaranthroter bis bräunlichroter oder orangeroter Farbe bei zitronengelber Strichfarbe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Amarantit ist gut löslich in Wasser und verwittert nach einiger Zeit ockerartig.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Amarantit 1888 in der La Compañia Mine bei Caracoles in der Provinz Tocopilla, Región de Antofagasta in Chile und beschrieben 1888 durch Friedrich August Frenzel, der das Mineral aufgrund seiner charakteristischen Farbe nach dem griechischen Wort αμάραντος für Amaranth benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Amarantit zur Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Butlerit die „Butlerit-Amarantit-Gruppe“ mit der System-Nr. VI/D.01 und den weiteren Mitgliedern Fibroferrit, Hohmannit, Metahohmannit, Parabutlerit und Xitieshanit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Amarantit ebenfalls in die Abteilung der „Sulfate (Selenate, etc.) mit weiteren Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „mit mittelgroßen Kationen; isolierte Oktaeder und begrenzte Einheiten“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Hohmannit und Metahohmannit die „Amarantitgruppe“ mit der System-Nr. 7.DB.30 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Amarantit in die Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 31.09.03 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)(XO4)Zq × x(H2O)“.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Amarantit ist ein Sekundärmineral, welches sich besonders unter ariden Klimabedingungen bildet. Begleitminerale sind unter anderem Hohmannit, Fibroferrit, Chalkanthit, Copiapit, Coquimbit und Sideronatrit.

Weltweit konnte Amarantit bisher (Stand: 2010) an 20 Fundorten nachgewiesen werden. In Chile trat er neben seiner Typlokalität La Compañia Mine noch an mehreren Fundstätten in der Región de Antofagasta sowie in Tierra Amarilla (Región de Atacama) und in der Pampa del Tamarugal zutage.

Weitere Fundorte sind unter anderem die Santa Elena Mine bei La Alcaparrosa (San Juan) in Argentinien; die Mutooroo Mine bei Pine Creek (Northern Territory) in Australien; Yazd im Iran; die Calamita Mine bei Capoliveri in Italien; Otta in Norwegen; Dubník (Červenica) in der Slowakei sowie bei Blythe (Kalifornien), im San Juan County (New Mexico) und in der Broken Hill Mine (South Dakota) in den Vereinigten Staaten.

Morphologie[Bearbeiten]

Gewöhnlich tritt Amarantit in Form breitgefächerter, radialstrahliger oder feinnadeliger bis verfilzter Aggregate auf. Die selten gut ausgebildeten Kristalle sind meist von ungefähr quadratischem Querschnitt und entlang der c-Achse prismatisch gestreckt, wobei die Flächen in Richtung der a- und b-Achse dominieren. Auch in Richtung der a-Achse tafelig ausgebildete Kristalle und rechtwinklig zur c-Achse gestreifte Kristallflächen sind bekannt. Insgesamt wurden bisher mehr als 60 verschiedene Kristallformen dokumentiert.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Amarantit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 mit den Gitterparametern a = 8,98 Å; b = 11,68 Å; c = 6,70 Å; α = 95,6°; β = 90,4° und γ = 97,2° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Frenzel: XVII. Mineralogisches. 10. Hohmannit. 11. Amarantit. 12. Vorkommnisse von Ehrenfriedersdorf. In: Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band 9, 1888, S. 397–400 (PDF 192,8 kB)
  • P. Süsse: The crystal structure of amarantite, Fe2(SO4)2O·7H2O. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 127, 1968, S. 261–275 (PDF 642,7 kB)
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 614, 839.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amarantite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 397.
  2. Webmineral - Amarantite (englisch)
  3. a b c d Amarantite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,5 kB)
  4. a b c d Mindat - Amarantite (englisch)