Ameisenbären

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Ameisenbären
Großer Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla)

Großer Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
Ordnung: Zahnarme (Pilosa)
Unterordnung: Ameisenbären
Wissenschaftlicher Name
Vermilingua
Illiger, 1811

Die Ameisenbären (Vermilingua) bilden mit vier Arten, verteilt auf drei Gattungen, eine Unterordnung aus der Säugetiergruppe der Zahnarmen (Pilosa). Charakteristisch für diese Tiergruppe sind die verlängerte und röhrenförmige Schnauze, die dichte Fellbedeckung und die kräftigen Krallen an den Vorderfüßen. Namengebend ist ihre Ernährungsweise mit Spezialisierung auf staatenbildende Insekten. Die Tiere leben meist einzelgängerisch in eigenen Revieren und die Weibchen bringen je Geburt ein Junges zur Welt.

Der Lebensraum der Ameisenbären erstreckt sich über Mittel- und Südamerika. Ihre nächsten Verwandten sind die Faultiere (Folivora). Die Stammesgeschichte reicht im Fossilbericht bis in das Untere Miozän vor etwa 20 Millionen Jahren zurück. Aus molekulargenetischer Sicht ist aber ein wesentlich früherer Ursprung anzunehmen. Die Bestände der einzelnen Ameisenbären-Arten sind mit Ausnahme des Großen Ameisenbären bisher nicht gefährdet.

Merkmale[Bearbeiten]

Habitus[Bearbeiten]

Südlicher Tamandua (Tamandua tetradactyla)
Zwergameisenbär (Cyclopes didactyla)

Ameisenbären sind kleine bis mittelgroße Säugetiere, die eine Kopf-Rumpf-Länge von 18 bis 140 cm erreichen. Typisch ist zudem der lange Schwanz, der mindestens die Länge des übrigen Körpers, teilweise aber auch mehr erreicht, wobei dieser bei einigen Vertretern als Greiforgan fungiert. Ebenso wie die Körpergröße variiert auch das Gewicht der einzelnen Arten beträchtlich, vom nur 250 g schweren Zwergameisenbären (Cyclopes didactylus) bis zum Großen Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla), der über 50 kg wiegen kann. Alle Ameisenbären sind äußerst dicht behaart. Ein charakteristisches Merkmal dieser Tiere ist die zahnlose Röhrenschnauze, die eine lange Zunge beherbergt und nur eine kleine Mundöffnung besitzt. Die Augen sind relativ klein ausgebildet, ebenso die Ohren, die typischerweise eine gerundete Form haben. Die kräftig gestalteten Gliedmaßen tragen an den Vorderzehen auffällig lange, sichelartig gebogene und scharfe Krallen. Diese dienen zum Aufreißen von Termitenbauten und zur Abwehr von Feinden. Die Anzahl der großen Krallen variiert je nach Art: zwei beim Zwergameisenbären, drei beim Großen Ameisenbären und vier bei den Tamanduas. Die Krallen der Hinterfüße sind weniger ausgeprägt entwickelt.[1][2]

Schädelmerkmale[Bearbeiten]

Schädel eines Großen Ameisenbären

Charakteristisch für Ameisenbären ist der flache Schädel mit einem markant verlängerten und rundlich gestalteten Rostrum, das am deutlichsten beim Großen Ameisenbären entwickelt ist. Durch diese verlängerte Schnauzenregion besitzt das Nasenbein eine teils deutliche Streckung. Zusätzliche typische Merkmale sind die weitgehend zurückgebildeten Jochbeinbögen und der nur schwach ausgebildete Zwischenkieferknochen. Im vorderen Bereich der Nasenhöhle tritt teilweise eine zusätzliche Knochenbildung auf, die als Septomaxilla (Os nariale) bezeichnet wird. Diese aus einer Membran entstandene Verknöcherung, die auch bei anderen Nebengelenktieren auftritt, ist sonst nur bei stammesgeschichtlich eher älteren Säugetieren und bei Reptilien zu finden.[3] Weiterhin ist die Gehirnkapsel relativ klein und das Tränenbein überdies gut ausgeprägt. Der Unterkiefer besitzt einen generell grazilen, spangenartigen Bau.[4][1]

Skelettmerkmale[Bearbeiten]

Skelett eines Großen Ameisenbären

Die Wirbelsäule weist einige Besonderheiten auf. So kommen zwischen 15 und 18 Brust- sowie zwischen zwei und drei Lendenwirbel vor, eine insgesamt höhere Zahl als bei den verwandten Gürteltieren. Typisch sind vor allem die xenarthrischen Gelenke (Nebengelenke), die der Überordnung Nebengelenktiere (Xenarthra) ihren Namen verleihen und die sich an den seitlichen Gelenkfortsätzen (Zygapophysen) der hinteren Brust- und der Lendenwirbel befinden. Durch diese Lage der zusätzlichen Gelenkflächen werden der vorhergehende und der nachfolgende Wirbel stärker miteinander verschränkt. Im Vergleich zu den Gürteltieren beeinträchtigen sie durch ihre spezielle Position die Bewegung der Wirbelsäule stärker und verhindern deutlichere vertikale und seitliche Bewegungen der hinteren Wirbelsäule, die bei den Gürteltieren durch den Schildpanzer zusätzlich besser geschützt ist. Dies hilft aber den Ameisenbären, sich ebenso wie die Gürteltiere bei der Nahrungsaufnahme oder im Verteidigungsfall auf den Hinterbeinen aufzurichten und so das Körpergewicht zu halten.[5][6] Weiterhin typisch am Körperskelett sind die teils deutlich verbreiterten Rippen und das Fehlen des dritten Trochanter (Rollhügel) als Muskelansatzstelle am Oberschenkelknochen.[1]

Innere Organe[Bearbeiten]

Der Magen der Ameisenbären ist einfach gebaut, am Eingang des Grimmdarms befinden sich zwei kleine Blinddärme. Ebenso besitzt der Uterus bei weiblichen Tieren einen einfachen Bau und ist teils birnenförmig gestaltet. Bei trächtigen Tamanduas wird der Uterus bis zu 13 cm lang.[1][7][8] Die Hoden der männlichen Tiere liegen innerhalb der Bauchdecke, der Penis ist kurz und im uneregierten Zustand nach hinten gewandt. Er besitzt eine konische Form und eine zentrale Falte.[9] Ein sehr markantes Organ ist die Zunge, die beim Großen Ameisenbären bis zu 60 cm lang wird und zur besseren Nahrungsaufnahme von klebrigen Sekreten bedeckt ist. Die Zunge kann vollständig in das Maul zurückgezogen werden, ist aber möglicherweise aufgrund der Länge und Verwendung bei der Ernährung häufiger Verletzungen ausgesetzt.[10]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Ameisenbären sind nur in Amerika verbreitet und leben in Südamerika östlich der Anden – wo sie auch ihren Ursprung haben – und im schmalen Küstenstreifen westlich des Gebirgszuges sowie in Mittelamerika bis in den Süden von Mexiko. Ihre nördlichen Verbreitungsareale erreichten sie aber erst nach dem Entstehen der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika am Isthmus von Panama und dem damit verbundenen Großen Amerikanischen Faunenaustausch, der im Pliozän vor rund 3 Millionen Jahren begann. Der Lebensraum umfasst überwiegend Tiefländer, aber auch Gebirgshöhen bis zu 2000 m. Dabei bewohnen Ameisenbären sowohl Wälder – überwiegend tropischen Regenwald – als auch offene Gras- und Savannenlandschaften.[1][11]

Lebensweise[Bearbeiten]

Territorialverhalten[Bearbeiten]

Verteidigungshaltung eines Zwergameisenbären

Die heutigen Arten unterscheiden sich deutlich in ihrem generellen Verhalten: Während der Zwergameisenbär ein reiner Baumbewohner ist und vorwiegend Wälder bewohnt, lebt der Große Ameisenbär ausschließlich am Boden und bevorzugt meist offene Landschaften wie Savannen. Die Tamanduas leben sowohl am Boden als auch in den Bäumen. Ameisenbären sind vorwiegend Einzelgänger, die nur zur Paarung zusammenkommen. Außerdem unterhalten sie Territorien, die mitunter recht groß sein können und Ausdehnungen von einigen Hektar bis zu mehreren Quadratkilometern Größe erreichen. Als Fressfeinde treten meist große Katzen und Greifvögel auf. Bedrohte Tiere richten sich auf den Hinterbeinen auf und verteidigen sich mit den scharfen Krallen der Vorderfüße.[1]

Ernährung[Bearbeiten]

Die Nahrung der Ameisenbären besteht fast ausschließlich aus Ameisen und Termiten und wird überwiegend über den Geruchssinn aufgespürt. Mit ihren Krallen brechen sie die Bauten dieser Tiere auf und lecken sie mit ihrer langen, eingespeichelten Zunge auf. Aufgrund der chemischen Abwehr der Insekten verweilt ein Ameisenbär daher meist nur sehr kurz an einem Bau und sucht dann einen neuen auf. Gelegentlich werden auch pflanzliche Materialien wie Obst verspeist.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Über die Fortpflanzung der Ameisenbären ist nicht sehr viel bekannt. Die Tragzeit dauert einigen Angaben zufolge von 120 bis zu 190 Tagen. Die Weibchen bringen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Dieses reitet in den folgenden Monaten auf dem Rücken der Mutter. Die baumbewohnenden Arten lassen die Jungtiere auch manchmal während der Nahrungssuche auf einer geschützten Astgabel zurück. Die Geschlechtsreife erreichen Große Ameisenbären mit drei bis vier Jahren, bei den anderen Arten ist dies nicht bekannt, ebenso wenig wie die Lebenserwartung in freier Wildbahn.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Äußere und Innere Systematik[Bearbeiten]

Innere Systematik der Nebengelenktiere, speziell der Ameisenbären nach Delsuc et al. 2012[12]
 Xenarthra 



 Folivora


 Vermilingua 
 Cyclopedidae 

 Cyclopes


 Myrmecophagidae 

 Myrmecophaga 


     

 Tamandua 





     

  Cingulata 




Die Ameisenbären (Vermilingua) bilden eine Unterordnung innerhalb der Überordnung der Nebengelenktiere (Xenarthra). Die Überordnung Nebengelenktiere umfasst zwar insgesamt nur wenige Arten, ist dafür aber sehr vielgestaltig und deren Mitglieder weisen als gemeinsames Merkmal die xenarthrischen Gelenke an der Wirbelsäule auf. Die Xenarthra repräsentieren eine der vier Hauptlinien der Höheren Säugetiere und sind gleichzeitig die Schwestergruppe der drei übrigen, die als Epitheria zusammengefasst werden. Das alleinige natürliche Verbreitungsgebiet der Xenarthra ist der amerikanische Doppelkontinent. Der Ursprung der Nebengelenktiere reicht im Fossilbericht wenigstens bis in das Paläozän vor mehr als 55 Millionen Jahren zurück, nach DNA-Analysen ist er aber möglicherweise noch in der ausgehenden Kreidezeit zu finden.[13] Innerhalb der Nebengelenktiere sind die nächsten Verwandten der Ameisenbären die Faultiere (Folivora), mit denen sie die Ordnung der Zahnarmen (Pilosa) bilden. Beide Gruppen haben sich, nachgewiesen durch molekulargenetische Untersuchungen, vor etwa 58 Millionen Jahren getrennt. Die Zahnarmen bilden das Schwestertaxon zu den Cingulatan, welche die Gürteltiere (Dasypodidae) und deren ausgestorbene Verwandte wie den Glyptodontidae zusammenführen.[14][12]

Innerhalb der Ameisenbären werden heute zwei Familien unterschieden, wobei die Cyclopedidae monophyletisch sind und nur den Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus) einschließen, während die Myrmecophagidae mit Myrmecophaga und Tamandua zwei Gattungen enthalten. Letztere ist zudem die einzige mit zwei rezenten Artvertretern.[15] Die Aufspaltung der beiden Familien erfolgte molekulargenetischen Analysen zufolge bereits im Mittleren Eozän vor rund 40 Millionen Jahren, die Diversifizierung der Myrmecophagidae in die heutigen Linien fand erst wesentlich später, nämlich vor rund 10 bis 13 Millionen Jahren im Oberen Miozän, statt.[16][12]

Überblick über die rezenten und fossilen Gattungen der Ameisenbären[Bearbeiten]

Innere Systematik der Ameisenbären nach McDonald et al. 2008[17]
 Vermilingua 
 Cyclopedidae 

 Palaeomyrmidon


     

 Cyclopes



 Myrmecophagidae 

 Protamandua


     

 Tamandua


     

 Neotamandua


     

 Myrmecophaga 






Neben den drei rezenten Gattungen sind nur einige wenige fossile bekannt.[18] Die Unterordnung der Ameisenbären gliedert sich folgendermaßen:

  • Unterordnung Vermilingua Illiger, 1811

Ameisenbären außerhalb Amerikas?[Bearbeiten]

Eurotamandua, ein Schuppentier?

Ameisenbären sind sowohl rezent als auch fossil nur in Amerika anzutreffen und datieren anhand von Fossilfunden bis in das Untere Miozän vor rund 20 Millionen Jahren zurück. Aus der Grube Messel in Deutschland wurde 1981 ein nahezu vollständiger, insgesamt 86 cm langer Fossilfund beschrieben und der Gattung Eurotamandua zugewiesen, welche wie die gesamte Fundstelle in das Mittlere Eozän vor rund 45 Millionen Jahren zu stellen ist. Die Vergabe des Gattungsnamen Eurotamandua erfolgte aufgrund der Fundlage in Europa und der angenommenen nahen Verwandtschaft mit den heutigen Ameisenbären, worauf unter anderem die zylindrische Schnauze, das zahnlose Maul nebst dem flachen Unterkiefer und einzelne andere Schädelmerkmale, aber auch das vermeintliche Vorhandensein xenarthrischer Gelenke hinwiesen, letztere erwiesen sich allerdings als Ergebnis der Restaurierungsarbeiten am Fossil.[19] Zudem nahm man eine Stellung innerhalb der Familie Myrmecophagidae an.[20] Eine Einwanderung früher Vertreter der Ameisenbären nach Europa wurde daher über Nordamerika oder wahrscheinlicher über Afrika postuliert, welches sich erst in der Oberen Kreide von Südamerika getrennt hatte. Demnach sollte Eurotamandua aus einer frühen Entwicklungslinie der Ameisenbären abstammen, wobei aber entsprechende Fossilfunde weder aus Afrika noch Nordamerika vorliegen.[21]

Die angenommene Wanderung führte in der Folgezeit zu der Etablierung einer taxonomischen Gruppe namens Afredentata mit Eurotamandua als einzigem Mitglied. Untersuchungen zur Phylogenese erbrachten aber bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre einige Zweifel an diesen Verwandtschaftsbeziehungen, vor allem bei einer Einbeziehung der Gruppe der Pholidota, deren einzige heute lebende Vertreter die Schuppentiere sind und aufgrund vergleichbarer Lebensweisen ähnliche morphologische Merkmale haben, ansonsten mit den Ameisenbären aber nicht näher verwandt sind.[22] Neuere Analysen ergaben nun eine eher wahrscheinliche Stellung an der Basis der Entwicklung der Schuppentiere, was vor allem auch unter Berücksichtigung zweier weiterer Messeler Fossilfunde gelang (Eomanis und Euromanis), die bereits vorher als ausgestorbene Vertreter der Schuppentiere erkannt worden waren.[23][24]

Stammesgeschichte[Bearbeiten]

Anhand molekulargenetisch gewonnener Ergebnisse reicht der Ursprung der Ameisenbären bis in das Paläozän vor mehr als 55 Millionen Jahren zurück, als diese sich von den Vorfahren der heutigen Faultiere abtrennten. Fossil treten die Ameisenbären im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Nebengelenktiere eher spät in Erscheinung und stellen ein seltenes Faunenelement ihrer stammesgeschichtlichen Vergangenheit dar. Eine Ausnahme bildet ein umstrittener Mittelhandknochen aus dem frühen Eozän von Patagonien. Die ältesten bekannten Funde eines eindeutigen Ameisenbären stammen ebenfalls aus Patagonien und gehören dem Unteren Miozän vor fast 20 Millionen Jahren an. Es handelt sich um ein Teilskelett eines Tieres von der Größe der Tamanduas, das aber kräftiger gebaut war. Es wurde in der Gaiman-Formation an der atlantischen Küste gefunden, allerdings wurden die Fossilien bisher noch nicht systematisch zugeordnet. Aus der gleichen Region ist aus der Santa-Cruz-Formation aus dem Übergang zum Mittleren Miozän die Gattung Protamadua beschrieben worden, die anhand zweier vollständiger Schädel, einem Teilskelett und einigen Resten des Vorder- und Hinterfußes überliefert ist und möglicherweise einen Vorfahren von Myrmecophaga und Tamandua repräsentiert. Allerdings standen die Vertreter der Gattung in ihrer Größe intermediär zwischen den heutigen Tamanduas und dem Zwergameisenbären. Die erhaltenen Fußreste zeigen zudem eine stärkere Generalisierung ohne Spezialisierung auf eine weder rein baumbewohnende noch stark bodenlebende Fortbewegung an. Eine etwas weiter entwickelte Form stellt Neotamandua dar, die wenigstens vier Arten umfasst. Funde stammen unter anderem sowohl aus dem Mittleren Miozän vor rund 14 Millionen Jahren der La-Venta-Formation in Kolumbien, die Reste eines Skelettes umfassen, als auch aus dem Übergang vom Oberen Miozän zum Pliozän der Araucano-Formation in Argentinien, von wo ein hintere Schädelteil überliefert ist. Dabei war Neotamandua bereits größer als die heutigen Tamanduas, doch fassen einige Forscher ihn teilweise als identisch zu Myrmecophaga auf. Eine dritte Gattung, Palaeomyrmidon, die möglicherweise näher zum Zwergameisenbären steht, ist über einen beinahe vollständigen Schädel ebenfalls aus der Araucana-Formation in Argentinien überliefert und trat somit vor etwa 9 Millionen jahren auf.[18][22][17]

Im Pliozän ist erstmals Myrmecophaga eindeutig nachgewiesen, jedoch liegen meist nur einzelne Knochenreste vor. Aus dem Übergang zum Pleistozän sind einige wenige Fußknochen von El Breal de Orocual im Nordosten Venezuelas bekannt,[25] weitere Funde, so ein teilweise erhaltenes Skelett ist aus Minas Gerais in Brasilien überliefert. Ähnlich wie Tamandua, der erstmals im Pleistozän auftritt, gelangte auch Myrmecophaga im ältesten Abschnitt dieser geologischen Epoche im Zuge des Großen Amerikanischen Faunenaustausches bis weit nach Norden des amerikanischen Doppelkontinentes, wie einige Funde aus Sonora im Nordwesten Mexikos zeigen, wo der Große Ameisenbär heute nicht mehr verbreitet ist.[26] Die Gattung Cyclopes ist dagegen fossil bisher nicht fassbar.[18][22][17]

Bedrohung[Bearbeiten]

Ameisenbären zählen zu den weniger bedrohten Arten, wozu ihr großes Verbreitungsgebiet und ihre relative Anspruchslosigkeit beitragen. Allerdings haben die Rodungen von Wäldern und Überprägungen von Offenlandschaften durch menschliche Tätigkeiten lokal Einfluss auf die Bestände. Auch können Wald- und Buschbrände in einigen Regionen die örtlichen Populationen bedrängen, ebenso werden einzelne Tiere Opfer von Verkehrsunfällen. Die IUCN listet lediglich den Großen Ameisenbären als „gefährdet“ (vulnerable), die anderen Arten gelten als „nicht gefährdet“ (least concern).[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Alfred L. Gardner: Mammals of South America, Volume 1: Marsupials, Xenarthrans, Shrews, and Bats. University of Chicago Press, 2008 (S. 168–177) ISBN 0226282406, 9780226282404
  2. Paul Smith: The Xenarthra famalies Myrmecophagidae and Dasypodidae. Fauna Paraguay Handbook of the Mammals of Paraguay 2012, S. 1–35
  3. U. Zeller, J. R. Wible und M. Eisner: New Ontogenetic Evidence on the Septomaxilla of Tamandua and Choloepus (Mammalia, Xenarthra), with a Reevaluation of the Homology of the Mammalian Septomaxilla. Journal of Mammalian Evolution 1 (1), 1993, S. 31–46
  4. Karen Zich Reiss: Myology of the Feeding Apparatus of Myrmecophagid Anteaters (Xenarthra: Myrmecophagidae). Journal of Mammalian Evolution 4 (2), 1997, S. 87–117
  5. Timothy J. Gaudin: The morphology of the xenarthrous vertebrae (Mammalia: Xenarthra). Fieldiana 1505 (41), 1999, S. 1–38
  6. Hideki Endo, Teruyuki Komiya, Shinichiro Kawada, Akiko Hayashida und Junpei Kimura: Three-Dimensional Reconstruction of the Xenarthrous Process of the Thoracic and Lumber Vertebrae in the Giant Anteater. Mammal Study 34 (1), 2009, S. 1–6
  7. Virginia Hayssen: Tamandua tetradactyla. Mammalian Species 43 (875), 2011, S. 64–74
  8. Virginia Hayssen, Flávia Miranda und Bret Pasch: Cyclopes didactylus (Pilosa: Cyclopedidae). Mammalian Species 44 (1), 2012, S. 51–58
  9. L. F. Rossi, J. P. Luaces, H. J. Aldana Marcos, P. D. Cetica, G. Perez Jimeno und M. S. Merani: Anatomy and Histology of the Male Reproductive Tract and Spermatogenesis Fine Structure in the Lesser Anteater (Tamandua tetradactyla, Myrmecophagidae, Xenarthra): Morphological Evidences of Reproductive Functions . Anatomy Histology Embryology 42, 2013, S. 247–256
  10. Hanspeter W. Steinmetz, Marcus Clauss, Karsten Feige, Tanja Thio, Ewald Isenbügel und Jean-Michel Hatt: Recurrent tongue tip constriction in a captive Giant anteater (Myrmecophaga tridactyla). Journal of Zoo and Wildlife Medicine 38 (1), 2007, S. 146–149
  11. a b Mariella Superina, Flávia Regina Miranda und Agustín Manuel Abba: The 2010 Anteater Red List Assessment. Edentata 11 (2), 2010, S. 96–114
  12. a b c Frédéric Delsuc, Mariella Superina, Marie-Ka Tilak, Emmanuel J. P. Douzery und Alexandre Hassanin: Molecular phylogenetics unveils the ancient evolutionary origins of the enigmatic fairy armadillos. Molecular Phylogenetics and Evolution 62, 2012, 673–680
  13. Frédéric Delsuc, Francois M. Catzeflis, Michael J. Stanhope und Emmanuel J. P. Douzery The evolution of armadillos, anteaters and sloths depicted by nuclrar and mitochondrial phylogenies: Implications for the status of the enigmatic fossil Eurotamandua. Proceedings of the Royal Society of London 268, 2001, S. 1605–1615
  14. Daniela C. Kalthoff: Microstructure of Dental Hard Tissues in Fossil and Recent Xenarthrans (Mammalia: Folivora and Cingulata). Journal of Morphology 272, 2011, S. 641–661
  15. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Vermilingua in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).
  16. Frédéric Delsuc, Sergio F Vizcaíno und Emmanuel JP Douzery: Influence of Tertiary paleoenvironmental changes on the diversification of South American mammals: a relaxed molecular clock study within xenarthrans. BMC Evolutionary Biology 4 (11), 2004, S. 1–13
  17. a b c H. Gregory McDonald, Sergio F. Vizcaíno und M. Susana Bargo: Skeletal anatomy and the fossil history of the Vermilingua. In: Sergio F. Vizcaíno und W. J.Loughry: The Biology oft the Xenarthra. University Press of Florida, 2008, S 64–78
  18. a b c Sue D. Hirschfeld: A new fossil anteater (Edentata, Mammalia) from Colombia, S.A. and evolution of the Vermilingua. Journal of Paleontology 50 (3), 1976, S. 419–432
  19. Gerhard Storch: Fossil Old World „edentastes“ (Mammalia). Senckenbergiana biologica 83 (1), 2003, S. 51–60
  20. Gerhard Storch: Eurotamandua joresi, ein Myrmecophagide aus dem Eozän der "Grube Messel" bei Darmstadt (Mammalia, Xenarthra). Senckenbergiana lethaea 61 (3/6), 1981, S. 247–289
  21. Gerhard Storch: Die alttertiäre Säugetierfauna von Messel – ein paläobiogeographisches Puzzle. Naturwissenschaften 71,1984, S. 227–233
  22. a b c Timothy J. Gaudin und Daniel G. Branham: The Phylogeny of the Myrmecophagidae (Mammalia, Xenarthra, Vermilingua) and the Relationship of Eurotamandua to the Vermilingua. Journal of Mammalian Evolution 5 (3), 1998, S. 237–265
  23. Timothy J. Gaudin, Robert J. Emry und John R. Wible: The Phylogeny of Living and Extinct Pangolins (Mammalia, Pholidota) and Associated Taxa: A Morphology Based Analysis. Journal of Mammal Evolution 16, 2009, S. 235–305
  24. Kenneth D. Rose :The importance of Messel for interpreting Eocene Holarctic mammalian faunas. Palaeobiology Palaeoenvironment 92, 2012, S. 631–647
  25. Ascanio D. Rincón, Gilberto E. Parra, Francisco J. Prevosti, Maria teresa Alberdi und Christopher J. Bell: A preliminary assessment of the Mammalian fauna from the Pliocene-Pleistocene El Breal de Orocual locality, Monagas state, Venezuela. In: L. B. Albright III (Hrsg.): Papers on Geology, Vertebrate Paleontology, and Biostratigraphy in Honor of Michael O. Woodburne. Museum of Northern Arizona Bulletin 65, 2009, S. 593–620
  26. Christopher A. Shaw und H. Gregory McDonald: First Record of Giant Anteater (Xenarthra, Myrmecophagidae) in North America. Science 236, 1987, S. 186–188

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ameisenbären – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien