American Dream

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert das US-amerikanische Lebensgefühl. Zu weiteren Bedeutungen siehe American Dream (Begriffsklärung).
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Der Amerikanische Traum (engl. American Dream) bezeichnet den in der US-amerikanischen Gesellschaft seit Generationen verbreiteten Glauben, dass jeder Mensch, der hart arbeitet und sein Erarbeitetes bzw. Erspartes sinnvoll verwendet, sich "hocharbeiten" kann bzw. ein gutes Leben führen kann. Zu diesem Glauben gehört die Idee, dass man auch ohne Startkapital ("bei Null beginnend") auf diese Weise Wohlstand erlangen kann. Auch der sprichwörtliche Ausdruck „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ steht für diesen Glauben.

Der Grundgedanke des „American Dream“ ist Teil der Unabhängigkeitserklärung der USA. Dort heißt es, dass die Bevölkerung ungerechte Herrscher – gemeint waren unter anderem der englische König – absetzen und sich selbst eine eigene politische Ordnung geben darf. Während absolutistische Machthaber im Europa des 18. Jahrhunderts die Menschen immer noch gewaltsam unterdrückten, sicherte die amerikanische Verfassung den Menschen unveräußerliche Grundrechte, insbesondere das Recht auf Widerstand gegen die Regierung zu. Nur so könne eines der elementarsten Rechte des Menschen gewährleistet werden: das Streben nach Glück (engl. pursuit of happiness). Der Ausdruck „American Dream“ wurde während des wirtschaftlichen Aufschwungs der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt und veranlasste viele Auswanderer, in die Vereinigten Staaten überzusiedeln.

Der „American Dream“ ist ein häufig wiederkehrendes Thema in der modernen angelsächsischen Kunst, beispielsweise in Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald, Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller, The American Dream von Edward Albee, Von Mäusen und Menschen von John Steinbeck oder auch América (Originaltitel: „The Tortilla Curtain“) von T. C. Boyle. Auch Filme wie Pretty Woman oder Das Streben nach Glück basieren auf der Idee des „American Dream“. Regisseure wie Dennis Hopper, David Lynch, Jim Jarmusch oder Ang Lee setzten sich in ihren Filmen kritisch mit dem „American Dream“ auseinander.

Der „Amerikanische Traum“ gründet auf der Vorstellung, die USA seien eine Meritokratie und Leistungsgesellschaft. Aktuelle Studien über soziale Mobilität zeigen hingegen, dass der erreichbare soziale Status eines Menschen in den USA sehr viel mehr von seiner Herkunftsfamilie und deren sozialer Klassenzugehörigkeit abhängt, als dies zum Beispiel in Westeuropa der Fall ist.[1] Chancengleichheit ist nicht gegeben. Als Ursache hierfür wird die stark gestiegene ökonomische Ungleichheit angeführt.[2]

Definition und Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Der „American Dream“ ist nicht exakt definiert. Er basiert auf den Träumen und Wünschen unterschiedlicher Menschen. Diese ähneln sich in Bezug auf bestimmte Elemente; etwa lassen sich die Ziele in individuelle und nationale Werte aufteilen.

Die angestrebten Eigenschaften sollten moralische Integrität, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, harte Arbeit, Ehrgeiz und Ausdauer sein.

Die nationale Ebene sollte sich auf eine Gesellschaftsordnung konzentrieren, die es jedem Bürger ermöglicht, sein volles Potenzial zu realisieren – unabhängig von seinem sozialen, ökonomischen oder ethnischen Hintergrund.

Die grundlegenden amerikanischen Werte individuelle Freiheit, Selbstständigkeit, Wettkampf, Chancengleichheit, harte Arbeit und Erfolg können als Hauptelemente des „American Dream“ bezeichnet werden.

Der Begriff „American Dream“ geht auf den amerikanischen Schriftsteller und Historiker James Truslow Adams zurück. Er benutzte ihn als Erster in seinem Buch The Epic of America im Jahre 1931.[3] "American Dream" wurde sehr rasch zu einer festen Formel, weil die Idee längst verbreitet war; E. Hemingway stellt ihn in Gegensatz zu "American Nightmare" in To Have and Have Not (1937): "... Colt or Smith and Wesson; those well-constructed implements that end insomnia, terminate remorse, cure cancer, avoid bankrupcy and blast an exit from intolerable positions by the pressure of a finger; those admirable American instruments so easily carried, so sure of effect, so well designed to end the American dream when it becomes a nightmare ..."[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Freiheitsstatue symbolisiert für viele den American Dream

Verstärkt nach Gründung der USA am Ende des 18. Jahrhunderts sahen viele Millionen Menschen ihre einzige und beste Chance in der Auswanderung in die USA, etwa, weil sie zuhause ihrer Religion oder politischen Ansichten wegen verfolgt wurden oder Nachteile in Kauf nehmen mussten. Seit dem 19. Jahrhundert schwoll die Auswanderung in die USA in mehreren Wellen gewaltig an (siehe hier). Die Mehrzahl der Neuankömmlinge nahm dieses Wagnis auf sich, um Armut und Perspektivlosigkeit in der Heimat zu entkommen.

Dies im Kontrast zur Lage der Indianer, die auf dem Gebiet der USA lebten und immer weiter zurückgedrängt oder ausgerottet wurden, und von Millionen schwarzafrikanischen Sklaven, die gegen ihren Willen nach Nordamerika geschafft worden waren, und deren Nachkommen. Noch verschlimmert durch den modernen Rassismus, war die Situation dieser Bevölkerungsgruppen zunehmend desolat bzw. hoffnungslos.

Ethnische Herkunft und „Amerikanischer Traum“[Bearbeiten]

Durch Immigration ist Amerika zu einem Land geworden, das zahlreiche verschiedene Ethnien und Völkergruppen beinhaltet. Viele Immigranten kamen mit Hoffnungen nach Amerika, die Teil des Amerikanischen Traums wurden. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ist überschrieben mit dem Streben nach Freiheit und Glück. Dies wurde in den Herkunftsländern der Übersiedler oft abgelehnt. Häufig waren die Träume nicht so leicht erreichbar, wie gedacht.

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es heute eine Vielzahl verschiedener Ethnien, die jeweils eine unterschiedliche Sicht auf den „American Dream“ haben. Die Vision des „American Dream“ unterscheidet sich von Person zu Person, jedoch gibt es einen generellen Konsens, was der „American Dream“ beinhaltet. Die Herkunft einer Person prägt die Sicht auf den „American Dream“ und die Ansicht, wie man ihn verwirklicht.

Nach Josh Sides bestand der „American Dream“ für die Afroamerikaner in erster Linie darin, den Ghettos zu entkommen, in denen sie zu wohnen gezwungen waren. Sie wollten aus diesem Umfeld mit ungezügelt wachsender Kriminalität entkommen und in die sicheren Außenbezirke der Stadt übersiedeln. Dies wollten sie zum Beispiel erreichen, indem ihre Kinder durch Bildung den Kreis der Armut durchbrechen sollten. Jennifer Hochschild (2001) sagt, dass Afroamerikaner auf diese Weise den „American Dream“ verfolgen.

Schwarze Intellektuelle und Militante wiesen im 20. Jahrhundert die Konformität des „melting pot“ (dt. Schmelztiegel) zurück.[5] In der heutigen Zeit findet man viel eher die Konformität der "salad bowl". Es beschreibt das Miteinander verschiedene Ethnien (Hispanics, Afroamerikaner, Amerikaner,...), bei dem aber jede ihre eigenen individuellen Eigenschaften beibehält.

Im frühen und mittleren 20. Jahrhundert wurde der „American Dream“ um den Besitz eines eigenen Heims erweitert, vorangetrieben durch die Nationale Vereinigung der Immobilienhändler.[6]

Bildung und der „American Dream“[Bearbeiten]

Seit der Gründung der USA war Bildung eine Voraussetzung des Erfolgs. Hochschild schreibt, „…der amerikanische Traum verspricht, dass alle, die in den Vereinigten Staaten leben, die Chance haben, Erfolg zu haben durch eigene Anstrengungen und Möglichkeiten." (Hochschild 2001:35) Viele Menschen glauben, dass Bildung eine wichtige Möglichkeit ist, den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Bildung bestimmt zum größten Teil die beruflichen Möglichkeiten einer Person sowie die Höhe ihres Einkommens. Es ist inzwischen verbreitete Meinung, dass es unmöglich ist, ohne Bildung die Ziele des "American Dream" zu erreichen. Bildung ist inzwischen die Grundlage, den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Dazu schreibt Hochschild: "Schulen sind eine geschätzte Möglichkeit, Kinder genug zu unterrichten, damit sie eigene Ziele bestimmen können und gibt ihnen die Möglichkeit, diese zu verwirklichen.“[7] Hierbei muss man bedenken, dass nicht alle öffentlichen Schulen in den USA gleichwertig sind. Dies führt zu ungleichen Chancen und zu einer ungleichen Höhe des Einkommens.

Beispiele hierfür sind Jennifer Hochschilds Artikel Public Schools and the American Dream (2001) und Heather Johnsons Buch The American Dream and the Power of Wealth: Choosing Schools and Inheriting Inequality in the Land of Opportunity (2006). Sowohl Hochschild als auch Johnson schreiben der öffentlichen Bildung die Rolle zu, Unterschiede auszugleichen. Beide Autorinnen behaupten, durch Separation in öffentlichen Schulen bestehe wirtschaftliche Ungleichheit, Rassentrennung und Ungleichheiten von geerbtem Reichtum, was in direktem Gegensatz zur amerikanischen Ideologie der Leistungsgesellschaft steht.[8] Daher, so Hochschild, würden an solchen öffentlichen Schulen häufig die Kinder der Arbeiterklasse und ethnischen Minderheiten das erste Mal auf Hindernisse stoßen, ihre Träume zu verwirklichen. Diese Schulen glichen demnach nicht die Möglichkeiten an, sondern seien der Ort, an dem Amerikaner der betroffenen Klassen ihre ersten Misserfolge erleben.

Hochschild glaubt, dass besondere Bildungsstrategien helfen können, Kinder mit ungleichen Bildungschancen dabei zu unterstützen, ihre Ziele des Amerikanischen Traums zu verwirklichen, insbesondere die Aufhebung der Rassentrennung, die Wahl der Schule, eine Reform der Schulfinanzen sowie anforderungsbasierte Änderungen. Die Vorteile dieser Änderungen seien großartig, die Macht darüber liege jedoch in der Hand der reichen amerikanischen Bevölkerung, die diese Änderungen nicht für nötig erachten.

Soziale Klasse und der „American Dream“[Bearbeiten]

US-Amerikaner sehen ihre Gesellschaft gerne als eine auf Leistung basierende, in der persönliche Anstrengung und Fähigkeiten entscheiden, wie erfolgreich man in seinem Leben ist[9] Damit glauben viele Amerikaner auch, dass das Individuum selbst über sein Schicksal bestimmen kann. Dabei ist der „American Dream“ auf Individualismus fokussiert, etwa um Wohlstand zu erlangen. Belege zeigen, dass harte Arbeit allein weder eine Garantie für Erfolg ist, noch bestimmt sie die Position eines Menschen in der Gesellschaft. Johnson (2006) führt die „Working Poor“ (deutsch: „arbeitende Arme“) als ein Beispiel an: Diese arbeiten ihr Leben lang hart und werden trotzdem niemals Wohlstand und Erfolg erlangen.

Forschungen haben gezeigt, dass die soziale Klasse ein Faktor ist, der großen Einfluss auf den Werdegang einer Person hat:

„Die Schicht kann formen, fesseln, hat Einfluss auf Wissen, Glauben, Eigenschaften, Motivation und Charakter.“

Aries und Seider 2007: 138

In einfachen Worten: Die soziale Klasse platziert die Menschen in verschiedenen Positionen, die sich entweder vor- oder nachteilig in ihrem Streben nach dem „American Dream“ auswirken. Armut verringert Chancen und kann ein großes Hindernis für Erfolg sein. Darum beeinflusst die Klasse in sehr großem Maße den Weg, den Leute wahrnehmen und wie sehr sie den „American Dream“ verwirklichen.

Reichtum und der „American Dream“[Bearbeiten]

Da sich die Vereinigten Staaten selbst stolz als eine Gesellschaft sehen, die „…all ihren Mitgliedern versichert, dass völlig unabhängig von den Umständen ihrer Geburt alle mit harter Arbeit und Zielstrebigkeit dieselben Chancen im Leben haben“ (Johnson 2006:102), versichert dieses leistungsbasierende System allen Menschen, dass sie sich auf einem fairen und gleichen Feld messen, das alles erlaubt, um im Rennen um den „American Dream“ die gleichen Chancen zu haben.

Kein Mensch bzw. keine Gruppe ist über oder unter einem/einer anderen platziert. Jeder hat das Recht auf Gleichberechtigung. Die Taten und das Verhalten einer Person beeinflussen direkt ihre Belohnungen oder Bestrafungen. Aber ist dies wirklich immer der Fall? Gemäß' Johnson (2006) und ihrem Buch Der Amerikanische Traum und die Macht des Geldes (The American Dream and the Power of Wealth), besteht ein direkter Widerspruch zwischen dem Ideal des „American Dream“ und einer leistungsbasierten Gesellschaft. Leistung hat mit Wohlstand, nicht aber mit Einkommen zu tun und der Weg ist anerzogen, bereits verteilt.

Der „American Dream“ für Martin Luther King[Bearbeiten]

Wie oben erwähnt bezieht sich der Begriff des „American Dream“ nicht zwangsläufig auf materielle Werte. Es ist dem weitgehend verbreiteten Individualismus des „American Dream“ zu verdanken, dass es zum einen um ein Lebensgefühl geht, zum anderen um die Verwirklichung von Idealismus, der sich in Ideen wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit widerspiegelt: Werte, die Martin Luther King 1963 als höchstes Gut in seiner Rede „I Have a Dream“ in Washington anmahnte.

Filme[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jason de Parle: Harder for Americans to Rise From Lower Rungs. The New York Times, 4. Januar 2012. / Paul Krugman: America’s Unlevel Field. The New York Times, 8. Januar 2012.
  2. Alan B. Krueger: The Rise and Consequences of Inequality in the United States (PDF; 71 kB).
  3. The American Dream. In: Alexander Emmerich: Geschichte der USA. Stuttgart 2008.
  4. E. Hemingway: To Have and Have Not. Penguin Books, Harmondsworth u.a. 1973, ISBN 0-14-001065-3, S. 187.
  5. Joanna Schneider Zangrando, Robert L. Zangrando: Black Protest: A Rejection of the American Dream. In: Journal of Black Studies. 1(2) (Dec., 1970), S. 141-159.
  6. Jeffrey M. Hornstein: A Nation Of Realtors: A Cultural History Of The Twentieth-century American Middle Class. Duke University Press, Durham, NC 2005.
  7. Jennifer Hochschild: Public Schools and The American Dream. 2001, S. 36
  8. Heather Beth Johnson: The American Dream and the Power of Wealth: Choosing Schools and Inheriting Inequality in the Land of Opportunity. Routledge, New York 2006, S. 46.
  9. Johnson 2006, S. 150; Domhoff 2006, S. 200; Hochschild 1997, S. 18.

Siehe auch[Bearbeiten]