Amerikanische Geparden

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Amerikanische Geparden
Miracinonyx trumani

Miracinonyx trumani

Zeitliches Auftreten
spätes Pliozän bis spätes Pleistozän
1,8 Mio. Jahre bis 11.000 Jahre
Fundorte
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Gattung: Amerikanische Geparden
Wissenschaftlicher Name
Miracinonyx
Adams, 1979

Die Amerikanischen Geparden (Miracinonyx) sind eine ausgestorbene Gattung aus der Familie der Katzen (Felidae), die vom späten Pliozän bis zum späten Pleistozän (Jungpleistozän) 1.800.000 bis 11.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung endemisch in Nordamerika lebte.[1] Es gab mindestens zwei Arten dieser Gattung, die von der Morphologie her dem heutigen Gepard ähnlich waren. Sie sind nur durch Skelett-Bruchstücke bekannt.

Taxonomie und Evolution[Bearbeiten]

Die Amerikanischen Geparde wurden zu Beginn als frühe Vertreter der Pumas angesehen, in den 1970er Jahren aber als nahe Verwandte des Gepards neu klassifiziert.[2] Diese Theorie geht davon aus, dass sich die Vorfahren des Gepards aus der Linie der Pumas auf dem amerikanischen Kontinent (die Neue Welt) entwickelten und über die Beringbrücke wieder in die Alte Welt (vor allem Asien und Afrika) wanderten.[3]

Andere Forschungen, wie etwa die von Ross Barnett, welche die Untersuchung der mitochondrialen DNA der Knochenfunde sowie eine neue Analyse der Morphologie mit einschloss, sehen die Amerikanischen Geparde als nahe Verwandte des Pumas, die Gepard-ähnliche Merkmale aufgrund von konvergenter Evolution entwickelten.[4] Ein weiterer naher Verwandter ist dabei der Jaguarundi, der jedoch eher kleinkatzenähnlich ist.

Der vermutete amerikanische Ursprung der Geparde ist daher als äquivokal anzusehen, denn es wird angenommen, dass sie sich sowohl in der Alten Welt als auch in der Neuen Welt (Amerika) aus Puma-ähnlichen Vorfahren entwickelt haben. Dabei sollen sich Puma und Miracinonyx trumani vor etwa 3 Millionen Jahren von einer gleichen Vorfahrenlinie evolutionär abgespalten haben,[4] die genaue Einordnung der zweiten Art Miracinonyx inexpectatus ist indes nicht endgültig geklärt, obwohl es sich wahrscheinlich um eine primitivere Art als Miracinonyx trumani handelt.[5]

Vom Amerikanischen Gepard wurden bislang zwei Arten beschrieben: Miracinonyx trumani und Miracynonix inexpectatus. Teilweise wird auch eine dritte Art Miracinonyx studeri angeführt, diese gilt jedoch als jüngeres Synonym für Miracynonix trumani. Beide Arten waren dem heutigen Gepard sehr ähnlich, mit verkürzten runden Schädeln und vergrößerten Nasengängen für einen größeren Atemdurchsatz sowie speziell für schnelles Rennen proportionierte extrem lange Gliedmaßen und einem langen Schwanz. Ebenso soll das Gebiss gegenüber anderen Katzen stark verkleinert und relativ schwach gewesen sein. Dennoch wurden die Ähnlichkeiten nicht durch einen direkten gemeinsamen Vorfahren vererbt, sondern waren das Ergebnis von entweder paralleler oder konvergenter Evolution.

Durch genetische und immunologische Untersuchungen konnte ermittelt werden, dass die heutigen Geparde wahrscheinlich alle von einer sehr kleinen Stammgruppe abstammen (→ genetischer Flaschenhals), die vor etwa 10.000 Jahren gelebt hat.[6][7] Damals starb der Amerikanische Gepard aus, und der gewöhnliche Gepard in Afrika und Asien entging diesem Schicksal offenbar nur knapp. Er breitete sich jedoch in den Savannen Afrikas und Asiens wieder aus und konnte daher bis in unsere Zeit überleben. Diese Untersuchung genießt in Fachkreisen hohes Ansehen und wird mittlerweile als klassisches Beispiel in der Populationsgenetik benutzt.

Die genauen Gründe, die zum Aussterben der Amerikanischen Geparde geführt haben oder geführt haben könnten, sind trotz aller Forschung dazu bislang nicht abschließend aufgeklärt. Einige Experten vermuten zusätzlich zum genannten genetischen Flaschenhals durchaus auch weitere Einflüsse wie einsetzende Klimaveränderungen und eine verstärkte Nahrungskonkurrenz. Dafür spricht etwa der Umstand, dass etwa 10.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung etliche andere Großtierarten Amerikas ausgestorben sind, wie etwa der Amerikanische Löwe.

Miracinonyx trumani[Bearbeiten]

Miracinonyx trumani war den echten Geparden morphologisch am ähnlichsten. Er lebte in der Prärie sowie den weiten Ebenen des westlichen Nordamerikas und jagte sehr wahrscheinlich Huftiere der Great Plains, wie den heute noch lebenden Gabelbock. Es besteht Grund zur Annahme, dass seine maximal erreichbare Geschwindigkeit jener der heutigen Geparden nur wenig nachstand und mindestens um die 100 km/h gelegen haben dürfte.

Die Nachstellung durch den Miracinonyx trumani könnte der Grund gewesen sein, weshalb die Gabelböcke die Fähigkeit entwickelten derart schnell zu laufen. Ihre maximale Höchstgeschwindigkeit von 97 km/h ist weit höher als nötig, um den noch heute lebenden amerikanischen Raubtieren wie dem Puma und dem Wolf zu entkommen.[8]

Die Ähnlichkeit zwischen Miracinonyx trumani und dem Gepard ist ein Beispiel für parallele Evolution. Als weite Graslandschaften sowohl in Nordamerika als auch in Afrika während des Pleistozäns häufiger wurden, entwickelten sich Puma-ähnliche Katzenarten auf beiden Kontinenten zu schnellen Läufern, um die neu aufkommenden schnellen Pflanzenfresser jagen zu können. Die Krallen von Miracinonyx trumani entwickelten sich dabei derart, dass sie – wie auch beim Gepard – nur noch teilweise einziehbar waren, um die Bodengriffigkeit beim schnellen Rennen zu erhöhen.

Miracinonyx inexpectatus[Bearbeiten]

Miracynonix inexpectatus war dem Puma ähnlicher als dem Gepard. Er hatte vollständig einziehbare Krallen und konnte aufgrund seines schlanken Körperbaus wahrscheinlich schneller laufen als der Puma. Eventuell konnte er noch klettern und hatte seinen Lebensraum weniger in der Prärie als in stärker bewaldeten Regionen. Aufgrund des etwas kühleren Lebensraumes könnte er ein längeres Fell gehabt haben.

Referenzen[Bearbeiten]

  1. PaleoBiology Database: Miracinonyx, basic info
  2. Daniel B. Adams: The Cheetah: Native American. (abstract) In: Science. 205, Nr. 4411, 14. September 1979, S. 1155–1158. doi:10.1126/science.205.4411.1155. PMID 17735054. Abgerufen am 4. Juni 2007.
  3. Johnson, W.E., Eizirik, E., Pecon-Slattery, J., Murphy, W.J., Antunes, A., Teeling, E. & O'Brien, S.J.: The Late Miocene radiation of modern Felidae: A genetic assessment. (abstract) In: Science. 311, Nr. 5757, 6. Januar 2006, S. 73–77. doi:10.1126/science.1122277. PMID 16400146. Abgerufen am 4. Juni 2007.
  4. a b Ross Barnett, Ian Barnes, Matthew J. Phillips1, Larry D. Martin, C. Richard Harington, Jennifer A. Leonard, and Alan Cooper: Evolution of the extinct Sabretooths and the American cheetah-like cat. In: Current Biology. 15, Nr. 15, 9. August 2005, S. R589–R590. doi:10.1016/j.cub.2005.07.052. Abgerufen am 4. Juni 2007.
  5. Haaramo, Mikko: Mikko's Phylogeny Archive - Felidae: Felinae – small cats. 15. November 2005. Abgerufen am 20. Februar 2007.
  6. M. Menotti-Raymond, S. J. O'Brien: Dating the genetic bottleneck of the African cheetah. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 1993; 90(8): 3172-3176
  7. Modellberechnung der genetischen Drift
  8. John Byers: American Pronghorn: Social Adaptations and the Ghosts of Predators Past. Chicago University Press, 1998, ISBN 978-0226086996, S. 318.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amerikanischer Gepard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien