Amiens
| Amiens | ||
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| Region | Picardie (Präfektur) | |
| Département | Somme | |
| Arrondissement | Amiens | |
| Kanton | Chef-lieu von 8 Kantonen | |
| Gemeindeverband | Communauté d’agglomération Amiens Métropole | |
| Koordinaten | 49° 54′ N, 2° 18′ O49.8919444444442.297777777777835Koordinaten: 49° 54′ N, 2° 18′ O | |
| Höhe | 14–106 m | |
| Fläche | 49,46 km² | |
| Einwohner | 133.448 (1. Jan. 2010) | |
| Bevölkerungsdichte | 2.698 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 80000 | |
| INSEE-Code | 80021 | |
| Website | http://www.amiens.fr | |
Kathedrale von Amiens |
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Amiens [aˈmjɛ̃] (< lat. [ad] Ambiānōs = bei den Ambianern) ist die Hauptstadt des französischen Départements Somme und der Region Picardie und hat 133.448 Einwohner (Stand 1. Januar 2010). Diese werden Amiénois genannt.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie[Bearbeiten]
Die Stadt liegt etwa 140 Kilometer nördlich von Paris, an der kanalisierten Somme, sowie an der Einmündung ihrer linken Nebenflüsse Selle und Avre.
Geschichte[Bearbeiten]
Antike und Mittelalter[Bearbeiten]
Menschliche Zeugnisse gehen bis in die Zeit der Altsteinzeit vor 700.000 Jahren zurück. Im Jahr 1872 entdeckte Gabriel de Mortillet im Amienser Vorort Saint-Acheul eine Stätte von Faustkeilen. Deswegen trägt heute eine Kulturstufe des Paläolithikums die Bezeichnung Acheuléen.
Bevor die Römer die Gegend an der Somme besetzten, siedelten dort die keltischen Ambiani. Aus deren Stammesnamen leitete sich später die Bezeichnung Amiens ab. Zur Zeit der Römerherrschaft trug die Siedlung den Namen Samarobriva (lat.: Brücke über die Somme). Die Römer bauten den strategisch wichtigen Somme-Übergang zu einem der wichtigsten Orte ihrer Provinz Gallia Belgica aus.
Julius Caesar hielt sich laut seinem eigenen Bericht (De Bello Gallico) vom September 54 v. Chr. bis zum Frühling 53 v. Chr. dort auf, um zweimal das gallische Konzil einzuberufen. Die Stadt erhielt ein großes Forum (320 x 125 m), Thermen (an der heutigen Rue Beauvais) sowie ein Amphitheater für 15.000 Zuschauer (an der Stelle des heutigen Rathauses). Im Jahr 287 wurde der Heilige Firmin als Bischof erwähnt; er erlitt 303 den Märtyrertod. Die Diözese wurde später dem Erzbistum Reims unterstellt.
Der Heilige Martin soll in Amiens im Winter 338/339 seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben.
Mit dem Zunehmen der Barbareneinbrüche (durch Alanen, Vandalen und Burgunden) wurde Amiens in eine Festung umgewandelt: Die Stadtmauer umfasste 20 Hektar, womit Amiens die flächengrößte Festung nördlich der Alpen war. Dennoch konnte nicht verhindert werden, dass die Stadt im 5. Jahrhundert in die Hände der Franken fiel. Mit der Picardie gelangte Amiens Anfang des 15. Jahrhunderts an Burgund und gehörte zu dem Teil des burgundischen Erbes, das nach 1493 bei Frankreich verblieb.
Neuzeit und Gegenwart[Bearbeiten]
Amiens entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort, vornehmlich der Textilindustrie, wobei besonders die Familie Cosserat zu Bedeutung gelangte.
1802 schlossen Großbritannien und das napoleonische Frankreich hier den Frieden von Amiens, der nur 13 Monate hielt.
1848 erhielt Amiens einen Eisenbahnanschluss. 1906 hielt hier die französische Gewerkschaft CGT einen historischen Kongress ab, auf dem sie die Charta von Amiens verabschiedete.
Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) war die Stadt für kurze Zeit deutsch besetzt; vom 1. Juli bis zum 18. November 1916 fand wenig östlich von Amiens die Schlacht an der Somme statt (sie wurde abgebrochen, ohne eine militärische Entscheidung herbeigeführt zu haben; mit über eine Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten war es die verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkriegs). Amiens war dabei Etappenstadt und die barocke Figur des Weinenden Engels in der Kathedrale von Amiens wurde bei Soldaten und auf deren Postkarten zu einem Symbol dieser erschreckenden Abnutzungsschlacht.
Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde die Stadt schwer zerstört. Im April 1944 gab es Luftangriffe vor allem auf Eisenbahnknotenpunkte – darunter auf Amiens – zur Vorbereitung der Invasion in der Normandie (Siehe auch: Luftkrieg während der Operation Overlord).
Das Stadtbild ist vom Wiederaufbau der 1950er Jahre geprägt.
In Amiens ist eine der landesweit 15 Sicherheitszonen (in einem Problemviertel), für das der 2012 neu in Amt gekommene Innenminister Manuel Valls (PS) verstärkte Polizeipräsenz angekündigt hat.[1]
Wappen[Bearbeiten]
Das Wappen entstammt einem Schöffensiegel, das Philipp-August 1185 der Stadt verlieh. Es kamen die französischen Königslilien ins Wappen. Die Freiflächen wurden von Wappenmalern mit Arabesken, ornamentalem Blattwerk, Weidenruten und Efeuranken ausgefüllt. Die Ranken des Efeubaumes sollten die Bindung und Verbundenheit der Stadt an die Krone zeigen. Im großen Wappen halten zwei Einhorne den Schild und demonstrieren Reinheit und Aufrichtigkeit.
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Alte historische Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
- Die Stadt ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Der Bau der Kathedrale von Amiens in der damals reichen Handelsstadt Amiens wurde um 1218 begonnen, sie ist das größte Sakralgebäude Frankreichs.
- Der Belfried von Amiens, im 15. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert umgstaltet, gehört seit 2005 zum UNESCO-Welterbe Belfriede in Nordfrankreich und Wallonien und ist außerdem seit 1926 ein Monument historique[2].
- Im Archäologischen Garten von Saint-Acheul sind Fundstücke der vor mehr als 450.000 Jahren lebenden Menschen an der Somme zu sehen.
- Les Hortillonages ist ein von Kanälen durchzogenes, jahrhundertealtes Obst- und Gemüseanbaugebiet.
Bauten des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]
- Bibliothèque Louis Aragon, im neoklassizistischen Stil 1823 von François-Auguste Cheussey erbaut
- Palais de Justice, zwei Gebäude von 1834 und 1846
- Place Saint-Denis (heute Place René Goblet) 1839
- Pfarrkirche Saint-Firmin-le-Martyr 1842–1843 François-Auguste Cheussey
- Auf dem Cimetière de la Madeleine das Grab von Jules Verne
Bauten des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]
- Der 1952 fertiggestellte, von dem Architekten Auguste Perret entworfene Tour Perret überragt mit 104 Metern Höhe die Kathedrale und ist prägendes Element der Stadtsilhouette
Wirtschaft[Bearbeiten]
Amiens ist ein wichtiger Standort für Zulieferer der Automobilindustrie (Valeo, Goodyear, Dunlop). Seit den 1990er Jahren siedeln sich auch vermehrt Internetunternehmen und Callcenter in der Stadt an.
Verkehr[Bearbeiten]
Amiens ist bedeutender Verkehrsknoten im Norden Frankreichs: Die Autoroute A16 verbindet Amiens mit Paris und Abbeville, und die Autoroute A29 verbindet Amiens mit Saint-Quentin und Le Havre. Bahnverbindungen bestehen nach Boulogne, Lille, Reims, Paris und Rouen. Im Osten der Stadt, bei Longueau, existiert ein kleiner Flugplatz.
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]
- Firmin der Ältere von Amiens (272–303), Bischof und Märtyrer, Schutzpatron der Stadt
- Magnentius (303–353), römischer Kaiser
- Peter der Einsiedler (1050–1115), Prediger zur Zeit des Ersten Kreuzzugs
- Petrus de Cruce, Komponist und Musiktheoretiker, lebte um die Mitte des 13. Jahrhunderts
- Jean Bauhin (1511–1582), Leibarzt von Johanna von Albret, der Königin von Navarra
- Vincent Voiture (1598–1648), Dichter und Schriftsteller
- Jean Baptiste Louis de Gresset (1709–1777), Dichter
- Jean-Baptiste Joseph Delambre (1749–1822), Astronom
- Édouard Lucas (1842–1891), Mathematiker
- Édouard Branly (1844–1940), Physiker und Pionier der Funktechnik
- Paul Bourget (1852–1935), Schriftsteller
- Paul de Wailly (1854–1933), Komponist
- Charles Faroux (1872–1957), Motorsportfunktionär und Rennleiter
- Clovis Trouille (1889–1975), Maler
- Alfred Letourneur (1907–1975), Radrennfahrer
- Jacques Kardinal Martin (1908–1992), Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche
- Robert Marchand (* 1911), Radsportler
- Pál Benkö (* 1928), ungarisch-US-amerikanischer Schach-Großmeister und Studienkomponist
- Véronique Silver (1931–2010), Theater- und Filmschauspielerin
- Jean-Claude Naude (1933–2008), Jazz- und Unterhaltungsmusiker
- Olivier Blanchard (* 1948), Professor für Wirtschaftswissenschaften am MIT
- Yann M’Vila (* 1990), französischer Fußball-Nationalspieler
Partnerschaft[Bearbeiten]
Amiens ist Partnerstadt von Dortmund und Görlitz in Deutschland sowie von Darlington in Großbritannien und Tulsa in den Vereinigten Staaten von Amerika. Weitere Beziehungen mit dem Ziel einer sozialen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit bestehen zu Brighton und Hove in Großbritannien, Lemberg in der Ukraine und Santa Catarina auf der Insel Santiago von Kap Verde. Auch zur Stadt Nador in Marokko gibt es Kontakte.[3]
Weblinks[Bearbeiten]
- Das Haus von Jules Verne in Amiens (französisch)
- Webseite der Stadt Amiens (französisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ NZZ.ch 14. August 2012: Schwere Jugendkrawalle in nordfranzösischer Stadt Amiens
- ↑ Base Mérimée
- ↑ Website von Amiens