Amiens

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Amiens
Wappen von Amiens
Amiens (Frankreich)
Amiens
Region Picardie (Präfektur)
Département Somme
Arrondissement Amiens
Kanton Chef-lieu von 8 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d’agglomération Amiens Métropole.
Koordinaten 49° 54′ N, 2° 18′ O49.8919444444442.297777777777835Koordinaten: 49° 54′ N, 2° 18′ O
Höhe 14–106 m
Fläche 49,46 km²
Einwohner 133.327 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 2.696 Einw./km²
Postleitzahl 80000
INSEE-Code
Website http://www.amiens.fr

Kathedrale von Amiens

Amiens [aˈmjɛ̃] (lat. [ad] Ambiānōs = bei den Ambianern) ist die Hauptstadt des französischen Départements Somme und der Region Picardie und hat 133.327 Einwohner (Stand 1. Januar 2011). Diese werden Amiénois genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 140 Kilometer nördlich von Paris an der kanalisierten Somme und an der Einmündung ihrer linken Nebenflüsse Selle und Avre.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Menschliche Zeugnisse gehen bis in die Zeit der Altsteinzeit vor 700.000 Jahren zurück. Im Jahr 1872 entdeckte Gabriel de Mortillet im Amienser Vorort Saint-Acheul eine Stätte von Faustkeilen. Deswegen trägt heute eine Kulturstufe des Paläolithikums die Bezeichnung Acheuléen.

Bevor die Römer die Gegend an der Somme besetzten, hatten dort die keltischen Ambiani gelebt. Aus deren Stammesnamen leitete sich später die Bezeichnung Amiens ab. Zur Zeit der Römerherrschaft trug die Siedlung den Namen Samarobriva (Keltisch: Brücke über die Somme). Die Römer bauten den strategisch wichtigen Somme-Übergang zu einem der wichtigsten Orte ihrer Provinz Gallia Belgica aus.

Julius Caesar hielt sich laut seinem eigenen Bericht (De Bello Gallico) vom September 54 v. Chr. bis zum Frühling 53 v. Chr. dort auf, um zweimal das gallische Konzil einzuberufen. Die Stadt erhielt ein großes Forum (320 x 125 m), Thermen (an der heutigen Rue Beauvais) und ein Amphitheater für 15.000 Zuschauer (an der Stelle des heutigen Rathauses). Im Jahr 287 wurde der Heilige Firmin als Bischof erwähnt; er erlitt 303 den Märtyrertod. Die Diözese wurde später dem Erzbistum Reims unterstellt.

Der Heilige Martin soll in Amiens im Winter 338/339 seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben.

Mit zunehmenden Barbareneinbrüchen durch Alanen, Vandalen und Burgunden wurde Amiens in eine Festung umgewandelt: Die Stadtmauer umfasste 20 Hektar, womit Amiens die flächengrößte Festung nördlich der Alpen war. Dennoch fiel die Stadt im 5. Jahrhundert in die Hände der Franken. Mit der Picardie gelangte Amiens Anfang des 15. Jahrhunderts an Burgund und gehörte zu dem Teil des burgundischen Erbes, das nach 1493 bei Frankreich verblieb.

Neuzeit und Gegenwart[Bearbeiten]

Amiens entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort, vornehmlich der Textilindustrie, wobei besonders die Familie Cosserat zu Bedeutung gelangte.

1802 schlossen Großbritannien und das napoleonische Frankreich hier den Frieden von Amiens, der nur 13 Monate hielt. 1848 erhielt Amiens einen Eisenbahnanschluss. 1906 hielt hier die französische Gewerkschaft CGT einen historischen Kongress ab, auf dem sie die Charta von Amiens verabschiedete.

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) war die Stadt für kurze Zeit deutsch besetzt; vom 1. Juli bis zum 18. November 1916 fand wenig östlich von Amiens die Schlacht an der Somme statt. Sie wurde abgebrochen, ohne eine militärische Entscheidung herbeigeführt zu haben; mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten war es die verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkriegs. Amiens war dabei Etappenstadt und die barocke Figur des Weinenden Engels in der Kathedrale von Amiens wurde bei Soldaten und auf deren Postkarten zu einem Symbol dieser Abnutzungsschlacht.

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde Amiens am Mittag des 20. Mai 1940 im Rahmen des Westfeldzuges von der vorrückenden 1. Panzer-Division erobert.[1] Im April 1944 flogen die Westalliierten Luftangriffe vor allem auf Eisenbahnknotenpunkte – darunter auf Amiens – zur Vorbereitung der Invasion in der Normandie. Dabei wurde Amiens stark beschädigt.

Das Stadtbild ist vom Wiederaufbau der 1950er Jahre geprägt.

In Amiens besteht eine der landesweit 15 Sicherheitszonen (in einem Problemviertel), für das der 2012 neu in Amt gekommene Innenminister Manuel Valls (PS) verstärkte Polizeipräsenz angekündigt hat.[2]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen entstammt einem Schöffensiegel, das Philipp-August 1185 der Stadt verlieh. Es kamen die französischen Königslilien ins Wappen. Die Freiflächen wurden von Wappenmalern mit Arabesken, ornamentalem Blattwerk, Weidenruten und Efeuranken ausgefüllt. Die Ranken des Efeubaumes sollten die Bindung und Verbundenheit der Stadt an die Krone zeigen. Im großen Wappen halten zwei Einhorne den Schild und demonstrieren Reinheit und Aufrichtigkeit.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Quartier Saint Leu

Alte historische Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauten des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

  • Bibliothèque Louis Aragon, im neoklassizistischen Stil 1823 von François-Auguste Cheussey erbaut
  • Palais de Justice, zwei Gebäude von 1834 und 1846
  • Place Saint-Denis (heute Place René Goblet) 1839
  • Pfarrkirche Saint-Firmin-le-Martyr 1842–1843 François-Auguste Cheussey
  • Auf dem Cimetière de la Madeleine das Grab von Jules Verne

Bauten des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Tour Perret
  • Der 1952 fertiggestellte, von dem Architekten Auguste Perret entworfene Tour Perret überragt mit 104 Metern Höhe die Kathedrale und ist prägendes Element der Stadtsilhouette

Wirtschaft[Bearbeiten]

Amiens ist ein wichtiger Standort für Zulieferer der Automobilindustrie (Valeo, Goodyear, Dunlop). Seit den 1990er Jahren siedeln sich auch vermehrt Internetunternehmen und Callcenter in der Stadt an.

Verkehr[Bearbeiten]

Amiens ist bedeutender Verkehrsknoten im Norden Frankreichs: Die Autoroute A16 verbindet Amiens mit Paris und Abbeville, und die Autoroute A29 verbindet Amiens mit Saint-Quentin und Le Havre. Bahnverbindungen bestehen nach Boulogne, Lille, Reims, Paris und Rouen. Im Osten der Stadt, in Glisy, existiert ein kleiner Flugplatz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Amiens ist Partnerstadt von Dortmund und Görlitz in Deutschland sowie von Darlington in Großbritannien und Tulsa in den Vereinigten Staaten von Amerika. Weitere Beziehungen mit dem Ziel einer sozialen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit bestehen zu Brighton und Hove in Großbritannien, Lemberg in der Ukraine und Santa Catarina auf der Insel Santiago von Kap Verde. Auch zur Stadt Nador in Marokko gibt es Kontakte.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amiens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegstagebuch
  2. NZZ.ch 14. August 2012: Schwere Jugendkrawalle in nordfranzösischer Stadt Amiens
  3. Base Mérimée
  4. Website von Amiens