Ammoniumhydrogencarbonat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Ammoniumion Hydrogencarbonation
Allgemeines
Name Ammoniumhydrogencarbonat
Andere Namen
  • Ammoniumbicarbonat
  • Hirschhornsalz
  • E503ii
Summenformel NH4HCO3
CAS-Nummer 1066-33-7
PubChem 14013
Kurzbeschreibung

weißes, kristallines Pulver mit ammoniakartigem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 79,06 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,59 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

106 °C[1]

Siedepunkt

Zersetzung ab 60 °C[1]

Dampfdruck

67 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit
  • gut in Wasser (220 g·l−1 bei 20 °C)[1]
  • unlöslich in Ethanol[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][1]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 22
S: keine S-Sätze
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−849 kJ·mol−1[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Ammoniumhydrogencarbonat, (auch Ammoniumbicarbonat, ABC-Trieb), ist ein Ammoniumsalz der Kohlensäure. Es ist Hauptbestandteil des Hirschhornsalzes.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Die Herstellung erfolgt durch Einleiten von Kohlenstoffdioxid in konzentrierte Ammoniaklösung bei 35 bis 40 °C. Das ausgefallene kristalline Ammoniumhydrogencarbonat wird abzentrifugiert und bei einer Temperatur von 40 °C getrocknet.

In der Natur kommt Ammoniumhydrogencarbonat nur sehr selten als Mineral Teschemacherit vor.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Ammoniumhydrogencarbonat, NH4HCO3 ist ein farbloses Kristallpulver mit einer Dichte von 2,40 g/cm³, das schwach nach Ammoniak riecht, sich sehr gut in Wasser löst und nach Salmiak schmeckt. Der pH-Wert einer wässrigen Lösung (50 g/l bei 20 °C) beträgt ca. 8.[1] Das Pulver neigt zum Verklumpen. Beim Erhitzen zerfällt es in Ammoniak, Kohlenstoffdioxid und Wasser.

\mathrm{NH_4HCO_3 \ \xrightarrow {\Delta T} \ NH_3 + \ H_2O + \ CO_2}

Es ist als gesundheitsschädlich eingestuft.

Verwendung[Bearbeiten]

Da es eine definierte Zusammensetzung hat, ist es als Backtriebmittel („ABC-Trieb“)(Backpulver) zur Herstellung von Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius in großtechnischen automatisierten Backanlagen besser geeignet als Hirschhornsalz. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 503ii zugelassen und kommt mit dem Zusatz reinst in den Handel.

Diesem Backtriebmittel verdanken angeblich die ufo-förmigen Kuchenstücke „Amerikaner“ ihren Namen. Ursprünglich nannte man diese Kuchenstücke laut dieser umstrittenen Theorie „Ammoniakaner“. Dieses Wortungetüm soll ein Bäcker dann gegen „Amerikaner“ ausgetauscht haben. (andere Theorien dazu unter Amerikaner (Gebäck))

In China wird Ammoniumhydrogencarbonat in großen Mengen als Stickstoffdünger eingesetzt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Eintrag zu CAS-Nr. 1066-33-7 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 29. Dezember 2012 (JavaScript erforderlich).
  2.  Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online – Version 3.5. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2009.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. PAETEC Formelsammlung Ausgabe 2003, S. 116.
  5. Yara Fertilizer Industry Handbook 2008, Seite 16.