Amoklauf an der Polytechnischen Hochschule Montréal 1989
Der Amoklauf an der Polytechnischen Hochschule Montréal 1989, auch bekannt als Montreal-Massaker, geschah am 6. Dezember 1989 an der École polytechnique de Montréal in Québec, Kanada. Der 25-jährige Marc Lépine tötete 14 Frauen und verwundete 14 weitere Personen, darunter vier Männer, bevor er sich selbst das Leben nahm. Der Amoklauf begann in einem Seminarraum, wo Lépine zunächst die männlichen von den weiblichen Studenten trennte. Mit der Begründung, er würde den „Feminismus bekämpfen“, schoss er auf die neun Frauen im Raum und tötete sechs von ihnen. Er setzte den Angriff in den Fluren, der Cafeteria und einem anderen Seminarraum fort, wobei er gezielt auf Frauen schoss. Der Amoklauf dauerte knapp 20 Minuten.[1][2] Lépine hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er behauptete, Feministinnen hätten sein Leben ruiniert und das Massaker habe politische Motive. Der Brief enthielt zudem eine Liste mit den Namen von 19 Frauen aus Québec, die Lépine für Feministinnen hielt und deshalb umbringen wollte.[3][4][5]
Zum Tatmotiv gibt es mehrere Theorien. Der Amoklauf wurde aufgrund von Lépines Äußerungen und dem Geschlecht der Opfer als antifeministische Attacke aufgefasst. Feministinnen und Politiker sahen darin einen Audruck des größeren gesellschaftlichen Problems von Gewalt gegen Frauen.[6][7][8] Einer anderen Theorie zufolge handelte es sich bei dem Massaker um die isolierten Handlungen eines Geisteskranken.[9] Zudem wurden Gewalt in den Medien sowie der Einfluss sozialer Faktoren wie Armut als Erklärungsansätze herangezogen.[10][11] Lépines Kindheit und vor allem die physische Gewalt, die er erfuhr, wurden ebenfalls für den Amoklauf verantwortlich gemacht.[12]
Als direkte Konsequenz des Massakers wurden schärfere Schusswaffengesetze verabschiedet.[13] Die kanadische Polizei änderte ihre taktische Vorgehensweise bei Amokläufen an Schulen, was half, die Zahl der Todesopfer bei späteren Amokläufen in Kanada zu reduzieren.[14] Eine weitere Folge des Montreal-Massakers war die Einrichtung des Kanadischen Ausschusses für Gewalt gegen Frauen.[15]
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[Bearbeiten] Tatverlauf
Am 6. Dezember 1989, kurz nach 16 Uhr, betrat Lépine die École polytechnique de Montréal, eine Fachschule für Maschinenbau, die der Université de Montréal angegliedert ist.[1] Er war mit einem Jagdmesser und einem Jagdgewehr Ruger Mini-14, welches er am 21. November 1989 beim lokalen Sportwaffenhändler gekauft hatte,[16] bewaffnet.[1] Lépine kannte sich in dem Gebäude aus, weil er in Vorbereitung auf das Massaker die École polytechnique mindestens sieben Mal aufsuchte.[1]
Nachdem er eine Zeit lang im Studentensekretariat gesessen hatte, begab er sich in das Obergeschoss des Gebäudes und betrat gegen 17.10 Uhr einen Raum, in dem ein Maschinenbau-Seminar mit etwa 60 Studenten stattfand.[1] Er forderte die anwesenden Frauen und Männer auf, sich in verschiedenen Ecken des Raums zu gruppieren. Die Studenten hielten die Aufforderung zunächst für einen Witz und bewegten sich nicht vom Platz bis Lépine in die Decke schoss.[17] Lépine trennte dann die neun Frauen von den etwa 50 Männern und beorderte die Männer, den Raum zu verlassen.[10] Er fragte die Frauen, ob sie wüssten, weshalb sie dort seien und als eine Studentin mit „Nein“ antwortete, sagte er: „Ich kämpfe gegen den Feminismus“.[1] Die Studentin, die zuvor gesprochen hatte, versicherte, sie seien keine Feministinnen, woraufhin Lépine schrie: „Ihr seid alle ein Haufen von Feministinnen. Ich hasse Feministinnen.“ Er schoss dann auf die neun Frauen von links nach rechts, tötete sechs und verletzte drei.[1][18]
Lépine setzte die Schießerei im Gang des Obergeschosses fort und verletzte drei Studenten. Während er im Gang herumwanderte, schrie er: „Ich will Frauen“.[17] Er betrat dann einem Raum, in welchem er zwei Mal versuchte, auf eine Studentin zu schießen, musste den Angriff aber unterbrechen und den Raum verlassen, um seine Waffe auf einer Nottreppe nachzuladen. Er kehrte zurück, aber die Studenten hatten die Tür verriegelt. Lépine schoss drei Mal in die Tür, aber es gelang ihm nicht, sie zu öffnen. Im Gang schoss er dann auf weitere Personen und verletzte eine, bevor er eine Frau im Finanzbüro tötete.[1]
Im Anschluss begab er sich ins Erdgeschoss in die Cafeteria, wo sich etwa 100 Menschen versammelt hatten. Die Menschenmenge löste sich auf, nachdem er eine Frau, die in der Nähe der Küche stand, tötete und eine Studentin verwundete. Er betrat einen unverschlossenen Lagerbereich, wo er zwei weitere Frauen umbrachte, die sich dort versteckt hielten.[1]
Lépine nahm den Aufzug ins zweite Obergeschoss des Gebäudes, wo er im Flur eine weibliche und zwei männliche Studenten verletzte. Dann betrat er einen Seminarraum und sagte den drei Studenten, die dort eine Präsentation hielten, sie sollen den Raum verlassen. Er verletzte Maryse Leclair, die vorne im Raum stand, schoss dann auf die Studenten in den ersten Reihen, und tötete zwei Frauen, die versuchten, den Raum zu verlassen. Lépine bewegte sich dann auf einige der Studentinnen zu, verletzte drei und tötete eine von ihnen. Er wechselte das Magazin und schoss dann in alle Richtungen. Die verletzte Leclair bat um Hilfe, woraufhin Lépine drei Mal mit seinem Jadgmesser auf sie einstach und sie tötete. Er nahm seine Mütze ab, wickelte sein Gewehr in seinen Mantel und nahm sich mit einem Kopfschuss das Leben. Der Amoklauf dauerte etwa 20 Minuten. Keiner der rund 2.500 im Gebäude anwesenden Studenten und Universitätsangestellten hatte versucht, den Amokläufer aufzuhalten.[19] Lépine tötete 14 Frauen, davon 12 Ingenieursstudentinnen, eine Medizinstudentin und eine Universitätsmitarbeiterin. 14 andere Personen – davon vier Männer – verletzte er mit Schüssen.[1][20]
Nachdem er Reporter eingewiesen hatte, betrat Pierre Leclair, der Pressesprecher der Polizei Montreal, das Gebäude und fand die Leiche seiner Tochter Maryse.[21][22]
[Bearbeiten] Abschiedsbrief
Lépine hinterließ einen dreiseitigen Abschiedsbrief, der mit dem Datum des Amoklaufs versehen war.[1] Einige Details aus dem Abschiedsbrief wurden zwei Tage nach dem Amoklauf von der Polizei veröffentlicht,[23][24] aber der ganze Brief wurde nicht offengelegt. Ein Jahr nach dem Massaker wurde Lépines Brief den Medien zugespielt. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, er sei vollkommen rational, sein Amoklauf habe politische Motive und Feministinnen hätten sein Leben ruiniert.[3][4] Er beschrieb seine Gründe für den Amoklauf, darunter auch seinen Hass auf Feministinnen dafür, dass sie einen sozialen Wandel anstrebten und die Privilegien von Männern an sich reißen wollten, so Lépine.[4] Der Brief enthielt darüber hinaus eine Liste mit den Namen von 19 Frauen aus Québec, die Lépine für Feministinnen hielt und deshalb umbringen wollte,[4][5] darunter eine Gewerkschaftsführerin, eine Politikerin, eine Prominente, sechs Polizeibeamtinnen und die Journalistin Francine Pelletier.[5] Der Brief (ohne die Liste von Frauen) wurde schließlich in der kanadischen Zeitung La Presse veröffentlicht, wo Pelletier als Kolumnistin tätig war.[3] Darüber hinaus verlieh Lépine in dem Brief seiner Bewunderung für den Amokläufer Denis Lortie Ausdruck, der 1984 drei Staatsbeamte umgebracht und 13 weitere verletzt hatte.[25]
[Bearbeiten] Hintergründe
[Bearbeiten] Täter
Marc Lépine wurde als Sohn eines algerischen Vaters und einer kanadischen Mutter in Montreal geboren. Sein Vater verachtete Frauen und war seiner Ehefrau und seinem Sohn gegenüber häufig gewalttätig.[26][27][28][29][21] Seine Eltern ließen sich 1976 scheiden und sein Vater brach kurze Zeit nach der Scheidung den Kontakt zu seinen Kindern ab.[30] Im Alter von 17 Jahren bewarb sich Lépine 1981 bei den Kanadischen Streitkräften, wurde laut seines Abschiedbriefs aber für „antisozial“ befunden.[31] Er sprach häufig über seine Abneigung gegen Feministinnen, Karrierefrauen und Frauen in traditionell männlichen Berufen.[31][32][33] 1982 begann er eine vor-universitäre Ausbildung an einem Collège d’enseignement général et professionnel, brach diese aber in seinem letzten Semester ohne Angabe von Gründen ab.[26][28] 1986 bewarb er sich für einen Studienplatz am Polytechnikum und wurde angenommen unter der Bedingung, dass er zuvor zwei Kurse absolviert.[1] 1989 schloss er einen der erforderlichen Kurse ab[1] und bewarb sich erneut am Polytechnikum, wurde aber abgelehnt, da ihm immer noch ein Kurs fehlte.[34]
[Bearbeiten] Motiv
Lépines Abschiedsbrief und seine Äußerungen während des Amoklaufs sowie das Geschlecht der Opfer führten dazu, dass das Massaker als ein antifeministischer Angriff angesehen wurde.[6][35] Feministen und Politiker wie Premierminister Stephen Harper erachten das Massaker als Ausdruck gesellschaftlich verbreiteter Misogynie und Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen.[7][8][36] Der Amoklauf wurde als eine Art von erweitertem Suizid beschrieben, bei dem der Täter eine bestimmte Gruppe von Menschen – oftmals in einem öffentlichen Raum – angreift, mit dem primären Ziel, in Glanz und Glorie zu sterben.[37] Kriminologen sehen das Massaker als Hate crime gegen Frauen, da die Opfer nur wegen ihrer Zugehörigkeit zu der Gruppe Frauen ausgewählt wurden und mit anderen Mitgliedern dieser Gruppe austauschbar waren.[38][39][40] Lépines Mutter war später der Ansicht, der Angriff sei gegen sie gerichtet, da sie eine alleinerziehende, berufstätige Mutter war und deshalb von einigen für eine Feministin gehalten wurde.[27]
Andere sahen den Amoklauf als die isolierten Handlungen eines Geisteskranken,[41][9] eine Interpretation der Ereignisse, die Lépine in seinem Abschiedsbrief vorhergesagt und abgelehnt hatte.[4] Ein Psychiater befragte Lépines Familie und Freunde und beschäftigte sich mit seinen Notizen als Teil einer Polizeiuntersuchung. Dass Lépine den mehrfachen erweiterten Suizid als Suizidmethode gewählt hatte, sei typisch für Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung.[1] Anderen Psychiatern zufolge hatte Lépine aufgrund der Schläge seines Vaters Hirnschädigungen erlitten und war psychotisch.[12] Laut einer anderen Theorie identifizierte er sich mit einer gewalttätigen, frauenfeindlichen Form von Männlichkeit und konnte Erfahrungen wie Ablehnung und Verlust schlecht verarbeiten.[42][43] Lépines Mutter mutmaßte, dass Marc möglicherweise unter einer Bindungsstörung litt, weil sein Vater ihn als Kind nicht beachtet und später ganz den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte.[44]
Ausgehend von Lépines Interesse an gewaltsamen Actionfilmen waren einige Kommentatoren der Ansicht, dass Gewalt in den Medien zu seinen Handlungen beigetragen hat.[10] Darüber hinaus wurden soziale Faktoren wie steigende Armut sowie Isolation des Individuums innerhalb der Gesellschaft für den Amoklauf verantwortlich gemacht.[11] Kolumnistin Jan Wong schrieb 2006 in einem sehr umstrittenen Artikel in The Globe and Mail, dass die drei Amokäufe in Québec – 1989 an der École polytechnique, 1992 an der Concordia University und 2006 am Dawson College – von den Söhnen von Immigranten verübt wurden. Schuld daran sei die Entfremdung von Eiwanderer-Kindern durch die Québec-Gesellschaft.[45]
[Bearbeiten] Opfer
- Geneviève Bergeron (* 1968), sie hatte ein Stipendium für Bauwesen und war eine talentierte Musikerin.
- Hélène Colgan (* 1966), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr
- Nathalie Croteau (* 1966), Studentin für Maschinenbau
- Barbara Daigneault (* 1967), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr. Ihr Vater war ein Professor für Maschinenbau an einer anderen Schule Montreals, sie half ihm als unterrichtende Assistentin.
- Anne-Marie Edward (* 1968), Studentin für chemische Verfahrenstechnik und Mitglied des Uni-Skiteams, auf Wunsch ihrer Familie wurde sie in ihrem Teamanzug begraben.
- Maud Haviernick (* 1960), sie hatte einen Abschluss in Umwelttechnik und war in ihrem zweiten Studienjahr.
- Barbara Klucznik-Widajewicz (* 1958), Studentin der Pflegewissenschaft, sie und ihr Ehemann wollten in der Cafeteria essen, weil sie dort die niedrigsten Preise am Campus hatten.
- Maryse Laganière (* 1964), sie arbeitete in der Finanzabteilung der Hochschule und war frisch verheiratet.
- Maryse Leclair (* 1966), Studentin für Werkstofftechnik
- Anne-Marie Lemay (* 1967), Studentin für Maschinenbau
- Sonia Pelletier (* 1961), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr
- Michèle Richard (* 1968), Studentin für Werkstofftechnik
- Annie St-Arneault (* 1966), Studentin für Maschinenbau
- Annie Turcotte (* 1969), Studentin für Werkstofftechnik
Die Provinz- und Montreals Stadtregierung erklärten drei Tage Staatstrauer.[21] Eine gemeinsame Bestattung von neun der 14 getöteten Frauen fand am 11. Dezember 1989 in Notre-Dame de Montréal statt. Zu den Anwesenden gehörten Generalgouverneurin Jeanne Sauvé, der kanadische Premierminister Brian Mulroney, der Premierminister von Québec Robert Bourassa, der Bürgermeister von Montreal Jean Doré sowie Tausende anderer Trauergäste.[22]
[Bearbeiten] Folgen
Das Massaker schockierte Québec und Kanada. Vertreter der Regierung und Strafjustiz befürchteten, dass öffentliche Diskussion über das Massaker zu antifeministischer Gewalt führen würde[41] und eine öffentliche Untersuchung wurde aus diesem Grund abgelehnt.[23] Lépines Abschiedsbrief sowie der Polizeibericht wurden nicht offiziell veröffentlicht,[46] obwohl eine Kopie des Berichts der Untersuchungsrichterin zur Verfügung stand.[1][47] Medien, Wissenschaftler, Frauenorganisationen sowie die Familien der Opfer kritisierten das Informationsdefizit und das Fehlen einer öffentlichen Untersuchung.[41][10][48] Auch die Reaktion der Polizei auf den Amoklauf wurde heftig kritisiert. In der Zeit, in der die ersten Polizeibeamten das Gebiet weiträumig abgesperrt hatten und auf die Ankunft taktischer Einheiten warteten, wurden mehrere Frauen getötet.[1][49] Infolge des Amoklaufs wurden neue Notfalleinsatzpläne eingeführt, die 2006 beim Amoklauf am Dawson College in Montreal zum Einsatz kamen und ein schnelleres Eingreifen der Polizei ermöglichten.[14]
Die Folgen für die Verletzten und Zeugen sind Jahre nach dem Massaker noch spürbar; viele leiden noch heute an posttraumatischen Störungen. Mehrere Studenten begingen Suizid,[50] davon hinterließen zwei Personen Abschiedsbriefe, in denen sie den Amoklauf als Grund dafür angaben.[50] Hierzu gehörte der Student Sarto Blais, der sich acht Monate nach dem Massaker erhängte. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, dass er es nicht ertragen konnte, als Mann nichts unternommen zu haben. Seine Eltern nahmen sich elf Monate später ebenfalls das Leben.[51]
Politische Folge des Amoklaufs war eine strengere Waffenkontrolle. Eine der Überlebenden des Massakers gründete gemeinsam mit den Eltern eines Opfers das „Coalition for Gun Control“ (dt. Aktionsbündnis für Waffenkontrolle).[13][52] Die Anstrengungen dieser Organisation und anderer Aktivisten führten dazu, dass 1995 ein verschärftes Schusswaffengesetz verabschiedet wurde.[13] Gegner des neuen Waffengesetzes kritisierten die liberale Regierung von Jean Chrétien und monierten vor allem die Anforderung, dass alle Schusswaffen registriert werden müssen.[53] 2009 und 2010 sprachen sich die Überlebenden des Massakers und die Familien der Opfer gegen ein von der konservativen Regierung von Stephen Harper vorgeschlagenes Gesetz aus, das das kanadische Waffenregister abschaffen sollte.[54][55][56] Eine Überlebende beschrieb den Gesetzesvorschlag der Konservativen Partei als „Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Familien“.[57] Im September 2010 wurde der Gesetzesantrag mit knapper Mehrheit abgelehnt.[58]
Als Lépines Motive klar wurden, erhob sich eine Welle der Unterstützung für die Feministen und gegen Gewalt gegen Frauen. Als Reaktion auf den Amoklauf führte ein Unterausschuss des kanadischen Unterhauses Anhörungen zum Thema Gewalt gegen Frauen durch.[59] Die Empfehlungen des Unterausschusses führten 1991 zur Einrichtung des „Canadian Panel on Violence against Women“ (dt. Kanadischer Ausschuss für Gewalt gegen Frauen).[60][15]
[Bearbeiten] Gedenken
Der 6. Dezember wurde 1991 zum Nationalen Gedenktag gegen Gewalt gegen Frauen erklärt.[7] An diesem Tag werden die Flaggen am Peace Tower des Parliament Hill sowie allen anderen Regierungsgebäuden Kanadas auf Halbmast gesetzt. Darüber hinaus finden häufig Mahnwachen in Gedenken an die Opfer und Diskussion zum Thema Gewalt gegen Frauen statt.[61] Infolge des Massakers rief 1991 eine Gruppe von Männern aus London (Ontario) die White Ribbon Kampagne ins Leben, um die Gesellschaft für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren. Symbol wurde das der roten Schleife nachempfundene weiße Band.[62][63]
In Côte-des-Neiges–Notre-Dame-de-Grâce in wenigen Metern Entfernung von der École polytechnique wurde der „Place du 6 Décembre 1989“ als Mahnmal für die Opfer des Massakers erstellt. Es trägt den Namen „Nef pour les quatorze reines“ (dt. „Schiff für 14 Königinnen“) und wurde von der Künstlerin Rose-Marie Goulet entworfen.[64] Das 1997 in Vancouver errichtete Denkmal „Marker of Change“ sorgte wegen der Aufschrift „women who have been murdered by men“ (dt. „Frauen, die von Männern ermordet wurden“) für Kontroversen,[18][65] im Laufe welcher die an dem Projekt beteiligten Frauen Morddrohungen erhielten.[18][66] Daraufhin untersagte Vancouvers Amt für Parks und Erholung Denkmäler, die bestimmte Gruppen verärgern könnten.[18]
2009 kam der auf den Ereignissen basierende Film Polytechnique von Denis Villeneuve in die kanadischen Kinos.[67] Der Film, der zuvor zweimalig durch die staatliche Filmförderungsagentur Telefilm Canada abgelehnt wurde,[68] hatte bereits während der Dreharbeiten Kontroversen ausgelöst, darunter Beschwerden von Mitarbeitern der École polytechnique de Montréal.[69] Der Amoklauf wurde in dem Theaterstück The Anorak aufgegriffen.[70] Musikalisch setzte sich die Death-Metal-Band Macabre in dem Song Montreal Massacre mit den Ereignissen auseinander.
2008 veröffentlichte Marc Lépines Mutter Monique „Aftermath“, ein Bericht über ihre Erinnerungen und ihren Umgang mit dem Leid. Sie hatte bis 2006 keinen Kommentar zu dem Massaker abgegeben und beschloss erst nach dem Amoklauf am Dawson College, sich zu den Ereignissen von 1989 und 2006 zu äußern.[71]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
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- ↑ Anmerkung: Einige Quellen berichten, dass 13 Personen verletzt wurden. Laut des Berichts der Untersuchungsrichterin sowie Aussagen des für die Untersuchung zuständigen Polizeibeamten wurden 14 Personen verletzt.
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[Bearbeiten] Literatur
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- Report of Coroner's Investigation – Untersuchungsbericht des Massakers von Montreal (englisch, PDF, 142 KiB)