Ampelmännchen

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Dieser Artikel beschreibt das Fußgängersignal; zum Hörspiel siehe Die Ampelmännchen.
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Verschiedene Ampelmännchen

Der Begriff Ampelmännchen (auch Ampelmann) ist die allgemeinsprachliche Bezeichnung für das Fußgängersignal einer Ampel. Es zeigt in der Rotphase das Sinnbild eines stehenden und in der Grünphase das Sinnbild eines schreitenden Fußgängers.

Geschichte[Bearbeiten]

Fußgängerampel in den 1950er Jahren

Mit dem Beginn der Motorisierung nahm die Zahl an Fahrzeugen besonders in den Städten stark zu. Aufgrund fehlender Verkehrsregelung passierten daraufhin häufig Unfälle zwischen Fahrzeugen und Fußgängern, die die Straße überqueren wollten. Um diese Situation zu verbessern, wurde 1933 die erste Fußgängerampel in Kopenhagen (1937 in Berlin) in Betrieb genommen. Es handelte sich dabei um verkleinerte Fahrzeuglampen, die mit einem grünen und einem roten Leuchtfeld ausgestattet waren. In New York installierte man 1952 Fußgängerampeln mit den Wörtern „Walk“ und „Don't Walk“, in Deutschland wurden diesem System folgend später Leuchtfelder mit den Wörtern „Warten“ und „Gehen“ angebracht. Während des Betriebs zeigte sich, dass diese Ampeln von den Fußgängern schlecht angenommen wurden.[1]

Der Verkehrspsychologe Karl Peglau schlug 1961 dem Verkehrsministeriums der DDR vor, dass jede Verkehrsteilnehmergruppe eine eigene Ampel bekommen sollte. Er entwickelte eine Fußgängerampel, die das Sinnbild eines stehenden oder schreitenden Fußgängers zeigt. Besonders Kinder und ältere Menschen ließen sich von den anschaulichen Sinnbildern in ihrem Verhalten beeinflussen.[2]

Nach seiner Gestaltung durch Karl Peglau im Jahr 1961 mussten die Ampelmännchen noch jahrelang verschiedene fachliche, wissenschaftliche und staatliche Prüfungen bestehen, bevor sie 1969 in Ost-Berlin an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße ihren offiziellen Dienst antraten. Im Jahr 1970 wurden sie als offizielle Fußgängersignale in den Lichtsignalstandard der DDR aufgenommen. Zur besseren Akzeptanz bei Kindern wurde im Fernsehen die Reihe Verkehrskompaß ausgestrahlt. Nach und nach kamen sie flächendeckend in der gesamten DDR zum Einsatz. Gefertigt wurden die Ampeln anfangs in Berlin vom VEB Leuchtenbau, danach von einer Dresdner PGH und der Firma Bergner & Weiser in Pößneck. Im Jahr 1974 bekam die Firma Schmidt KG im sächsischen Wildenfels (der spätere VEB Signaltechnik) den Auftrag zur Produktion und rüstete bis zur Wende die Fußgängerampeln mit den Ampelmännchen aus.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Ost-Ampelmännchen im Osten zunächst nach und nach gegen das westdeutsche Ampelmännchen ausgetauscht. Innerhalb der Bevölkerung kam es daraufhin zu Protesten und das Ost-Ampelmännchen wurde etwas später in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen als zulässiges Sinnbild aufgenommen. In Berlin wird seit Januar 2005 auch in den Westbezirken das Ost-Ampelmännchen an Lichtzeichenanlagen eingesetzt. Diesem Beispiel folgen verschiedene andere westdeutsche Städte, während im Osten Deutschlands das ostdeutsche Ampelmännchen wieder zu seinem Recht kam.

Forscher ermittelten, dass das Ost-Ampelmänchen besser korrekt erkannt wird als das West-Ampelmännchen[3].

Darstellungsformen[Bearbeiten]

Sinnbild Euromännchen

Mit der weltweiten Anwendung des Ampelmännchens als Fußgängersignal hat sich ein breites Spektrum an unterschiedlichen Darstellungsformen entwickelt. In einigen Ländern, wie beispielsweise Frankreich oder Korea, besitzen die Sinnbilder ein sehr nüchternes Aussehen und stellen den Fußgänger sehr vereinfacht dar. Andernorts, wie etwa in Österreich oder Belgien, erhielten die Fußgänger menschlichere Formen und werden mit Kleidung dargestellt. Kanada und die Vereinigten Staaten verzichten auf die Darstellung eines stehenden Männchens und zeigen stattdessen eine Handfläche. In manchen Ländern, wie etwa Spanien oder der Türkei, wird das Ampelmännchen im Laufschritt dargestellt, das gegen Ende der Grünphase beschleunigt.

In Europa ist man bestrebt, die Sinnbilder der einzelnen Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen. Zu diesem Zweck wurde das Euromännchen entwickelt, das in neuen Ampelanlagen europaweit eingebaut wird. In Deutschland sind neben dem Euromännchen das alte westdeutsche Ampelmännchen und der Ost-Ampelmann verbreitet. Das Wiener Ampelmännchen leuchtet in weiß und ist von einem roten bzw. grünen Leuchtfeld umgeben, in der Schweiz findet sich überwiegend das Euromännchen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

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Besondere Ampelmännchen
Ampelmännchen in Fredericia (l.) und Ampelfrauen in Dresden (r.)

Das Aussehen der Sinnbilder ist in jedem Land in entsprechenden Vorschriften genormt, von dene vielerorts trotzdem abgewichen wird. Beispielsweise wurden an einigen wenigen Ampeln in Deutschland heimlich die Sinnbilder verändert, so dass Ampelmännchen mit Regenschirm oder Rucksack entstanden. In der dänischen Stadt Fredericia werden an verschiedenen Ampeln Soldaten als Ampelmännchen verwendet, um an die Schlacht von Fredericia im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1849 zu erinnern.[4]

Ersetzte Ampel in Prag

Im Jahr 2007 ersetzte im tschechischen Prag die von Roman Týc gegründete Künstlergruppe Ztohoven über Nacht die Standard-Ampelmännchen einiger Fußgängerampeln durch urinierende, trinkende und sonstige menschliche Regungen zeigende Variationen des Männchens.[5][6]

In Erfurt kamen städtische Angestellte bei der Wartung und Reparatur von Ampeln bereits in den 1980er Jahren auf die Idee, das einheitliche Aussehen einzelner grüner Ampelmännchen abzuwandeln, so dass bis heute 14 der insgesamt 1400 Erfurter Fußgängerampeln ein abgewandeltes grünes Ampelmännchen zeigen. (Wandersmann mit Rucksack und Wanderstock, Ampelmännchen mit Regenschirm, Ampelmännchen als Schulanfänger mit Zuckertüte u.s.w.) Diese überstanden sowohl die Einführung des bundesdeutschen Ampelmännchens nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten als auch die Bestrebungen, ein EU-weit einheitliches Ampelmännchen zu etablieren.[7]

Aus der Form des Ost-Ampelmännchens wurde 2004 das Sinnbild einer Ampelfrau (auch Ampelweibchen) erstellt und in Zwickau und Dresden versuchsweise in Betrieb genommen. Die Figuren-Leuchtfläche erhielt dazu Zöpfe und einen Rock. Vorteil dieses Sinnbildes ist die vergrößerte Leuchtfläche und damit eine bessere Auffälligkeit der Signalfarbe. Im Jahr 2010 erschienen die ersten Ampelfrauen in Bremen.[8]

Ost-Ampelmännchen[Bearbeiten]

Ost-Ampelmännchen
Ampelmännchen als Marke:
Geschäft in den Hackeschen Höfen

Dem Ostampelmännchen kommt eine besondere Stellung zu, da es sich nach der Deutschen Wiedervereinigung zum Symbol der Ostalgie entwickelt hat.

Der Berliner Industriedesigner Markus Heckhausen vermarktet mit der Firma Ampelmann GmbH seit 1996 diverse Produkte rund um das Ampelmännchen und hält nunmehr alle Klassen der Vermarktung.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Markus Heckhausen: Das Buch vom Ampelmännchen. Eulenspiegel-Verlag, 1997, ISBN 3-359-00910-X.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Xiaoluren, animierte Ampeldarstellung in Taiwan

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ampelmännchen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurze Geschichte der Verkehrs- und Fußgängerampel
  2. Geschichte des Ampelmännchens
  3. Martin Vieweg: Sieg für das Ossi-Ampelmännchen, in wissenschaft.de vom 21. Juni 2013, Abgerufen am 22. Juni 2013.
    Als Quelle dient: Claudia Peschke, Bettina Olk, Claus C. Hilgetag: Should I Stay or Should I Go – Cognitive Conflict in Multi-Attribute Signals Probed with East and West German ‘Ampelmännchen’ Traffic Signs in PLOS ONE, Abgerufen: 22. Juni 2013
  4. Blog Zest for Life: „You know you are in Fredericia …“
  5. Sabotage in Prag – Ampelmann mit Pulle. auf: sueddeutsche.de, 11. April 2007
  6. Hans-Jörg Schmidt: Urinierende Ampelmännchen – Künstler verurteilt. auf: Welt Online. 6. Dezember 2011
  7. Erfurt ist Keimzelle des extravaganten Ampelmännchens, - Thüringer Allgemeine - 13. Oktober 2011
  8. Erste Ampelfrauen: Vier erste Lichtzeichen wurden weiblich. auf: radiobremen.de, 19. Juli 2010; abgerufen am 26. Dezember 2010
  9. Interview mit Markus Heckhausen über die Ampelmann GmbH – Die Entwicklung vom Verkehrszeichen zum Markenartikel