Amr Hamzawy

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Amr Hamzawy (2011)

Amr Hamzawy (arabisch ‏عمرو حمزاوى‎, Aussprache ägyptisch-arabisch: ˈʕɑmɾ ħæmˈzæːwi; * 1967[1][2]) ist ein ägyptischer Politikwissenschaftler,[3][4] Menschenrechtsaktivist, Publizist[5] und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Hamzawy erhielt seinen Bachelorgrad von der Universität Kairo in Ägypten. Danach erhielt er seinen Mastergrad in Entwicklungsstudien von der Universität Amsterdam und einen weiteren vom Institute of Social Studies in Den Haag. Während seines Studiums war er Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung. Von 1998 bis 2003 lehrte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Im Jahr 2000 wurde er zum Gutachter für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bestellt. Er wurde 2002 durch die FU Berlin promoviert.

Von 2003 bis 2004 lehrte er als Dozent für Politikwissenschaften an der Universität Kairo. Zwischen 2003 und 2005 nahm er an mehreren Veranstaltungen des Bergedorfer Gesprächskreises für Internationale Politik der Körber-Stiftung teil. Von Januar 2005 bis Februar 2011 war er Forschungsdirektor beim Carnegie Middle East Cente in Beirut und Senior Associate beim Demokratie- und Rechtsstaatlichkeits-Programm des Carnegie Endowment for International Peace. Daneben hat er eine zweimal im Monat erscheinende Kolumne in der arabischsprachigen Zeitung al-Hayat. Nach einem kritischen Artikel über die Verfassungsänderung durch die Regierung von Hosni Mubarak im Jahr 2006 warfen ihm staatsnahe Medien vor, ein Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten und den ägyptischen Muslimbrüdern vorbereiten zu wollen. Ein früherer Vertrauter des inzwischen gestürzten Präsidenten Mubarak behauptete, dass Hamzawy ein ehemaliges Mitglied der Nationaldemokratische Partei sei, das er nur aus Ärger über enttäuschte Aufstiegschancen verlassen habe. Hamzawy sagt dagegen, dass er 2003 nur an wenigen Treffen des außenpolitischen Ausschusses der Partei teilgenommen habe, aber schnell das Interesse verloren habe.[6]

Während der Revolution in Ägypten 2011 war Hamzawy Mitglied im selbsternannten „Rat der Weisen“,[5][7] der eingesetzt wurde, um den Protestlern und der Regierung Verhandlungen und mögliche Lösungen anzubieten. Er ist zudem seit April 2011 ein Mitglied des Nationalen Rates für Menschenrechte.[8] Nach der Einsetzung von Ahmed Schafiq als Ministerpräsident wurde Amr Hamzawy die Position des Jugendministers angeboten. Hamzawy lehnte den Posten allerdings ab.[9] Er wurde seitdem in das Projekt der Bildung einer liberalen Partei in Ägypten einbezogen - der Ägyptischen Sozialdemokratischen Partei. Allerdings verließ er die Partei und wurde zum Vorsitzenden der Partei Freiheitliches Ägypten (Teil des Bündnisses Die Revolution geht weiter), dessen Gründungsmitglied Amr Hamzawy ist. 2012 wurde er als Abgeordneter des Kairoer Stadtteils Heliopolis ins Parlament gewählt. Hamzawy verurteilte den Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli 2013. Er fühlte sich anschließend Diffamierungen ausgesetzt, die ihm vorwarfen, den entmachteten Muslimbrüdern nahezustehen.[10][11]

Hamzawy war mit einer Deutschen verheiratet, mit der er zwei Kinder hat und von der er geschieden ist. Am 15. Februar 2012 heiratete er die ägyptische Schauspielerin Basma Hassan.[12]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Monographien
  • Zum Spannungsverhältnis von Kontinuität und Wandel im zeitgenössischen arabischen Denken. Intellektuelle Debatten der 90er Jahre. Dissertation, FU Berlin 2002
  • Zeitgenössisches politisches Denken in der arabischen Welt. Kontinuität und Wandel. Deutsches Orient-Institut, Hamburg 2005, ISBN 3-89173-089-6
  • mit Nathan J. Brown: Between Religion and Politics. Carnegie Endowment for International Peace, Washington DC 2010, ISBN 978-0-87003-256-1
Herausgeberschaften
  • Civil Society in the Middle East. Verlag Hans Schiler, Berlin 2003, ISBN 3-89930-027-0
  • mit Friedemann Büttner, Ferhad Ibrahim: Religion, Staat und Politik im Vorderen Orient. Festschrift für Friedemann Büttner. Lit Verlag, Münster 2003, ISBN 3-82586-870-2
  • European integration. Lessons Learned. Center for European Studies, Universität Kairo, 2006.
  • mit Anthony Chase: Human Rights in the Arab World. Independent Voices. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2008. ISBN 978-0-8122-2032-2
  • mit Marina Ottaway: Getting to Pluralism. Political Actors in the Arab World. Carnegie Endowment for International Peace, Washington DC 2009. ISBN 978-0-87003-245-5
Aufsätze und Essays

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Amr Hamzawy, Biographie bei der Körber-Stiftung.
  2. Autorenangabe zu Powells Saat keimt. Zeit, 08/2003.
  3. Titel Thesen Temperamente, Sendung vom 21. Februar 2011, Das Erste.
  4. "Die Bürger sind wieder im politischen Spiel." Amr Hamzawy im Gespräch mit Silvia Engels, Deutschlandfunk, 8. Februar 2011.
  5. a b Martin Gehlen: Wohin mit Mubarak? In: Zeit Online, 6. Februar 2011.
  6. Amr Hamzawy. In: Egyptian Elections Watch, Ahram Online und Jadaliyya, 19. November 2011.
  7. "Ein großer Sieg für die Ägypter." Amr Hamzawy im Gespräch mit Silvia Engels, Deutschlandfunk, 13. April 2011.
  8. لجنة الحكماء: أبو المجد مقررا عاما وعمرو حمزاوي متحدثا رسميا
  9. Amr Hamzawy refuses the position of Minister of Youth - Al Wafd
  10. Hamzawy: Current regime is trying to silence pro-democracy voices. AhramOnline, 5. August 2013.
  11. "Auf uns Demokraten findet eine Treibjagd statt" Zeit Online, 9. August 2013.
  12. Ekram Ibrahim: Love smiles on Egyptian parliamentarian. Ahram Online. 16. Februar 2012. Abgerufen am 17. Februar 2012.