Amrullah Saleh

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Amrullah Saleh bei einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin (2011)

Amrullah Saleh (* 1971) ist ein afghanischer Politiker, ehemaliger Chef des afghanischen Geheimdienstes NDS (2004-2010) und demokratischer Aktivist im Widerstand gegen die Taliban.

Biographie[Bearbeiten]

Im Alter von 24 Jahren wurde er im Jahr 1997 zum Kontaktmann der Vereinten Front für internationale Hilfsorganisationen und ausländische Geheimdienste. Die Vereinte Front kämpfte von 1995 bis 2001 unter der Führung von Ahmad Shah Massoud gegen die afghanischen Taliban und die Terrororganisation Al-Qaida. Nach dem Fall des Talibanregimes wurde Amrullah Saleh im Jahr 2004 zum Direktor des afghanischen Geheimdienstes National Directorate of Security ernannt.[1] Im Juni 2010 trat er von diesem Posten auf Grund politischer Differenzen mit dem Präsidenten Hamid Karzai zurück.

Ende 2010 gründete Saleh eine politische Bewegung, das „National Movement“ auch „Afghanistan Green Trend“, gegen die „Talibanisierung“ und für die Demokratisierung Afghanistans. Unter anderem stehen der Paschtune Hanif Atmar (ehemaliger Innenminister),[2] Abdullah Abdullah (Karzais stärkster Gegenkandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2009), Ustad Atta Mohammad Noor (Gouverneur von Balkh) und Ahmad Zia Massoud Amrullah Saleh politisch nahe. Im Mai 2011 demonstrierten mehr als 10.000 seiner Anhänger in der Hauptstadt Kabul gegen die Gewalt der Taliban in Afghanistan.[3] Die Taliban waren nach Angaben der Vereinten Nationen für 76 % der zivilen Todesopfer in Afghanistan im Jahr 2009, 75 % im Jahr 2010 und 80 % im Jahr 2011 verantwortlich.[4][5][6][7]

Amrullah Saleh prangert seit Jahren die Unterstützung Pakistans für die Taliban an und bezeichnete Pakistan als „feindlich gesinntes Land“.[1] Das größte Problem sei, dass Pakistan den Anführern der Taliban einen „sicheren Zufluchtsort“ biete.[8] Saleh erklärte auch, der afghanische Geheimdienst habe 2007 Informationen gehabt, dass Osama bin Laden sich in der pakistanischen Stadt Mansehra versteckt hatte.[8] Die Stadt liegt nur 20 Kilometer von Abbottabad entfernt, wo der Terror-Führer schließlich im Mai 2011 in der Operation Neptune’s Spear von einer US-Kommandoeinheit getötet worden sein soll. [8]

Berlin Statement[Bearbeiten]

Amrullah Saleh und andere Oppositionspolitiker fordern einen von der UN geführten transparenten Friedensprozess für Afghanistan, welcher alle Gruppierungen in die Verhandlungen mit einschließt. Es wird kritisiert, dass die Verhandlungen ausschließlich zwischen den USA, den Taliban, Pakistan, Gulbuddin Hekmatyār und Hamid Karzai stattfinden. Dies schließt die Repräsentanten von etwa 60 % der afghanischen Bevölkerung (Tadschiken, Hazara und Usbeken) aus, obwohl diese Ende 2001 als United Front (Nordallianz) die Taliban von der Macht entfernten und die Übergangsregierung unter Hamid Karzai stützten. Im Januar 2012, unterzeichnete Amrullah Saleh mit der National Front, welche als Nachfolgeorganisation der United Front (Nordallianz) angesehen wird, und US-amerikanischen Kongressabgeordneten nach einem Treffen in Berlin eine gemeinsame Erklärung, in welcher u. a. steht:

„Wir glauben nachdrücklich daran, dass jegliche Verhandlungen mit den Taliban nur dann akzeptabel und damit effektiv sein können, wenn alle Parteien, die an diesem Konflikt beteiligt sind, auch in den Friedensprozess involviert werden. Die aktuelle Art der Diskussionen mit den Taliban ist fehlerhaft, da sie anti-Taliban Afghanen ausschließt. Es muss daran erinnert werden, dass die Taliban Extremisten und ihre Al-Qaeda Unterstützer von den Afghanen, die dem Extremismus Widerstand geleistet haben, besiegt wurden, mit nur minimaler Bodenunterstützung durch [Spezialeinheiten der] Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft. Die aktuellen Verhandlungen mit den Taliban berücksichtigen nicht die Risiken, Opfer und legitimen Interessen der Afghanen, welche die brutale Unterdrückung aller Afghanen beendet haben.

Um den Rückzug der internationalen Truppen zu beschleunigen, glauben die Teilnehmer [dieser Konferenz] daran, dass es essentiell ist, regionale und nationale Institutionen zu stärken, die gesamtheitlich sind und die Bedenken aller Gemeinden Afghanistans repräsentieren. Die Teilnehmer sind für einen Wandel im Wahlsystem von einer einzigen nicht übertragbaren Stimme hin zu einer national akzeptierten Variante des proportionalen repräsentativen Systems mit gleichen Möglichkeiten für unabhängige Kandidaten, die politischen Parteien, oder Stammesrepräsentanten. Wir unterstützen zudem die direkte Wahl von Gouverneuren und die Ermächtigung von Provinzräten. Direkt [vom Volk] gewählte Gouverneure und Provinzräte sollten mit der Autorität versehen werden, Budgets zu erstellen und Einnahmequellen zu schaffen, die Polizei und das Gesundheitssystem zu leiten sowie Autorität über die Bildung herzustellen, so sie dies wünschen.[9]

Erklärung der National Front (2012)

Die Asia Times analysierte, "wie die Gruppierungen der Nordallianz es sehen, verfolgt Pakistan [Unterstützer der Taliban] eine Strategie des Aussitzens in Bezug auf die Zeitspanne von heute bis 2014 - das Datum für den Rückzug der US-Truppen - um dann die Taliban neu zu formieren und einen Versuch zu unternehmen, die Macht in Kabul an sich zu reißen. Die starke Einigkeit [der Nordallianz] in Berlin zeigt, dass sie nicht einfach am Rande stehen und einem ausschließlichem US-Taliban-Pakistan Deal, der ihrer Nation auferlegt wird [und von dem sie ausgeschlossen werden], weichen werden."[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amrullah Saleh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Pakistan „feindlich gesinntes Land“. In: ORF. 16. Mai 2011, abgerufen am 16. Mai 2011 (deutsch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Green Trend mobilisation. In: AAN. 18. Mai 2011, abgerufen am Januar 2012 (englisch).
  3. Thousands of Afghans Rally in Kabul. In: New York Times. 5. Mai 2011, abgerufen am 16. Mai 2011 (englisch).
  4. UN: Taliban Responsible for 76% of Deaths in Afghanistan. In: The Weekly Standard, 10. August 2010. 
  5. Afghan Rights Groups Shift Focus to Taliban. In: The New York Times, 13. Februar 2011. 
  6. Citing rising death toll, UN urges better protection of Afghan civilians. In: United Nations Assistance Mission in Afghanistan, 9. März 2011. 
  7. Charles W. Kegley, Shannon L Blanton: World Politics: Trend and Transformation. Cengage, 2011, ISBN 978-0495906551, S. 230.
  8. a b c Pakistan soll Bin Ladens Versteck gekannt haben. In: Sueddeutsche Zeitung, 16. Mai 2011. 
  9. Rep. Rohrabacher Leads Bipartisan Delegation’s Afghanistan Strategy Session With National Front Leaders in Berlin. In: rohrabacher.house.gov. 9. Januar 2012, abgerufen am 14. Januar 2012 (englisch).
  10. There's more to peace than Taliban. In: Asia Times. 9. Januar 2012, abgerufen am 14. Januar 2012 (englisch).