Anästhesietechnischer Assistent

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Die Berufsgruppe Anästhesietechnische(r) Assistent(in) (ATA) ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf in Deutschland. Das Berufsbild ist als Alternative zur grundständigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger mit Fachweiterbildung für die Anästhesiepflege konzipiert. Im Unterschied zu dieser umfasst die ATA-Ausbildung jedoch keine Qualifizierung für die Krankenpflege; der Einsatz auf Normalstationen bzw. Intensivstationen von Krankenhäusern ist nicht vorgesehen.

Verwandte Berufe sind die/der Operationstechnische Assistent(in) (OTA), Chirurgisch-Technischer Assistent(in) CTA und Bachelor of Science in Physician Assistance.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Ausbildung ATA resultiert aus den Ausbildungsplatzkürzungen in der Krankenpflege in den achtziger und neunziger Jahren, geringer werdenden Bewerbungen für eine Krankenpflegeausbildung und der Veränderung während der Krankenpflegeausbildung die Anästhesieabteilung nur sehr selten kennenzulernen. Aus dem daraus resultierenden Fachkräftemangel wurde, um weiterhin eine qualifizierte Arbeit in der Anästhesie gewährleisten zu können, der Gedanke an eine anästhesiespezifische Ausbildung unabhängig von der Krankenpflegeausbildung geboren. Es entstand zunächst das Pilotprojekt der ATA-Ausbildung nach den Ausbildungsrichtlinien der ATA-Schule am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die erste Schule, die diesen Schritt praktisch vollzog, war das Martin-Luther-Universitätsklinikum in Halle Wittenberg. Schon im darauffolgenden Jahr eröffnete das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main den ersten ATA-Lehrgang. Das Pilotprojekt hat sich bis heute immer weiter etabliert.

BAG ATA[Bearbeiten]

Die Bundesarbeitsgemeinschaft ATA (BAG ATA) wurde in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) am 25. Mai 2005 als Zusammenschluss der (potenziellen) ATA-Schulen in Frankfurt am Main gegründet. Sie achtet auf die Einhaltung der normativen Grundlagen der Ausbildung sowie auf die Ausbildungsinhalte und bemüht sich mit der DKG um die staatliche Anerkennung sowie um Festlegung von Qualitätsnormen und Standards. Derzeit vertritt die BAG ATA 17 ausbildende Einrichtungen mit ca. 260 Ausbildungsplätzen.[2]

DKG[Bearbeiten]

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) veröffentlichte 2011 eine erste „Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen/Assistenten“ (OTA/ATA). Sie umfasst u. a. Anforderungen an den Bewerber, Vorgaben zur praktischen und theoretischen Ausbildung, Anforderungen an Schule und Personal und Struktur von Prüfungen. Ende 2013 wurde diese Ausbildungempfehlung novelliert und trat zum 1. Januar 2014 in Kraft.[3] Solange keine bundesweite oder landesweite Regelung der Ausbildung besteht, nimmt die DKG die Anerkennung von Ausbildungseinrichtungen nach dieser Empfehlung vor.

Bundesregelung[Bearbeiten]

Ein auf Bundesebene durch das Bundesministerium für Gesundheit eingerichtetes Expertengremium befasst sich derzeit mit der Ausgestaltung der Berufsbilder OTA und ATA und deren Finanzierung.[4] Auf Antrag des Saarlandes versucht man, die Ergebnisse dieser Expertengruppe mit an ein Gesetzgebungsverfahren über den Beruf des Operationstechnischen Assistenten beim Deutschen Bundestag zu koppeln.[5] Der Bundesrat hat in seiner 921. Sitzung am 11. April 2014 den Entwurf dieses Gesetzes beschlossen.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Anästhesietechnische Assistenten üben dieselben Tätigkeiten wie Fachpflegepersonen in der Anästhesie aus, wie z. B.:

  • Überwachung der Patienten vor, während und nach der Anästhesie / Monitoring
  • Vorbereitung, Assistenz und Nachbereitung bei Anästhesien und Schmerztherapien
  • Versorgung von Traumapatienten im Schockraum
  • Rasches, zielgerichtetes Handeln bei Reanimation und Krisensituationen
  • Transport intensivpflichtiger Patienten

Ausbildung[Bearbeiten]

Für die Ausbildung zum/zur Anästhesietechnischen Assistenten/in wird der mittlere Bildungsabschluss bzw. der Hauptschulabschluss mit a) erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung oder b) einjähriger Ausbildung zum Krankenpflegehelfer/Altenpflegehelfer vorausgesetzt. Außerdem muss die gesundheitliche Eignung durch den Betriebsarzt des jeweiligen Krankenhauses festgestellt werden. Bei Bewerbern unter 18 Jahren muss vor Ausbildungsbeginn eine ärztliche Bescheinigung über die Erstuntersuchung nach § 32 des Jugendarbeitsschutzgesetzes vorliegen.

Die Ausbildung umfasst insgesamt 4.600 Stunden, die in Vollzeitform (drei Jahre) oder Teilzeitform (fünf Jahre) zu erbringen sind. Der theoretischen Teil (1.600 Std.) findet in einer Berufsfachschule als Blockunterricht statt. Dabei werden Anästhesie und Intensivmedizin, Anatomie und Physiologie, Arzneimittellehre, Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde, Physik, Chemie, Mikrobiologie, Krankenhausbetriebslehre, Psychologie/Soziologie/Sozialmedizin, Radiologie und Strahlenschutz, Lehr- und Lernmethodik, Erste Hilfe, Reanimation sowie Hygiene unterrichtet.

Obligatorische Praxiseinsätze während der Ausbildung umfassen die Abdominalchirurgie, die Traumatologie/Orthopädie, die Gynäkologie/Kreißsaal und die Urologie. Zusätzlich müssen mindestens drei Einsätze in den folgenden Wahlfachgebiete absolviert werden: Neurochirurgie, HNO, Gefäßchirurgie, Kieferchirurgie, Augenchirurgie, Herzchirurgie u./o. Thoraxchirurgie, Plastische Chirurgie und Anästhesie bei Kindern.

Weitere Pflicht-Einsatzgebiete außerhalb der Anästhesie sind die Chirurgische Pflegestation/Intensivstation, Ambulanzen/Notaufnahme, der Operationsdienst, die Zentralsterilisation, Schmerzambulanz, Endoskopie, das Ambulante Operieren und der Aufwachraum.

Die Ausbildung endet mit einer praktischen Abschlussprüfung (4 Stunden), einer schriftlichen Abschlussprüfung (2 Tage) und einer mündlichen Abschlussprüfung (je Prüfling mindestens 30 Minuten).

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Mögliche Einsatzgebiete von examinierten ATA sind Anästhesie, Aufwachraum, Schmerzambulanz, Prämedikationsambulanz, Endoskopie, Notaufnahme, Ambulanzen, Facharztpraxen, Sterilisation. Spezialisierte Aufgaben und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es z.B. zum Gerätebeauftragten, Hygienebeauftragten, Qualitätsmanagementbeauftragten, zu Leitungspositionen im OP- und Anästhesiebereich oder OP-Management.

Kritik[Bearbeiten]

Außer dem Deutschen Ärztetag 2008[6] haben auch der Berufsverband Deutscher Anästhesisten und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Stellungnahmen[7][8] davor gewarnt, "den dem Patienten geschuldeten Facharztstandard zu unterschreiten" oder mit dem neuen Fachpersonal gar "routinemäßige" Parallelnarkosen (ein Anästhesist betreut gleichzeitig mehrere narkotisierte Patienten) einzuführen. Auch unter der Voraussetzung, dass Parallelnarkosen rechtlich zulässig und qualitätsgesichert durchgeführt werden, verbleibt ein erhebliches Restrisiko und damit für den Krankenhausträger Schadenshaftung.[9] Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bemängelte den hohen Spezialisierungsgrad des ATA im Vergleich zu anästhesiologischen Fachpflegekräften, wodurch er in der Praxis nur Arzttätigkeiten übernehmen könne.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ina Welk, Martin Bauer: Op-Management - Von Der Theorie Zur Praxis. Springer DE, 1. Januar 2011, ISBN 978-3-642-16997-7, S. 128-9 (Zugriff am 16. Juli 2013).
  2. http://www.ata-info.de/?Willkommen%21
  3. http://www.dkgev.de/dkg.php/cat/147/aid/8630/title/DKG-Empfehlung_zur_Ausbildung_und_Pruefung_von_OTA_und_ATA
  4. http://www.bundesrat.de/SharedDocs/downloads/DE/plenarprotokolle/2014/Plenarprotokoll-921.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  5. http://www.bundesrat.de/SharedDocs/TO/921/to-node.html
  6. Nichtärztliche Fachberufe im Krankenhaus: Hilfe oder Konkurrenz? Dtsch Arztebl 2010; 107(13): A-596 / B-522 / C-514
  7. Münsteraner Erklärung - Gemeinsame Stellungnahme des BDA und der DGAI zur Parallelnarkose. (PDF; 19 kB) BDA und DGAI, 30. November 2004
  8. Münsteraner Erklärung II - Zulässigkeit und Grenzen der Parallelverfahren in der Anästhesiologie. (PDF; 57 kB) Anästh Intensivmed 2007;48:000-000
  9. J. Ennker: Risikomanagement in der operativen Medizin. Springer, 27. Dezember 2006, ISBN 978-3-7985-1737-0 (Zugriff am 15. Juli 2013).
  10. Nils C. Bandelow, Florian Eckert, Robin Rüsenberg: Gesundheit 2030: Qualitätsorientierung Im Fokus von Politik, Wirtschaft, Selbstverwaltung und Wissenschaft. Springer DE, 8. Oktober 2009, ISBN 978-3-531-91887-7, S. 250 (Zugriff am 16. Juli 2013).

Weblinks[Bearbeiten]