Anıtkabir

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Anıtkabir
Atatürks Mausoleum

Atatürks Mausoleum

Daten
Ort Çankaya - Ankara - Türkei
Architekt Emin Halid Onat, Ahmet Orhan Arda
Bauherrin Sabiha Gürayman
Baustil Neoklassizismus - İkinci Ulusal Mimarlık Akımı Zweite nationale Architekturbewegung
Baujahr 1944–1953
Grundfläche 750.000 m²
Koordinaten 39° 55′ 30″ N, 32° 50′ 13″ O39.92507532.837008Koordinaten: 39° 55′ 30″ N, 32° 50′ 13″ O

Anıtkabir (türkisch für „Grabdenkmal“) ist die Bezeichnung des Mausoleums des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara. Es ist zugleich ein Nationaldenkmal und ein Museum. Das Grab des ersten Ministerpräsidenten der Türkei, İsmet İnönü, befindet sich ebenfalls in der Anlage.

Entwurf[Bearbeiten]

Laut Erinnerungen seiner Adoptivtochter Afet İnan äußerte sich Mustafa Kemal wo und wie er begraben wollen würde, an einem Tischgespräch folgendermaßen:

“Beni, milletim nereye isterse oraya gömsün. Fakat benim hatıralarımın yaşayacağı yer Çankaya olacaktır[1]

„Mich soll mein Volk dort begraben, wo es ihm gefällt. Meine Erinnerungen aber werden in Çankaya weiterleben.“

Kurz nach seinem Tod, im Dezember 1938, wurde eine Parlamentskommission zur Planung der ewigen Ruhestätte Atatürks eingesetzt. Diese schrieb einen internationalen Architektenwettbewerb aus und setzte eine sechsköpfige Jury ein, die aus dem Deutschen Paul Bonatz, dem Schweden Ivar Tengbom, dem Ungarn Karoly Weichinger, Arif Hikmet Holtay, Muhlis Sertel (Baudirektor Ankaras) und Muammer Çavuşoğlu (Minister für öffentliche Bauten) bestand. Bis zum Abschluss des Wettbewerbs im März 1942 wurden insgesamt 49 Entwürfe eingereicht, davon 22 aus der Türkei. Die Entwürfe mit religiösem Bezug, unter anderem ein turanischer Kuppelbau von Sedat Hakkı Eldem und ein alttürkisches Grabmal von Clemens Holzmeister, wurden aufgrund Atatürks Säkularisierungsreformen als unpassend empfunden. Allgemein dominierte das neoklassizistische Design. Drei Entwürfe kamen in die engere Auswahl, das letzte Wort hatte das Parlament, die sich für das neoklassizistische Projekt der türkischen Architekten Emin Onat und Orhan Arda entschied. Am 5. April 1943 beschloss die türkische Nationalversammlung, die Ausführung des Entwurfes von Onat und Arda.[2][3]

Vor der Realisation des Projektes wurde der von Onat und Arda vorgelegte Entwurf auf Intervention der Jury in einigen Punkten verändert. Die sichtbarste Veränderung war aus statischen Gründen (Erdbebengebiet) das Weglassen eines riesigen steinernen "Dachgeschosses", und die dreiteilige Struktur anstelle einer axialen Anordnung.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Bau[Bearbeiten]

Baugrund ist der Hügel Rasattepe. Der Hügel wurde im 12. Jahrhundert v. Chr. von Phrygern als Grabhügel künstlich errichtet. Vor Baubeginn des Monuments wurde er archäologisch untersucht. Die Funde der Ausgrabung sind heute im Ethnografischen Museum ausgestellt. Die Bezeichnung Anıttepe (Monumentshügel) erhielt der Hügel erst mit Errichtung der Grabanlage für Atatürk.

Nachdem die Pläne für das Bauwerk feststanden, wurde am 9. Oktober 1944 in einer feierlichen Zeremonie der Grundstein gelegt. Die Bauarbeiten wurden innerhalb von neun Jahren in vier Stufen fertiggestellt. Die als erste türkische Bauherrin bekannte Sabiha Gürayman diente in der Funktion als Bauherrin.[4]

  1. Erster Bauabschnitt bis Anfang 1950: Der Bau des Fundaments und der Stützmauern für den Löwenweg (Arslanlı Yol)
  2. Zweiter Bauabschnitt: 1945–1950. Am 29. September 1945 begann der Bau der den Festplatz einfassenden Gebäude, der bis zum 8. August 1950 dauerte. Gleichzeitig wurde die Statik für das Monument errechnet, das in Beton und Stein ausgeführt und das Fundament nicht zu sehr belasten durfte. Ende 1947 wurden die Ausschachtungs- und Isolationsarbeiten beendet und eine elf Meter hohe Eisenbetonkonstruktion für den Unterbau des Monuments geschaffen. Eingangstürme, Wege und Straßen sowie eine Baumschule, die Garten- und Parkgestaltung und die Bewässerungsanlage wurden in diesem Abschnitt fertiggestellt.
  3. Dritter Bauabschnitt: 1950. Die Auffahrtswege, der Löwenweg, die Pflasterung des Festplatzes und des Mausoleumbodens, die Anfertigung der Stufen für die Treppen, sowie der Sarkophag wurden in diesen Zeitabschnitt durchgeführt.
  4. Vierter Bauabschnitt: 1950–1953. In diesem Bauabschnitt (20. November 1950 bis 1. September 1953) wurde die Ehrenhalle ausgestattet und die Wände mit Steinleisten verziert. Das Gewölbe, das die große Ehrenhalle trägt und in dem sich jetzt ein Museum zum Lebenswerk Atatürks befindet, wurde gebaut. Für die Ehrenhalle war ursprünglich ein Gewölbeabschluss auf Säulen vorgesehen. Um das Projekt zu verkürzen, wurde auf das Gewölbe verzichtet und das Bauwerk um 28 Meter verkleinert. Die Decke wurde flach in Stahlbeton ausgeführt und innen mit Mosaik verkleidet, wodurch auch die Belastung für das Fundament sank.[5] Im Januar 1952 wurde auf Initiative des Bildhauers Rudolf Belling, ab 1956 nach seinem Austritt 1937 und Emigration nach Istanbul Mitglied und Leiter der Sektion für Bildhauerei der Berliner Akademie der Künste[6], ein Wettbewerb unter türkischen Bildhauern für die Skulpturen am Atatürk-Mausoleum ausgeschrieben. Rudolf Belling wurde mit der Oberaufsicht der künstlerischen Arbeiten am Mausoleum betraut.

Materialien und Details[Bearbeiten]

Der weiße Travertin für die Skulpturen, Löwenfiguren und Säulen stammt aus Pınarbaşı, der im Inneren der Türme, stammen aus Polatlı und Malıköy. Aus gelbem Travertin aus Eskipazar (Çankırı) wurden die Siegesreliefs, die Außenverkleidung der Ehrenhalle und die Pfeiler der zentralen Platz umgebenden Hallen gefertigt.

Der cremefarbene, rote und schwarze Marmor, mit dem der Fußboden in der Ehrenhalle ausgelegt ist, stammt aus Çanakkale, Hatay und Adana, der grüne Marmor aus Bilecik, der tigerfellfarbene Marmor an den Wänden der Ehrenhalle aus Afyonkarahisar. Der große Steinblock für den Sarkophag stammt aus Osmaniye, seine weiße Marmorverkleidung ebenfalls aus Afyonkarahisar. Das schwarze und roten Gestein für den Boden des Festplatzes und der Türmen kommt aus Boğazköprü (Kayseri).

Beisetzung[Bearbeiten]

Atatürks Trauerzug beim Staatsbegräbnis

Nach seinem Tod 1938 wurde der „Vater der Türken“ einbalsamiert und vorläufig im Ethnografischen Museum in Ankara bestattet. Dort wurde am 4. November sein Grab unter Anwesenheit wichtiger politischer Würdenträger, unter anderem des damaligen Ministerpräsidenten Adnan Menderes und des damaligen Parlamentspräsidenten Refik Koraltan geöffnet und auf den Katafalk gehievt. Anschließend wurde der Sarg mehrere Tage von Generälen bewacht. Am 10. November (Atatürks 15. Todesjahr) erfolgte in einer großen zeremoniellen Andacht der Umzug nach Anıtkabir. Dafür wurde der Katafalkwagen (eine umgebaute Lafette) von 136 jungen Offizieren gezogen. Der Umzug erfolgte mit Kanonenschüssen, Flugshows, vielen hunderttausenden Trauergästen aus der ganzen Türkei, mehreren Staatsgästen und der kompletten Regierung und Opposition. Um 13:30 Uhr wurde der Sarg in die Erde gesenkt und unter anderen vom Staatspräsidenten Celâl Bayar symbolisch mit Erde bedeckt, welches im Folgenden von Soldaten vollständig begraben wurde. Zum Abschluss erfolgte die Ehrerbietung in der Ehrenhalle.[7]

Aufbau und Organisation[Bearbeiten]

1. Turm der Unabhängigkeit 2. Freiheitsturm 3. Löwengang 4. Soldatenturm 5. Turm der Gerechtigkeit 6. Zentralplatz 7. Hauptquartier der Armeeführung und Bibliothek 8. Siegesturm 9. Grab Inönüs 10. Friedensturm 11. Fahnenmast 12. Turm des 23. April 13. Museum 14. Revolutionsturm 15. Turm der Republik 16. Mausoleum

Anıtkabir befindet sich im Regierungsviertel Çankaya. Die Gesamtfläche beläuft sich auf etwa 750.000 m² und ist mit einer 1,5 m dicken Mauer umgeben. Davon ist 120.000 m² der bebaute Grabkomplex, die restliche Fläche die Grünanlage. Zwei Eingänge (Tandoğan) und (Anıttepe) führen zum Grabkomplex, welche in drei Hauptabschnitte unterteilt wird: dem Löwenweg, dem zentralen Platz und dem eigentlichen Mausoleum.

Verwaltet wird die Anlage seit 1980 durch den Generalstab der Türkei, dem Genelkurmay Başkanlığı. Sie wird militärisch bewacht.

Friedenspark[Bearbeiten]

Der Barış Parkı ist mit verschiedenen Bäumen aus 24 Nationen und Zierpflanzen bepflanzt. Bonatz erklärte die Gartenarchitektur so:

Am Fuße des Anittepes sollen hohe und mächtige Bäume eine grüne Masse bilden. Je näher man dem Anitkabir kommt, desto niedriger und weniger farbintensiv ist die Begrünung. Sie wendet sich in die niedrige, graue Flora der Steppe, um dann im Angesicht dem imponierenden Bau des Anitkabirs förmlich zu erlöschen.[8]

Im Westteil beherbergt sie die Kaserne der Wachsoldaten.

Löwenweg[Bearbeiten]

Gruppe Männerstatue mit Löwen

Der Löwenweg ist ein 262 Meter lang und mit Travertin bepflasterter Weg. Er führt vom Eingang Tandoğan zum zentralen Platz der Grabanlage. Direkt am Eingang befinden sich zwei Gruppen von Statuen, drei Männer und drei Frauen. Sie wurden von Hüseyin Anka Özkan erschaffen und repräsentieren das Volk. Bei den Männern sind dies drei Berufsgruppen: Der Bauer, der Lehrer und der Soldat. Die Frauen sind eine Gruppe Trauender.

Der Weg wird von je 12 an jeder Seite platzierten namensgebenden Löwen gesäumt. Sie sind von Hüseyin Özkan aufgrund Atatürks Interesse für anatolische Zivilisationen im hethitischen Stil gehalten. Die Zahl 24 symbolisiert die 24 in Anatolien eingewandernten Oghusenstämme, sie sollen Ruhe und Stärke ausdrücken.[5][9]

Zentralplatz, Bogengang und Türme[Bearbeiten]

Der zentrale Platz des Komplexes nennt sich Tören Meydanı und hat eine Flächenausdehnung von 129 × 84,25 m. Er kann bis zu 15.000 Besucher aufnehmen. Die in den Boden eingesetzten rot-, schwarz-, weiß- und gelben Travertinsteine stellen je 373 Teppichmuster dar.[5] Der Platz verdeutlicht die erweiterte Funktionalität des Grabkomplexes. Sie ist nicht nur ein bloßer Gedenkort, sondern soll große Menschenmassen anziehen und den Blick zum großen Hauptgebäude, dem eigentlichen Mausoleum, lenken. An besonderen Tagen (z.B. dem Todestag) ist der Platz voller Menschenmassen.[10]

Umgeben wird der Platz durch einen Bogengang, dessen Decke ebenfalls mit Teppichmustern verziert ist. Durch die Arkaden ist ein imposanter Blick auf die Stadt möglich. Eingebaut in diesen Bogengang sind einige Räumlichkeiten, unter anderem die Bibliothek und die Militärverwaltung, und an den Ecken und Enden jeweils zehn pavillonartige Gebäude, die Türme genannt werden. Jede besitzt seine eigene Thematik und allen gemein sind die auf dem Dach gen Himmel zeigenden Speerspitzen, welche alttürkische nomadischen Zeltspitzen repräsentieren.[11]

Turm Position Thematik
İstiklâl Kulesi (Turm der Unabhängigkeit) Beginn Löwenweg Miniaturmodell der Anlage
Hürriyet Kulesi (Turm der Freiheit) Beginn Löwenweg Dokumentation über Bauprozess, benutzte Materialien
Mehmetçik Kulesi (Turm des türk. Soldaten) Ende Löwengang Kino
Müdafaa-i Hukuk Kulesi (Turm der Gerechtigkeit) Ende Löwengang Schriften und Andenken
Zafer Kulesi (Turm des Sieges) Südwestliche Flanke Bahre (Lafette)
Barış Kulesi (Turm des Friedens) Südwestliche Flanke Dienstwagen
23 Nisan Kulesi (Turm des 23. April) Südöstliche Flanke Mustafa Kemals Cadillac Series 80
Misak-ı Milli Kulesi (Turm des nationalen Pakts) Südöstliche Flanke Eingang zum Museum, offizielles Kondolenzbuch
İnkılâp Kulesi (Turm der Revolution) Südöstliche Flanke Teil des Museums
Cumhuriyet Kulesi (Turm der Republik) Nordseite Nachbildung Mustafa Kemals Arbeitszimmer
Ausgestelltes Nationalgemälde über die Einnahme Izmirs 1922

Museum[Bearbeiten]

Der Museumsbereich Atatürk ve Kurtuluş Savaşı Müzesi wurde 1960 eröffnet und 2002 erneuert. Er erstreckt sich oberirdisch von den Türmen und Räumlichkeiten links und rechts des Mausoleums und einem darunter liegenden großen unterirdischen Teil.

Das Museum beherbergt private Gegenstände Mustafa Kemals, angefangen von Säbeln, Gewehren, Orden bis zu seinem Muska und Fitnessgeräten. In der Galerie befinden sich eine Vielzahl von Porträts und Gemälden des Unabhängigkeitskrieges. In den folgenden Gängen danach sind die Büsten führender türkischen Persönlichkeiten des Krieges ausgestellt. Der Abschluss markiert einen Teil Mustafa Kemals Privatbibliothek von 3123 Büchern[12] die in digitalisierter Form zur Recherche durchsucht werden können.

Das Museum ist kostenlos zugänglich.

Grab Inönüs[Bearbeiten]

Sarkophag Inönüs mit Arkaden

Ismet Inönüs Sarkophag befindet sich direkt gegenüber dem großen Mausoleum in südwestlichen Richtung, er wurde dort am 28. Dezember 1973 beigesetzt und das Grab 1993 und 1998 umgestaltet. Der Sarkophag am Zentralplatz ist ebenfalls wie Atatürks Sarkophag symbolischer Natur. Der Eingang zum eigentlich Grab befindet sich an Westseite der Arkaden. Er enthält einen Abschnitt mit Privatgegenständen, Kleidung und Bildern des ersten Ministerpräsidenten. Die Grabkammer kann an ausgewählten Tagen des Jahres (Sein Todestag, nationale Feiertage) im Gegensatz zu Atatürks besichtigt werden.[13]

Zuvor waren auch Cemal Gürsels und einige zivile und militärische Opfer der gewaltsamen Absetzung der Menderes-Regierung eine Zeit lang in Anıtkabir begraben. Mit Errichten des Staatsfriedhofs 1985 in Ankara wurde Cemal Gürsel dorthin, die anderen Opfer in zivile Friedhöfe umgebettet. Es wurde erklärt, dass diese Anlage nur für das Andenken Mustafa Kemals bestimmt ist. Für İsmet İnönü wurde als enger Gefolgsmann und Waffenbruder eine Ausnahme gemacht.[14]

Mausoleum[Bearbeiten]

Das Mausoleum mit dem Sakarya-Relief und Wachsoldaten

Das Mausoleum ist der höchste Punkt und der Blickfang der ganzen Anlage. Er ist stilistisch in abstrahierter Form einem Tempel der Antike angelehnt. Der quaderförmige Bau hat die Maße 72x52x17m. Er besitzt vorne und hinten acht und an den Seiten 14 eckige Säulen. Das Mausoleum ist vom Zentralplatz durch eine 42 stuftige Treppe getrennt in dessen Mitte ein Podest steht, welches die Inschrift HAKİMİYET KAYITSIZ ŞARTSIZ MİLLETİNDİR („Die Souveränität gehört uneingeschränkt und unbedingt dem Volk“) trägt. Rechts und Links der Treppe befinden sich Reliefabbildungen und behandeln die Schlachten von Dumlupınar und am Sakarya und sind wie alle Reliefabbildungen in den verschiedensten Türmen des Grabkomplexes im hethitischen Stil gehalten.

Die nach dem Treppenaufstieg am Eingang seitlich am Mausoleum in goldener Schrift gehaltenen Texte sind Atatürks anlässlich des 10. Jahrestags der Republikgründung gehaltene Rede Onuncu Yıl Nutku (rechts) und die Ansprache an die Jugend Gençliğe Hitabe (links). Sie wurden erst 1981 hinzugefügt.

Zum Verständnis warum ein antiker Tempel als Motiv genommen wurde, ist es wichtig, sich den Zeitgeist der jungen Republik hineinzudenken. Zum einen ist es ein Motiv der neoklassizistischen Strömung, welches auf das klassische und zeitlos gültige Wert legt. Es entspricht dem gängigen Stil seiner Zeit, so ist das stilistisch ähnliche Lincoln Memorial ebenfalls Anfang des 20.Jahrhunderts entstanden. Zum einen brach Atatürk politisch und kulturell mit dem untergegangen Osmanischen Reich. In den frühen Republikjahren gab es die Bestrebungen, die vorseldschukischen anatolischen Zivilisationen wie die Hethiter und Sumerer mit in die türkische Geschichtsidentität einzugliedern. Der Architekt Onat erklärte ganz im Sinne seiner Zeit hierzu:

Akdeniz milletlerinden birçoğu gibi, tarihimiz binlerce yıl önceye gidiyor. Sümerlerden ve Hititlerden başlıyor ve Orta Asya'dan Avrupa içlerine kadar birçok kavimlerin hayatlarına karışıyor, Akdeniz medeniyetinin klasik geleneğinin en büyük köklerinden birini teşkil ediyordu. Atatürk, bize bu zengin ve verimli tarih zevkini aşılarken, ufuklarımızı genişletti. Bizi ortaçağdan kurtarmak için yapılmış hamlelerden en büyüğünü yaptı. Gerçek geçmişimizin ortaçağ değil, dünya klasiklerinin ortak kaynaklarında olduğunu gösterdi.[15]

„Wie auch bei anderen Mittelmeervölkern geht unsere Geschichte tausende Jahre zurück, sie beginnt bei den Sumerern und Hethitern und vermischt sich mit Völkern Zentralasiens und Europas. Sie bildeten eine der wichtigsten Wurzeln der klassischen Tradition der Zivilisation des Mittelmeeres. Als Atatürk uns die Reichhaltigkeit dieser Geschichte einimpfte, erweiterte er unseren Horizont und tat einen Riesenschritt, um uns vom Mittelalter zu befreien. Unsere wahre Vergangenheit liegt nicht im Mittelalter, sondern in den Wurzeln, die wir mit den klassischen Kulturen der Welt gemein haben.[16]

Ehrenhalle[Bearbeiten]

Symbolisches Grab mit vergoldetem Himmel in der Ehrenhalle

Die Ehrenhalle befindet sich im Mozole. In diesem Raum erweisen Besucher und Staatsgäste Atatürk die Ehre. In nordöstlicher Richtung ist ein riesiges vergittertes Fenster die Lichtquelle welche den symbolischen Sarkophag in der Nische erleuchtet. Blickt man hinaus, so ist in der Ferne die Zitadelle Ankaras zu sehen. Auf den Himmel über dem Sarkophag wurde ein osmanisches Teppichmuster des 15/16. Jahrhunderts in Gold aufgetragen.

Der Sarkophag wiegt um die 40t und ist aus rotem Marmor. Dieser ist auf einem Marmorgewölbe platziert, auf dem Kranzniederlegungen möglich sind. In den ersten Entwürfen befand sich der Sarkophag zentral im Raum, welches den Besuchern die Möglichkeit gab, es zu umrunden und nach osmanischer Tradition zu beten. Unter anderem durch Bonatz Auffassung, dass das Mausoleum "nicht die Form eines Türbe eines Sultan haben" dürfe, wurde hiervon Abstand genommen und der Sarkophag wurde an die nordöstliche Seite gelegt.[10]

Grabkammer[Bearbeiten]

Die Grabkammer Atatürks befindet sich direkt 7 Meter unter dem Sarkophag der Ehrenhalle. Die Kammer hat eine achteckige Grundform sowie eine pyramidenförmige Decke und orientiert sich mit der Architektur an der seldschukisch-osmanischen Tradition einer Türbe.[17] Der Leichnam Atatürks liegt nicht in einem Sarkophag, sondern direkt unter der Erde. Der zentrale sarkophagförmige Marmorblock ist lediglich ein Verschluss des Grabes. Dieser ist in Richtung Mekka ausgerichtet. Um den Sarkophag sind 83 Gefäße aufgestellt, in denen sich Erde aus allen Provinzen der Republik Türkei sowie Erde aus der Türkischen Republik Nordzypern, aus Aserbaidschan, aus dem Geburtshaus Atatürks in Thessaloniki, aus dem türkischen Soldatenfriedhof in Korea und aus dem Grab Süleyman Schahs befindet.[18]

Die Grabkammer ist für jegliche Besucher gesperrt. Diese erhalten Einblick in die Kammer an einem Monitor per Live-Schaltung.

Bedeutung[Bearbeiten]

Offizielle Kranzniederlegung

Das Anıtkabir ist ein zentraler Ort für Staatsakte der Türkei. Das Mausoleum ist vor allem für inländische Besucher ein oft gewähltes Ausflugsziel. So besichtigten im Jahr 2012 insgesamt 3.351.604 Menschen das Anıtkabir. Dabei waren 3.144.216 der Besucher aus dem Inland und 207.388 aus dem Ausland.[19] Auch Rollstuhlfahrer können den gesamten Komplex besuchen, der mit modernen technischen Mitteln behindertengerecht erweitert wurde.[20]

Die Besucher entstammen aus allen Bevölkerungsschichten der Türkei – nicht nur der säkularen. Der Platz ist ebenfalls ein Ort zur Vermittlung von nationalen Werten für Schulklassen, es kommen viele Eltern mit ihren Kindern. In der Ehrenhalle wird gebetet und getrauert, manchmal erweisen ihm dort junge Brautpaare die Reverenz. Viele zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen legen einen Kranz nieder und beklagen sich gegen aktuelle politische Entwicklungen. Obwohl es auch ein touristisches Ziel ist, achtet das Wachpersonal auf die besondere Bedeutung des Ortes und untersagt so z.B. das Mitbringen von Einkaufstüten und das Tragen von Hüten in der Ehrenhalle, für Frauen ist das Kopftuch erlaubt.[21]

Aufgrund der nationalen Symbolik und Ritus und der Bedeutung für viele Türken wird sie von einigen ausländischen Autoren als säkulare "Pilgerstätte" bezeichnet.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Anıtkabir war Anschlagsziel vom selbsternannten Kalifen von Köln. Dessen radikalislamisches Gefolge wollten ein Flugzeug entführen und mit 200 kg Sprengladungen am Tag der Republik die versammelte Staatsführung inklusive des Mausoleums in die Luft sprengen.[22]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Samuel Wilson: Beyond Anitkabir. The Funerary Architecture of Atatürk. The Construction and Maintenance of National Memory. Ashgate, Farnham (Surrey) 2003, ISBN 978-1-4094-2977-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach Afet Inan: Atatürk hakkında hatıralar ve belgeler, Türk Tarih Kurumu Basımevi, 1959, S. 23
  2. Afife Batur: Anıtkabir. In: Cumhuriyet Dönemi Türkiye Ansiklopedisi. Istanbul 1983–1985, Bd. 5, S. 1392.
  3. Matthias Krüger, Isabella Woldt (Hrsg.): Im Dienst der Nation. Identitätstiftungen und Identitätsbrüche in Werken der bildenden Kunst. Akademie-Verlag, S. 311–314.
  4. Taylan Yıldırım: Türkiye’nin ilk kadın inşaat mühendisi öldü. In: Hürriyet, 8. Januar 2003. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  5. a b c Anıtkabir. Website des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  6. Rudolf Belling. 1886–1972. – Biografie. Website des Deutschen Historischen Museums. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  7. Tüm Yönleriyle Anıtkabir. Ata’nın Anıtkabir’e Nakli. ataturk.net. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  8. Matthias Krüger, Isabella Woldt (Hrsg.): Im Dienst der Nation. Identitätstiftungen und Identitätsbrüche in Werken der bildenden Kunst. Akademie-Verlag, S. 320.
  9. 50 yaşındaki Anıtkabir’in bilinmeyenleri. ntvmsnbc.com, 13. Dezember 2003. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  10. a b Matthias Krüger, Isabella Woldt (Hrsg.): Im Dienst der Nation. Identitätstiftungen und Identitätsbrüche in Werken der bildenden Kunst. Akademie-Verlag, S. 314.
  11. Anıtkabir'in SIRLARI. hurriyet.com.tr 23. Juli 2013. Abgerufen am 9.Januar 2014.
  12. Christopher Samuel Wilson: Remembering and Forgetting in the Funerary Architecture of Mustafa Kemal Atatürk. The Construction and Maintenance of National Memory. Dissertation, Technische Universität des Nahen Ostens 2007, S. 33 (PDF-Datei; 7,53 MB).
  13. Ankara Anıtkabir İsmet İnönü Gallery. Anıtkabir İnönü Tomb. Website der İnönü Foundation. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  14. Christopher Samuel Wilson: Remembering and Forgetting in the Funerary Architecture of Mustafa Kemal Atatürk. The Construction and Maintenance of National Memory. Dissertation, Technische Universität des Nahen Ostens 2007, S. 184 (PDF-Datei; 7,53 MB).
  15. Zitiert nach Genelkurmay Başkanlığı (Hrsg.): Anıtkabir tarihçesi. Genelkurmay Basımevi, Ankara 1994, S. 21.
  16. Übersetzung Burcu Dogramaci: Kulturtransfer und nationale Identität. Deutschsprachige Architekten, Stadtplaner und Bildhauer in der Türkei nach 1927. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-7861-2587-7, S. 316 f.
  17. Mausoleum Atatürks (Anıtkabir). Website der Türkischen Botschaft, Informationsabteilung für Kultur und Fremdenverkehr, Wien/Österreich. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  18. The Tomb Room. Informationsportal der Türkischen Streitkräfte. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  19. Number of Visitors in Anıtkabir. Informationsportal der Türkischen Streitkräfte. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  20. Facilities Provided for Disabled Visitors at Anıtkabir. Informationsportal der Türkischen Streitkräfte. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  21. Christopher Samuel Wilson: Remembering and Forgetting in the Funerary Architecture of Mustafa Kemal Atatürk. The Construction and Maintenance of National Memory. Dissertation, Technische Universität des Nahen Ostens 2007, S.& (PDF-Datei; 7,53 MB)
  22. Kaplancıların hedefi Anıtkabir. In: Milliyet. Abgerufen am 4. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anıtkabir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien