Analverkehr

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Analverkehr,
Illustration von Paul Avril zu „Les Sonnetts Luxurieux“, 1892

Unter Analverkehr oder Analkoitus (von lateinisch anus „After“) – umgangssprachlich auch Analsex oder Poliebe[1] genannt – versteht man das Einführen des erigierten männlichen Penis in den Anus des Sexualpartners.

Analverkehr wird sowohl zwischen hetero- als auch homosexuellen Partnern praktiziert. Für beide Partner kann der Analverkehr lustvoll sein, auch Frauen können durch Analverkehr zum Orgasmus kommen.[2][3][4] Gegenüber dem Vaginalverkehr erfordert der Analverkehr unter Umständen vorbereitende Maßnahmen und ein behutsameres Vorgehen.[3][5]

In vielen Kulturkreisen wurde der Analverkehr religionbedingt lange tabuisiert, in den letzten Jahren hat Analverkehr insbesondere unter jüngeren, heterosexuellen Frauen und Männern jedoch eine zunehmende Verbreitung gefunden.[6][4] Laut Schätzungen haben etwa 50 % der heterosexuellen Paare in Deutschland bereits Erfahrungen mit Analverkehr gemacht[7], während der prozentuale Anteil der Paare, die Analverkehr regelmäßig ausüben, erheblich geringer ist.[8] Den Statistiken zufolge hat die Anzahl der Personen, die Analverkehr praktizieren, im Vergleich zu früheren Jahren zugenommen.[9] Ob dieser Zunahme eine reale Erhöhung oder eine durch Enttabuisierung des Analverkehrs bedingte offenere Auskunftsbereitschaft zugrunde liegt, ist allerdings unklar.[10] (siehe: Analverkehr - Gesellschaftliche Verbreitung).

Durchführung

Prinzip

Der Afterbereich ist bei Personen beider Geschlechter eine sexuell stimulierbare erogene Zone, die mit vielen Nervenenden ausgestattet ist. Beim Mann führt passiver Analverkehr zusätzlich zur Reizung der sexuell empfindlichen Prostata, die einen Orgasmus auslösen kann. Bei der Frau können durch Analverkehr auch der sogenannte A-Punkt und das Scheidengewebe stimuliert werden. Für den aktiven Partner bedeutet der Analverkehr aufgrund der engeren und potenziell muskulöseren Körperöffnung eine intensivere Stimulation gegenüber dem Vaginalverkehr.

Als aktiv wird beim Analverkehr diejenige Person bezeichnet, die ihren Penis einführt (insertiver Analverkehr), als passiv, auch anorezeptiv, diejenige, bei der der Penis eingeführt wird (rezeptiver Analverkehr). Die Praktik setzt für viele Personen ein höheres Maß an Vertrauen voraus, wird andererseits jedoch oft auch als entsprechend intimer empfunden. Aktiver Analverkehr gehört aus genannten Gründen für viele Männer zu den lustvollsten Sexualpraktiken. Passiver Analverkehr wird in vielen Fällen beim ersten Mal als unangenehm, jedoch mit wiederholter Übung zunehmend als lustvoll empfunden.[11]

Stellungen

Analverkehr in der A-tergo-Stellung

Die Position sollte so gewählt werden, dass auch der passive, also empfangende Partner Kontrolle ausübt. Das heißt, er sollte Tiefe und Rhythmus der Penetration mitbestimmen können oder sogar vorgeben.[12]

Übliche Stellungen sind die Reiterstellung und die A-tergo-Stellung.[13] Ebenso die Löffelchenstellung, welche den Vorteil bietet, dass die Muskeln hierbei besonders entspannt sind.[14][15]

Schmerzvermeidung und Lustgewinn

Bei behutsamem, langsamem Eindringen sowie Nutzung von Gleitmittel ist Analverkehr meistens schmerzfrei. Der Anus ist aufgrund zahlreicher Nervenenden eine erogene Zone, die anale Stimulation wird daher oftmals lustvoll erlebt. Nervenenden finden sich rund um den äußeren Schließmuskel, aber auch der innere Teil sowie der Enddarm können durch Druck und Bewegung stimuliert werden. Unter Umständen ist ein Orgasmus durch rein anale Stimulation möglich: Für Männer geschieht dies durch Stimulation der Prostata, für Frauen durch Anspannung der Beckenbodenmuskulatur.[16] Viele Menschen können durch passiven Analverkehr allein jedoch nicht zum Orgasmus kommen, das heißt, sie benötigen zusätzliche genitale Stimulation zum Erreichen des Höhepunktes. Viele Frauen erleben Analverkehr in Kombination mit zusätzlicher, manueller Stimulation als besonders lustvoll.[17][4] In einer großangelegten Erhebung zum Sexualverhalten (National Survey of Sexual Health and Behavior) zeigte sich, dass dabei mehr Frauen einen Orgasmus erlangen als bei jeder anderen Form sexueller Stimulation.[18]

Hygiene und Verhütung

Mitunter existieren Bedenken bezüglich der Hygiene, welche sich meistens auf im Enddarm befindliche Fäkalreste beziehen. Die Angst, während des Verkehrs mit Kot in Kontakt zu kommen, ist jedoch größtenteils unbegründet.[19] Nach der Defäkation verbleibt kaum Stuhl im Enddarm, Anus und Enddarm stellen lediglich Durchgangskanäle dar und sind somit nur unmittelbar vor und während der Defäkation mit Kot in Kontakt.[20]

Abwechselnd praktizierter Vaginal- und Analverkehr sollte stets mit einem Kondomwechsel kombiniert oder aber der Penis vor dem Wechsel abgewaschen werden, da ansonsten Keime aus dem Enddarm in die Vagina eingebracht werden und Entzündungen auslösen können.

Insbesondere in Kulturen, in denen auf die Jungfräulichkeit der Frau bei der Eheschließung großen Wert gelegt wird, ist der Analverkehr eine gelegentlich praktizierte Alternative zu vorehelichem vaginalen Geschlechtsverkehr, durch die das Risiko einer Schwangerschaft vermindert und der Verlust des Jungfernhäutchens vermieden werden soll. Die Annahme, dass sich durch Analverkehr eine Schwangerschaft sicher vermeiden lasse, ist jedoch falsch. Auch beim Analverkehr kann Sperma in die Scheide gelangen und zu einer Empfängnis führen.

Vorbereitung

Ein Butt Plug kann vor dem Verkehr die Analmuskulatur entspannen.[21]

Als Vorspiel vor dem Analverkehr kann der Anus mit den Fingern oder der Zunge stimuliert werden. Sollte das Eindringen des Penis vom passiven Partner als schmerzhaft empfunden werden oder mit einem unangenehmen Gefühl einhergehen, so ist zuvor die Benutzung eines Butt Plugs zu empfehlen. Dabei handelt es sich um ein kegelförmiges Objekt, das vor dem Analverkehr durch den passiven Partner getragen werden kann. Durch die damit erreichte Vordehnung kann eine Entspannung des Anusmuskels erreicht oder gefördert werden. Seine Form verhindert zudem ein Hineinrutschen sowie selbstständiges Herausrutschen aus dem Anus.[21] Butt Plugs können für kürzere, aber auch für längere Zeiträume unabhängig vom Geschlechtsverkehr getragen werden.[22]. Vor dem Verkehr kann eine Analspülung durchgeführt werden. Damit können ggfs. noch vorhandene unverdaute Speisereste, die aufgrund ihrer Beschaffenheit zur Verletzung der Schleimhäute und somit zu rektalen Blutungen führen können, wie beispielsweise relativ scharfkantige Stückchen von Nüssen, oder verzehrten Fruchtstängeln, aus dem Rektum entfernt werden. Des Weiteren dämmt eine Analspülung die Möglichkeit des Austritts von Fäkalien während der Penetration ein und ist damit eine anzuratende Hygiene-Maßnahme.

Risiken, Safer Sex und HIV

Anders als beim Vaginalverkehr besteht für den passiven Partner beim Analverkehr aufgrund erhöhter Empfindlichkeit der stark durchbluteten Schleimhaut auch eine erhöhte Verletzungsgefahr. Durch die Penetration mit dem Glied entstehen zum einen Mikroverletzungen der Darmwand, durch die Viren und Bakterien im Enddarmbereich leicht übertragen werden.[23] Geringfügige Verletzungen bleiben vom passiven Partner oft unbemerkt.[24] Zum anderen birgt eine Überdehnung des Schließmuskels die Gefahr von Rissen (sog. Analfissuren).[25] Tiefe oder harte Stöße können zu starken stechenden Schmerzen in Folge Zerrens an der Darmaufhängung (der Aufhängung des Rektums am Steißbein bzw. dem Sakrum) führen.[26] Auch kann es zu Steißbeinschmerzen durch Analverkehr kommen. [27] Ein bereits vorhandenes Hämorrhoiden-Leiden kann durch Analverkehr verschlimmert werden.[28] Beim Analverkehr besteht schließlich ein gegenüber Vaginalverkehr erhöhtes Risiko eines Anal- bzw. Rektumprolaps (insbesondere bei ungenügender Verwendung von Gleitmitteln).[29] Aufgrund der anatomischen Unterschiede wird ein Rektumprolaps bei Frauen allerdings häufiger beobachtet als bei Männern.[30] Dabei ist zu beachten, dass bereits die Lockerung der Darmaufhängung zur Vorstufe eines Prolaps führen kann (dem sog. inneren Prolaps[31]), welcher sich durch eine gehäufte Obstipation (Verstopfung) bemerkbar macht.[32] Eine gegenüber dem Analverkehr noch riskantere Sexualpraktik ist das sog. Fisting, welches sogar zu einer lebensgefährlichen Darmperforation mit Massenblutung führen kann.[33]

Durch den Austausch von Körperflüssigkeiten besteht die Gefahr, sich mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung anzustecken, insbesondere mit HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C sowie Proktitis[34]. Personen mit wechselnden Geschlechtspartnern sollten deshalb beim Analverkehr immer Kondome verwenden; eine erhöhte Sicherheit können spezielle, extra-stabile Präservative bieten, die eine höhere Elastizität und eine dickere Wandstärke aufweisen. Die Verwendung von Gleitmitteln reduziert das prinzipielle Verletzungsrisiko erheblich, jedoch ist auf Gleitmittel auf Wasser- oder Silikon-Basis zu achten, da fetthaltige Gleitmittel das Kondom-Material angreifen und daher ungeeignet sind. Analverkehr ohne Kondom wird unter Schwulen oft mit dem Begriff Barebacking bezeichnet. Auch für den aktiven Partner besteht bei ungeschütztem Analverkehr ein Infektionsrisiko. Bei der Verwendung von Gleitmitteln ist darauf zu achten, dass diese keine Farbstoffe und Parfümstoffe enthalten, da diese unter Verdacht stehen eine Proktitis hervorzurufen.[35]

Häufig bestehen Bedenken, ob Analverkehr zu einem – ggfs. sogar irreversiblen oder nur operativ zu beseitigendem – Ausleiern oder Erschlaffen des Schließmuskels führen kann. Behutsames, einfühlsames Vorgehen vorausgesetzt, wirkt sich Analverkehr durch die Kontrolle von An- und Entspannung der Muskulatur jedoch tendenziell eher positiv auf den Schließmuskel aus.[3] Dies betrifft aber nur den sog. Kontraktionstonus (die Spannung, die durch willkürliche Anspannung des Schließmuskels aufgebaut wird). Bezüglich des Ruhetonus (die Grundspannung des Analkanals) wurde nach einer Studie dagegen eine Herabminderung der Spannung verzeichnet.[36] Teilweise wird die Herabsetzung des Ruhetonus damit begründet, dass diejenigen Probanden der Studie, die Analsex praktizierten, sich besser entspannen konnten. Nach anderer Ansicht hingegen ist die Herabsetzung des Ruhetonus eine Folge der Überdehnung des Analkanals. Ob diese Verringerung des Ruhetonus eine gesundheitliche Beeinträchtigung bewirken kann, ist unklar.[37] Sicher ist jedenfalls, dass bei ungewollter analer Penetration die Wahrscheinlichkeit für eine Stuhlinkontinenz infolge eines Traumas wahrscheinlicher ist, als bei einverständlichem Analverkehr.[38] Steht der passive Partner unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, so ist die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen aufgrund der abgesenkten Schmerzempfindsamkeit ebenfalls erheblich höher.[39]

Soziokulturelle Aspekte

Einstellungen zum Analverkehr

Gegenüber dem Analverkehr herrschen zum Teil Vorbehalte, so wird er etwa als unhygienisch oder schmerzhaft betrachtet, mitunter auch aus religiösen Gründen abgelehnt. Sowohl im Christentum als auch im Islam wurde Analverkehr traditionell als sündhaft und verwerflich angesehen, wenn auch diese Position heutzutage zum Teil liberaler gesehen wird.[40] Laut islamischem Recht gilt Analverkehr jedoch immer noch als absolut verboten (haram) und ist ein Grund für eine Scheidung von Seiten der Frau, wenn der Ehemann diese Praxis von ihr verlangt.[41]

Oftmals besteht ein prinzipielles Interesse am Analverkehr, jedoch wird das Thema aus Angst vor Desinteresse gegenüber Partner oder Partnerin nicht angesprochen. Insbesondere bei Männern herrscht oft die Meinung vor, Frauen würden dem Analverkehr ablehnend begegnen oder nur dem Partner zuliebe praktizieren. Passiver Analverkehr ist eine Frage der persönlichen Präferenz, jedoch empfinden viele ihn als sehr lustvoll.[42] Teilweise wird der Analverkehr von Frauen dem Vaginalverkehr gegenüber bevorzugt.[43][6]

Die traditionell bedingten Vorbehalte können zu einer ambivalenten Einstellung führen: Die moralische Ablehnung steht im Widerspruch zum eigenen lustvollen Empfinden des Analverkehrs.

Die Einstellungen zum Analverkehr scheinen sich zwischen den Geschlechtern anzugleichen: bei früheren Studien zeigte sich häufig eine stärker positive Einstellung bei Männern. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Frauen Analverkehr in ähnlichem Ausmaß wünschen und nachfragen. Von beiden Geschlechtern wird Analverkehr zunehmend als bereichernde Erweiterung ihres Sexualverhaltens angesehen.[44][45][46]

Gesellschaftliche Verbreitung

Auch wenn der öffentliche Umgang mit dem Thema teilweise noch immer durch Tabus besetzt ist, wird der Analverkehr doch von vielen Menschen praktiziert. Dabei zeigt sich in gerade jüngster Zeit, dass Analverkehr zunehmend beliebter wird, insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen.[47][4]

Für eine reale Zunahme des Analverkehrs würde die Tatsache sprechen, dass die Verfügbarkeit von Informationen über das Internet ein wachsendes Interesse hervorruft, indem Neugierde auf neue Sexualpraktiken geweckt wird. Debby Herbenick, Autorin einer 2010 durchgeführten, umfangreichen Studie zum Sexualverhalten, meinte hierzu:[48]

“Men and women have always enjoyed having anal sex, so we’re not sure why there’s been a sudden increase, but it might have something to do with the Internet, which was in its infancy the last time a survey of this magnitude was conducted.”

„Männer und Frauen haben schon immer Analverkehr genossen. Wir sind also nicht sicher, wie der plötzliche Anstieg zustande kommt, vermuten aber einen Zusammenhang mit dem Wachstum des Internets, welches sich bei der letzten Studie (1992) noch in der Anfangsphase befand.“

Debby Herbenick

Unklar ist jedoch, ob heutzutage tatsächlich mehr Analverkehr praktiziert wird oder lediglich die Bereitschaft gestiegen ist, dies auch in Umfragen ehrlich anzugeben. Nicht zuletzt die zunehmende Offenheit und Präsenz sexueller Themen in den Medien (in Medien pornographischen Inhalts beispielsweise ist der Analverkehr mittlerweile eine regelmäßig dargestellte Praktik) deuten auf eine Enttabuisierung hin, welche die Auskunftsbereitschaft zu dem Thema erhöht.[49][6]

So berichtet das amerikanische Centers for Disease Control and Prevention in einer Studie aus dem Jahr 2006 von einer anhaltenden Zunahme in den letzten Jahren.[50] In einer US-amerikanischen Studie erklärten 16 Prozent der heterosexuellen Jugendlichen, schon mindestens einmal Analverkehr gehabt zu haben.[51] In einer 2010 in den USA durchgeführten Studie hatten in der Altersgruppe 18–19 Jahre 20 % der weiblichen Befragten, in der Altersgruppe der 20–24-jährigen 40 % Erfahrungen mit Analverkehr. Dies stellt eine Verdoppelung gegenüber der letzten vergleichbaren Umfrage im Jahr 1992 dar.[18]

Eine Studie aus dem Jahr 2008, durchgeführt von Forschern der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und der City University, ergab, dass 49,1 % der Deutschen, unabhängig vom Geschlecht, bereits Erfahrungen mit Analsex gemacht haben.[52] Eine Studie in Österreich im Jahr 2006 unter Jugendlichen ergab je nach Region unterschiedliche Anteile: In Wien gaben 52 % der Befragten an, Erfahrungen mit Analverkehr gemacht zu haben, im Burgenland waren es lediglich 37 %.[53] Mitunter liegt der Anteil bei Frauen sogar höher als bei Männern: In Deutschland gaben 2007 in einer Umfrage 40 % der Männer und 42 % der Frauen an, schon einmal Analverkehr praktiziert zu haben.[54] Die deutsche Zeitschrift Neon befragte junge Erwachsene im Alter von 20 bis 35 Jahren, mit dem Ergebnis, dass 47 % der Männer und 57 % der Frauen angaben, bereits Analverkehr praktiziert zu haben.[55]

Darüber hinaus zeigt sich, dass sich der Analverkehr auch unter Heterosexuellen inzwischen als normale sexuelle Spielart etabliert hat. Der Anteil der Befragten, die nicht nur über Erfahrungen mit Analverkehr berichten, sondern diesen regelmäßig praktizieren, fällt im Vergleich zu früheren Studien hoch aus.[18] Eine 2010 in den USA durchgeführte Studie ergab, dass über 20 % der Männer (Alter 25–49) und Frauen (Alter 20–39) regelmäßig Analverkehr praktizieren.[56] Nach anderen Schätzungen zum Sexualverhalten von Frauen hingegen, liegt der Anteil der Frauen, die Analverkehr regelmäßig praktizieren, bei nur etwa 10 %.[57] Die wenigen Frauen, die Analverkehr regelmäßig in ihr Liebesleben einbauen, führen den Analverkehr etwa ein Mal im Monat oder nur ein paar Mal im Jahr durch.[58]

Analverkehr in Kunst und Kultur

Tristan Taormino bei der Verleihung des Feminist Porn Awards (in Form eines Butt Plug)
  • In der Philosophie im Boudoir von de Sade lassen sich die Protagonisten über viele Seiten hinweg über das Thema aus.
  • Analspielzeug, anale Dehnung und Unterwerfung durch Analverkehr spielen bei Geschichte der O von Pauline Reage eine wesentliche Rolle.
  • Im Film Der letzte Tango in Paris aus dem Jahr 1972 kommt es zum Analverkehr zwischen Marlon Brando und Maria Schneider. Dies war die erste explizite Darstellung in einer großen Hollywood-Produktion und sorgte in vielen Ländern für einen Skandal.
  • Zwei der bekanntesten Darstellungen von Analverkehr in der modernen Kunst sind Jeff Koons Bilder Red Butt (Distance) und Red Butt (Close Up) aus dem Jahr 1991, die den Künstler beim Analverkehr mit seiner Ehefrau Ilona Staller zeigen.
  • Die Autorin Tristan Taormino erzielte einen großen Erfolg mit ihrem Buch Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Sie gibt darin Tipps und versucht, gängigen Vorbehalten entgegenzutreten. Das Buch war ein Überraschungserfolg und fand große mediale Beachtung.[59]
  • Der Rapper Sido provozierte 2002 mit seinem Arschficksong, in welchem er in drastischer Sprache Analverkehr beschreibt. Das Lied wurde der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vorgelegt, konnte jedoch wegen einer vorhergehenden FSK-16-Freigabe nicht mehr indiziert werden.

Analverkehr und sexuelle Orientierung

Homosexueller Analverkehr in der Missionarsstellung

Analsex ist bei gleich- wie bei gegengeschlechtlichem Sex Bestandteil des Repertoires. Analverkehr wird sowohl von homo- als auch heterosexuellen Personen prozentual gesehen im gleichen Ausmaß praktiziert. In absoluten Zahlen ist Analsex damit unter Heterosexuellen wesentlich häufiger. Die Ansicht, Analverkehr werde hauptsächlich zwischen homosexuellen Männern praktiziert, ist daher falsch.[60][2]

Dennoch wird dieses Vorurteil oftmals bedient. In einigen Staaten existieren sogar strafrechtliche Sanktionierungen, die Analverkehr unter Strafe stellen oder zumindest als unerwünscht deklarieren. Diese Gesetze und Vorschriften dienen in der Praxis meist der Abschreckung und Strafverfolgung homosexueller Männer und finden selten Anwendung bei heterosexuellem Analverkehr.

Länder mit strafrechtlicher Sanktionierung

Hauptartikel: Gesetze zur Homosexualität

Im Gegensatz zu Europa und Südamerika (mit Ausnahme von Guyana), wo Analverkehr straffrei ist, sehen viele afrikanische Staaten Strafen für diese Sexualpraktik vor.

England (historisch)
Nach dem Buggery Act stand auf Analverkehr seit 1533 die Todesstrafe. Das Strafmaß wurde 1861 in lebenslängliche Freiheitsstrafe umgewandelt. Seit 1967 ist Analverkehr zwischen Männern in England kein Verbrechen mehr, und seit 2003 unterscheidet das englische Strafrecht nicht mehr zwischen Vaginal- und Analverkehr.
Guyana
Der Criminal Law Offences Act bestraft versuchten Analverkehr in Guyana mit zwei Jahren Haft, Analverkehr selbst wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet.
Iran
Analverkehr zwischen Männern, die Sex mit Männern haben ist im Iran mit der Todesstrafe belegt, zwischen Mann und Frau ist er straffrei.
Jamaika
Artikel 76 des Offenses against the Person Act ahndet schwulen Sex in Jamaika nach einem Gesetz aus der britischen Kolonialzeit als „das abscheuliche Verbrechen der Sodomie(the abominable crime of buggery) mit bis zu zehn Jahren Gefängnis, verbunden mit schwerer Zwangsarbeit.
Japan
Analverkehr wurde 1873 verboten, dieses Gesetz wurde jedoch im Jahr 1880 wieder zurückgenommen. Homosexualität ist in Japan straffrei, allerdings existieren in einigen Präfekturen Altersbeschränkungen für homosexuelle Partnerschaften.
Kanada
Während das allgemeine Schutzalter 2008 (2007 beschlossen) für sonstige hetero- und homosexuelle Handlungen von 14 auf 16 Jahre angehoben wurde,[61] ist Analverkehr (hetero- wie homosexuell) nur dann legal, wenn beide Partner mindestens 18 Jahre alt sind.[62]
Kirgisistan (historisch)
In Kirgisistan konnte der Analverkehr bis 2002 mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Verurteilungen nach diesem Gesetz waren selten.
Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien ist Analverkehr zwischen Mann und Frau verboten und kann mit Gefängnis, Geldstrafen und für den Mann mit Peitschenhieben geahndet werden. Auf Analverkehr zwischen Männern steht die Todesstrafe.
Singapur und Indonesien
In Singapur war Analverkehr ebenso wie Oralverkehr verboten. Darauf konnten bis zu zehn Jahre Haftstrafe stehen oder ein Bußgeld in der Höhe von umgerechnet 10.000 Euro. Mittlerweile wurden diese Praktiken allerdings für heterosexuelle Paare legalisiert.
Im Nachbarland Indonesien sind diese Praktiken noch immer verboten, aber auch hier sind Verurteilungen in der Praxis selten.
USA (historisch)
In den US-Bundesstaaten Arkansas, Kansas, Missouri, Oklahoma und Texas bestand bis 2003 ein generelles gesetzliches Verbot der Ausübung von Analverkehr.
In zwölf weiteren Bundesstaaten war Analverkehr zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern verboten. Allerdings waren Verurteilungen in der Praxis äußerst selten, etwa für Missbrauch von Minderjährigen – was zwar ohnehin nach anderen Gesetzen zu bestrafen wäre, in diesen Fällen aber einer doppelten Bestrafung unterlag. Nach einem Beschluss des obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahr 2003 im Fall Lawrence v. Texas sind solche Rechtsbestimmungen nichtig. (→Chronologie der Sodomiegesetze in den Vereinigten Staaten)

Literatur

  • Alexa Adore: Ratgeber Analsex: Tipps und Tricks für sicheren Analverkehr und genussvolle Anal-Erotik. Flexible Literature, 2007, ISBN 978-3-937825-65-6.
  • Toni Bentley: The surrender. An erotic memoir. Regan Books, New York 2004, ISBN 0-06-073247-4.
  • Jack Morin: Anal pleasure & health. A guide for men and women. Down There Press, San Francisco 1997, ISBN 0-940208-20-2.
  • Tristan Taormino: Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Cleis Press, San Francisco 1997, ISBN 1-57344-028-0.
  • Tristan Taormino: The Anal Sex Position Guide. Quiver Book, Beverly 2009, ISBN 978-1-59233-356-1.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Analverkehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Analverkehr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Artikel über die gesellschaftliche Verbreitung:

Vorbereitung auf den Analverkehr:

Schmerzvermeidung:

Einzelnachweise

  1. Stichwort „Poliebe“ in Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. Walter de Gruyter, Berlin 2006; Seite 403. ISBN 3-11-016965-7.
  2. a b June M. Reinisch & Ruth Beasley: Der Neue Kinsey Institut Report - Sexualität heute. Wilhelm Heyne Verlag, 1991, ISBN 3-453-05195-5 .
  3. a b c Tristan Taormino: Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Cleis Press, San Francisco 1997, ISBN 1-57344-028-0.
  4. a b c d Jeder zweite Deutsche hat Analsex – So macht Analsex Spaß - Erdbeerlounge
  5. Anal Sex: Let’S Get To The Bottom Of This - The Daily of the University of Washington
  6. a b c Die neue POpulär-Kultur. Süddeutsche Zeitung
  7. Vgl. Eger King, DU A...LOCH: AFTER ODER ANUS - EIN TABUBRUCH, S. 31
  8. Vgl. Vern L. Bullough, Encyclopedia of Birth Control, S. 17
  9. Janell Carroll - Sexuality Now: Embracing Diversity, S.259
  10. Vgl. Brian Moylan - http://gawker.com/5656285/study-anal-sex-has-never-been-more-popular Study: Anal Sex Has Never Been More Popular
  11. Jack Morin: Anal Pleasure & Health: A Guide for Men and Women. Verlag: Down There Pr, ISBN 0-940208-20-2.
  12. How to Have Anal Sex For the First Time - Yourtango
  13. Analverkehr: Die besten Stellungen - Freundin
  14. Analverkehr: Wer klopft ans Hintertürchen? - Fem
  15. Analverkehr – Die besten Stellungen - Fem
  16. McKinley Health Center - Anal Sex: Questions and Answers (PDF-Datei; 36 kB)
  17. Lou Paget: Der perfekte Liebhaber. Goldmann Verlag, 2001, ISBN 3-442-16343-9.
  18. a b c National Survey of Sexual Health and Behavior (NSSHB)
  19. Durch das Hintertürchen: Neun Fakten über den Anal-Sex - Freenet
  20. Navigating the Anus Meghan Lane is an HIV counselor at the Berkeley Free Clinic - Californian Daily
  21. a b Mach dich locker: Fünf Tipps für entspannten Analsex - Gofeminin
  22. Analverkehr: So funktioniert Sex von hinten - Der Berater
  23. Jan-Christoph Koch, HIV-positiv - ein Todesurteil?: Die Bedeutung der HIV-Infektion in der Gesellschaft, S. 2
  24. Maureen Dalton, Forensic Gynaecology, S. 67
  25. S. Tretter, Analfissur Netdoktor
  26. Adore/Toro, Ratgeber Analsex, Tipps und Tricks für sicheren Analverkehr, S. 27
  27. http://www.coccyx.org/whatisit/unstable.htm; http://www.nhs.uk/Conditions/coccydinia/Pages/Causes.aspx
  28. http://www.haemorriden.net/alltag/sexualitaet/schwul-analsex-homosexualitaet-id63481.html
  29. vgl. Lissa Rankin, M. D., in: What's Up Down There? - Questions You'd Only Ask Your Gynecologist If She Was Your Best Friend, 2010, S. 325; Irfan Halim, Essential Revision Notes in Surgery for Medical Students, S. 139; Debi Brown, The Aspie Girl's Guide to Being Safe with Men, S. 114; http://www.aboutgastro.com/conditions/rectal-prolapse; http://asktheexperts.plannedparenthood.org/?p=2992
  30. Henning Rohde. Lehratlas der Proktologie. Georg Thieme Verlag; 2007. ISBN 978-3-13-140881-5. p. 180–.
  31. Vgl. Hirner/Weise, Chirurgie, S. 613
  32. vgl. http://www.kolo-proktologie.de/Krankheiten/Rektumprolaps/rektumprolaps.html
  33. vgl. Haeberle, Die Sexualität des Menschen - Handbuch und Atlas, 2. Auflage, http://www.sexarchive.info/ATLAS_DE/html/analverkehr1.html
  34. Vgl. http://www.proktologie-berlin.de/erkrankungen/proktitis?lang=de; Goroll/Mulley, Primary Care Medicine: Office Evaluation and Management of the Adult Patient, S. 527
  35. Goroll/Mulley, Primary Care Medicine: Office Evaluation and Management of the Adult Patient, S. 528
  36. Am J Gastroenterol. 1997 Mar; 92(3):465-8. Anal sphincter structure and function in homosexual males engaging in anoreceptive intercourse. Chun AB, Rose S, Mitrani C, Silvestre AJ, Wald A. Department of Medicine, University of Pittsburgh School of Medicine, Pennsylvania, USA. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9068471; Clinical Forensic Medicine A Physician´s Guide Second Edition Margaret M. Stark, S. 108
  37. vgl. Dr. Luis Sanz Director Urogynecology & Pelvic Surgery Center Virginia Hospital Center, http://health.unece.net/19558/Thats_a_very_good_question_Yes_t.html; http://www.wwu.edu/chw/ask_the_doc/post/1-1000/0599.html; Dr. Drew Pinsky, M. D., http://www.marieclaire.com/sex-love/advice/sex-tips-pro;
  38. Tunn/Hanzal/Perucchini/Fischer: Urogynäkologie in Praxis und Klinik. 2. Auflage. S. 280
  39. Prostate, By Wikipedians, S. 105
  40. Islam and Sex
  41. Sex thru anus, Islamhelpline.net, abgerufen am 23. September 2014
  42. Sex-Lexikon – Cosmopolitan
  43. Analsex, reine Kopfsache? Brigitte
  44. Heldman et al.: Hook-up culture: Setting a new research agenda.. In: Sexuality Research and Social Policy. 7, Nr. 4, 2010, S. 323-333. doi:10.1007/s13178-010-0024-z.
  45. McBride et al.: Heterosexual anal sexuality and anal sex behaviors: a review.. In: Journal of Sex Research. 47, Nr. 2ß3, 2010, S. 123-136. doi:10.1080/00224490903402538.
  46. Petersen et al.: Gender differences in sexual attitudes and behaviors: A review of meta-analytic results and large datasets.. In: Journal of Sex Research. 48, Nr. 2ß3, 2011, S. 149-165. doi:10.1080/00224499.2011.551851.
  47. Is Anal Sex the New Deal-Breaker? Backdoor entry is now so mainstream, some guys request it on the first date. Men.Style
  48. Is Anal the New Oral? According to a new study, the once taboo sexual encounter is becoming more popular than ever. - Marie Claire
  49. How Common Is Heterosexual Anal Sex?
  50. NewYork Magazine: Anal-sex talk still makes people blush. But it’s also increasingly popular in the hetero world.
  51. US-Teens praktizieren öfter Analsex. Focus
  52. Bitte mehr Abwechslung im Bett! Hamburger Morgenpost
  53. Durex Local Report
  54. Analverkehr – von Dr. med. Britta Bürger, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  55. Die neue POpulär-Kultur - Süddeutsche Zeitung
  56. Herbenick D, Reece M, Schick V, Sanders SA, Dodge B, Fortenberry JD. (2010): Sexual behavior in the United States: results from a national probability sample of men and women ages 14-94. The Journal of Sexual Medicine;7 Suppl 5:255-65. PMID 21029383
  57. Vgl. Vern L. Bullough, Encyclopedia of Birth Control, S. 17.
  58. Vgl. Janell Carroll, Sexuality Now: Embracing Diversity, S. 259.
  59. Taormino_spotlight
  60. Analverkehr
  61. Parliament of Canada, LEGISinfo
  62. Autopsie 11. Januar 2007
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