Ananas (Gattung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ananas
Ananas 'Tricolor'

Ananas 'Tricolor'

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Gattung: Ananas
Wissenschaftlicher Name
Ananas
Mill.

Ananas ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die bekannteste Art, die Ananas (Ananas comosus), ist eine wichtige Obstpflanze. Daneben werden andere Arten und Sorten aufgrund ihrer Laubblätter und dekorativen Früchte als Zierpflanzen kultiviert.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration der Ananas

Die Ananas-Arten sind bodenbewohnende (terrestrische), ausdauernde, krautige Pflanzen. Die Sprossachse ist gestaucht, dadurch ist die Pflanze stammlos bis nur einen kurzen Stamm bildend, und die Blätter stehen in dichten Rosetten, die Durchmesser von bis zu 2 Metern erreichen. Die derben, zurückgebogenen Laubblätter sind bis zu 80 Zentimeter lang, sie haben kaum Saugschuppen (vergleiche andere Bromeliengattungen). Die Blattscheiden sind kaum vergrößert. Die Blattspreite ist am Rand dornig gezähnt.

Der kurze bis verlängerte, meist aufrechte Blütenstandsschaft ist mit stacheligen Hochblättern besetzt. Der ährige Blütenstand ist kugelig bis zapfenförmig. An der Spitze des Blütenstandes steht ein Schopf von sterilen, laubblattartigen Brakteen. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei Kelchblätter sind frei. Jedes der drei freien Kronblätter trägt innen zwei trichterförmige, zarte Schuppen (Lupe!) und sind blau, purpurfarben oder weiß. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständig Fruchtknoten verwachsen.

Die Beeren, die Tragblätter der Blüten und die Blütenstandsachse verwachsen zu einem fleischigen Fruchtstand. Die kleinen (2 bis 3 Millimeter), dicken, eiförmigen Samen sind braun bis schwarz und haben keine Anhängsel. Kulturananas bilden keine Samen (kenokarp = leerfrüchtig), deshalb erfolgt die Vermehrung vegetativ über Kindel oder Bewurzelung der Blattschöpfe.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Ananas stammt aus dem Guaraní ananá, naná, nanas mit der Bedeutung Ananas. Die erste schriftliche Überlieferung stammt von André Thevenet 1555.[1]

In Österreich und im süddeutschen Raum werden bzw. wurden die besonders großfruchtigen Zuchtformen der Erdbeere auch als „Ananas“ bezeichnet, um sie von der Walderdbeere zu unterscheiden, während die richtige Ananas im Zuge dessen als Hawaii-Ananas bezeichnet wird.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Ananas 'Variegatus' mit dekorativen Blättern
Fruchtstand von Ananas ananassoides var. nanus

Die Gattung Ananas wurde 1754 durch Philip Miller aufgestellt. Ein Synonym für Ananas Mill. ist Ananassa Lindl.[2]

Wenn Butcher und Gouda 2014 taxonomisch die vollständige Gattung Ananas betrachten, müssen sie feststellen, dass alle Beschreibungen von Ananas-Arten mit Exemplaren von kultivierten Pflanzen erfolgt sind; es könnte sein, dass es bei Ananas ananassoides, Ananas parguazensis sowei Ananas macrodontes dabei Ausnahmen sind. Sie wurden alle nicht auf Grund ihrer essbaren Früchte kultiviert und so erfolgte wohl kaum eine Selektion, die sie von ihren natürlichen Populationen unterscheiden würde. Butcher und Gouda 2014 bezeichnen das Basionym Bromelia ananas L. Ananas comosus (L.) Merr.) als eine durch Menschen erzeugte Kulturform, die deshalb nach den Regeln nicht die Typusart sein kann. Deshalb schlagen Butcher und Gouda 2014 vor Ananas ananassoides (Baker) L.B.Sm. mit ihrem 1889 Basionym Acanthostachys ananassoides Baker zur Typusart zu machen, da sie die erstbeschrieben Art ist. Es wurde ein neuer Lectotypus festgelegt. Die beiden anderen Arten Ananas sagenaria Schult. f. und Ananas parguazensis Camargo & L.B.Sm. wurden später 1830 sowie 1968 erstbeschrieben.[3]

Alle anderen früheren Arten werden, da es Kulturformen sind, seit Butcher und Gouda 2014 entsprechend ICNCP = International Code for Nomenclature of Cultivated plants Ananas 'Bracteatus', Ananas 'Comosus', sowie Ananas 'Erectifolius' Ananas 'Lucidus', Ananas 'Tricolor', Ananas 'Variegatus' ... geschrieben.[3]

Die Gattung Ananas ist in Südamerika verbreitet.

Früher gab es je nach Autor in der Gattung Ananas bis zu acht Arten:[4][5] Seit Butcher und Gouda 2014 gibt es nur noch drei Ananas-Arten:[3][2]

  • Ananas ananassoides (Baker) L.B.Sm. (Syn.: Acanthostachys ananassoides Baker): Es gibt zwei Varietäten:[2]
    • Ananas ananassoides (Baker) L.B.Sm. var. ananassoides (Syn.: Ananas microstachys var. typicus Camargo, Ananas microstachys Lindm., Ananas sativus var. microstachys Mez, Ananas comosus sensu Mez non (L.) Merr., Ananas guaraniticus Bertoni, Ananas comosus var. microstachys (Mez) L.B.Sm., Ananas ananassoides var. typicus L.B.Sm.): Sie ist in Höhenlagen von 0 bis 1000 Metern in Paraguay, Brasilien und Argentien verbreitet. Sie gedeiht an offenen und trockeneren Standorten als die anderen Arten.[2]
    • Ananas ananassoides var. nanus L.B.Sm. (Syn.: Ananas nanus (L.B.Sm.) L.B.Sm.): Sie gedeiht in mehr oder weniger lichten Wäldern in Höhenlagen bis zu 1000 Metern in Surinam sowie Brasilien verbreitet.[2] Sie ist mit Wuchshöhen von maximal 20 Zentimetern kleinbleibend sowie wenigblütige Art und wird als robuste Zierpflanze verwendet.[3]
  • Ananas parguazensis Camargo & L.B.Sm. (Syn.: Ananas ananassoides sensu L.B.Sm. non (Baker) L.B.Sm.): Sie gedeiht an relativ feuchten Standorten in Höhenlagen von 45 bis 1200 Metern in Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam sowie Brasilien.[2]
  • Ananas sagenaria (Arruda) Schult. & Schult. f. (Syn.: Ananas macrodontes E.Morren, Pseudananas sagenarius (Arruda) Camargo)

Nutzung[Bearbeiten]

Einige Sorten der Ananas (Ananas 'Comosus') werden in fast allen tropischen Gebieten der Erde angebaut. Sie ist eine wichtige Obstpflanze (siehe dort). Daneben wird sie sowie andere Arten und deren Sorten aufgrund ihrer Laubblätter und dekorativen Früchte als Zierpflanzen kultiviert. Die Laubblätter Ananas 'Lucidus' sind am Rand nicht bewehrt und sie werden als Faserpflanze genutzt.

Belege und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Derek Butcher, Eric J. Gouda: Most Ananas are Cultivars. In: Bromeliaceae, Journal of the Bromeliad Society of Queensland Inc., Volume 48, Issue 1, 2014, S. 14-16.
  • Werner Rauh: Bromelien - Tillandsien und andere kulturwürdige Bromelien. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-6371-3
  • Wei-liang Ma, Bruce Bartholomew: Die Gattung Ananas Miller. S. 18 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000. ISBN 0-915279-83-5 (Abschnitt Beschreibung)
  • Freddy Leal, George Coppens d'Eeckenbrugge, Bruce K. Holst: Taxonomy of the genera Ananas and Pseudananas - a historical review. In: Selbyana, Volume 19, Issue 2, 1998, S. 227-235. JSTOR 41759992
  • M. F. Duval, G. S. C. Buso, F. R. Ferreira, J. L. Noyer, George Coppens d’Eeckenbrugge, P. Hamon, M. E. Ferreira: Relationships in Ananas and other related genera using chloroplast DNA restriction site variation. In: Genome 46, 2003, S. 990–1004. doi:10.1139/G03-074
  • George Coppens d'Eeckenbrugge, Freddy Leal: Morphology, Anatomy and Taxonomy. In: Bartholomew et al: The Pineapple: Botany, Production and Uses. 2003, S. 13-32.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage, Birkhäuser, Basel 1996 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7)
  2. a b c d e f In „Species Index“ auf Ananas klicken bei Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 3.1 (2012). zuletzt eingesehen am 3. Dezember 2014
  3. a b c d Derek Butcher, Eric J. Gouda: Most Ananas are Cultivars. In: Bromeliaceae, Journal of the Bromeliad Society of Queensland Inc., Volume 48, Issue 1, 2014, S. 14-16.
  4. Ananas im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. Harry E. Luther: An Alphabetical List of Bromeliad Binomials, 2008 in The Marie Selby Botanical Gardens, Sarasota, Florida, USA. Veröffentlicht durch The Bromeliad Society International.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ananas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Miller: Ananas. In: www.ciat.cgiar.org. Archiviert vom Original am 22. Dezember 2007, abgerufen am 17. Februar 2014 (englisch).