Anansi Boys

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Anansi Boys (Originaltitel: Anansi Boys) ist ein Roman von Neil Gaiman aus dem Jahre 2005. Er kann als Fortsetzung von American Gods gelesen werden und verbindet Fantasy- Elemente, mit religiösen Aspekten der Mythologie und amerikanischer Folklore. Die deutsche Übersetzung stammt von Karsten Singelmann und wurde erstmals 2007 im Heyne-Verlag veröffentlicht.

Themen[Bearbeiten]

Wie die meisten Geschichten Neil Gaimans erzählt Anansi Boys, von der Macht der Geschichten. Nicht die der Geschichte, die ja hinlänglich bekannt ist, sondern die der Geschichten, die Geschichte letztlich ausmachen. Und natürlich von der Macht desjenigen, der die Geschichten erzählt. In diesem Falle ist es Anansi, ein formidabler afrikanischer Spinnengott, der in grauer Vorzeit, durch List und Geschick, die Macht des Geschichtenerzählens den Tatzen des grausamen Tigers entrissen hat. Seit dem sind die Geschichten humorvoll, geistreich, voller List und Tücke, aber letztendlich nur unwesentlich weniger grausam.

Eine ebenfalls beachtliche Rolle spielt in Anansi Boys das Thema des Fremdschämens, sprich die Frage nach der Selbst- und Fremdwahrnehmung und, wie weit Selbstdarstellung gehen darf, ohne peinlich oder unanständig zu wirken.

Zu guter Letzt haben archaische Götter und diverse Entstehungsmythen einen nicht unmaßgeblichen Anteil an diesem Roman.

Handlung[Bearbeiten]

Anansi Boys erzählt, auf 444 Seiten, die Geschichte von Fat Charlie Nancy. Wer an dieser Stelle an Fat Freddys Cat denkt, liegt wohl nicht falsch. Obwohl wahrscheinlich in keinem Moment intendiert, scheint diese Assoziation Fat Charlies Charakter inhärent.

Fat Charlie lebt seit geraumer Zeit in England und ist seit knapp zwei Jahren Buchhalter in der Anlage- und Karriereberatungsfirma von Grahame Coats. Er ist verlobt mit Rosie Noah und die beiden bereiten gerade ihre Hochzeit vor. An diesem Punkt kommt Fat Charlies Vater ins Spiel, den Rosie gerne zu eben diesem Ereignis einladen würde. Nichts läge Fat Charlie ferner, denn sein Vater ist ihm der peinlichste Punkt in seiner, an Peinlichkeiten nicht armen Biographie. Sich den Wünschen einer Verlobten direkt zu widersetzen ist allerdings etwas, das in seiner Prioritätenliste sehr weit am Ende eingeordnet ist.

Widerwillig versucht er also Kontakt aufzunehmen, schließlich hat er seinen Vater seit mindestens 20 Jahren nicht gesehen. Ein Telefonat mit Miss Higgler, einer alten Freundin der Familie, bringt ihm die Erkenntnis, dass sein Vater vor einigen Tagen verstorben ist und die Beerdigung in Kürze stattfindet. Fat Charlie bucht also einen Flug nach Florida. Er kommt zu spät, hält verschwitzt und außer Atem, bei wildfremden Trauergästen eine Rede, bis endlich Miss Higgler ihn aufspürt und von dort fort- zum richtigen Grab hinzerrt.

Bei der Auflösung des Haushalts des verstorbenen Mr. Nancy versucht Miss Higgler ihm zu erklären, dass sein Vater ein Gott gewesen sei, genauer gesagt der afrikanische Spinnengott namens Anansi, und dass er außerdem einen Bruder habe. Fat Charlie der keinerlei göttliches Erbe in sich spürt und genau weis, dass er keinen Bruder hat, stimmt alldem zwar bedenkenlos zu, hält sie aber insgeheim für ziemlich durchgedreht. Miss Higgler die das sehr wohl spürt ist wütend. Zum Abschied rät sie Fat Charlie, wenn er doch einmal mit seinem Bruder Kontakt aufnehmen wolle, solle er das über eine Spinne tun. Fat Charlie bedankt sich höflich und fliegt zurück nach London.

Dort, in England, geht alles zunächst seinen gewohnten Gang, bis zu dem Moment, als Fat Charlie, leicht alkoholisiert, einer Spinne mitteilt, dass sein Bruder durchaus einmal vorbeischauen könne. Sehr früh, am nächsten Morgen steht ein Mann vor seiner Tür, der sich als sein Bruder vorstellt und vorschlägt, dass Fat Charlie ihn Spider nennt. Als der erfährt, dass ihr gemeinsamer Vater tot ist, gerät er außer sich und meint, das überprüfen zu müssen. Nachdem er in einem der Fotos, die Fat Charlie aus Florida mitgebracht hat, verschwunden ist, geht dieser wieder ins Bett und bucht das Ganze, als schlechten Traum ab.

Am nächsten Tag, nach Dienstschluß, fängt ihn Spider, vor der Agentur wartend, ab. Er ist für seine Verhältnisse sehr ernst, fast bedrückt und besteht darauf, dass sie beide die Trauer um den Vater gemeinsam und traditionell bewältigen müssten, - mit Wein, Weib und Gesang. Was folgt sprengt alle Fat Charlie bekannten Maßstäbe. Zunächst trinken sie in einer Taverne einen sehr, sehr ungewöhnlichen griechischen Wein. Anschließend gabelt Spider, vor einem Pub, eine komplette weibliche Geburtstagsparty auf mit der sie schließendlich in einer Karaokebar versacken. Seine Gesangsprobe vor Publikum geht völlig daneben und nach einem Filmriss wacht Fat Charlie, andern morgens, in seinem Bett auf, neben sich eine nackte, kleingewachsene Dame namens Daisy. Fat Charlies Kater ist zirka 45 Meter groß, aber schlimmer, es ist 11.30 und Daisy teilt ihm fröhlich mit, dass sein Bruder, an seiner statt, ins Büro gegangen sei. Als ob das nicht genug wäre taucht unerwartet seine zukünftige Schwiegermutter bei ihm auf, um die Modalitäten des Hochzeitsessens mit ihm zu besprechen.

Die folgenden ereignisreichen Tage im Schnelldurchlauf: Spider, perfekt seinen Bruder verkörpernd, entdeckt, qua Geburt bewandert im Networking, die umfangreichen Betrügereien von Grahame Coats und verhindert mit eloquenten Andeutungen Fat Charlies Entlassung. Fat Charlie läßt sich im Anschluss, von Graham Coats mit 2000 Pfund Gratifikation in einen vierwöchigen Urlaub schicken. Beim Hinausgehen verrät er allerdings dem Chef sein Passwort für das Firmennetzwerk. Spider lernt Rosie kennen und ist zum ersten mal in seinem Leben total verliebt. Er verführt sie in Fat Charlies Schlafzimmer während der, mittels eines Anansi-Wunders, von seiner eigenen Wohnung ferngehalten wird. Grahame Coats manipuliert sämtliche verdächtigen Unterlagen dergestalt, dass alles auf Fat Charlie als Täter hindeutet. Dann ruft er die Polizei. Die Kriminalmeisterin, die zur Untersuchung des Falles abgestellt wird ist jene Daisy, die sowohl Fat Charlie wie dem Leser aus einer bestimmten morgendlichen Szene bekannt ist. Fat Charlie hat nicht den geringsten Schimmer, worauf sein Chef und die Polizistin hinauswollen. Wegen des Vorfalls mit Rosie weist er Spider aus seiner Wohnung, was dieser kaltschnäuzig ignoriert.

Fat Charlie ist verzweifelt und fliegt erneut nach Florida. Miss Higgler, Mrs. Dunwiddy, Mrs Bustamonte und Mrs Noles, vier sehr alte Freundinnen der Familie und eine Art Hexenzirkel, erwarten ihn bereits. Sie selbst können Spider nicht vertreiben, schicken Fat Charlie jedoch, mittels eines obskuren Rituals, in die Region der archaischen Tiergötter. Hier soll er sich Hilfe suchen. In einem öden Tal, am Anfang der Welt, trifft Fat Charlie auf die verschiedensten Tiergötter, aber alle fürchten Anansi. Auch Tiger erweist sich eher als Maulheld und kneift den Schwanz ein. Nur die offensichtlich ziemlich irre Vogelfrau zeigt sich willig. Sie wird Spider vertreiben, verlangt von Fat Charlie aber die ganze Anansi-Blutlinie. Zum Tausch gibt sie ihm im eine ihrer Schwanzfedern.

Unterdessen erschlägt Grahame Coats, mit einem Hammer, seine alte Kundin Maeve Livingstone. Sie war ihm auf die Schliche gekommen und drohte mit der Polizei. Er versteckt die Leiche in einem Geheimraum in seinem Büro. Anschließend bricht er seine Zelte in London ab und tritt seinen verdienten und längst vorbereiteten Ruhestand auf der karibischen Insel St. Andrews an.

Inzwischen wird Spider mehrmals von wütenden Vogelschwärmen attackiert. Er gesteht Rosie die Wahrheit, dass er nämlich nicht Fat Charlie ist, was ihm eine kräftige Ohrfeige von seiner Angebeteten und ihren endgültigen Abschied einbringt.

Nach Fat Charlies Rückkehr aus Amerika wird der von Daisy vorläufig festgenommen. Spider besucht ihn in seiner Zelle und entschuldigt sich für sein egoistisches Verhalten. Fat Charlie gesteht im Gegenzug, dass er die Vogelfrau auf Spider angesetzt hat. Unter Fat Charlies Augen wird Spider von einer Art Vogel-Tornado weggeschleppt und zur Vogelfrau gebracht. Nachdem sie seine Zunge aus dem Mund gerissen hat, liefert sie Spider, wie bestellt, bei Tiger ab, der mit den Anansis noch etliche Rechnungen zu begleichen hat.

Daisy läßt Fat Charlie wieder frei. Erneut fliegt der nach Florida. diesmal auf der Suche nach der Feder, die er von der Vogelfrau erhalten hat. Von Mrs. Dunwiddy erfährt er, dass die Feder im Besitz von Miss Higgler ist, die wiederum in ihre Heimat zurückgekehrt sei, - auf die Insel St. Andrew. Fat Charlie macht sich also auf den Weg dorthin.

Zum Trost wegen der geplatzten Verlobung, ist Rosie von ihrer Mutter auf eine Kreuzfahrt eingeladen worden, was sich, auf Dauer, als ziemlich schlechte Idee entpuppt. Bei einem Landgang auf, niemand wundert es, der Karibikinsel St. Andrews, begegnen sie zufällig Grahame Coats. Er lädt sie in seine Villa ein und sperrt die beiden dann in seinem Fleischkeller. Der Mord an Maeve Livingstone hat seine Blutgier geweckt. Nun gedenkt er das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden, - Zeugen beseitigen und diesen Drang stillen.

Fat Charlie irrt indes über die Insel, auf der Suche nach Mrs Higgler. Er klingelt an jeder Tür und fragt nach, wobei er regelmäßig auf freundlich formuliert Ahnungslosigkeit trifft. Lediglich die Tore einer Villa im Norden öffnen sich nicht, wohl aber zeigt die Videokamera dem Besitzer Grahame Coats, wer da läutet und weckt endgültig dessen Paranoia.

Wie der Geist von Maeve Livingstone und die leibhaftige Daisy auf die Insel kommen, sei hier unbeschrieben. Tatsache ist, dass beide dort eintreffen, womit alle relevanten Protagonisten für einen klassischen Showdown versammelt sind.

Der findet in Grahame Coats Villa. Vorher verlobt sich Fat Charlie mit Daisy und singt zum ersten Mal vor Publikum. Mrs Higgler gibt ihm die Feder zurück und sie bringt ihn in die Götterwelt, wo er eine letzte Begegnung mit seinem Vater hat. Nach einigen eher belanglosen Erläuterungen schenkt ihm Anansi seinen grünen Filzhut und verabschiedet sich bis auf weiteres.

Indes wird Grahame Coats zum Loa für Tiger und versucht Rosie zu zerfleischen. Ihre Mutter und Maeve Livingstones Geist wissen das zu verhindern. Daisy und die Inselpolizei treffen ein und finden eine hysterische Rosie, eine schwer verletzte ältere Dame und den blutüberströmten, komatösen Grahame Coats.

Ende gut, Alles gut. Ohne in die Details zu gehen, die finalen Fakten: Maeve Livingstone fühlt sich erlöst und folgt ihrem geliebten Morris ins endgültige Jenseits. Rosie heiratet Spider und lebt mit ihm und ihrer Mutter weiter auf der Insel. Spider wird zum begnadeten Koch im eigenen Edelrestaurant. Fat Charlie heiratet Daisy und hat mit ihr einen Sohn namens Marcus. Sein Geld verdient er als ziemlich berühmter Sänger. In seinem Grab in Florida schläft sich Anansi gemütlich aus.

Übersetzungen[Bearbeiten]