Anapäst

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Der Anapäst [anaˈpɛːst] (Plural: Anapäste; griechisch ἀνάπαιστος anapaistos „rückwärts geschlagen“; in metrischer Formelnotation an) ist in der Verslehre ein Versfuß, der aus einem Elementum biceps (Symbol ◡◡) gefolgt von einem Elementum longum (—) besteht, im metrischen Schema wird er demnach mit

◡◡

notiert.

Der Fuß wird in der quantitierenden antiken Dichtung meist durch Doppelkürze, gefolgt von einer langen Silbe realisiert (◡◡—́), kann aber auch durch zwei Längen, also spondeisch (——́) gebildet werden. Außerdem sind die relativ seltenen Realisierungen mit Längenspaltung (◡◡◡́◡, auch als Prokeleusmatikos bezeichnet) sowie mit Zusammenziehung der Doppelkürze zur Länge und Spaltung der Länge (—◡́◡, anapästischer Daktylus) möglich. In allen Fällen ist die Länge des Anapäst vier Moren.

Das metrische Gegenteil des Anapäst ist der Daktylus (—◡◡). Der Anapäst ist also gewissermaßen eine gespiegelte Version des wesentlich häufigeren Daktylus, worauf auch der griechische Name („rückwärts geschlagen“) verweist.

In der akzentuierenden Dichtung moderner Sprachen, insbesondere in der deutschen Dichtung, wird der Anapäst meist durch zwei Senkungen (unbetonte Silben) gefolgt von einer Hebung (betonte Silbe) gebildet (x x x́). Da man dem Anapäst ähnlich wie dem Jambus einen steigenden Rhythmus zuschreibt, wurde er nach einem Vorschlag von Ivo Braak auch als Doppelsteiger bezeichnet.[1]

Anapästische Versmaße[Bearbeiten]

Antike Dichtung[Bearbeiten]

In der griechschen Metrik galt für den Anapäst Dipodie, d. h. das Metron, das Grundelement anapästischer Versmaße besteht aus zwei Füßen.

Anapästische Versmaße sind in der antiken Metrik:

◡◡—ˌ◡◡

◡◡—◡◡— | ◡◡—

◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡
  • Katalektischer anapästischer Quaternar (an4c), besser bekannt als Parömiakos:
◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ

  • Katalektischer anapästischer Trimeter (antc):
◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡ ‖ ◡◡—ˌ◡◡—ˌ

◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡ ‖ ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ

◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡ ‖ ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡—ˌ◡◡

Entsprechend dem stark ausgeprägten Takt und dem drängenden, bewegten Rhythmus erscheint er in Marsch- und Schlachtlieder (Parömiakos, Enoplios), in Prozessionsliedern (Prosodia), dann im Drama in Parodos und Exodos, so bei Euripides, und sehr häufig vor allem in den Komödien des Aristophanes. Typisch ist eine Folge von Tetrapodien mit einem Parömiakos als Schlussvers.

Deutsche Dichtung[Bearbeiten]

Es gibt aufgrund der Stammsilbenbetonung relativ wenig Wörter, die für sich ein Anapäst sind. Beispiel sind „Zauberei“, Fremdwörter wie „Direktion“, „Harmonie“ und auch das Wort „Anapäst“ selbst ist ein Anapäst, also autolog. Das stellt aber ein wesentliches Problem für die Bildung von Wortfuß|Wortfüßen dar, denn durch die Kombination aus unbetontem Funktionswort (zum Beispiel Artikel) und einem auf der zweiten Silbe betonten Wort (zum Beispiel mit unbetontem Präfix) lassen sich leicht anapästische Rhythmen bilden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sandro Boldrini: Prosodie und Metrik der Römer. Teubner, Stuttgart & Leipzig 1999, ISBN 3-519-07443-5, S. 118–123.
  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 11f.
  • Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. 3. Aufl. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 23.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Aufl. Kröner, Stuttgart 2001, S. 27.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ivo Braak: Poetik in Stichworten. 8. Aufl. Stuttgart 2001, S. 82.