Anarchists Against the Wall

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Logo der Gruppe Anarchists Against the Wall

Die Anarchists Against the Wall (AATW) (hebräisch אנרכיסטים נגד הגדר; deutsche Übersetzung des hebräischen Wortlauts: Anarchisten gegen den Zaun; teilweise auch Anarchists Against Fences) sind eine Gruppierung in Israel, die sich gegen die israelische Sperranlagen im Westjordanland engagiert. Sie wurde 2003 gegründet.[1]

Positionen[Bearbeiten]

Aktivisten der Internationalen Solidaritätsbewegung ketten sich 2006 als Teilnehmer der friedlichen Proteste gegen die Sperren in Bil'in an das Fundament der West-Bank-Sperre

Die Gruppe bezeichnet die Sperranlage als „Apartheids-Mauer“ und behauptet, dass selbige lediglich die Besetzung und letztlich Abtrennung von palästinensischen Territorien als Ziel hat. Die Anarchists Against the Wall lehnen die Besetzung der Palästinensischen Autonomiegebiete kategorisch ab, kooperieren aktiv mit Teilen der palästinensischen Unabhängigkeitsbewegung und schließen gemeinsame Demonstrationen mit Mitgliedern der militanten Palästinenserorganisationen PFLP und Fatah nicht aus. Sie betonen, dass ihre direkten Aktionen in den Palästinensischen Autonomiegebieten unter Führung der lokalen Gemeinden durchgeführt werden. Des Weiteren erklären sie, dass es sich bei ihnen nicht um eine homogene Gruppierung handele, sondern um eine Ansammlung von Individuen, die entsprechend unterschiedliche Ansichten vertreten. Jede Selbstdarstellung unterliege dieser Einschränkung. Folglich gebe es kein einheitliches Manifest. Einzelne bezeichnen sich in Abgrenzung zu gemäßigten zionistischen Linken in Israel als antizionistisch, was ihnen auch die Zusammenarbeit mit palästinensischen Dorfversammlungen erleichtert.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anarchists Against the Wall wurden im Zuge eines Protestcamps in Mas'ha von israelischen Aktivisten gegründet. Das Camp bestand aus palästinensischen, israelischen und internationalen Aktivisten, die sich gegen die Sperranlage einsetzen wollten, indem das Land besetzt wurde, durch das sich die Sperranlagen in Zukunft ziehen sollte.

Aktionsformen[Bearbeiten]

Aktion beim Ort Beit Mirsim, Oktober 2007

Die Gruppe protestiert nach eigenen Angaben mit zivilem Ungehorsam. Die Anarchists Against the Wall verwenden verschiedene Aktionsformen, etwa die Blockade von Bauarbeiten oder die Beteiligung an lokalen palästinensischen Demonstrationen. Weitere Aktionen umfassen die Zerstörung israelischer Grenzsicherungsanlagen. Im Zuge einer Aktion im Jahre 2003, in der der Sicherheitszaun durchbrochen werden sollte, wurde ein israelischer Aktivist von der israelischen Armee durch einen Schuss ins Bein leicht verletzt. Am 11. August 2006 wurde ein Aktivist der AATW schwer verletzt. Während einer Demonstration in Bil'in schoss ein israelischer Grenzpolizist aus einer Entfernung zwischen 10 und 20 Metern mit einem gummiummantelten Stahlgeschoss auf den Aktivisten Limor Goldstein und traf ihn am Kopf, wodurch er einen Gehirnschaden erlitt.[3] Am 3. Februar 2007 wurden Hauptverkehrsstraßen in Tel Aviv mit Stacheldraht vom Grenzzaun blockiert.

Auszeichnung[Bearbeiten]

Die AATW erhielt die Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008, da sie laut Laudatio „beispielhaft für den gewaltfreien Widerstand gegen die von Israel errichtete Trennungsmauer auf palästinensischem Land sowie für Standhaftigkeit in vielfältigen Graswurzelaktionen von Palästinensern, Israelis und internationalen Unterstützerinnen und Unterstützern gegen die israelische Besatzung der Westbank und des Gazastreifens“ stehe. Sie praktiziere „eine Kultur, die eine gemeinsame Zukunft ohne Ausgrenzung und Zerstörung vorwegnimmt“, und demonstriere „bewusst, dass ein Zusammenleben in Freiheit und Frieden möglich ist“.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Anarchists Against The Wall. Aus: Feierabend Nr. 28, 2008. Abgerufen am 8. Februar 2012
  2. Aussage der Referentin von AatW auf ihrem Vortrag in der KTS in Freiburg Dezember 2008
  3. One blow to the brain von Dalia Karpel auf haaretz.com; abgerufen 2. Juli 2009
  4. Presseerklärung der ILMR vom 5. Dezember 2008 , abgerufen 2. Oktober 2009