Anastigmat

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Cooke-Triplet als einfachster Anastigmat
Lens anastigmat.svg

Als Anastigmat wird ein optisches Linsensystem (z. B. ein Objektiv) bezeichnet, das einen früher berüchtigten Abbildungsfehler, den Astigmatismus (Punktlosigkeit) kompensiert. Die Korrektur des Astigmatismus wird in erster Linie dadurch erreicht, dass die sagittale und die meridionale Bildschale zur Deckung gebracht werden. Dies ist mit Einzellinsen physikalisch nicht erreichbar. Allerdings muss, damit ein anastigmatisches Objektiv auch als Anastigmat bezeichnet werden darf, auch die Bildfeldkrümmung eliminiert sein.

Das erste anastigmatische Objektiv war das von Paul Rudolph 1890 für Zeiss entwickelte, vierlinsige Protar. Der einfachste Anastigmat ist das wenig später entwickelte Cooke-Triplet aus einer konvexen, einer konkaven und einer weiteren konvexen Linse. Auf dem Cooke-Triplet bauen weitere wichtige Objektive auf, beispielsweise vom vierlinsigen Tessar-Typ. Hier ist die Hinterlinse durch eine verkittete Linsenkombination (positiv brechende Konkav-konvex-Kombination) ersetzt worden.

Objektive nach Art eines Gaußschen Doppelobjektivs sind ebenfalls in der Regel Anastigmaten. Ursprünglich handelte es sich dabei um streng symmetrische, später auch um komplexere, nicht-symmetrische Designs.

Alle hochwertigen Linsensysteme sind heute als Anastigmaten ausgeführt. Oft handelt es sich dabei um Varianten des Triplet- oder des Gauß-Typs. Ausnahme sind Sonderfälle, bei denen nur ein kleines Gesichtsfeld abgebildet wird, wie Objektive von Fernrohren und Ferngläsern.

Insbesondere ältere Kamera- und Projektionsobjektive tragen entweder direkt die Bezeichnung „Anastigmat“ (z.B. der Novotrinast-Anastigmat der Ed. Liesegang oHG) oder lassen eine entsprechende Eigenschaft anklingen (Patrinast, ebenfalls ein Projektionsobjektiv von Liesegang; Trinast von Carl Zeiss). Oft handelt es sich dabei um Objektive nach Art des Cooke-Triplets. Der abgebildete Unofocal Doppel-Anastigmat von C.A. Steinheil folgt jedoch einem Gauß-Typ.

Literatur[Bearbeiten]